«Mir wurde klar, dass ich das Gleichgewicht des Tages zerstört hatte, die außergewöhnliche Stille eines Strandes, an dem ich glücklich gewesen war. Da habe ich noch viermal auf einen leblosen Körper geschossen, in den die Kugeln eindrangen, ohne dass man es ihm ansah. Und es war wie vier kurze Schläge, mit denen ich an das Tor des Unglücks hämmerte.»
Die Geschichte eines jungen Franzosen in Algerien, den ein lächerlicher Zufall zum Mörder macht, wurde 1942 im besetzten Frankreich zu einer literarischen Sensation. Der Roman bedeutete den schriftstellerischen Durchbruch für Albert Camus und gilt heute als einer der Haupttexte des Existenzialismus.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bories vom Berg
aus München
5/5
20.06.2026
Buch (Taschenbuch)
Ein Jahrhundert-Roman
Mit dem Roman «Der Fremde» hat Albert Camus nach Ansicht von Jean Paul Sartre das wichtigste Werk des Existentialismus geschrieben. Anders als bei Sartre aber steht für Camus das Absurde im Zentrum, wie es aus der Gegenüberstellung der menschlichen Sinnsuche und der absoluten Sinnlosigkeit der Existenz entsteht. «L’Etranger», wie der vorliegende, 1942 erschienene kurze Roman im Original heißt, entstand parallel zu Camus philosophischer Abhandlung «Der Mythos des Sisyphos», hier aber wird der Absurdismus erstmals beispielhaft in literarischer Form vorgestellt. Nicht nur in Frankreich gilt dieser gefeierte Roman des späteren Nobelpreisträgers als erfolgreichster den 20. Jahrhunderts.
Die in einer Stadt am Meer in Algerien der 1930er Jahre angesiedelte Geschichte eines Mannes namens Meursault beginnt im ersten Teil damit, dass der introvertierte junge Mann vom Tod seiner im Pflegeheim lebenden Mutter erfährt. «Heute ist Mama gestorben», lautet der erste Satz. «Oder war es gestern, ich weiß es nicht». Aus der Ich-Perspektive wird berichtet, dass er bei der Beerdigung der Mutter keinerlei Reaktionen gezeigt hat. Am nächsten Tag hat er zufällig Marie, eine ehemalige Arbeitskollegin, getroffen, die er lange nicht gesehen hat. Spontan ist er mit ihr zum Schwimmen ans Meer gegangen und hinterher ins Kino, sie wollte unbedingt einen Film mit Fernandel sehen. Im Kino hat er sie dann erstmals geküsst und ihre Brüste gestreichelt, «Nach dem Kino ist sie mit zu mir gekommen». Bezeichnend für den Nihilismus dieses Mannes ist seine Reaktion, als Marie ihm später einen Heiratsantrag macht. Er erwidert, das könne man machen, auf ihre Frage aber, ob er sie denn liebe, sagt er nein, aber das bedeute ja nichts. Der Protagonist wird als antriebsloser Gewohnheits-Mensch geschildert, der völlig zufrieden ist, wenn sein Alltag routinemäßig verläuft, der in den Tag hinein lebt und wirklich alles ungerührt hinnimmt, nicht nur den Tod der Mutter. Als er seinem Nachbarn Raymond hilft, der seine untreue Freundin bestrafen will, gerät er mit ins Visier von deren Brüdern, die sich an Raymond rächen wollen. Am Stand kommt es zu einer Schlägerei, bei der Raymond mit dem Messer verletzt wird. Als Meursault später einen der Brüder am Meer im Sand liegend trifft und der sein Messer zieht, schießt er auf ihn und feuert nach kurzer Pause vier weitere Schüsse auf ihn ab.
Im zweiten Teil des Romans wird der Prozess geschildert, in dem der Angeklagte sich nicht verteidigt und seinen Pflichtverteidiger durch sein absolut gleichgültiges Verhalten zu Verzweiflung bringt. Bei Meursault ist seine Indolenz nämlich nichts anderes als sei originärer Charakter. Der Roman schildert einen interessanten Verfahrensverlauf, der die unbeirrbare, existentialistische Lebens-Philosophie des Angeklagten offen legt, die hier schon beinahe als Unzurechnungsfähigkeit gedeutet werden könnte. Ganz am Ende der Geschichte zeigt er sich dann aber doch empfänglich für «die zärtliche Gleichgültigkeit der Welt».
Stilistisch ist dieses Buch durch eine einfache, knappe Diktion gekennzeichnet, die mit kurzen Sätzen und in einfachen Worten stimmig die Absurdität dieser Geschichte unterstreicht. Lakonisch wird damit auch ein Gefühl der Unmittelbarkeit des Geschehens und sogar die Illusion einer Präsenz des Lesers erzeugt. Oft werden im Roman die Hitze und der Sonnenschein thematisiert als Symbole der absoluten Indifferenz der realen Welt dem menschlichen Schicksal gegenüber, - genau so, wie sie sein apathischer Protagonist ja empfindet. Camus wirft in diesem Roman wichtige philosophische Fragen auf, zu denen vor allem der Sinn des Lebens und der Tod als Schicksal gehören, aber auch die Rolle sozialer Normen oder fehlender Emotionen. Er fragt auch nach dem so genannten ‹freien Willen› und erläutert, dass Meursault für die Gesellschaft «Der Fremde» ist, weil er sich beharrlich weigert, sich zu verstellen oder gar zu lügen. Ohne Zweifel ist dieses bereichernde Werk ein Jahrhundert-Roman, wie es kaum einen zweiten gibt, wobei diese komplexe Erzählung bis zum Schluss auch noch spannend bleibt!
