In neuer, kongenialer Übersetzung: Tom Sawyers Abenteuer - die berühmte Geschichte eines cleveren Waisenkindes, das sich gegen die starren Regeln der Erwachsenen durchzusetzen weiß. Da haben Sonntagsschule, Tante Polly und puritanische Tugendvereine keine Chance, wenn es darum geht, zu schwimmen, zu rauchen und einen Mord aufzuklären – immer wieder ein Lesevergnügen für groß und klein.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Stefan Heidsiek
aus Darmstadt
5/5
22.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Ein ewig jung gebliebener Klassiker
Wenn mein Buch auch vor allem zur Unterhaltung von Jungen und Mädchen gedacht ist, hoffe ich doch, dass Männer und Frauen es nicht deshalb meiden werden, denn es war Teil meiner Absichten, Erwachsene auf ersprießliche Weise an das zu erinnern, was sie einmal selbst waren, und daran, wie sie gefühlt und gedacht und geredet und auf welche merkwürdige Unternehmungen sie sich bisweilen eingelassen haben.
Dieser Auszug aus dem Vorwort des Buches (in dem Mark Twain auch bemerkt, dass ein Großteil seiner Geschichten auf selbst oder von Freunden erlebten Ereignissen basiert) nimmt nicht nur die Intention der erzählten Abenteuer hinweg, sondern dient gleichzeitig auch als Einstimmung für den Leser, der sich bereits hier ganz am Anfang an Twains Hand zurück in die eigenen Kindheitserinnerungen führen lässt und dabei vielleicht sogar einiges hervorholt, was er schon für vergessen glaubte. Was Dichtung und was wirklich Wahrheit ist, ist dann im weiteren Verlauf auch nicht von Belang. Vielmehr zählt die Tatsache, dass man nochmal die Möglichkeit bekommt, die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen. Sei es auch eine Welt, die so nicht mehr existiert.
Mark Twain führt uns zurück in den Süden in der Mitte des 19. Jahrhunderts und wählt mit dem literarischen Ort St. Petersburg eine Schauplatz, welcher mit der Stadt Hannibal in der Nähe von St. Louis eine real existierende Vorlage hat. Hier wuchs der Autor selbst auf, weshalb es möglich ist, einige Orte der Erzählung, darunter u.a. die labyrinthischen Höhlen, heute noch selbst zu besuchen. Dies ist auch ein Grund dafür, warum der Roman, im Gegensatz zu seinem wesentlich düsteren und erheblich ernsteren Nachfolger Huckleberry Finn (die Ich-Perspektive, die er dort verwendet, geht weitaus mehr auf moralische Konflikte ein und macht auf diese Weise eine Gesellschaftskritik eher möglich), durchweg den Charakter einer nostalgischen Idylle behält. Trotz unterdrückter Sklaven, Schlägen durch Lehrer oder kaltblütigem Mord gerät die harmonische und intakte Welt, welche Twain in Tom Sawyers Abenteuer beschreibt, nie wirklich aus den Fugen. Das Buch gilt daher als Fingerübung Mark Twains, da sie nur ansatzweise die Elemente Humor, Satire und Kritik enthält, die ihn später zu einem der wichtigsten Autoren der neueren amerikanischen Literatur machten. Ungewöhnlich war jedoch bereits bei diesem Werk, dass der Autor es in der damaligen Alltagssprache erzählt, womit er ein Gegenkonzept zu den damals üblichen Kinderbüchern über Musterknaben und brave Mädchen entwarf. Durch die Verwendung von Kraftausdrücken kam das Buch in Amerika sogar zunächst auf den Index.
Insgesamt dient der Plot aber in erster Linie noch der Unterhaltung und dem Vergnügen. Und beides stellt sich bereits nach wenigen gelesenen Seiten ein, weshalb Tom Sawyers Abenteuer auch für diejenigen Kinder (von ca. 10 12 Jahren) geeignet ist, welche sonst eher kein Buch anfassen würden. Nachdem ich mich derart köstlich amüsiert habe, würde ich gar behaupten: Jedes Kind sollte es mindestens einmal gelesen haben.
Ein wunderbares, witziges, trauriges und alle Zeiten überdauerndes Buch, das die ehemaligen Südstaaten auf eine anrührend autobiographische Weise zum Leben erweckt und nicht nur in die Sammlung eines jeden bekennenden Literaturkenners gehört.
Bewertung
Book Circle Community
5/5
16.09.2025
Buch (Taschenbuch)
Jungenstreiche und -abenteuer
Andreas Nohls Neuübersetzung der Klassiker von Mark Twain ist ein sprachliches Abenteuer, das den Leser mitten hineinzieht in die Welt zweier Jungen, die sich gegen die Konventionen ihrer Zeit stemmen. Mit feinem Gespür für Tonfall, Rhythmus und die rebellische Energie der Originaltexte gelingt es Nohl, Twains Sprachwitz und Gesellschaftskritik in ein modernes, lebendiges Deutsch zu übertragen, ohne den Charme des 19. Jahrhunderts zu verlieren.
Besonders beeindruckend ist, wie authentisch die Stimmen von Tom und Huck klingen. Ihre Dialoge wirken ungekünstelt, frech und voller Lebenslust – als würde man ihnen direkt am Mississippi begegnen. Die Abenteuer, die sie erleben, sind nicht nur spannend und unterhaltsam, sondern werfen auch einen kritischen Blick auf Themen wie Freiheit, Rassismus und soziale Ungleichheit.
Gerade Huckleberry Finn entfaltet in dieser Übersetzung seine ganze Tiefe: Die Freundschaft zwischen Huck und dem entflohenen Sklaven Jim berührt und fordert zum Nachdenken an.
Nohls Übersetzung ist mehr als nur eine sprachliche Übertragung – sie ist eine Einladung, Twain neu zu entdecken. Für Leserinnen und Leser, die sich von Literatur mitreißen lassen wollen, ist diese Ausgabe ein Glücksfall. Sie bringt die Klassiker in einer Frische und Klarheit zum Leuchten, die sowohl junge als auch erfahrene Leser begeistert. 5 von 5 Sternen
Elliwonderland
4/5
23.01.2025
Buch (Taschenbuch)
Braucht Zeit und Geduld
Man muss an dieser Stelle einfach ehrlich sein…. Ja es sind zwei absolute Klassiker und ja sie ziehen sich ziiiiiiiiemlich lang. Man wird mit einer Geschichte über das heranwachsen, mit dem Thema Rassismus und einem Mord konfrontiert (und vielen mehr natürlich), und für mich muss man dieses Buch mal gelesen oder als Hörbuch gehört haben ❤️ bringt bitte einfach ein wenig Geduld für das Buch auf
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