Mit unbestechlichem Blick für Frauen, ihre menschlichen Schwächen und das, was man an ihnen lieben muss, zerlegt Eva Menasse die Biografie einer Frau in ihre unterschiedlichen Aspekte. In dreizehn Kapiteln zeigt sie Xane Molin als Mutter und Tochter, als Freundin, Mieterin und Patientin, als flüchtige Bekannte und treu lose Ehefrau. Zu Beginn ist Xane vierzehn Jahre alt und erlebt mit ihrer besten Freundin einen dramatischen Sommer. Am Ende ist sie Großmutter und versucht, für den Rest des Lebenswegs das Steuer noch einmal herumzureißen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Edith Berger
aus Graz
5/5
09.08.2014
Buch (Taschenbuch)
großes, wundervolles Lesevergnügen
In "Quasikristalle" erzählt Eva Menasse Episoden aus dem Leben von 13 Menschen, die alle den Weg von Xane Molin queren. Xane ist die Hauptdarstellerin des Buches und wir begegnen ihr in unterschiedlichen Phasen ihres Lebens. Immer jedoch aus dem Blickwinkel der jeweiligen Protagonisten beobachtet, die Xanes Lebensweg eine Zeit lang begleiten. Großes, wunderbares Lesevergnügen
Bewertung
5/5
08.08.2014
Buch (Taschenbuch)
der unbarmherzige Blick der anderen....
Wissen wir wirklich was andere über uns denken und was meinen wir eigentlich damit, wenn wir glauben einander zu kennen ? Die Art und Weise, wie wir das Leben von Xane Molin entdecken, ist außergewöhnlich, sie selbst kommt eigentlich niemals zu Wort ,wir erleben sie immer nur durch den Blickwinkel und die Augen ihrer Mitmenschen in ihrer Umgebung ! Wie ein Puzzle setzen sich ihre Lebensstationen zusammen und damit kommt man unweigerlich an die eigene Biografie - an wichtige und scheinbar unwichtige Zufälle und Begegnungen ! Gut gemacht und ziemlich nachhaltig !
Bewertung
5/5
07.08.2014
Buch (Taschenbuch)
Wer ist eigentlich Xane?
Die meisten von Ihnen werden die junge österreichische Autorin Eva Menasse wahrscheinlich schon entdeckt haben. Schließlich waren sowohl ihr Erstling Vienna als auch das zweite Buch Lässliche Todsünden große Erfolge sowohl im Feuilleton als auch bei den Lesern. Allerdings hatte mir das Feuilleton bisher Angst vor dieser Autorin gemacht. Aber bei diesem dritten, gerade erschienenen Roman habe ich diese Angst endlich überwunden und konnte feststellen, dass sie hervorragend und gar nicht schwierig schreibt!
Wenn man die Bedeutung des Begriffs Quasikristalle kennt, ergibt er auch für dieses Buch einen Sinn. Ganz platt gesagt sind Quasikristalle Kristalle, die sich nicht mit einer einzigen Elementarzelle beschreiben lassen. Dies verstehe ich so, dass man bei einem Quasikristall im übertragenden Sinn durchaus mehrere unterschiedliche Wahrnehmungen hat. Und so geht es einem in diesem Roman auch mit der Hauptperson Xane (Koseform von Roxane). Eva Menasse erzählt das Leben von Xane nämlich nicht aus einer Sicht, sondern setzt das Bild von ihr aus unterschiedlichsten Blickrichtungen zusammen. Sie lässt in chronologischer Reihenfolge unterschiedlichste Personen eine Begebenheit erzählen, in der Xane eine Rolle, aber nicht immer eine Hauptrolle spielt. Dadurch entsteht beim Leser langsam ein Bild von der Person Xane in all ihren unterschiedlichen Facetten. Die einzelnen Geschichten, wenn man es so will, erzählen:
- Julia, ihre beste Freundin als die beiden Mädchen 14 Jahre alt waren
- Ein Reiseleiter auf einer Studienreise nach Auschwitz und Birkenau, der gerne mehr von ihr gewollt hätte
