Tomatensoße, Hühnerbrühe, Risotto, Schokoladenkuchen – Nigel Slater beschreibt in diesem wunderbaren Praxiskochbuch ausführlich über 100 Basisrezepte. Nicht nur der Anfängerkoch wird von Slaters klaren und sinnlichen Texten inspiriert, seinem Bauchgefühl in der Küche zu folgen und das Wesentliche eines Rezepts zu verstehen: »Die Wahrheit ist, gutes Essen hat mit nichts anderem als dem einfachen Kochen von guten Zutaten zu tun«.
Auch im umfangreichen Kapitel zu Zutaten, Kochtechniken, Vorrats-haltung und der Kunst des Abwaschens geht es um die Freude vor, während und nach dem Kochen. »Folge deinem Appetit und lass dich nicht von Rezepten und Kochregeln unter Druck setzen« ist Slaters Philosophie, die in dieser Neuausgabe des Klassikers ›Einfach genießen‹ (Dorling Kindersley, 2006) in jeder Zeile zu spüren ist.
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5.0/5.0
Dr_ M
aus Sachsen
5/5
31.07.2018
Buch (Taschenbuch)
"Dem eigenen Appetit folgen, nicht starren Regeln oder aufwendigen Rezepten"
Das, so lernt man es bereits auf der Buchrückseite, ist Nigel Slaters Koch-Philosophie. Sie passt nicht ganz in die inflationären Fernseh-Kochshows oder andere fernsehgerecht zelebrierte Ereignisse, in denen sich alles ums Kochen dreht. Dort steht immer das Besondere im Blickpunkt. Bei Slater geht es um den Alltag. Das merkt man schon am Anfang seines Kochbuches. Nach dem Abschnitt "Machen Sie sich nicht so viel Arbeit", in dem er kurz aufzeigt, wie man schon mit einfachen und teilweise fertig gekauften Zutaten durch geschicktes Handeln leckere Mahlzeiten zubereiten kann, folgt eine Aufzählung von einfachen Gerichten für verschiedene Jahreszeiten, die nach demselben Prinzip hergestellt werden können.
Slaters hat ein Kochbuch für alle geschrieben, die nicht allzu ungeschickt und daran interessiert sind, mit einfachen Mitteln und relativ schnell schmackhafte Mahlzeiten zuzubereiten. Seine Kreationen unterscheiden sich dennoch von den üblichen Standardgerichten, weisen aber einen gewissen rustikalen Touch auf, der viele Freiheiten für die eigene Kreativität lässt. Die Grundlagen des Kochens kommen dabei nicht zu kurz. Und sie fügen sich genau in diese Philosophie ein. Bei Slater sieht alles aus wie in einer ganz normalen Küche.
Nachdem er seine Philosophie in den ersten Abschnitten erläutert hat, beschreibt er seine Kochausrüstung und kommt dann zur Warenkunde. Alles wird sehr praktisch und lebensnah erklärt. Zwischendurch und nebenbei verrät Slater kleine Tricks und gibt nützliche Tipps. Nach ungefähr 150 Seiten folgen dann die ersten Grundrezepte. Zunächst für Brot, Suppen und Soßen. Darauf aufbauend wird es dann spezieller. Immer unter Überschrift " ... einfach genießen" erscheinen Rezepte zu den Themen Suppe, Nudeln, Reis, Gemüse, Fisch, Fleisch, Obst, Gebäck, Cremes & Pudding und Kuchen. Dabei geht Slater genauso vor wie vorne. Immer erfährt man neben den eigentlichen Rezepten zusätzliche Information ("Was noch?") und bekommt Tipps. Das Ganze gibt einem das Gefühl, dass da ein ganz normaler Mensch seine Erfahrungen mit dem Leser teilt, der jedoch sehr genau weiß, was er macht.
