RezensentInnen des Österreichischen Bibliothekswerks
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03.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mit Phantasiereichtum gegen Spracharmut.
Zwei Erwachsene sitzen schweigend vor dem Fernsehapparat, der Junge kommt am Nachmittag aus der Schule. Stille, Schweigen, Resignation, Mindestsicherung, Arbeitslosigkeit, Depression, Verzweiflung, Beziehungs- und Spracharmut schlagen den LeserInnen bereits auf der ersten Doppelseite entgegen. Der Fernseher plappert, sonst ist es still. Gut für alle BetrachterInnen, dass jetzt der Junge kommt, denn der hat seine eigene Welt. Er hat sogar einen ganzen Teppich aus Papier, genauer aus Zeitungen, die die Mutter aus dem Mistkübel im Hof holt. Nein, kein Geld für Bücher, für Zoo, für Kino, nur den Fernseher und die schweigenden Bezugspersonen davor. Der Junge schafft es, seine Phantasie wach zu halten, sich aus der Enge wegzuträumen, dann gibt es in seinem Kopf Kino. Die Geschichte gewinnt an Buntheit, die verdanken wir dem Jungen: Er hat den Vater bereits gewonnen, der ist jetzt der Frosch, wenn er, der Junge, die Sonnenanbeterin spielt.
Ein besonderes Buch für alle Bibliotheken, für alle Fortbildungen, für alle PolitikerInnen, für alle, die es noch immer wagen, von sozialen Hängematten zu reden: Bedrückende Armut wird hier nicht schön- und weggeredet, sondern einfach nur dargestellt. Hoffnung, Leben, Farbe ist hier aus Papierschnipseln entstanden, ein Kind hat für sich einen Weg gefunden. (Christina Repolust)
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