Das Hollywoodkino spielt vertraute Geschichten in immer neuen Abwandlungen durch - genau das ist seine Stärke. So variiert ein Film wie »Million Dollar Baby« virtuos die Muster des klassischen Erzählens und erweitert damit die filmsprachlichen Möglichkeiten. Anhand prominenter Beispiele untersucht Michaela Krützen, was die Filme des »etwas anderen Hollywood« so besonders macht und arbeitet die drei aktuellen Strategien heraus, mit denen die alten Geschichten neu aufgeladen werden: Das Kino der Gegenwart bietet unzuverlässige Erzählungen, nicht-chronologische Geschichten und mehrsträngige Handlungen. Wer die lebendig geschriebenen Analysen von »The Usual Suspects«, »Mulholland Dr.«, »Pulp Fiction«, »Memento«, »Short Cuts«, »Twelve Monkeys«, »Traffic«, »The Hours« oder »Adaption.« gelesen hat, wird diese Filme noch einmal, nämlich mit anderen Augen sehen wollen.
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Meinung aus der Buchhandlung
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Michaela Krützen hat im Fischer Verlag zwei Bücher mit annähernd gleichlautendem Titel, aber unterschiedlichen Inhalten herausgebracht:
Das 2004 erschienene Dramaturgie des Films beschäftigt sich mit den Erzählstrukturen des klassischen Hollywood. Wobei klassisch hier nicht alt heißt: der beispielhaft analysierte Film ist SCHWEIGEN DER LÄMMER von 1991.
In dem hier besprochenen, 2010 aufgelegten Band Dramaturgien des Films werden nun die Erzählungen des etwas anderen Hollywood analysiert.
Die unzuverlässigen Erzähler dieses etwas anderen Hollywood lügen, träumen, haben gespaltene Persönlichkeiten, sind unwissend, tot oder sogar sowohl gedächtnislos als auch manipulativ wie das in den Filmen THE USUAL SUSPECTS, MULLHOLLAND DR, FIGHT CLUB, FORREST GUMP, SIXTH SENSE und MEMENTO der Fall ist, die neben zahlreichen weiteren sehr ausführlich besprochen werden. Die Unzuverlässigkeit dieser Erzählperspektiven wird dem Zuseher oft erst am Ende des Films in einem last act twist offenbart, sodass er in der Nachschau einen bis dahin unerwarteten Handlungsverlauf neu rekonstruieren muss.
Unzuverlässige, nichtchronologische und mehrstrangige Erzählungen sind die von der Autorin untersuchten erzählerischen Strukturen, die alle auch bislang zur Formensprache Hollywoods zählten. Neu sind die Radikalität und Vielschichtigkeit, mit der die Filmemacher diese Mittel einsetzen und dabei seit Mitte der Neunziger-Jahre einen ausgesprochenen Trend zu derart erweiterten Erzählformen bilden.
Handlungsverläufe wie diese setzen im Publikum ein profundes Wissen um filmische Konventionen und Stereotypien voraus. Internet und ein breites Angebot auf DVD bieten aber auch neue Rezeptionsbedingungen mit einer gegenüber dem einmaligen Kinobesuch wesentlich reicheren Informationsfülle.
Mit Michaela Krützens Buch befindet sich der Leser im tiefsten inneren Produktionsprozess der zeitgenössischen Kulturindustrie. Detaillierte Beschreibungen der dichten inner- und außerfilmischen Bezüge des zeitgenössischen Kinos machen das Buch ebenso geistreich, pointenreich und unterhaltsam wie die Filme selbst.
Eine Empfehlung!
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