Klassiker aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts, , Sprache: Deutsch, Abstract:
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Nachdem wir die im ersten Buch als bloße Vorstellung, Objekt für ein Subjekt, dargestellte Welt im zweiten Buch von ihrer andern Seite betrachtet und gefunden haben, daß diese Wille sei, welcher allein als dasjenige sich ergab, was jene Welt noch außer der Vorstellung ist; so nannten wir, dieser Erkenntniß gemäß, die Welt als Vorstellung, sowohl im Ganzen als in ihren Theilen, die Objektität des Willens, welches demnach besagt: der Objekt, d.i. Vorstellung, gewordene Wille. Wir erinnern uns nun ferner, daß solche Objektivation des Willens viele, aber bestimmte Stufen hatte, auf welchen, mit gradweise steigender Deutlichkeit und Vollendung, das Wesen des Willens in die Vorstellung trat, d.h. sich als Objekt darstellte. In diesen Stufen erkannten wir schon dort Plato's Ideen wieder, sofern nämlich jene Stufen eben die bestimmten Species, oder die ursprünglichen, nicht wechselnden Formen und Eigenschaften aller natürlichen, sowohl unorganischen, als organischen Körper, wie auch die nach Naturgesetzen sich offenbarenden allgemeinen Kräfte sind. Diese Ideen also insgesammt stellen sich in unzähligen Individuen und Einzelheiten dar, als deren Vorbild sie sich zu diesen ihren Nachbildern verhalten. Die Vielheit solcher Individuen ist durch Zeit und Raum, das Entstehn und Vergehn derselben durch Kausalität allein vorstellbar, in welchen Formen allen wir nur die verschiedenen Gestaltungen des Satzes vom Grunde erkennen, der das letzte Princip aller Endlichkeit, aller Individuation und die allgemeine Form der Vorstellung, wie sie in die Erkenntniß des Individuums als solchen fällt, ist. Die Idee hingegen geht in jenes Princip nicht ein: daher ihr weder Vielheit noch Wechsel zukommt. Während die Individuen, in denen sie sich darstellt, unzählige sind und unaufhaltsam werden und vergehn, bleibt sie unverändert als die eine und selbe stehn, und der Satz vom Grunde hat für sie keine Bedeutung. Da dieser nun aber die Form ist, unter der alle Erkenntniß des Subjekts steht, sofern dieses als Individuum erkennt; so werden die Ideen auch ganz außerhalb der Erkenntnißsphäre desselben als solchen liegen. Wenn daher die Ideen Objekt der Erkenntniß werden sollen; so wird dies nur unter Aufhebung der Individualität im erkennenden Subjekt geschehn können. Die näheren und ausführlichen Erklärungen hierüber sind nunmehr was uns zunächst beschäftigen wird.
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Eine faszinierende Sammlung intellektueller Brillanz - Claude Lévi-Strauss' "Kleine Schriften"
Bewertung am 12.05.2023
Bewertungsnummer: 1940529
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Claude Lévi-Strauss' "Kleine Schriften" ist eine bemerkenswerte Zusammenstellung von Texten, die das intellektuelle Erbe eines der bedeutendsten Anthropologen des 20. Jahrhunderts widerspiegelt. Diese Sammlung verkörpert die Tiefe seines Denkens, seine akademische Brillanz und seinen Beitrag zur Anthropologie.
Die Vielfalt der behandelten Themen in den "Kleinen Schriften" ist beeindruckend. Von der Strukturanalyse von Mythen bis hin zur Erforschung der sozialen Organisation präsentiert Lévi-Strauss eine breite Palette anthropologischer Fragen und Ideen. Jeder Text ist meisterhaft geschrieben und zeugt von seiner tiefen Liebe zur Wissenschaft und seinem Engagement für die Erforschung der menschlichen Gesellschaft.
Was diese Sammlung so lesenswert macht, ist die Art und Weise, wie Lévi-Strauss komplexe Konzepte auf verständliche Weise erklärt, ohne dabei an wissenschaftlicher Genauigkeit einzubüßen. Sein Schreibstil ist prägnant, aber dennoch poetisch, und er versteht es, den Leser in seine Gedankenwelt einzuführen und komplexe Theorien zu entwirren. Man spürt förmlich die Leidenschaft und das intellektuelle Feuer, das in jedem Wort steckt.
Ein weiteres bemerkenswertes Merkmal der "Kleinen Schriften" ist Lévi-Strauss' interdisziplinärer Ansatz. Er integriert Erkenntnisse aus verschiedenen Bereichen wie Linguistik, Ethnologie und Philosophie, um ein umfassendes Verständnis der menschlichen Kultur zu entwickeln. Sein Blickwinkel ist erfrischend und eröffnet neue Perspektiven auf die komplexen Beziehungen zwischen Sprache, Mythos und Gesellschaft.
