Bunkerarchäologie
Band 2
Passagen Forum Band 2

Bunkerarchäologie

Buch (Taschenbuch)

25,95 €

inkl. gesetzl. MwSt.
  • Kostenlose Lieferung ab 30 € Einkaufswert
  • Versandkostenfrei für Bonuscard-Kund*innen

Beschreibung

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

01.10.2011

Herausgeber

Peter Engelmann

Verlag

Passagen

Seitenzahl

176

Maße (L/B/H)

20,8/12,1/1,7 cm

Beschreibung

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

01.10.2011

Herausgeber

Peter Engelmann

Verlag

Passagen

Seitenzahl

176

Maße (L/B/H)

20,8/12,1/1,7 cm

Gewicht

305 g

Auflage

1

Originaltitel

Bunker archéologie

Übersetzt von

Bernd Wilczek

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-85165-960-3

Unsere Kundinnen und Kunden meinen

0.0

0 Bewertungen

Informationen zu Bewertungen

Zur Abgabe einer Bewertung ist eine Anmeldung im Konto notwendig. Die Authentizität der Bewertungen wird von uns nicht überprüft. Wir behalten uns vor, Bewertungstexte, die unseren Richtlinien widersprechen, entsprechend zu kürzen oder zu löschen.

Verfassen Sie die erste Bewertung zu diesem Artikel

Helfen Sie anderen Kund*innen durch Ihre Meinung

Erste Bewertung verfassen

Unsere Kundinnen und Kunden meinen

0.0

0 Bewertungen filtern

Meinungen aus unserer Buchhandlung

Profilbild von Dr. Ralf ROTHER

Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.

Dr. Ralf ROTHER

Thalia Wien – Mariahilfer Straße

Zum Portrait

5/5

Eine immer noch erstaunliche Lektüre

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Virilios Bücher zur Bunkerarchitektur des Nationalsozialismus und zur Verräumlichung des Militärapparats sind einzigartig. Auch nach Jahrzehnten ist eine erneute Lektüre erstaunenswert. Ich habe in den 80er-Jahren Virilios Schriften, wie die anderer Autoren, über den Merve Verlag kennengelernt, die in einer Fehllektüre damals der Postmoderne bzw. dem Neostrukturalismus zugeschlagen wurden. Einerseits berichten auch heute noch Virilios Arbeiten von einem Trauma, mit dem mehrere Generationen groß geworden sind, das der Nationalsozialismus hinterlassen hat. Andererseits hat keiner wie Virilio auf die Verräumlichung des Krieges und auf den Raum des Militärs hingewiesen. Virilio ist an der Küste der Bretagne, bei Nantes, aufgewachsen. In der Einleitung zur Bunkerarchäologie erfährt die Leserin von der schmerzhaften Erfahrung, die der kleine Junge Virilio machte, als das deutsche Militär die französische Bevölkerung vom Meer fernhielt und den Atlantikwall mit seinen Bunkern und Monumenten errichtete. Diese Wunde ließ Virilio arbeiten, als Architekt, als Philosoph, als Militärhistoriker, als Raum- und Geschwindigkeitsdenker. Das, was Virilio von allen Staats- und Kriegshistorikern unterscheidet, ist der Gedanke, dass der Krieg keine Ausnahme ist. Der Krieg ist keine Ausnahme des Rechts oder liegt jenseits des Rechts. Der Krieg ist nur die eine Wirklichkeit, die wache Wirklichkeit, der militärischen Institutionen, die den Bereich der Gewalt hüten. Virilio schreibt: „Die militärische Institution ist ein zyklothymes Tier, das im Frieden schläft und im Krieg erwacht.“ Virilio geht es um die Gewalt, die stets räumlich und zeitlich ist. Als eine Gewalt, die räumlich und zeitlich ist, strukturiert sie Bereiche und Territorien. Dieser geografische Raum der Gewalt ist ein dynamisches Aktionsfeld, in dem die Gewalt militärische Institutionen und Architekturen ausbildet. Virilio beschreibt, wie die technische Entwicklung militärischer Gewalt verschiedenste Umformungen erfuhr, die letztlich darüber entscheiden, wie der Raum aufgeteilt ist. Mal sind die Verminderung von Hindernissen und die Schrumpfung der Entfernung kriegsentscheidend, mal kommt es darauf an, die Geschwindigkeit derart zu vergrößern, dass die Zeit im Krieg verschwindet: Diese Verkürzung des Krieges zielt darauf ab, den Beginn des Krieges mit seinem Ende zusammenfallen zu lassen. Diese Analyse von Raum- und Zeitverhältnissen der Gewalt und des Krieges, die Virilio vorlegt, gewährt ein Verständnis der Gewalt- und Kriegszustände, die eine politische Analyse nicht in Blick nehmen kann. So kommt Virilio bezüglich der nationalsozialistischen Militärstrategie zu dem Schluss, dass mit dem Ausbau einer Festung Europa samt Atlantikwall die Niederlage unvermeidbar wurde. Der Erfolg des sogenannten Blitzkrieges des Nationalsozialismus kam an den Künsten Westeuropas zum Erliegen und läutete mit der defensiven Bunkerarchitektur den manifesten Niedergang des Systems ein. Auch wenn der Bunker in seiner Architektur das totale und feste Haus (Schutzraum und Festung) sein soll, so zeigen die Bunkermonolithe des Atlantikwalls, wie aus dem panic room ein Sarkophag wurde, dessen architektonische Semantik sich nicht nur in der Nuklearindustrie wiederholt, sondern mit den ökologischen Katastrophen (Treibhauseffekt und die Verschmutzung der Biosphären) als Planet Erde wiederersteht. Mit der Globalisierung technischer und ökonomischer Gewalt (Verschmutzung, Zerstörung, Ausbeutung) wird der Planet Erde zu einem Bunker mit gigantischen terrestrischen Ausmaßen, der keine Funktion als Rückzugsraum besitzt, jedoch die Gewalt seiner Geschichte in sich einschließt.
5/5

