Nacht für Nacht streift eine junge Frau durch die Stadt. Sie sucht nach etwas, doch sie weiß nicht, wonach. Vielleicht, denkt sie, kann sie es hinter den letzten erleuchteten Fenstern finden. Sie klingelt an den Türen. Und begegnet Menschen im Moment ihrer höchsten Einsamkeit - Menschen, die nachts erst richtig zu leben beginnen, wenn draußen alles still und dunkel ist. „Die Nacht“, sagt er, „mag ich deshalb, weil man in ihr viel klarer sieht als am Tag. Was ja der Tatsache, dass es tagsüber hell ist, eigentlich widerspricht.“ Ich schweige. Wir gucken zum Fenster hinaus und sehen uns selbst. In der Spiegelung treffen sich unsere Blicke. Dann sagt er: „Und jetzt möchte ich, wenn du erlaubst, gerne ins Bett gehen."
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
aus Bern
5/5
18.04.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
wunderbar sensible Sprache
Ohne zu werten taucht die Protagonistin für einen kurzen, intimen Augenblick in das Leben der unterschiedlichsten Menschen ein.
So schreibt nur jemand, der über eine sehr ausgeprägte Beobachtungsgabe verfügt und die feinen Töne zwischen den Zeilen wahrnimmt.
So unterschiedlich wir alle sind, so sehr erkennt man sich jedoch in jedem Einzelnen wieder.
Pink Anemone
aus Wien
5/5
27.04.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Geschichten über Nachteulen f.Nachteulen - manchmal traurig,berührend,kurios oder einfach um sich nachts nicht mehr ganz so einsam zu fühlen
Es gibt Menschen, die nachts erst richtig zu leben beginnen, wenn draußen alles wie tot ist und sie drinnen auf sich selbst zurückgeworfen sind. Was tun diese Menschen in den Stunden der Nacht? Was hält sie vom Tag fern und zieht sie zur Dunkelheit hin?
In "Nachts" werden sie von einer geheimnisvollen jungen Frau in ihrer Einsamkeit gestört. Sie klingelt an den Türen der Wachenden, sie findet Einlass in ihre Wohnungen, sie trinkt mit ihnen Bier und heißen Apfelsaft und Milch mit Whiskey, sie hört ihnen zu, sie teilt Zigaretten mit ihnen, sie blickt aus dem Fenster mit ihnen. Doch niemals fällt sie ein Urteil über sie.[...]
25 Geschichten über Menschen, die sich dem Lauf der Welt verweigern. Und über eine junge Frau, die sich beharrlich den Abgründen der Nacht stellt....(Klappentext / verkürzt)
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Ich war schon immer nachtaktiv, schon als Kind, sehr zum Leidwesen meiner Mutter. Die Nacht hat für mich etwas beruhigendes, mystisches und da werde ich erst so richtig wach. Ich liebe die Nacht und ich mag es nachts spazieren zu gehen, zu beleuchteten Fenstern hochzusehen und mir Geschichten über die Menschen dahinter auszudenken oder einfach nur um zu rätseln weshalb diese wohl noch wach sind.
Dieses Buch zeigte mir, dass ich vielleicht gar nicht so plemplem bin wie ich dachte, denn wie ich wandert die Hauptprotagonistin durch die Nacht und sieht zu beleuchteten Fenstern empor. Der einzige Unterschied ist, dass sie diese Leute hinter diesen hellen Fenstern besucht und sich ihre Geschichten anhört.
Diese sind manchmal traurig, berührend oder kurios, aber alle regen in gewisser Weise zum Nachdenken an und es haftet an ihnen eine gewisse Melancholie.
Den Namen der Hauptprotagonistin erfährt man nicht, auch nicht weshalb sie durch die Nacht streift und Schlaflose besucht. Man kann nur vermuten, dass dies aus einer Mischung aus Neugierde, Einsamkeit und aus der Not heraus besteht.
Das Buch liest sich wie ein Tagebuch und besteht aus Aufzeichnungen über ihre Besuche bei den jeweiligen Menschen. Dies passiert auf eine sehr ruhige und wertfrei Art und Weise.
Im Großen und Ganzen sind diese Menschen nur Randfiguren, die für einen kurzen Moment in den Mittelpunkt gerückt werden. Man lauscht einfach nur ihren Geschichten, die so verschieden sind und doch auch wieder viel Gemeinsames aufweisen.
Der Schreibstil ist flüssig, schnörkellos und jugendlich. Der Erzählstil, wie schon erwähnt, ruhig, etwas melancholisch und nachdenklich.
Fazit:
Ein sehr ungewöhnliches Buch welches aus der Masse heraussticht. Ein Buch über Nachteulen (manche freiwillig, andere unfreiwillig) für Nachteulen. Ein Buch, welches man in einer schlaflosen Nacht aus dem Regal zieht, um eine Geschichte zu lesen, um daran erinnert zu werden, dass man nicht der einzige Mensch ist der nachts hellwach ist, jeder Probleme hat, welche einem den Schlaf rauben, oder um sich einfach ein bisschen weniger einsam zu fühlen.
Obwohl wenig passiert, übte dieses Buch einen ganz speziellen Sog auf mich aus, sodass ich es nicht aus den Händen legen konnte und es mich durch einer meiner schlaflosen Nächte begleitete.
Für alle die ungewöhnliche Lektüre mit ruhigen und melancholischen Tönen lieben und/oder Nachteulen, ob einsam oder nicht, ob freiwillig oder unfreiwillig, kann ich eine absolute Leseempfehlung aussprechen.
