Tage in Burma

detebe Band 20308

George Orwell

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Beschreibung

»Orwell kennen die meisten Leser nur als düsteren >Big Brother<-Visionär - die wenigsten wissen, daß der Autor einige Jahre als Kolonialbeamter in Burma tätig war. Vor diesem Erfahrungshintergrund entfaltet er die Geschichte eines britischen Diplomaten in einem burmesischen Außenposten. Lesenswert vor allem wegen der Schilderungen der Landeskultur - und George Orwells bitterböser Abrechnung mit der britischen Kolonial-Mentalität.«

Produktdetails

Verkaufsrang 11695
Format ePUB i
Kopierschutz Nein i
Family Sharing Ja i
Text-to-Speech Ja i
Erscheinungsdatum 20.11.2012
Verlag Diogenes
Seitenzahl 336 (Printausgabe)
Dateigröße 1401 KB
Auflage 1. Auflage
Übersetzer Susanna Brenner-Rademacher
Sprache Deutsch
EAN 9783257602500

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Abrechnung mit dem Kolonialismus

Eine Kundin/ein Kunde aus Baden-Baden am 20.05.2021

Bewertet: Buch (gebundene Ausgabe)

„ Tage in Burma“, 1934 erschienen, ist George Orwells Debutroman ( zwei vorangegangene Bücher hat er vernichtet, nachdem sie abgelehnt wurden). Er verarbeitet darin eigene Erfahrungen. Orwell, in Indien geboren, in England erzogen, war ein Kind des Empire. Mit 19 Jahren trat er seinen Dienst als Kolonialbeamter an ; er war von 1921 - 1927 Polizeioffizier in Burma ( dem heutigen Myamar ). Diese Zeit ließ ihn zu einem erbitterten Gegner des Imperialismus werden. Der Roman spielt in dem fiktiven Distrikt Kyauktada im nördlichen Burma in den 1920er Jahren. Protagonist ist der 35jährige englische Teakholzhändler John Flory. Er leidet unter dem tropischen Klima, aber mehr noch unter seiner Einsamkeit. Fremd fühlt er sich im Europäischen Klub, das Gerede und die ständigen Besäufnisse widern ihn an; trotzdem verkehrt er regelmäßig dort. Doch auch eine Rückkehr nach England ist keine Lösung, zu lange lebt er schon hier. Anders als seine Landsleute interessiert sich Flory für die burmesische Kultur und die Lebensweise der Einheimischen. Einen Seelenverwandten findet er in dem indischen Arzt Dr. Veraswasmi, der ein glühender , aber auch naiver Anhänger der britischen Kultur ist. Mit ihm trifft er sich zu regelmäßigen Gesprächen. Als Elizabeth, die Nichte eines anderen Holzhändlers in die Stadt kommt, meint Flory die Frau getroffen zu haben, die ihn aus seiner Einsamkeit befreien wird. Die beiden verbringen einige Zeit miteinander und als Flory ihr endlich einen Heiratsantrag machen will, kommt ihm ein Erdbeben dazwischen. Außerdem hat Eizabeths Tante einen weitaus besseren Anwärter für ihre Nichte im Auge. Die unglückliche Liebesgeschichte zwischen Flory und Elizabeth ist der eine Erzählstrang, der für Spannung sorgt, ein anderer die Intrige, die der burmesische Distriktrichter U Po Kyin spinnt. Der verfolgt skrupellos sein Ziel, anerkanntes Mitglied im Europäischen Klub zu werden. Das führt letztendlich auch zu Florys Untergang. Orwell wirft in diesem Roman einen schonungslosen Blick auf die koloniale Gesellschaft. Kaum eine Figur ist wirklich sympathisch. Die Engländer, die sich den Burmesen weit überlegen fühlen, sind ein Haufen ignoranter Dummschwätzer und unfähiger Säufer. Für die einheimische Bevölkerung haben sie nur Hohn und Verachtung übrig und sie regieren über sie mit äußerster Härte. Flory ist zwar kein solcher Rassist wie seine Landsleute, doch auch er ist ein Kind seiner Zeit. Seine burmesische Geliebte behandelt er respektlos und voller Geringschätzung. Und als ihn sein indischer Freund um Unterstützung bittet, macht er zunächst feige einen Rückzieher. Doch Flory ist hellsichtig genug, um das wahre Wesen der Kolonialisierung zu begreifen. Es geht nicht darum, „ unseren armen schwarzen Brüder die Segnungen der Kultur zu bringen“, sondern darum, das Land auszuplündern und deren Kultur zu zerstören. Diese Scheinheiligkeit, die dahinter steht, korrumpiert beide Seiten. Orwell zeigt, wie sowohl auf englischer wie auch auf burmesischer Seite, Anstand, Menschlichkeit und Moral zugrunde gehen. Mit U Po Kyin hat der Autor ein Paradebeispiel von einem Schurken geschaffen- korrupt, erbarmungslos, intrigant. Auch die Frauenfiguren im Buch sind wenig sympathisch. Elizabeth ist keineswegs die passende Kameradin für Flory - der Leser weiß es früher als dieser - sondern eine dumme, oberflächliche Frau, die dringend einen vorzeigbaren Ehemann braucht. Alles Burmesische ist für sie abstoßend und befremdlich. Trotz der scharfen Sozialkritik liest sich der Roman unterhaltsam und süffig. Gespannt verfolgt man den Fortgang der Handlung. Die vielen Dialoge entlarven die Redner und machen die Geschichte äußerst lebendig. Auch an Humor fehlt es nicht. Dazu lässt Orwell die Schönheit des Landes, die überreiche Fülle der Natur in atmosphärisch dichten Bildern entstehen. „ Tage in Burma“ ist ein großartiges Zeitdokument, eine Abrechnung mit dem Kolonialismus und gerade deshalb immer noch sehr lesenswert. Der Dörlemann- Verlag hat diesen faszinierenden Roman nun in einer gelungenen Neu- Übersetzung von Manfred Allie und in einer wunderschön aufgemachten Ausgabe herausgebracht. Lobenswert ist ebenfalls das im Anhang beigefügte Glossar der wichtigsten burmesischen oder anglo- indischen Begriffe und das äußerst aufschlussreiche Nachwort von Manfred Papst.

