Die Gäste des Wiener Opernballs werden zum Ziel eines Terroranschlags. Ein Fernsehjournalist, der die Live-Übertragung aus den Ballsälen koordinieren soll, beobachtet das Verbrechen auf den Monitoren. Sein eigener Sohn ist unter den Opfern. Die Kameras laufen weiter und senden weltweit auf zahllose Bildschirme das Sterben von Tausenden. Der TV-Journalist versucht, von Trauer um seinen Sohn getrieben, die Hintergründe des Anschlags zu klären. Sie sind verworren, von Schlamperei und Zufällen geprägt. Mindestens so verworren wie das Weltbild jener kleinen Gruppe, die das Morden vorbereitete. Josef Haslingers spannender Medienroman und Politthriller entwirft das Panorama einer vom Terrorismus bedrohten Wohlstandsgesellschaft. Er zeigt die grotesken politischen Widersprüche auf zwischen Liberalität und Bedürfnis nach Sicherheit; den kaum kontrollierbaren Einfluß des Fernsehens auf Alltagsleben und Regierungsentscheidungen sowie das fatale Zusammenwirken von wiederaufflammendem Nationalismus, Fremdenfurcht und politisch motivierter Gewalt.
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Ein Möglichkeitsraum wird…
Bories vom Berg aus München am 08.09.2018
Bewertungsnummer: 2714427
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ein Möglichkeitsraum wird Realität Geradezu prophetisch hat der österreichische Schriftsteller Josef Haslinger in seinem 1995 erschienenen Roman «Opernball» beschrieben, was nun tagesaktuell von den Medien als bittere Realität verkündet wird, das beängstige Erstarken eines nationalistisch verblendeten, gewaltbereiten Mobs, dem der Staat auf der Straße fast hilflos gegenüber steht wie jetzt in Chemnitz. «Warum … haben wir nicht rechtzeitig die Zügel in die Hand genommen? Diesem Gesindel die Stirn geboten? Mit eisernen Schlägen vernietet, was noch nicht hoffungslos zerrissen war? Warum haben wir nicht aufgeräumt? Entrümpelt? Das Unkraut ausgerissen, solange es noch klein war?» Der selbstkritische Wiener Polizeipräsident findet deutliche Worte in einer Rede bei der Vereidigung von Revierleitern nach der Opernball-Katastrophe. «Ein Recht ohne Macht sei zum Untergang verurteilt und stürze den ganzen Staat in den Abgrund», heißt es weiter in einer Art Vorwort zu diesem grandiosen Politthriller. Brutal wird der Leser gleich auf den ersten paar Seiten mit einem bis dato für undenkbar gehaltenen Terroranschlag einer rechtsradikalen Verschwörergruppe konfrontiert, ein von einem Privatsender europaweit live übertragener Massenmord, dem tausende Menschen zum Opfer fallen, neben der alljährlich wie immer dort vollzählig versammelten, snobistischen High Society der Alpenrepublik auch die gesamte politische Prominenz Österreichs. Der in wenigen Minuten eintretende, qualvolle Tod der vielen Menschen beim Opernball wird durch Blausäure verursacht, die, über das Belüftungssystem im Gebäude verteilt, sehr schnell wirksam wird. Dieses grausige Szenario erinnert fatal, - aber bestimmt nicht zufällig -, an den Massenmord mit Zyklon B in den KZs der Nazis. Die von einem - als der «Geringste» bezeichneten – rechten Guru angeführte, neunköpfige Terrorgruppe leitet ihre Heilslehre und ihre «Ausländer raus»-Ideologie gleichermaßen aus der Bibel und «Mein Kampf» ab, der eschatologisch begründete Anschlag wird als Hamargedon herbeigesehnt, ein neues Tausendjähriges Reich würde entstehen. Josef Haslinger hat seinen pseudo-dokumentarischen Plot multiperspektivisch konstruiert, erzählt wird aus den Blickwinkeln des TV-Regisseurs, der mit der Leitung der Live-Übertragung betraut ist, ferner eines Polizisten, der vor der Oper gegen die Demonstranten eingesetzt wird, schließlich von einem als «Ingenieur» bezeichnetem Mitglied der Terrorgruppe, in kürzeren Kapiteln aber auch aus der Perspektive einer Hausfrau und eines Brotfabrikaten. Geschickt werden dabei die Geschichten seiner Figuren vor und nach dem Anschlag verwoben, wobei er die Fäden der Handlungsstränge in seinem narrativen Netz gekonnt miteinander verknüpft. Die immer eindeutig zuzuordnenden Orts- und Zeitsprünge der einzelnen Kapitel werden zum Teil in Form protokollartiger Aufzeichnungen erzählt, die durchaus spannungsgeladen sind, obwohl das dramatische Ereignis dem Leser ja gleich am Anfang schon bekannt wird. Wie es dazu kam, das also ist hier das Spannende! Balkankriege, KZs, Drogensucht, Polizeifrust, Migrationsdruck, politische Ränkespiele, sensationslüsternes Privatfernsehen, dunkle Geschäfte mit Osteuropa, schreiendes soziales Unrecht sind Themen dieses Romans, aber auch die glücklichen Zufälle, die einige wenige davor bewahrt haben, im Opernhaus zu sein, weil sie zu spät eintrafen wie die berühmte Operndiva, oder die aus letztendlich glücklichen Umständen den Ball früher verlassen mussten. Der Roman ist das beklemmende Sittenbild eines latent rechtsgesinnten Staates, die sechs Jahre vor 9/11 angesiedelte, brutale Geschichte hat sich als hellsichtige Beschreibung eines Zustands erwiesen, dessen inzwischen bewiesene Realität weit bedrückender ist als die fiktionale Geschichte selbst, die der Autor seinen Lesern da thrillergerecht auftischt. Es sei per se Aufgabe der Fiktion, einen Möglichkeitsraum auszuleuchten, hat Haslinger dazu angemerkt. Das ist ihm fürwahr gelungen!
