In ihrem letzten Roman thematisiert Carson McCullers die Unabwendbarkeit des Todes: Dem Apotheker Malone wird von seinem Arzt eröffnet, daß er nur noch ein gutes Jahr zu leben hat. Ist das genug Zeit, sich vom Vergangenen zu verabschieden und das Sterben zu akzeptieren?
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McCullers, Uhr ohne Zeiger
Odilie Pressberger aus Regensburg (Donau EKZ) am 24.10.2011
Bewertungsnummer: 749101
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich finde alle Bücher von Carson McCullers unfassbar schön. Jedes Buch berührt das Herz in einer Art und Weise, wie wir es heute gar nicht mehr gewohnt sind. Und es bringt auch den Verstand zum Arbeiten! Der Apotheker Malone bekommt von seinem Arzt gesagt, daß er so schwer krank ist, daß er nur noch ein Jahr zu leben hat. Was macht Malone jetzt? Und was machen die Menschen um ihn herum? Was würden SIE an seiner Stelle machen? Ein Buch, das Sie niemals vergessen werden, wenn Sie es gelesen haben.
Uhr ohne Zeiger
Carson McCullers
Der Richter, der Apotheker und der Tod
Der Roman - Uhr ohne Zeiger - ist in den frühen 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts angesiedelt und spielt in dem kleinen Südstaatenstädtchen Georgia. Der dort ansässige Apotheker J. T. Melone bekommt von seinem Arzt die Diagnose Leukämie. Er würde nicht mehr lange leben, höchsten noch ein Jahr gibt ihm der Arzt. Zerstört und fassungslos weiß er nicht wie er es seiner Frau erzählen soll. In seine Apotheke, bekommt er immer wieder Besuch des Richters Fox Clane, der über den frühen Tod seiner Frau und seines Sohnes noch immer betrauert. Selbst sein Enkel ist ihm kein Trost.
Uhr ohne Zeiger war der letzte Roman denn Carson McCullers veröffentlichte und wie auch schon bei Patricia Highsmith - war der es jeweils mein erster Roman, den ich von der äußerst talentierten Schriftstellerin gelesen habe. Mehr aus Zufalls als aus purer Absicht. Meiner Meinung nach, lebt dieser Roman durch seine Hauptprotagonisten, drei hab ich bereits oben erwähnt und der vierte im Bunde ist Sherman Pew, ein farbiger Angestellter, der dem Richter täglich die Diabetesspritzen setzt. Fox Clane ist in diesem Reigen eindeutig der Charakter, der mir am Besten gefallen hat und der eindeutig die komplexere und vielschichtigste Person des gesamten Stücks ist. Er ist ein konservativer Mann, der durch den Verlust seines Kindes und seiner Frau sehr leidet und dessen überzogene politische Überzeugungen, seinen Enkel von ihm immer mehr entfremdet. Man kann sich sehr gut in den alternden Südstaaten-Politiker hineinversetzen und seine kruden Ideen nachvollziehen, auch wenn man sie als Leser nicht gut heißt. Ihm gegenüber steht der todkranke Apotheker, der zwar neben den Richter ein wenig blass wirkt, aber durch seinem nahen Tod ständig darüber nachdenkt und auch dem geneigten Leser dazu bringt sich mit dem Sterben auseinandersetzen. Zumindest ist es mir beim Lesen so ergangen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Schriftstellerin, die zu dieser Zeit bereits schwer von Krankheit gezeichnet war, und sich daher auch mit dem Thema Tod auseinandersetzt haben wird, einige Biografisches mit einfließen lassen hat. Wer allerdings nun ein starktes Melodram erwartet, dem muss ich ein wenig enttäuschen. Es ist ein düsterer Roman, der sich mit Rassismus, Homosexualität und eben dem endgültigen Tod auseinandersetzt. Ein Jahr vor der Ersterscheinung ist auch - Wer die Nachtigall stört - erschienen, wird aber wahrscheinlich nicht so sehr angeeckt sein, weil der Rassismus nicht direkt angeklagt wird, sondern eben nur aufgezeigt und durch den Richter ein wenig persifliert wird. Carson McCullers, die oft genug für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen wurde, verstarb leider viel zu früh. Man mag gar nicht daran denken, welch literarische Werke dadurch nie geschrieben worden sind. Ihr erster Roman - Das Herz ist ein einsamer Jäger - hab ich mir bereits besorgt und wird umgehend von mir gelesen.
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