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Vera Ferra-Mikura

Geb. 1923 in Wien als Gertrud Ferra. Als Lyrikerin wurde sie von Otto Basil entdeckt, der sie in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift „Plan“ mit ihrem Debüt-Gedichtband vorstellte. Ab 1948 war Ferra-Mikura als freie Schriftstellerin und Journalistin tätig und veröffentlichte zunächst zahlreiche Gedichte in den Anthologien Hans Weigels und Rudolf Felmayers. 1948 heiratete sie den Staatsoperntänzer Ludwig Mikura, mit dem sie zwei Kinder bekam. Ferra-Mikura schrieb zunächst für Erwachsene. Als sie sich der Kinderliteratur zuwandte, ging sie zunächst vom erzieherischen Märchen aus, später schuf sie die ersten phantastischen Erzählungen. 32 ihrer Jugendbücher standen auf der Ehrenliste des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst und des Kulturamtes der Stadt Wien. Die Sackgasse, erschienen im Jahre 1947, ist ihr einziger Roman für Erwachsene..
Geb. 1961 in Villach. Nach dem Studium der Theaterwissenschaft und Germanistik in Wien Regie- und Dramaturgieassistent u. a. am Burgtheater und am Volkstheater. Seit 1986 journalistische Arbeiten für zahlreiche österreichische und deutsche Medien. Seit 1990 als Feature- und Kulturredakteur beim ORF/Hörfunk beschäftigt, wo er seit 2002 die Büchersendung „Ex libris“ leitet. Letzte Veröffentlichungen: Stille (Roman, Secession, 2013), Das Leben der infamen Menschen (Roman, Milena 2016), Der Himmel ist ein sehr großer Mann (Roman, Milena 2019)

Die Sackgasse von Vera Ferra-Mikura

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Die Sackgasse

Die Sackgasse

Buch (Gebundene Ausgabe)

ab 25,50€

Ohne die Stadt und die Zeit, in der der Roman spielt, explizit zu nennen, erzählt Vera Ferra die Geschichte der Familie Kleist, die unter ärmlichen Bedingungen in einem Zinshaus am Ende einer Sackgasse lebt. Auf engstem Raum lebt die Witwe Kleist mit dem Sohn Rupert und den Töchtern Luise und Fanny. Während die Kinder Wege aus der Armut suchen, verzweifelt die Mutter zunehmend an der Unüberwindlichkeit des sozialen Milieus und der geringen Aussicht auf die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage.
Unausgesprochen wird klar, dass der Roman im Wien der unmittelbaren Nachkriegszeit spielt und das Haus in der Sackgasse eine Metapher für die Situation Österreichs nach 1945 ist. Die Hausgemeinschaft funktioniert noch immer wie ein Spitzelstaat, in dem willkürliche Anschuldigungen katastrophale Folgen für einzelne Bewohner haben können. Normabweichungen wie etwa ein Schwangerschaftsabbruch werden gesellschaftlich gnadenlos sanktioniert. Neue alte Heilsversprecher versuchen die Jugend wieder zu locken, um sie einer Ideologie zu unterwerfen.

Vera Ferras Roman ist eine genaue, offene, mitunter brutale und sprachlich klare Analyse der österreichischen Nachkriegsgesellschaft, die allerdings auch Möglichkeiten der Emanzipation aufzeigt. „Ein unklarer oder negativer Schluss hinterlässt Mutlosigkeit“, schrieb sie einmal. „Nicht einmal der erwachsene Mensch, der stärker ist als das Kind, kommt ohne Illusionen aus.“

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