Ausgetanzt
Polar aus Aachen am 15.08.2007
Bewertungsnummer: 566977
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Der Opernball, an Dekadenz kaum zu überbieten, doch von denen, die darauf tanzen heißgeliebt. Kein Wunder, daß er zum Zielobjekt eines terroristischen Anschlags wird. Lange vor 9/11 wird hier an einem Sinnbild westlicher Kultur ein Fanal entzündet. Nur daß es niemand aus dem Nahen Osten war. Als Haslinger die Geschichte schrieb, befanden wir uns noch nicht im Kampf der Kulturen, wenigstens nicht auf sichtbarer Ebene. Haslinger entwirft ein faszinierendes Porträt von Haß, Verblendung, Wut und Ohnmacht. Er begeht dabei nicht den Fehler, sich als Autor allzu sehr auf eine der Seiten zu schlagen. Nüchtern, teilweise sich wie durch Fakten bewegend, schreibt er seine Poesie des Realen, des Unabänderlichen. Du siehst zwei Züge aufeinander zurasen, und du kannst nichts dagegen tun. Eine visionäre Geschichte, deren politische Gegenwart in unserer Zeit zu einer Verschärfung der Gesetze führt, deren Sentenz allerdings besagt, wenn einer wirklich einen Anschlag will, ist er kaum aufzuhalten.
Meinung aus der Buchhandlung
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Auf den Wiener Opernball wird ein Anschlag mit Giftgas verübt. Fast zweitausend Menschen finden den Tod. Noch während die Ballgäste sterben, laufen die Kameras des übertragenden Senders ETV (eine Alternative zum ORF) weiter und die ganze Welt sieht dem Sterben zu. Dieser Terrorakt verändert die gesellschaftliche und politische Landschaft Österreichs, zumal auch viele Menschen des öffentlichen Lebens und Parteifunktionäre dabei umkommen.
Unter den Opfern ist auch Fred, der Sohn des bekannten TV-Journalisten Kurt Frazer. Da aus Kurt Frazers Sicht viel zu wenig Zeit und Energie in die Aufklärung dieses Falles investiert wird, beginnt dieser eigenständig Nachforschungen anzustellen. Er verstrickt sich immer tiefer in ein Geflecht aus Lügen, Verrat und Polizeischlamperei.
Der zweite im Buch beschriebene Charakter trägt den Namen Der Ingenieur. Er ist der Techniker der rechtsradikalen Gruppe, welche hinter dem Anschlag steckt. Vom Ingenieur erfährt man viel über das eigentliche Ziel des Anschlages. Die Beweggründe, die diese rechtsradikale Gruppe antreibt, werden durch ihn klar verdeutlicht. Durch ein Versehen, es wird das falsche Gas in das Belüftungssystem geleitet, sterben zu allem Überfluss auch noch alle anderen beteiligten Drahtzieher.
Die dritte im Roman vertretene Figur ist Kurt Amon, ein biederer Bezirksinspektor. Zusammen mit einem Kollegen entdeckt er wenige Stunden vor dem Anschlag einen abgetrennten Finger. Was Amon noch nicht ahnen kann ist, dass dieser Finger einen wesentlichen Hinweis zur Klärung beitragen wird.
Neben diese drei Herren gibt es noch drei weitere Menschen, welche erst gegen Mitte des Thrillers vorkommen und die Geschichte noch komplexer machen. Aufgrund dieser Vielzahl an handelnden Personen, ist es spätestens ab diesem Zeitpunkt sehr schwer, die Handlung noch sinngemäß zu folgen. Beispielsweise die Tatsache, dass die drei Herrn zu Beginn ihre Sicht der Dinge aus verschiedenen Zeitabschnitten beschreiben.
Kurt Frazers Erlebnisse reichen fast drei Jahre zurück, die des Ingenieurs mehrere Monate. Die von Fritz Amon erzählten Vorkommnisse liegen erst wenige Stunden zurück. Teils sind die Geschichten aus der Ich-Perspektive verfasst, teilweise aus der Erzählsicht. Ziemlich wirr
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