Ein Mann streut Sand aus Süditalien auf den Straßen von Berlin aus. In Zeiten des Kriegs ist solch ein Verhalten nicht nur seltsam, sondern verdächtig. Der Kommissar, der den kuriosen Fall übernimmt, stößt unter dem Sand auf eine Geschichte von Liebe und Tabu zwischen zwei Männern und einer Frau. Ein Zeitbild von 1914, aus drei ungewöhnlichen Perspektiven.
Persönliche Geschichte im Hintergrund des ersten Weltkrieges
Das der deutsche Schriftsteller und Journalist schreiben kann, hat er mit seinem Roman über Schoppenhauer „Die Welt ist im Kopf“ unter Beweis gestellt und doch ist „Das Sandkorn“ mein derweil liebstes Werk von Christoph Poschenrieder. Sein dritten und für den Deutschen Buchpreis 2014 nominierten Roman, ist ein Sittenbild über die Jahre des ersten Weltkriegs und erzählt die Geschichte des schwulen Kunsthistorikers Tolmeyns.
Jener sitzt am Schreibtisch eines Berliner Kommissars, der die Geschehnisse zurückblickt und mithilfe seines Tagebuches schildert. Dazwischen finden sich immer wieder Auszüge aus Briefen und Innensichten Tolmeyns. Durch diesen besonderen Rahmen sticht der Roman hervor und hat mir gut gefallen. Dem Schriftsteller gelingt dadurch geschickt Spannung aufzubauen und lässt den Leser tief in die damalige Zeit einzutauchen. Dabei fordert der Roman auch heraus. Es wird nicht immer alles detailliert erzählt und manches bleibt im Unklaren. Das Sandkorn erzählt persönliche Geschichte im Hintergrund der großen Weltpolitik anfangs des letzten Jahrhunderts und erinnerte mich an „Zeit der Abwesenheit“ von Philipp Besson.
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