Yorkshire, 1812. England leidet unter den Konsequenzen der wirtschaftlichen Depression. Auch Robert Morley, ein zielstrebiger Tuchfabrikant, kämpft gegen den drohenden Ruin. Die Hochzeit mit der wohlhabenden Shirley könnte die Rettung sein – wären da nicht seine Gefühle für eine andere Frau: Caroline. Und auch Shirley liebt einen anderen Mann, den mittellosen Tutor Louis. Für alle scheint das Glück unerreichbar. Doch Shirley und Caroline fassen den Mut, sich über Standesschranken und die Spannungen der Zeit hinwegzusetzen und für ihre Liebe zu kämpfen …
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Spoiler in der Beschreibung
Bewertung am 27.11.2023
Bewertungsnummer: 2076983
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Es ist herrlich, die Gedanken einer Frau aus dem vorletzten Jahrhundert zu lesen, als das Leben noch ganz anders war. Der Roman berührt die Themen Feminismus und Ungleichheit. Wenn man die tragische Geschichte der Familie Bronte kennt, wird der Roman zu einem Gespräch mit der Autorin.
Es ist unklar, warum in der Beschreibung für diese Ausgabe Spoiler angegeben sind. Was dem Leser am Ende des Buches verraten wird, verraten die Autoren dieser Beschreibung schon vor dem Lesen. Schade
Zwei wundervolle Heldinnen
Bewertung am 08.03.2026
Bewertungsnummer: 3070209
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Shirley ist der zweite große Frauenroman von Charlotte Brontë und das völlig zu Recht. Inmitten einer Zeit, die von Gewalt, Krieg, Hunger und allgemeiner Hoffnungslosigkeit geprägt ist, erzählt der Roman von zwei jungen Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch eine außergewöhnlich tiefe Verbindung zueinander finden.
Im Zentrum der Geschichte stehen Shirley Keeldar und Caroline Helstone. Ihre Persönlichkeiten könnten gegensätzlicher kaum sein: Shirley ist laut, impulsiv und voller Energie. Sie spricht offen aus, was sie denkt, widersetzt sich gesellschaftlichen Erwartungen und verkörpert damit alles, was Anfang des 19. Jahrhunderts so gar nicht dem Idealbild einer „anständigen" Frau entsprach.
Sie besitzt eine Selbstständigkeit und eine Freiheit des Geistes, die in ihrer Zeit fast revolutionär wirken.
Caroline hingegen ist ihr stilles Gegenstück. Sensibel, zurückhaltend und oft von Zweifeln geplagt, lässt sie vieles über sich ergehen, ohne offen dagegen anzukämpfen.
Dort, wo Shirley wie ein loderndes Feuer wirkt, ist Caroline das Wasser, das beruhigt und ausgleicht. Doch gerade in dieser Gegensätzlichkeit liegt die besondere Stärke ihrer Beziehung. Die beiden Frauen ergänzen sich, stützen einander und finden ineinander etwas, das über gewöhnliche Freundschaft hinausgeht, eine echte Seelenverwandtschaft.
Brontë zeichnet ihre Figuren dabei mit großer Feinfühligkeit. Die Emotionen, inneren Konflikte und Hoffnungen der beiden Frauen wirken erstaunlich modern und nachvollziehbar. Gleichzeitig bleibt der Roman fest in seiner historischen Zeit verwurzelt. Die gesellschaftlichen Spannungen, die wirtschaftliche Not und die politischen Unruhen, insbesondere die Konflikte rund um die industrielle Umwälzung, bilden einen düsteren, aber faszinierenden Hintergrund für die persönlichen Geschichten der Figuren.
Gerade dieser Kontrast macht den Roman so eindrucksvoll:
Während draußen Unruhe, Armut und Gewalt herrschen, entfaltet sich im Inneren eine sehr intime Geschichte uber Freundschaft, Leidenschaft, Selbstfindung und Liebe.
Shirley und Caroline rebellieren nicht immer laut gegen die Konventionen ihrer Zeit, doch jede von ihnen widersetzt sich auf ihre eigene Weise den Erwartungen, die an Frauen gestellt werden.
So entsteht eine berührende und vielschichtige Erzählung über zwei Frauen, die ihren eigenen Weg suchen, in einer Welt, die ihnen nur wenige Möglichkeiten zugesteht.
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