Dshamilja ist eine selbstbewusste junge Frau, geradeheraus und zupackend. Sie lebt in einem kleinen Dorf in den Bergen Kirgisiens – allein, denn ihr ungeliebter Ehemann zog schon kurz nach der Hochzeit in den Krieg. Bei den täglichen Getreidetransporten zum Bahnhof lernt sie Danijar kennen, Frontheimkehrer, scheu und still und von den Menschen im Dorf gemieden. Als er eines Abends auf dem Heimweg ein Lied singt, entdeckt Dshamilja eine ganz andere Seite an ihm: Er singt von der Landschaft und vom Leben, und Dshamilja ist hingerissen.
Als ihr Ehemann zurückkehrt, muss Dshamilja sich entscheiden – und sie entscheidet sich für Danijar, damit aber gegen ihre Familie, gegen ihre Heimat und gegen die Traditionen …
Kundinnen und Kunden meinen
3.8/5.0
Xirxe
aus Hannover
2/5
12.05.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dshamilja ist eine wunderbare…
Dshamilja ist eine wunderbare Geschichte, die ich vor einigen Jahren während meiner Reise durch Kirgisistan mit Begeisterung gelesen habe. Sie erzählt von der Liebe zweier Menschen, die eigentlich nicht sein durfte, aber noch mehr von der Liebe zu Kirgisistan, zum Leben an sich. Obwohl oder vielleicht gerade weil die Beschreibungen sehr poetisch sind, hatte ich während des Lesens ständige Aha-Erlebnisse. Die Menschen, die Pferde in den Luzernenfeldern, die Berge, die Weite, die Steppe - durch Aitmatows Darstellungen erblickte ich schon Alles in meiner Vorstellung, bevor ich die Gegend mit meinen eigenen Augen betrachtete, um Alles bestätigt zu finden. Ja, ich weiß, das hört sich jetzt superkitschig an, aber so war es. Als ich dann die neue Ausgabe des Insel-Verlages mit der wirklich schönen Covergestaltung und neuer Übersetzung entdeckt habe, war klar: Dieses schmale Büchlein muss ich haben. Gesagt, getan - und das Cover hat mich nicht enttäuscht. Die Zeichnungen, viele in schwarz-weiß oder in diversen Rottönen coloriert, passen wunderbar zu dieser gefühlvollen Geschichte. Was mich jedoch völlig ernüchtert hat, ist die meiner Ansicht nach misslungene Übersetzung. Ich habe das Buch ebenfalls in der Ausgabe mit Hartmut Herboth als Verantwortlichem. Und auch wenn Manches darin durchaus etwas angestaubt klingen mag (immerhin ist sie mindestens 30 Jahre alt) - die Atmosphäre, die Stimmung hat er überzeugend ins Deutsche übertragen. Denn genau so ist es: die Menschen und das Land. Aus Interesse habe ich die beiden Fassungen dann parallel gelesen und bin schlicht entsetzt, was aus Dshamilja gemacht wurde. Um eines klarzustellen: Nein, ich kann kein Russisch. Aber die neue Fassung enthält ausser schlechtem Deutsch ebenso sachliche Fehler, die auch ohne Russisch-Kenntnisse festzustellen sind. Beispielsweise trägt in der neuen Fassung die Mutter des Erzählers einen Turban (S. 14), in der alten ein Kopftuch. Fakt ist, dass in Kirgisistan die Frauen Kopftuch und keinen Turban tragen. Oder die Beschreibung "… glühte die müde Junisonne wie die runde Öffnung eines Backofens …" (S. 28), wo bei Herboth statt Backofen Tandyr steht, ein neben dem Haus in die Erde gebauter Ofen mit runder Öffnung, in dem Fladen gebacken werden. Darüber verfügt in Kirgisistan praktisch jedes Haus, während Backöfen (insbesondere in der Zeit, in der die Geschichte spielt), Mangelware sind. Auch die Ausdrucksweise ist in der neuen Ausgabe stellenweise sehr gewöhnungsbedürftig: Auf Seite 27 "…; es lohnte nicht, mit ihm anzubinden.", hingegen in der alten Fassung "Sie wusste, dass es nicht lohnte, mit ihm Streit anzufangen, …", was auch im Zusammenhang gelesen wesentlich besser klingt. Oder Seite 7 (neu) "… damals noch Buben von fünfzehn, sechzehn Jahren .." gegenüber "Wir Halbwüchsigen, etwa fünfzehn Jahre alt…". Ich möchte die Fünfzehnjährigen sehen, die sich noch Buben nennen lassen ;-) Dinge dieser Art ziehen sich durch den gesamten Text hindurch und viel von der Poesie dieser Geschichte ist einfach verloren gegangen. So schön ich die Illustrationen auch finde, ich werde das Buch verkaufen und dafür die alte Ausgabe behalten. Denn letztendlich ist es der Text, der Dshamilja ausmacht. PS: Und um Bücher dieser Übersetzerin werde ich zukünftig einen riesigen Bogen machen.