- Ihr Vermieter in Wien, der nur an ordentliche Leute vermietet hat
- Sally, die Schwester von Julia, die ebenso wie Xane in Berlin gestrandet ist
- Eine Ärztin in einer Fertilitätsklinik
- Nelson, eine Zufallsbekanntschaft, die sie in einem Bus kennengelernt hat
- Xane selbst, als sie sich mit einer Freundin über das Thema Fremdgehen unterhält
- Viola, ihre ältere Stieftochter, die gerade ihre leibliche Mutter nach langer Zeit wiedergetroffen hat und zum 1. Mal verliebt ist
- Martin, ein Mitarbeiter in Xanes Agentur, der gerade freigestellt wurde
- Xanes Vater, der sich bei einem Familienbesuch an früher erinnert
- Krystyna, eine Jugendfreundin, die gerade mit Sally über Xane herzieht
- Eine junge Reporterin, die Xane einfach nur von ihrem Balkon aus beobachtet
- Briefe und E-Mails von ihrem inzwischen erwachsenen Sohn Amos
Ich habe dieses Buch geliebt. Dabei ist es ein ganz ungewöhnliches Buch, denn es hat keine Handlung im engeren Sinn. Die einzelnen Episoden ergeben zwar ein Bild von Xane, haben aber nicht immer eine wirkliche Geschichte zu erzählen. Trotzdem liest es sich ausgesprochen spannend, und langsam aber sicher denkt man, dass man Xane kennt. Und dann tut sich doch wieder eine neue Blickrichtung auf. Eva Menasse zeigt dadurch sehr schön auf, wie unterschiedlich Menschen von ihren Mitmenschen wahrgenommen werden. Und sie zeigt auch sehr menschlich die zwischenmenschlichen Beziehungen auf, die nicht immer offen zutage treten.
Ein absolut lesenswertes Buch!
Bories vom Berg
aus München
3/5
12.07.2018
Buch (Taschenbuch)
Superfrau mit Macken Die…
Superfrau mit Macken Die Rezeption des Romans «Quasikristalle» der österreichischen Schriftstellerin Eva Menasse ist ziemlich konträr. Als Chemie-Nobelpreisträger Daniel Shechtman 1982 die aperiodisch angeordneten Kristalle entdeckte, deren Aufbau von der bis dato wissenschaftlich unstrittig als vorgegeben angesehenen, streng symmetrischen Struktur abwich, erntete er zunächst ebenfalls erbitterten Widerspruch. Der Titel des Buches weist auf eine ähnliche Ungeordnetheit hin, auf die Biografie der eher chaotisch veranlagten Protagonistin nämlich, einer gleichwohl toughen Frau, deren turbulentes Leben in dreizehn Kapiteln erzählt wird. Ein Frauenroman also, der dem Thema offensichtlich neue Seiten abgewinnen will. In den nur lose zusammenhängenden Kapiteln breitet die Autorin das Leben von Roxane Molin in vielen Facetten vor uns aus, beginnend im Backfischalter in einem Wiener Gymnasium. Es ist ein breites Themenspektrum, das in diesem Roman abgedeckt wird, und es ist denn auch der Tod, dem Xane gleich am Anfang begegnet, als ihre Freundin plötzlich stirbt. Wir erleben sie bei einer Exkursion nach Auschwitz, in einer Fernsehdebatte nach einem Kurzfilm von ihr, in der sie vehement Stellung nimmt gegen den latenten Faschismus in Österreich: Sie habe die verlogene Mozartkugel-Seligkeit gründlich satt. In Berlin, wohin sie erbost umsiedelt, betreibt sie eine alternative Marketing-Agentur, landet in einer Patchwork-Familie mit zwei Stieftöchtern, bekommt nach einer In-vitro-Fertilisation endlich auch selbst ein Kind und durchläuft alle Höhen und Tiefen des Ehelebens. Sie lernt irgendwann einen deutlich älteren Mann kennen, Ankläger des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag, eine rein platonische Beziehung. Natürlich sind auch Seitensprünge Thema in diesem turbulenten Roman, und auch das