Klaus Effing
aus Köln
5/5
01.02.2026
Buch (Taschenbuch)
Ein Buch mit Tiefgang
„Der Fremde“ ist kein Buch, das man einfach „wegliest“. Es ist eines, das man mit sich herumträgt. Aktuell läuft die neue Verfilmung aus dem Jahr 2025 in einigen Kinos.
Meursault, der Protagonist der um die dreißig Jahre alt ist, wirkt auf den ersten Blick erschreckend gleichgültig: Er weint nicht bei der Beerdigung seiner Mutter, liebt ohne Leidenschaft, und begeht schließlich einen Mord, der eher aus Zufall als aus Absicht entsteht. Doch gerade diese scheinbare Gefühllosigkeit macht ihn so faszinierend — und verstörend.
Camus zeigt hier keinen Bösewicht, sondern einen Menschen, der außerhalb gesellschaftlicher Erwartungen lebt. Meursault fühlt durchaus, aber nicht so, wie wir es für „richtig“ halten. Vor Gericht wird er deshalb weniger für den Mord verurteilt als für seine Abweichung von den Normen: für seine fehlende Trauer, seine Direktheit, seine Weigerung, eine Rolle zu spielen.
Besonders beeindruckt hat mich die schlichte, klare Sprache des Romans. Sie zwingt einen, genau hinzusehen — auf das, was gesagt wird, und vor allem auf das, was unausgesprochen bleibt. Der Roman ist in zwei Teile gegliedert: das Leben vor dem Mord und das Leben danach. In beiden zeigt sich dieselbe bittere Wahrheit: Der Mensch ist der Welt fremd, und die Welt ihm.
Was mich am meisten erschüttert hat: Meursault ist kein Monster. Er ist ein ganz normaler Mensch — und genau darin liegt die beunruhigende Kraft dieses Klassikers.
Auch wenn „Der Fremde“ von 1942 stammt, fühlt er sich erstaunlich modern an. Fragen nach Moral, Freiheit, Schuld und Sinn sind heute genauso aktuell wie damals. Gerade für Leser:innen, die sonst vor allem zeitgenössische Literatur lesen, lohnt sich dieser Ausflug in die Klassik.
Fazit: Kein Wohlfühlbuch — aber ein kluges, kompromissloses und nachhaltig nachhallendes Werk, das man mehr als einmal lesen kann. Die gut 150 Seiten sind echte Literatur!
Bewertung
5/5
30.01.2026
Buch (Taschenbuch)
Die Sünde der Gleichgültigkeit
Der Fremde, eines der grundlegenden Werke der absurden Literatur, thematisiert anhand einer von der Gesellschaft entfremdeten Außenseiterfigur und eines von ihr begangenen unerklärlichen Mordes Fragen nach Schuld und Moral, nach der Unzugänglichkeit individueller Sinnwelten sowie nach der Abweichung von gesellschaftlichen Konventionen und deren Konsequenzen.
Ein zeitloser Klassiker, der den in die Gesellschaft geworfenen Menschen mit Fragen nach der eigenen Existenz konfrontiert und zum Nachdenken anregt.
Margot
5/5
23.09.2025
Buch (Taschenbuch)
Denken
Ich wusste nicht was ich erwarten sollte habe das Buch aber sehr schnell durchgehabt. Es regt sehr zum denken an über das Leben und die eigene Person, was Sinn macht und was nicht. Kann es nur weiterempfehlen!
Bewertung
5/5
13.09.2025
Buch (Taschenbuch)
Highkey gutes Buch!
Ich bin kein Leser und am Anfang war es nur ight und so wie bei jedem Buch nd so spannend. Ab so Seite 50 beginnt es highkey gut zu werden und dafür, dass es nicht so lang ist, ist es fr gut!
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5/5
12.01.2026
eBook (ePUB 3)
"Je ne sais pas"
Meursault weiß es nicht - ob seine Mutter gestern oder vorgestern schon verstorben ist, ob er seine Geliebte denn liebt oder nicht, ob der Mord den er beging von Bedeutung war oder nicht. Ob das Leben das er führt mehr ist, als ein Warten auf ein Ende.
Albert Camus wohl bekanntester Roman liest sich so leicht wie die Apathie des Protagonisten schwer wiegt.
Natürlich musste ich mich meinem liebsten Existenzialisten noch einmal widmen, insbesondere da die Neuverfilmung des Regiesseurs François Ozon (2025) herausragend war. Meine wärmste Empfehlung für alle Philosophie und Drama Fans!
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4/5
26.05.2026
Buch (Taschenbuch)
Der Fremde
Albert Camus Werk - Der Fremde ist sehr flüssig und verständlich zu lesen. Ich mochte wie wenig Gefühle der Protagonist zu haben scheint und auch seine Gedanken, seine Gleichgültigkeit gegenüber Situationen und Geschehnissen waren wirklich interessant zu lesen. Eine spannende Lektüre für Zwischendurch.
Flüssig und einfach zu lesen bietet "der Fremde" spannende Themen wie Existenz, Schuld, Sinn und Zufall und regt somit nicht nur zum Nachdenken an, sondern eignet sich auch perfekt als Schullektüre.
Macht außerdem Lust auf Sommer :)
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