Bewertung
5/5
03.02.2018
Buch (Taschenbuch)
Klassiker
Dshamila oder Djamila gehört zu den bekanntesten Liebesgeschichten der Neuzeit. Für mich damals Schullektüre war das schmale Bändchen der Einstieg in das Werk Aitmatows. Wer noch nichts kennt, sollte hiermit starten. Berührend und sehr lohnenswert!
Elisabeth Schuhmann
aus St. Johann im Pongau
5/5
15.02.2012
Buch (Taschenbuch)
Dshamilja
Dshamilja gilt als die schönste Liebesgeschichte der Welt. 1958 als Diplomarbeit des kirgisischen Schriftstellers Tschingis Aitmatow entstanden, vermag sie mit ihren unglaublichen Sprachbildern immer noch zu begeistern.
Said, ein junger Bursche, erzählt uns die Geschichte seiner Schwägerin Dshamilja und deren Liebe zu Danijar.
Ein vom Krieg gezeichneter Soldat, Danijar, kehrt in sein Heimatdorf zurück. Er ist schwermütig, verschlossen ein Außenseiter, gemieden von den Bewohnern des Dorfes. Dshamilja , deren Mann an der Front kämpft, ist arbeitsam, fröhlich und schön, wird geliebt und verehrt. Danijars Liebe zu Dshamilja wird für Said offenkundig, als dieser auf der Heimfahrt von der täglich gemeinsam verrichteten Arbeit zu singen beginnt. Said schreibt: ..diese Liebe erfüllte ihn ganz, sie klang aus seinen Liedern, sie war sein Leben.
Dshamilja bricht mit der fest verwurzelten Tradition und gesteht Danijar ihre Liebe. Gemeinsam fliehen sie aus dem kirgisischen Dorf.
Vielleicht ist es die schönste Liebesgeschichte der Welt, dies vermag ich nicht zu beurteilen jedenfalls hat mich Aitmatow mit seinen Beschreibungen der Steppenlandschaft, den Schilderungen des alltäglichen Lebens in der Kolchose und der aufkeimenden Liebe, begeistert!
Bewertung
5/5
06.01.2011
Buch (Taschenbuch)
Aragon hat das Wort.
Louis Aragons Hyperlativ ("die schönste Liebesgeschichte der Welt") kann ich einiges abgewinnen. Aber eins nach dem anderen:
Der Plot dieser Erzählung ist folgender:
Während des Zweiten Weltkriegs verliebt sich in Kirgisien ein junger sensibler Kriegsheimkehrer namens Danijar in die fröhliche, unbekümmerte Dshamilja.
Teils weil Dshamilja verheiratet und damit jede Beziehung zwischen ihnen aufgrund des strengen Sittenkodexes der Kirgisen eigentlich unmöglich ist, mehr noch aber aus Schüchternheit, ja Scheu, vermag er weder, ihr seine Liebe zu gestehen, noch, weit dramatischer, in ihrer Gegenwart überhaupt ein Wort herauszubringen.
Folgerichtig sitzen sie denn während der Fahrten, die sie gemeinsam machen müssen, in unangenehmem Schweigen nebeneinander auf dem Kutschbock.
Von seiner Wortlosigkeit befreit sich Danijar erst, als er eines Tages unvermittelt ein Lied über die Schönheit der Landschaft, durch die sie täglich ziehen, mit voller Stimme und übervoller Seele zu singen beginnt. Für Dshamilja offenbart sich, dass in dem Eigenbrötler und Träumer, als der er im Dorf gilt, Unvermutetes steckt.