Das ist kurz gesagt ein besonderes Kochbuch, weil es locker bleibt und dennoch fundiert ist, weil man sich mitgenommen fühlt und die Dinge tatsächlich nachvollziehen kann. Slater ist Engländer. Deshalb sollte man sich über gewisse Vorlieben nicht wundern. Eine wesentliche Rolle spielen sie jedoch eher nicht.
Havers
5/5
02.09.2015
Buch (Taschenbuch)
Am Anfang steht immer die…
Am Anfang steht immer die Zutat – wer nach diesem Credo kocht, wird an Nigel Slaters „Einfach genießen“ seine helle Freude haben. Dieses Standardwerk ist bereits 2006 in der deutschen Erstausgabe erschienen, hat aber bis zum heutigen Tag nichts von seiner Aktualität eingebüßt und sollte in keiner Küchenbibliothek fehlen. Wie für den englischen Food-Journalisten üblich, nimmt der Theorieteil großen Raum ein, wobei Theorie eigentlich nicht die richtige Bezeichnung ist. Korrekt wäre eher Küchenphilosophie. Slater spricht sich für einen entspannten und Genuss orientierten Umgang mit den Nahrungsmitteln aus, er steht hinter der Einstellung „Alles kann, nichts muss“. Ein schlechtes Gewissen sollte man sich nicht machen, und wenn der Appetit nach einer Pizza vom Lieferdienst oder einem Burger verlangt, who cares? Die Freude am Kochen und nicht das sklavische Einhalten von Mengenangaben und Zutaten steht bei Slater im Vordergrund. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, wenn es darum geht, Rezepte abzuwandeln, setzt allerdings ein gewisses Maß an Basiswissen voraus. Und hier kommt „Einfach genießen“ ins Spiel. Einem absoluten Neuling in der Küche würde ich dieses Werk allerdings nicht unbedingt in die Hand geben, mir scheint es eher geeignet für Hobbyköche, die ihre Fähigkeiten ausbauen und verfeinern möchten. Zu Beginn nimmt Nigel Slater die diversen Küchengerätschaften, die heutzutage in keinem Haushalt fehlen sollten, unter die Lupe und prüft sie auf ihre Tauglichkeit. Es ist nicht verwunderlich, dass der Großteil völlig überflüssig ist. Warum sollte man einen Pizzaroller in der Schublade haben, wenn man die Pizza auch mit einem Messer zerteilen kann? Reduzieren auf das Wesentliche, dieses aber in bester Qualität – nach diesem Motto sollte man die Schränke und Schubladen füllen. Und da ist in meinem Fall dann durchaus auch Platz für ein preiswertes, kleines Messer, mit dem ich seit Jahrzehnten mein Gemüse schneide und dessen Form optimal in meiner Hand liegt. Dann stellt sich natürlich auch noch die Frage nach den Lebensmitteln, nach Fleisch, Fisch, Kräutern, Obst-und Gemüsesorten. Welche gibt es, wie kann man sie zubereiten und wie lassen sie sich schmackhaft kombinieren? Und natürlich gibt es auch Rezeptvorschläge. Basics wie Brühen, Fonds und Saucen, aber auch vollständige Gerichte sind hier zu finden. Allerdings unterscheiden sich Slaters Rezepte grundlegend von dem, was man in herkömmlichen Kochbüchern findet. Seine Art der Zutatenbeschreibung erinnert mich eher an die Art und Weise, wie traditionelle Rezepte innerhalb der Familie weitergegeben werden. Die Zutaten stehen fest, aber die Mengenangaben sind meist sehr vage und differieren von Fall zu Fall. Allerdings bietet Nigel Slater auch sehr oft Variationsmöglichkeiten an, falls bei spontanem Hunger das eine oder andere nicht im Vorratsschrank zu finden ist. „Einfach genießen“ ist ein Kochbuch, dessen Titel Programm ist: Essen ist mehr als bloße Nahrungszufuhr. Genuß ist das Thema, denn „wer nicht genießt, ist ungenießbar“ (frei nach Konstantin Wecker).
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