Winston Churchill und Charlie Chaplin - zwei Giganten der Weltgeschichte, so unterschiedlich wie nur möglich und doch enge Freunde. Der eine schuf als weltberühmter Komiker das Meisterwerk "Der große Diktator", der andere führte mit seinem Widerstandswillen eine ganze Nation durch den Krieg gegen Adolf Hitler. Michael Köhlmeier hat mit dem Blick des großen, phantasievollen Erzählers erkannt, was in diesem unglaublichen Paar steckt: die Geschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Kunst und Politik, Komik und Ernst. Der arme Tramp und der große Staatsmann, in diesem verblüffendem Roman des berühmten Autors aus Österreich erleben sie die Geschichte des Jahrhunderts.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
aus Heppenheim
4/5
13.01.2021
eBook (ePUB)
erstaunlich vielschichtiger Roman über eine der spannendsten Episoden der jüngeren europäischen Geschichte
Warum habe ich es gelesen?
Dies ist das letzte Buch meiner persönlichen Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2014. Ich habe es mir ganz bewusst bis zum Schluss aufgehoben, weil mir die Leseprobe am besten gefiel. Die Idee, diese großen Figuren der jüngeren Zeitgeschichte Europas literarisch in einem Roman zu vereinen, fand ich großartig. Zudem hat sich die Leseprobe ausgesprochen unterhaltsam amüsant und flüssig lesen lassen.
Wie war mein erster Eindruck?
Ich war etwas irritiert, als ich gleich in einem der ersten Kapitel feststellen musste, dass die Themen Depression und Suizid in diesem Roman eine zentrale Rollen spielten würden. Dies wird weder in der Kurzbeschreibung des Verlags (siehe oben) noch in der Leseprobe erwähnt. Auch schien es zunächst nicht zu dem lockeren, unterhaltsamen Erzählstil zu passen. Ich hatte die Befürchtung, diese Krankheit würde ins Lächerliche gezogen.
Wie fand ich das Buch insgesamt?
Glücklicherweise bewahrheiteten sich meine Befürchtungen nicht. Zwar wird das Thema in diesem Roman nicht mit einer solchen Schwere belegt, wie dies in anderen Werk der Fall ist, dennoch wird der Ernst der Krankheit deutlich.
Köhlmeier ist ein großartiger Erzähler. Am besten gefiel mir, wie er in diesem Roman historische Fakten und eigene Fiktion geschickt zu einem schlüssigen Ganzen zusammenfügt, und ganz nebenbei auch noch ein bedeutendes Stück europäische Zeitgeschichte erzählt. An einigen Stellen gelingt diese Mischung so gut, dass mir zunächst nicht ganz klar, wurde, ob es sich nun um einen historische Tatsache handelt, oder der Fantasie des Autors entspringt.
Dies klingt, als müsse der Roman schwere Kost sein. Und sicher ist er nicht trivial. Aber ich habe ihn auch nicht als anstrengend erlebt. Das Buch liest sich durch den lockeren, amüsanten Erzählstil Köhlmeiers flüssig und leicht.
Die Machart erinnerte mich ein kleines bisschen an Kastellau von Charles Lewinsky. In beiden Büchern werden unterschiedliche Quellen zitiert und zu einem Roman zusammengefügt.
Während dies aber bei Lewinsky ausschließlich mit fiktivem Material und in weitestgehend umkommentierter Form geschieht, mischt Köhlmeier real existierende Dokumente mit fiktivem und erweiterter den Rahmen zusätzlich um einen Erzähler, der den Leser durch die Geschichte führt. Die einzelnen Teile müssen also nicht vom Leser selbst zusammengefügt werden, sondern werden fertig einschließlich Interpretation angeboten. Dies macht es einfacher zu lesen, nimmt dem Leser aber auch den Spaß an der eigenen detektivischen Arbeit.
Andererseits aber erweitert die Rahmenhandlung in Zwei Herren am Strand die Geschichte aber auch um zwei weitere Personen: den Erzähler und sein Vater, über die der Leser zwar nur wenig erfährt, sich aber das ein oder andere denken kann. Denn tatsächlich gibt es Parallelen zwischen dem Erzähler und seinem Vater und Chaplin und Churchill, wie sie im Roman dargestellt werden. So wird bald klar, dass auch der Erzähler und der Vater an Depressionen leiden bzw. litten, ohne dass dies an irgendeiner Stelle direkt und offen ausgesprochen wird, was ich als wahre Kunst empfand.
Einzig eine Stelle in der Mitte des Romans las ich mit leichter Empörung. Hierin wird Hitler beschrieben, der ebenfalls depressiv von Chaplin und Churchill zu ihresgleichen wahrgenommen wird. Dies schien mir dann doch etwas zu weit zu gehen. Nachdem ich den Gedanken aber etwas sacken ließ, kam es mir schließlich gar nicht mehr so skandalös vor. Letztlich zeigt es nur, dass es jeden treffen kann.
Alles in allem ist Zwei Herren am Strand ein erstaunlich vielschichtiger Roman über eine der spannendsten Episoden der jüngeren europäischen Geschichte.
Sikal
5/5
17.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwischen Politik und Show
Der Vater von Michael Köhlmeier begeistert sich für Winston Churchill, lernt sogar Englisch, um Churchills Biografie lesen zu können. Als er bei einem Symposium William Knott kennenlernt („The very privat Privat Secretary to a very prime Prime Minister.“) entwickelt sich zwischen den beiden eine Brieffreundschaft über viele Jahre.