Inhalt aus dem Klappentext:
Nacht für Nacht streift eine junge Frau durch die Stadt. Sie sucht nach etwas, doch sie weiß nicht, wonach. Vielleicht, denkt sie, kann sie es hinter den letzten erleuchteten Fenstern finden. Sie klingelt an den Türen. Und begegnet Menschen im Moment ihrer höchsten Einsamkeit - Menschen, die nachts erst richtig zu leben beginnen, wenn draußen alles still und dunkel ist.
Meinung:
Wie die Inhaltsangabe schon verrät, begleiten wir in diesem Buch eine junge Frau, die nachts an fremden Türen klingelt, wenn sie sieht, dass dort noch Licht brennt. So begegnet sie 25 sehr unterschiedlichen Menschen, die jeder für sich einen anderen Grund hat, noch wach zu sein. Da ist z. B. die junge Mutter, die ihr Kind stillt, dort der ehemalige Bäcker, der auch im Ruhestand seinen Arbeitsrhythmus nicht ablegen kann. Aber auch die Einsamkeit, Angst und Zweifel begleiten diese Menschen in mehr oder weniger ausgeprägter Form.
Die Protagonistin zu beschreiben ist nicht einfach. Man merkt, dass sie sehr einsam ist und es scheint Gründe zu geben, warum sie nachts nicht wie alle anderen Menschen schlafen möchte. Doch die Autorin hält sich mit Informationen zu der Frau zurück, deutet nur an und überlässt es dem Leser, sich selber ein Bild von ihr zu machen. Das fängt schon damit an, dass man nicht einmal den Namen der Frau erfährt. Diesen Ansatz fand ich wirklich spannend.
Mercedes Lauenstein hat hier ein wirklich bemerkenswertes Buch geschrieben. Wer hat sich nicht schon mal gefragt, was hinten den Fenstern der Stadt vor sich geht, wenn er nachts einsame Lichter in den Fassaden erblickt? Wortgewandt, detailliert, aber nicht zu verspielt ist Mercedes Lauensteins Schreibstil. Sie schafft es mühelos die einzelnen Szenen vor meinem Auge entstehen zu lassen, so dass man ich mir bildlich jede Wohnung, jede Person vorstellen konnte. Die Kapitel sind kurz gehalten und die Ich-Perspektive erlaubt es uns, immer wieder kurze Einblicke in die Gedanken der jungen Frau zu bekommen. Dabei stellt sich bis zum Ende die Frage, was genau diese Frau antreibt und was ihre Hintergründe sind. Das Ende des Buches lässt einen nachdenklich zurück und wirkt lange nach.
Fazit:
"Nachts" ist ein wirklich bemerkenswertes Buch, das sich mit seinem tollen Schreibstil und seiner ungewöhnlichen Thematik hervorhebt. Die Geschichten der Menschen machen nachdenklich, berühren und wirken lange nach. Am besten liest sich dieses Buch übrigens nachts, denn dann ist das Buch noch atmosphärischer ;-)
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Stephanie Manig
aus Oelsnitz/Erzgeb.
5/5
31.08.2015
Buch (Gebundene Ausgabe)
Großartiges Debüt über die Faszination der Nacht
Mercedes Lauenstein wurde vor 27 Jahren im schleswig-holsteinischen Kappeln an der Schlei geboren. Inzwischen lebt die Autorin in München. Dort spielt auch ihr Debüt Nachts, erschienen am 21. August 2015 im Aufbau Verlag.
In den Nächten klingelt eine junge Frau wahllos an den Türen von Wohnungen, in deren Fenstern noch Licht brennt. Bei diesen Besuchen begegnet sie den unterschiedlichsten Menschen, manche jung, andere alt, doch eines eint sie alle egal, ob sie in Villen oder abbruchreifen Häusern leben: Die nächtliche Schlaflosigkeit. Die Gründe dafür sind genauso vielfältig wie die Charaktere, auf die Mercedes Lauenstein ihre Protagonistin treffen lässt. Einige von ihnen fangen erst in der Nacht richtig an zu leben, andere werden von Familienmitgliedern um den Schlaf gebracht oder von ihren Sorgen.
Tagebuchartig berichtet die namenlose Ich-Erzählerin von ihren Begegnungen, die mal heiter, mal rührend, tragisch, aber auch schräg sind. Von insgesamt 25 Menschen möchte die selbsternannte Nacht-Forscherin wissen, was die Leute um den Schlaf bringt. Dabei erfährt sie noch viel mehr; nicht selten sind es ganze Lebensgeschichten.
Auch wenn manche Kapitel, die jeweils eine nächtliche Begegnung umfassen, sich nur über vier Seiten erstrecken, ist es doch erstaunlich, wie scharf und präzise Mercedes Lauenstein die einzelnen Charaktere skizziert. Sorgfältig stattet die Autorin jeden von ihnen mit einer individuellen Biografie aus. Dadurch hat Nachts fast etwas von einem Adventskalender: Man weiß nie, was einen hinter der nächsten Tür erwartet.
In allen der 25 kurzweiligen Geschichten gelingt es Mercedes Lauenstein spielend, die ganz besondere Atmosphäre der Nacht einzufangen. Und die Nacht hat viele Gesichter. Ob watteweiche Stille im fallenden Schnee oder laue Sommerluft die Autorin lässt ihre Hauptfigur ganz genau hinhören und hinschauen, lässt sie die Nacht mit allen Sinnen in sich aufsaugen.
Sinnlich, melancholisch, von großartiger Atmosphäre, mit echtem Tiefgang und ein sprachlich unkomplizierter Blick durchs Schlüsselloch: Das alles ist Nachts.
Ein Buch, so still wie die Nacht, und doch so lebendig wie der helle Tag.
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