Ein indianischer Sommer ist eine echte Graphic Novel, deren Handlung am Beginn des 17. Jahrhunderts zur Zeit der Indianerkriege in New England spielt. Ein Abenteuerroman, mit großer Virtuosität von Manara gezeichnet und mit noch größerer Leidenschaft vom besten Comicautor der Welt geschrieben, nämlich Hugo Pratt, dem berühmten Erfinder des Corto Maltese. 17. Jahrhundert, die ersten amerikanischen Kolonien. In den Tagen des indischen Sommers, der kurzen Zeit schönen Wetters am Ende des Herbstes, das den bevorstehenden Winter ankündigt, eskaliert ein Vorfall zwischen Indianern und Kolonisatoren in einen unbarmherzigen Krieg mit allen Mitteln. Die beiden gegnerischen Gruppen werden durcheinander wirbelt und letztendlich kommt es zur finalen Abrechnung zwischen zwei Familien, die durch viele unvermutete und geheime Verflechtungen seit langer Zeit verbunden sind. Ein indianischer Sommer wurde von Hugo Pratt extra für die Zeichnungen von Mílo Manara geschrieben, ein Roman in Comicform, der seit dem ersten Tag der Veröffentlichung durch seinen komplexen Handlungsstrang und die außergewöhnlich gute grafischen Umsetzung nicht nur Comicfans in aller Welt staunen ließ. Pratt, dessen Steckenpferd schon seit jeher die amerikanische Geschichte war, ließ die klassische Abenteuergeschichte in die zweite Reihe treten und vertiefte sich in eine sinnliche Ebene, in der er all seine Großartigkeit als Autor und Erzähler ausbreiten konnte. Nicht nur schuf er neue, unvergessliche weibliche Figuren, nein, Mílo Manara spielte hier sein Talent als Bühnenbildner und grafischer Erzähler voll aus, wobei in diesem Band einige seiner schönsten Zeichnungen zu finden sind.
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Manaras ganzes Spektrum gezeigt
breedstorm am 26.01.2016
Bewertungsnummer: 904858
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Manara Werksausgabe 16
Panini Comics hat es sich seit 2009 zur Aufgabe gemacht, Manaras Arbeiten als Werksausgabe herauszubringen, lange vor dem Start der neuen Albensparte. Das bedeutete einheitliches Großformat, Hardcover, Schutzumschlag und hochwertiges Papier. Natürlich gibt es dazu viel Bonusmaterial. In der Werksausgabe sind viele Klassiker erschienen, z.B. Indian Summer oder El Gaucho. In Band 16 der Werksausgabe sind 3 lange Geschichten enthalten.
Mann aus Papier
Manaras Anspruch, eine Westerngeschichte zu zeichnen, in der nicht geschossen wird, hat sich (fast) erfüllt. Er schickt einen jungen Abenteurer, einen alten Briten in der Unform seines Vaters und eine Indianerin ohne Höschen auf eine abgefahrene Reise durch den wahrlich Wilden Westen. Ihnen zur Seite stehen in Priester, der bei Regen Amok läuft und ein Indianer, der von allem was er ausdrücken will das Gegenteil macht. Dabei müssen sie sich gegen gierige Kavallerie und nackte Häuptlingssöhne behaupten. Kling irre? Isses auch.
Der Schneemensch
Nicht erst Reinhold Messner will ihn gesehen haben, den Yeti, jenen legendären Schneemensch, der auf dem Himalaya und anderswo auf der Welt gesichtet wurde. Tobey, Reporter beim Daily Telegraph aus London, macht sich 1921 auf dem Suche nach dem legendären Wesen. Auf dem Dach der Welt hat er schließlich eine Begegnung, die sein Leben für immer verändern soll.
Flucht von Piranesi
Bei der letzten Episode handelt es sich um lupenreine Science Fiction. Piranesi ist ein Gefangenenplanet wie er im Buche steht. Wer gegen die strikten Regeln der Herrscher verstoßen hat, wird verbannt und entmannt. Zack und ab, so einfach ist das. Nur eine junge, gutaussehende Dame ist nicht auf diesen Planeten gebracht worden, sondern war schon immer da. Zusammen mit einem neuen Gefangen wird sie quer über den Planeten gejagt, bis ihr Mitstreiter sich als Spion herausstellt. Zeit, die Regeln zu verändern!
Fazit
Western, Abenteuer, Science Fiction... so unterschiedlich die Genres sind, so unterschiedlich sind die Geschichten, und damit meine ich nicht den Erzählstil. Dieser ist aufgrund verschiedener Autoren, auf deren Zusammenarbeit mit Manara im ausführlichen Vorwort übrigens umfassend eingegangen wird, natürlich unterschiedlich. Auch Manaras Strich ist jeweils stark variierend. Mann aus Papier ist passend meist in Sephiatönen gehalten und im Stil von Indian Summer gehalten, nutzt aber viel mehr Humor als Treibstoff der Handlung. Schade, dass daraus keine Serie geworden ist.
Ganz anders ist da Der Schneemensch. Vergleichsweise rau und bisweilen psychedelisch koloriert kombiniert die Geschichte Abenteuer, Mythologie und Bergsteigerlegenden zu einer Erklärung für den Mythos Schneemensch.
Flucht von Piranesi ist sicherlich die am mondernsten wirkende Story, und gleichzeitig die mit dem höchsten Erotikanteil. Während im Western weibliche Attribute durch die Kleidung der Indianerin nur angedeutet wurden, und Der Schneemensch vollkommen ohne Damen auskommt (Für Manara doch sehr ungewöhnlich) gibt die Protagonistin von Piranesi in der hautengen Hose, die bisweilen wegen unglücklicher Umstände nach unten rutscht, wirklich alles, jedoch immer gut in die Handlung eingebunden. Während z.B. bei Jolanda die Handlung um die Erotik herumgestrickt wurde ist es hier um der guten Geschichte Willen schade, dass auch die Story nicht fortgesetzt wurde.
Abgerundet wird der Band durch weitere Zeichnungen aus Manaras Portfolio, z.B. sind Cover aus Indian Summer dabei. Wunderschönes Bildbandmaterial!
Insgesamt ein sehr guter Band auch für Einsteiger, um Manaras Bandbreite anzutesten.
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