Michael Köhlmeier verbindet diesen Briefwechsel mit Charlie Chaplin und lässt die beiden Herren bei einem Strandspaziergang über das Weltgeschehen philosophieren, immer begleitet von dem schwarzen Hund, der die beiden zeitlebens einholt. Ein wunderbarer Roman über eine Freundschaft und dem Versprechen füreinander da zu sein. Auch wenn der schwarze Hund - oder anders gesagt, die Depression allgegenwärtig sind.
Am Höhepunkt beider Leben beschäftigen sie sich mit Hitler – einerseits Churchills Kampf gegen diesen und andererseits Chaplin, der am „großen Diktator“ zu verzweifeln droht. Die selbstauferlegte Symbiose rettet beide in dieser schwierigen Phase.
Mit einer wunderbaren Sprache lässt uns Köhlmeier diese Gespräche begleiten, spannt den Bogen über das Zeitgeschehen hinaus. Immer mit einem Augenzwinkern gepaart, damit wir während des Lesens nicht auch mit dem schwarzen Hund Bekanntschaft machen.
Köhlmeier gelingt es Fiktion und Realität miteinander zu verbinden und schafft mit den beiden Protagonisten eine Verbindung, die nicht nur einen äußeren gemeinsamen Feind haben sondern auch einen inneren.
Eine unglaubliche Geschichte von einem unglaublichen Autor. 5 Sterne
Bewertung
5/5
23.07.2021
Buch (Taschenbuch)
Auf der Grundlage der geerbten, privaten Korrespondenz zwischen Köhlmeiers Vater und dem Privatsekretär von Churchill, entsteht das faszinierende Bild einer Freundschaft. Zwei große Männer, Winston Churchill und Charly Chaplin begegnen sich Anfang der 30er Jahre bei einer Abendgesellschaft in den USA. Sie spazieren am Strand und erzählen sich von ihren Depressionen, dem schwarzen Hund (Churchill) und sie beschließen sich fortan beizustehen, sollte der schwarze Hund wieder an ihrer Türe kratzen. Wir als Leser werden Zeuge großer persönlicher und zeitgeschichtlicher Ereignisse. Einfühlsam erzählt.
Bewertung
5/5
05.08.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dass Churchill und Chaplin miteinander...
Dass Churchill und Chaplin miteinander bekannt waren, ist verbrieft. Jedoch: was verbindet zwei so gegensätzliche Persönlichkeiten? Ein gemeinsames Leiden, welches beide ein Leben lang begleitete - Depressionen. Faszinierend, überaus lehrreich und überraschend unterhaltsam!
Bewertung
5/5
30.05.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der große Erzähler Michael Köhlmeier ersinnt die Geschichte einer Freundschaft. Großartig.
Es könnte so gewesen sein, oder eben auch nicht, wer vermag es schon mit Gewissheit zu sagen?
An einem lauen Abend des Jahres 1927 entfliehen - zunächst jeder für sich - zwei Herren dem Trubel einer Party im kalifornischen Santa Monica und begegnen einander schließlich im Rahmen eines ausgedehnten Spaziergangs am Strand. Es handelt sich um zwei Ikonen der Zeitgeschichte: Charlie Chaplin und Sir Winston Churchill.
Auf ihrem Weg entlang des Meeressaumes gestehen Sie einander ihre ärgste Not: die Bedrohung durch den "schwarzen Hund" - die Depression. Man vereinbart, fortan jederzeit für den jeweils anderen da zu sein, sollte sich dieser wieder einmal in den Klauen des Biests befinden.Und so stellt diese schicksalhafte Begegnung am Strand
das erste einer Reihe von Zusammentreffen im Verlaufe der kommenden Jahre und Jahrzehnte dar, während beide das dramatische 20. Jahrhundert durchleben und dieses auf gänzlich unterschiedliche Arten prägen.
Köhlmeier erzählt diese Geschichte miteinander auf verborgene Weise verbundener und doch gänzlich verschiedener Leben im Rahmen eines kunstvollen Vexierspiels, werden die Geschehnisse doch aus Sicht des Sohnes eines verkappten Churchill-Biographen geschildert, welcher in den Archiven seines verstorbenen Vaters Belege für die geheime Freundschaft aufspürt.
Ein wahrhaft meisterlicher Roman, in welchem sich Wechselfälle einer Epoche in den Spuren zweier Lebenswege spiegeln.
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5/5
09.08.2015
Buch (Gebundene Ausgabe)
Außergewöhnliche Geschichte
Obwohl die Handlung von "Zwei Herren am Strand" komplett erfunden ist, ist sie so gut und überzeugend, dass ich tatsächlich gegoogelt habe, ob Winston Churchill und Charlie Chaplin einander wirklich einmal begegnet sind. Hervorragend recherchiert und fesselnd erzählt ist "Zwei Herren am Strand" sicher eine der außergewöhnlichsten Geschichten, die ich jemals gelesen habe! Next Stop: eine Winston Churchill Biographie!
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4/5
16.09.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Churchill und Chaplin leiden unter...
Churchill und Chaplin leiden unter schweren Depressionen,genannt der "schwarze Hund". Das Thema ihrer Gespräche ist der Freitod & wie man ihm entgeht. Strandspaziergänge mit Tiefe.
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