Berlin im Sommer 1925: Dass Bernice ihren schwerreichen Gatten von ihrem Liebhaber hat umbringen lassen, ist eine Tatsache – zumindest für die feine Gesellschaft. Kriminalkommissar Paul Genzer ist davon jedoch nicht überzeugt, insbesondere nachdem die Witwe plötzlich an einer Überdosis Morphium gestorben ist. Während der Tod der Witwe neue Fragen aufwirft, folgen weitere Bluttaten, und so ist der proletarische Kommissar bald froh, bei seinen Ermittlungen durch den hochadligen Filmstar Carl von Bäumer ungewöhnliche Unterstützung zu bekommen. Der Leinwanddetektiv mit der Leidenschaft für Kokain kennt sich zwar bestens aus in der Welt der Reichen und Schönen, er verfolgt jedoch ganz eigene Motive.
Ein Kriminalfall vor besonderer Kulisse: die Goldenen Zwanziger Jahre und ihre feine Gesellschaft.
Kundinnen und Kunden meinen
3.6/5.0
Bewertung
aus Stuttgart
5/5
01.07.2016
Buch (Taschenbuch)
Anspruchsvoller Krimi
Ich habe das Buch nach dem Cover gekauft und wurde sehr angenehm überrascht. Eigentlich erwartete ich einen seichten Krimi mit ein bisschen historischem Hintergrund, stattdessen bekam ich ein atmosphärisch sehr dichten, sehr schlau konstruierten klassischen Kriminalroman mit Ironie und Witz. Das Verbrechen ist intellektuell spannend und sehr gut recherchiert, die Auflösung ein echter Clou und die Figuren angenehm edgy. Nicht alle unbedingt sympathisch, aber wunderbar lebensnah, durch die wechselnden Erzählperspektiven erhält man einen guten Einblick in die Gedankenwelt der Zeit. Dass es noch eine romantische Liebesgeschichte gibt, war für mich noch ein besonderes Zuckerle. Von mir eine 100% Leseempfehlung für alle die anspruchsvolle Krimiunterhaltung schätzen.
Bewertung
5/5
09.06.2016
Buch (Taschenbuch)
Sprachlich anspruchsvolles Krimivergnügen
Ich lese Krimis für gewöhnlich, weil ich abends nach einem langen Tag noch ein bisschen abschalten möchte und obwohl Joan Wengs Buch mich schwer beeindruckt, dafür ist es nicht geeignet. Wengs sprachliche Feinheiten und ihre kleinen amüsanten Bilder verlangen/verdienen die volle Aufmerksamkeit. Da die Autorin ja wohl über die Literatur der Zwanziger Jahre promoviert, gelingt es ihr sprachlich eindrucksvoll, den Leser direkt und ohne viele Erklärungen in diese Umbruchära zu versetzen. Man riecht, schmeckt und sieht die Zeit unmittelbar. Ein herrliches Buch, aber eindeutig eins zum zweimal lesen! Einmal für den spannenden und überzeugend gelösten Krimifall, zweimal/dreimal/viermal für die liebenswerten Figuren und die Seitenhandlungen oder einfach als Zeitreise.
PMelittaM
aus Köln
5/5
28.05.2016
Buch (Taschenbuch)
Hat mich sehr gut unterhalten
Berlin 1925: Der Gutsbesitzer Gottlieb Straumann wird tot aufgefunden. Schnell scheint klar, dass sein Verwalter Max Bayer ihn getötet hat, angestiftet von Bernice Staumann, Ehefrau des Toten und Geliebte des Verwalters. Doch ist der Fall wirklich so einfach? Kriminalkommissar Paul Genzer ermittelt und wird tatkräftig unterstützt von Carl von Bäumer, dem UFA-Star, der mit Paul ein besonderes Verhältnis unterhält.
Kriminalromane im Berlin der 20er Jahre lese ich sehr gerne und so freute ich mich, einen weiteren entdeckt zu haben. Der Roman liest sich sehr gut und entwickelte sich für mich schnell zum Pageturner. Mir gefällt vor allem der Erzählstil, die Geschichte wird aus vielen verschiedenen Perspektiven durch die Gedankengänge der einzelnen Charaktere erzählt. Man bekommt so unverstellt die Gedanken von Menschen der damaligen Zeit mit, diese machen sich dabei auch Gedanken über handelnde Personen oder drücken politische Stimmungen aus. Der Roman transportiert so nicht nur die eigentliche Geschichte sondern auch viele Informationen zum tatsächlichen und fiktiven (z. B. bezogen auf den o. g. UFA-Star) Stimmungsbild der 20er Jahre. Da historische Persönlichkeiten (z. B. Erich Gennat, den man auch in anderen Kriminalromanen aus der damaligen Zeit trifft) und Örtlichkeiten Berlins auftauchen, regt der Roman auch zum Selbstrecherchieren an, etwas, das ich an historischen Romanen besonders mag.