Und damit beginnt gegen alle Widerstände ihre Liebesgeschichte und endet fast auch schon die Erzählung.
Einen solchen Stoff könnte man als Kitsch ablehnen. Und wenn er aus der Feder eines Europäers stammte, wäre man damit nicht einmal im Unrecht. Aber aus der Welt der Nomaden geschöpft, einer gewissermaßen jüngeren und unsachlicheren Kultur als der abendländischen, hat diese Geschichte einen ganz selbstverständlichen, natürlichen Klang. Das Berührende, das Wunder gar dieser Geschichte hat, spürt man intuitiv, mit seiner Herkunft zu tun. Das betrifft insbesondere sein Verhältnis zu Natur und Musik.
Darin übrigens ist "Dshamilja" für mich so etwas wie die Umkehrung des Orpheus-Mythos. Orpheus brachte bekanntlich durch seine Klagelieder selbst Steine zum Weinen. Hier hingegen sind es Lieder von der Natur, von der kargen kirgisischen Steppe, die in jener wundervollen Szene den Menschen verwandeln - und letztendlich Mensch, Liebe, und die Natur selbst wie zu einem neuen eigenen Gesang verschmelzen.
Ob man Tschingis Aitmatow darin folgt, oder ob man das alles für allzu zuckrig hält, bleibt natürlich der Selbstherrschaft des Lesers überlassen. Ich jedenfalls halte "Dshamilja", auch dank des Kniffs, das Geschehen durch den Einsatz eines kindlichen Ich-Erzählers in seiner Wirkung gleichzeitig zu verwirbeln wie zu verstärken, gerade im Romantischen für betörend 'korrekt'.
Und damit übergebe ich Louis Aragon wieder das Wort.
Susanne Rothschädl
aus Seiersberg
5/5
23.06.2010
Buch (Taschenbuch)
Die größte Liebesgeschichte der Welt ?
Ja, das kann "Dshamilja" auf jeden Fall sein. Wenn man davon ausgeht, das jede Liebe auf Ihre Art, die Schönste, die Ewige ist.
Aber die schlichte, klare Sprache in Verbindung mit der Begabung des Autors, mit Worten sinnlich schöne Bilder zu malen, macht sie wahrhaftig zu einer besonders schönen Geschichte.
Louis Aragon, der Übersetzer, schreibt über Dshamilja: "Ich schwöre es, es ist die schönste Liebesgeschichte der Welt".
Ich meine, es ist eines jener Bücher, das ich nicht nur lese, nein ich esse, koste, schmecke dieses Buch, jeden Satz, Wort für Wort lasse ich Aitmatovs Sprachbilder auf meiner Zunge zergehen, Bilder, die ihrer Bestimmung, die steinig, schwer, glücklos und tragisch ist, folgen und doch im Taumel einer unumgänglichen Liebe das Unmögliche schaffen: Dem Leben, der Liebe einen Weg zu bereiten, den niemand sehen kann, außer die Liebenden selbst.
In erster Linie ist diese kurze Novelle natürlich eine Liebesgeschichte. Eine wunderbare Geschichte zwischen zwei Menschen, die sich über alle Konventionen hinweg, kopfüber in ihr eigenes Glück im Unglück stürzen.
Aber nicht nur die Liebe zwischen Dshamilja und Danijar lässt diese Geschichte eine Liebesgeschichte sein. Aitmatovs Buch ist vor allem eine Liebeserklärung an sein Land Kirgisien, eine Liebeserklärung an die Menschen, ihre Gebräuche, ihrem Leiden, ihrem Glück, eine Liebeserklärung an das Leben an sich.
Die Stimmung jener Landstriche Kirgisiens vereint Aitmatov mit den Worten: "Wo der wilde Wermut wächst und der Wind die Wüstenklette über die Ebene treibt und den an frischgemolkene Milch erinnernden Duft von blühendem Mais und den warmen Geruch trocknenden Kamelmistes..."
Dieses Buch ist ein einziger Duft, ein wehmütiges Lied. Es ist das Lied der Berge und Steppen, mal steigt es tönend auf, wie die kirgisischen Berge, mal strömt es hin, weit, wie die kasachische Steppe.
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