Darüber hinaus zeigt Lévi-Strauss in den "Kleinen Schriften" seine Fähigkeit, scheinbar gegensätzliche Ideen zu vereinen. Er verbindet Strukturalismus mit kultureller Vielfalt und hebt die universellen Muster hervor, die das Fundament menschlicher Gesellschaften bilden. Seine Arbeit stellt die traditionelle Auffassung von Kulturen als isolierte Einheiten in Frage und betont stattdessen die gemeinsamen Elemente, die sie miteinander verbinden.
Abschließend ist Claude Lévi-Strauss' "Kleine Schriften" eine fesselnde Lektüre für jeden, der sich für Anthropologie, Soziologie oder Linguistik interessiert. Durch seine kühnen Ideen, seinen brillanten Schreibstil und seinen interdisziplinären Ansatz öffnet er neue Horizonte und lädt dazu ein, die Komplexität der menschlichen Kultur zu erforschen. Diese Sammlung ist ein wahrer Schatz für Gelehrte und ein inspirierender Wegweiser für alle, die die Welt besser verstehen wollen.
Jean-Paul *//
Der Wille zur Kunst !
Jérôme aus Bad Eilsen am 22.06.2021
Bewertungsnummer: 832791
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Schopenhauer war auf der Suche nach den Bestandteilen, welche die Welt in ihrem Innersten zusammenhalten. Anders als seine philosophischen Vorgänger, die den Geist für die alles zusammenhaltende Kraft definierten, war Schopenhauer auf eine andere Ontologie gestoßen, die bei den Vertretern des damals vorherrschenden deutschen Idealismus für großen Unmut sorgte. Schopenhauer löste eine lange Tradition ab, welche sich durch den fragenden Geist , der Welt zu nähern gedachten. Doch auf diese Weise kratzte man bloß an der Oberfläche der Dinge, so der Philosoph, das Wesen jedoch sei so gänzlich unerkennbar. Sein Hauptwerk, welches den kühnen Titel " Die Welt als Wille und Vorstellung " trägt, brachte eine neue Perspektive auf die Sicht der Dinge.
Es ist in vier Bücher eingeteilt und beginnt bei der Vorstellung. Diese zerspringt nun in ein erkennendes, aber nie erkanntes Subjekt und in ein Objekt, das immer auf ein Subjekt bezogen ist. Beeinflusst durch Kant, sieht auch Schopenhauer die Welt der Objekte durch Raum, Zeit und Kausalität geprägt, welche a priori im Subjekt bereitliegen und die Form der Wirklichkeit konstituieren. Auf diese Weise jedoch, kritisiert Schopenhauer, gleichen wir einem, der von außen dem Wesen der Dinge beizukommen versucht, aber nichts als Bilder und Begriffe gewinnt. Das zweite Buch stellt nun den Versuch dar in das Innere vorzustoßen und die Welt unabhängig der Vorstellungen zu betrachten. Was ist die Welt und was hat es mit dem Sein auf sich, fragt sich der Autor. Für Kant war es unmöglich das sogenannte Ding an sich zu erkennen, da diesem keine Anschauung in Raum und Zeit zugrunde liegt. Schopenhauer teilt zu einem gewissen Grad diese Ansicht, wendet jedoch ein, dass wir, die Erkennenden von unserem eigenen Wollen Erkenntnis haben. Diese Anschauung, die weder räumlich noch leer ist, sondern realer als irgend eine andere, stellt eine Möglichkeit dar, äußere Vorgänge aus dem inneren zu verstehen. Mittels dieser Introspektion, meint er, einen Schlüssel gefunden zu haben, um sich dem Ding an sich zu nähern. Der Wille schafft sich im Intellekt ein Werkzeug, sich selbst und sein Wollen zu erkennen. Er benötigt ihn, um die erscheinende Welt als einen Spiegel seiner Objektivation in ihm aufzufassen. Bei Descartes verbürgt das Denken das Sein, ich denke also bin ich, anders Schopenhauer, bei ihm ist es der allem zugrunde liegende, ziellose Wille, der die Essenz der Welt ausmacht. Der Ton des Buches wird nun zunehmend pessimistischer. In allen Dingen waltet, so Schopenhauer eine Art Urwille. Ob Pflanzen, Tiere oder Menschen , der Wille verwirklicht sich als waltende Kraft und schafft sich im Menschen ein Selbstbewusstsein, um sich seiner bewusst zu werden. Dieser immer wollende, aber nie zufriedene Wille, der unnachgiebig von neuen quälenden Wünschen getrieben wird, kann einzig in der Überwindung durch Kontemplation verneint werden, wodurch ein innerer Friede erreicht werden kann. Zum schauenden Weltauge sollen wir werden, so Schopenhauer und die reinen aller Wirklichkeit vorangehenden Äüßerungen des Urwillens erkennen. In der Kunst sieht er diesen Blick auf die Ideen realisiert.
Ein philosophischen Meisterwerk, welches sich am besten mit Vorkenntnissen zu Kant und Platon lesen lässt.
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