5/5

Abrechnung mit dem Kolonialismus

Eine Kundin/ein Kunde aus Baden-Baden am 20.05.2021
Bewertet: Buch (gebundene Ausgabe)

„ Tage in Burma“, 1934 erschienen, ist George Orwells Debutroman ( zwei vorangegangene Bücher hat er vernichtet, nachdem sie abgelehnt wurden). Er verarbeitet darin eigene Erfahrungen. Orwell, in Indien geboren, in England erzogen, war ein Kind des Empire. Mit 19 Jahren trat er seinen Dienst als Kolonialbeamter an ; er war von 1921 - 1927 Polizeioffizier in Burma ( dem heutigen Myamar ). Diese Zeit ließ ihn zu einem erbitterten Gegner des Imperialismus werden. Der Roman spielt in dem fiktiven Distrikt Kyauktada im nördlichen Burma in den 1920er Jahren. Protagonist ist der 35jährige englische Teakholzhändler John Flory. Er leidet unter dem tropischen Klima, aber mehr noch unter seiner Einsamkeit. Fremd fühlt er sich im Europäischen Klub, das Gerede und die ständigen Besäufnisse widern ihn an; trotzdem verkehrt er regelmäßig dort. Doch auch eine Rückkehr nach England ist keine Lösung, zu lange lebt er schon hier. Anders als seine Landsleute interessiert sich Flory für die burmesische Kultur und die Lebensweise der Einheimischen. Einen Seelenverwandten findet er in dem indischen Arzt Dr. Veraswasmi, der ein glühender , aber auch naiver Anhänger der britischen Kultur ist. Mit ihm trifft er sich zu regelmäßigen Gesprächen. Als Elizabeth, die Nichte eines anderen Holzhändlers in die Stadt kommt, meint Flory die Frau getroffen zu haben, die ihn aus seiner Einsamkeit befreien wird. Die beiden verbringen einige Zeit miteinander und als Flory ihr endlich einen Heiratsantrag machen will, kommt ihm ein Erdbeben dazwischen. Außerdem hat Eizabeths Tante einen weitaus besseren Anwärter für ihre Nichte im Auge. Die unglückliche Liebesgeschichte zwischen Flory und Elizabeth ist der eine Erzählstrang, der für Spannung sorgt, ein anderer die Intrige, die der burmesische Distriktrichter U Po Kyin spinnt. Der verfolgt skrupellos sein Ziel, anerkanntes Mitglied im Europäischen Klub zu werden. Das führt letztendlich auch zu Florys Untergang. Orwell wirft in diesem Roman einen schonungslosen Blick auf die koloniale Gesellschaft. Kaum eine Figur ist wirklich sympathisch. Die Engländer, die sich den Burmesen weit überlegen fühlen, sind ein Haufen ignoranter Dummschwätzer und unfähiger Säufer. Für die einheimische Bevölkerung haben sie nur Hohn und Verachtung übrig und sie regieren über sie mit äußerster Härte. Flory ist zwar kein solcher Rassist wie seine Landsleute, doch auch er ist ein Kind seiner Zeit. Seine burmesische Geliebte behandelt er respektlos und voller Geringschätzung. Und als ihn sein indischer Freund um Unterstützung bittet, macht er zunächst feige einen Rückzieher. Doch Flory ist hellsichtig genug, um das wahre Wesen der Kolonialisierung zu begreifen. Es geht nicht darum, „ unseren armen schwarzen Brüder die Segnungen der Kultur zu bringen“, sondern darum, das Land auszuplündern und deren Kultur zu zerstören. Diese Scheinheiligkeit, die dahinter steht, korrumpiert beide Seiten. Orwell zeigt, wie sowohl auf englischer wie auch auf burmesischer Seite, Anstand, Menschlichkeit und Moral zugrunde gehen. Mit U Po Kyin hat der Autor ein Paradebeispiel von einem Schurken geschaffen- korrupt, erbarmungslos, intrigant. Auch die Frauenfiguren im Buch sind wenig sympathisch. Elizabeth ist keineswegs die passende Kameradin für Flory - der Leser weiß es früher als dieser - sondern eine dumme, oberflächliche Frau, die dringend einen vorzeigbaren Ehemann braucht. Alles Burmesische ist für sie abstoßend und befremdlich. Trotz der scharfen Sozialkritik liest sich der Roman unterhaltsam und süffig. Gespannt verfolgt man den Fortgang der Handlung. Die vielen Dialoge entlarven die Redner und machen die Geschichte äußerst lebendig. Auch an Humor fehlt es nicht. Dazu lässt Orwell die Schönheit des Landes, die überreiche Fülle der Natur in atmosphärisch dichten Bildern entstehen. „ Tage in Burma“ ist ein großartiges Zeitdokument, eine Abrechnung mit dem Kolonialismus und gerade deshalb immer noch sehr lesenswert. Der Dörlemann- Verlag hat diesen faszinierenden Roman nun in einer gelungenen Neu- Übersetzung von Manfred Allie und in einer wunderschön aufgemachten Ausgabe herausgebracht. Lobenswert ist ebenfalls das im Anhang beigefügte Glossar der wichtigsten burmesischen oder anglo- indischen Begriffe und das äußerst aufschlussreiche Nachwort von Manfred Papst.

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