knallharte Berufsleben in Xanes kreativer Agentur, wo hymnisches Lob und gnadenloser Rausschmiss durch die Chefin sehr nahe beieinander liegen. Seitensprünge, gescheiterte Ehen, Flucht in den Ashram, schwierige Kinder, Drogenprobleme, Seniorenheim, Pflegemissstand, Sterbehilfe, in Eva Menasses Themenspektrum bleibt kaum ein Phänomen der Jetztzeit ausgespart, von dem Frauen tangiert sind. Sogar Xanes kühner Plan, als Großmutter zurück nach Wien zu gehen und mit dem Rest ihres Lebens in ihrer Heimatstadt noch mal etwas ganz Neues zu wagen, wird am Ende dezent angedeutet. Angedeutet wird auch Vieles sonst in diesem Roman, die einzelnen Kapitel lassen jedenfalls reichlich Leerraum für eigene Phantasien des Lesers bei dieser großangelegten Suche nach Identität. Die Frau wird als kleines Mädchen, Pubertierende, Freundin, Ehefrau, Mutter, Großmutter, Geliebte, Kameradin, Künstlerin, Hochbegabte, Mitarbeiterin, Chefin und Ärztin gezeigt. Was ist wahr an dem Bild, das wir von uns haben? Mit feinem Gespür für psychische Befindlichkeiten wird hier stimmig ein Panorama heutiger Weiblichkeit aufgezeigt, wie es nur eine weibliche Autorin vermag, aus einer eindeutig femininen Perspektive also. Das wird nicht zuletzt beim Thema Sex deutlich, das hier äußerst diskret umschifft wird, mithin also auch hierbei nur dezente Andeutungen, - was das Ganze etwas betulich wirken lässt, denn auch das gehört nun mal zum Frau-Sein dazu. Das Erzählte spielt sich weitgehend in einem gehobenen Großstadt-Milieu ab. Eva Menasses Sprache ist elegant, leicht lesbar und überrascht zuweilen mit gekonnten Wortgebilden wie der «halbjüdischen Doppelhelix». Das den Verknüpfungsmustern der «Quasikristalle» ähnelnde narrativem Konzept mit seinen selbständigen, in sich abgeschlossen Kapiteln stellt für den Leser allerdings eine Hürde dar, er findet keinen Erzählfaden, sondern muss die Puzzleteile selbst zusammensetzen. Teilweise entsteht so zuweilen sogar ein sich widersprechendes Bild der Protagonistin, deren Identität zu ergründen, deren Charakter offenzulegen ja die Intention der Autorin gewesen sein dürfte. Ein Manko sicherlich, aber lesenswert ist dieser Roman allemal!
Bewertung
5/5
26.04.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sowohl der Schreibstil als auch...
Sowohl der Schreibstil als auch der Humor sind so hervorragend, dass man das Buch eigentlich keine Sekunde aus der Hand legen möchte. Jede neue Seite und jeder neue Satz sind überraschend. Großartig!
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5/5
02.03.2013
Buch (Gebundene Ausgabe)
Raum zum Nachdenken
Im Klappentext ist zu lesen : Es gibt Kristalle mit scheinbar ungeordneter Struktur. Und genauso verhält es sich mit dem Lebensweg. Er ist verschlungen und schwer berechenbar und nur aus der Ferne als Ganzes zu erkennen.
13 verschiedene Perspektiven auf ein Leben. Nahe ( Freundin,.. ) und ferne Perspektiven( Ärztin,..). Eva Menasse selbst hat gesagt, dass man nie jemand so kennen wird wie die Hauptfigur dieses Buches. Niemals hat man so viele verschiedenen Perspektiven auf ein Leben.
Dieses Buch lässt wirklich Raum zum Nachdenken. Wie kriegt man das Leben zu fassen? Ich denke 13 verschiedene Eindrücke sind nicht genug für ein Leben und eigentlich möchte man mehr hören über Xane Molin .
Ein Buch das mir ausgesprochen gut gefallen hat. Sehr lesenswert!!!
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