Eine immer noch erstaunliche Lektüre

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Virilios Bücher zur Bunkerarchitektur des Nationalsozialismus und zur Verräumlichung des Militärapparats sind einzigartig. Auch nach Jahrzehnten ist eine erneute Lektüre erstaunenswert. Ich habe in den 80er-Jahren Virilios Schriften, wie die anderer Autoren, über den Merve Verlag kennengelernt, die in einer Fehllektüre damals der Postmoderne bzw. dem Neostrukturalismus zugeschlagen wurden. Einerseits berichten auch heute noch Virilios Arbeiten von einem Trauma, mit dem mehrere Generationen groß geworden sind, das der Nationalsozialismus hinterlassen hat. Andererseits hat keiner wie Virilio auf die Verräumlichung des Krieges und auf den Raum des Militärs hingewiesen. Virilio ist an der Küste der Bretagne, bei Nantes, aufgewachsen. In der Einleitung zur Bunkerarchäologie erfährt die Leserin von der schmerzhaften Erfahrung, die der kleine Junge Virilio machte, als das deutsche Militär die französische Bevölkerung vom Meer fernhielt und den Atlantikwall mit seinen Bunkern und Monumenten errichtete. Diese Wunde ließ Virilio arbeiten, als Architekt, als Philosoph, als Militärhistoriker, als Raum- und Geschwindigkeitsdenker. Das, was Virilio von allen Staats- und Kriegshistorikern unterscheidet, ist der Gedanke, dass der Krieg keine Ausnahme ist. Der Krieg ist keine Ausnahme des Rechts oder liegt jenseits des Rechts. Der Krieg ist nur die eine Wirklichkeit, die wache Wirklichkeit, der militärischen Institutionen, die den Bereich der Gewalt hüten. Virilio schreibt: „Die militärische Institution ist ein zyklothymes Tier, das im Frieden schläft und im Krieg erwacht.“ Virilio geht es um die Gewalt, die stets räumlich und zeitlich ist. Als eine Gewalt, die räumlich und zeitlich ist, strukturiert sie Bereiche und Territorien. Dieser geografische Raum der Gewalt ist ein dynamisches Aktionsfeld, in dem die Gewalt militärische Institutionen und Architekturen ausbildet. Virilio beschreibt, wie die technische Entwicklung militärischer Gewalt verschiedenste Umformungen erfuhr, die letztlich darüber entscheiden, wie der Raum aufgeteilt ist. Mal sind die Verminderung von Hindernissen und die Schrumpfung der Entfernung kriegsentscheidend, mal kommt es darauf an, die Geschwindigkeit derart zu vergrößern, dass die Zeit im Krieg verschwindet: Diese Verkürzung des Krieges zielt darauf ab, den Beginn des Krieges mit seinem Ende zusammenfallen zu lassen. Diese Analyse von Raum- und Zeitverhältnissen der Gewalt und des Krieges, die Virilio vorlegt, gewährt ein Verständnis der Gewalt- und Kriegszustände, die eine politische Analyse nicht in Blick nehmen kann. So kommt Virilio bezüglich der nationalsozialistischen Militärstrategie zu dem Schluss, dass mit dem Ausbau einer Festung Europa samt Atlantikwall die Niederlage unvermeidbar wurde. Der Erfolg des sogenannten Blitzkrieges des Nationalsozialismus kam an den Künsten Westeuropas zum Erliegen und läutete mit der defensiven Bunkerarchitektur den manifesten Niedergang des Systems ein. Auch wenn der Bunker in seiner Architektur das totale und feste Haus (Schutzraum und Festung) sein soll, so zeigen die Bunkermonolithe des Atlantikwalls, wie aus dem panic room ein Sarkophag wurde, dessen architektonische Semantik sich nicht nur in der Nuklearindustrie wiederholt, sondern mit den ökologischen Katastrophen (Treibhauseffekt und die Verschmutzung der Biosphären) als Planet Erde wiederersteht. Mit der Globalisierung technischer und ökonomischer Gewalt (Verschmutzung, Zerstörung, Ausbeutung) wird der Planet Erde zu einem Bunker mit gigantischen terrestrischen Ausmaßen, der keine Funktion als Rückzugsraum besitzt, jedoch die Gewalt seiner Geschichte in sich einschließt.

Dr. Ralf ROTHER
  • Dr. Ralf ROTHER
  • Buchhändler/-in

Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.

Meinungen aus unserer Buchhandlung

Bunkerarchäologie

von Paul Virilio

0 Rezensionen filtern

  • Bunkerarchäologie