Besonderes Augenmerk legt die Autorin auf das Verhältnis zwischen Paul und Carl, das in damaligen Zeiten unter den sogenannten Unzuchtparagraphen (§ 175 StGB) fiel und strafbar war. Mir hat die Beziehung der beiden sehr viel Spaß gemacht, vor allem auch, weil sie so unterschiedlich sind, hier der nicht gerade gut aussehende, aus einfachen Verhältnissen stammende Kommissar und dort der adelige schönste Mann der UFA. Auch die Reaktionen und Gedanken anderer Leute auf bzw. über Carl sind sehr amüsant dargestellt, da er im Film einen Ermittler verkörpert, wird ihm z. B. bedenkenlos abgekauft, dass er im Todesfall Straumann ermitteln darf. Es gibt überhaupt Einiges zum Schmunzeln in diesem Roman ...
Doch auch der eigentliche Fall geht nicht unter, man erlebt Verhöre und Ermittlungen und am Ende gibt es eine zufriedenstellende Auflösung. Auch lässt es sich wunderbar miträtseln und es gibt mehr als eine überraschende Wendung.
Durch den besonderen Erzählstil verlangt der Roman schon ein aufmerksames Lesen, auch, weil es schade wäre, Dinge zu überlesen, die zusätzlich Vergnügen bereiten. So gibt es eine Szene, die aus der Perspektive eines Liftboys erzählt wird, von dem man nicht erwartet, ihn später wieder zu treffen, jedoch spielt er an einer anderen Stelle noch einmal eine wesentliche Rolle, dass er dort beteiligt ist, könnte man jedoch leicht überlesen. Überhaupt ist am Ende mehr miteinander verbunden, als man zunächst ahnen konnte. Insgesamt ist der Roman sehr kurzweilig und hat mich ausgesprochen gut unterhalten.
Joan Wengs Romandebüt ist ein richtig guter Kriminalroman, der durch seine besonderen Erzählstil, die außergewöhnlichen Ermittler und den interessanten Fall sehr gut unterhält. Von mir gibt es 5 Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung, vor allem für Jene, die gerne historische Kriminalromane lesen. Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Fall, der Anfang 2017 erscheinen soll.
Tina Bauer
aus Essingen
4/5
08.10.2023
Buch (Taschenbuch)
glasklarer Fall?
Kommissar Paul Genzer hat einen scheinbar glasklaren Fall auf dem Tisch. Eine reiche Gattin soll den Mord an ihrem unliebsamen alten Ehemann bei ihrem Geliebten in Auftrag gegeben haben. Aber als dann die reiche Witwe selbst verstirbt, muss Paul Genzer gestehen, dass er ohne die Hilfe seiner „Geliebten“ in den Ermittlungen feststeckt.
Weng führt uns in das Berlin Ende 1920 das vor Unzuchtparagraphen, Blauäugigkeit, verlorenem Kriegswahnsinn und Drogen nur so strotzt.
Die goldenen Zwanziger Jahre mit ihrer Scheingesellschaft zeigen klar den Unterschied zwischen Arm und Reich und der Macht und Gier der Bussi-Bussi-Gesellschaft.
Ein Kriminalroman, bei dem mit das Ermittlerteam zwar gut gefällt, die Geschichte selbst aber eher an eine Liebesstory mit viel Wehmut als mit Spannung daher kommt.
leseratte1310
3/5
13.03.2016
Buch (Taschenbuch)
Die Goldenen Zwanziger
Berlin 1925: Paul Genzer ermittelt in einem Fall, der recht eindeutig erscheint. Der reiche Gottlieb Straumann wurde erschossen und seine Frau Bernice ist tatverdächtig. Genzer hat Zweifel und als Bernice dann plötzlich auch an einer Überdosis Morphium stirbt, sieht er seine Zweifel bestätigt. Seine Ermittlungen bringen ihn in die ihm fremde High Society, daher kommt ihm die Unterstützung des Schauspielers Carl von Bäumer sehr gelegen.
Der Schreibstil ist anspruchsvoll und daher lässt sich das Buch nicht so einfach weg lesen.
Die beiden ungleichen Ermittler ergänzen sich sowohl bei den Ermittlungen als auch im Privatleben. Sie wurden authentisch und gut beschrieben, so dass ich sie mir vorstellen konnte. Ihre privaten Probleme standen mir aber zu sehr im Vordergrund. Alle anderen Charaktere waren nicht so detailliert gezeichnet.
Die Goldenen Zwanziger in Berlin sind Jahre des Aufatmens nach einer schwierigen Zeit und geprägt von der Sucht nach Vergnügen. Ich mag Krimis, die in dieser Zeit und in Berlin spielen, denn damals herrschte eine ganz besondere Atmosphäre. Aber diese Atmosphäre habe ich hier nicht gespürt.
Für mich blieb die Spannung auf der Strecke, da es doch eine Reihe von Nebenschauplätze gibt. Es löst sich am Ende aber alles schlüssig auf und Zusammenhänge werden klar.
Dieses Buch hat mich nicht vollends überzeugen können.
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