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Alain Danielou

Alain Daniélou (1907-1994) war ein vielseitiger Denker und Künstler. Nach einer ersten Jugendperiode in Kontakt mit der französischen Avant-Garde bereiste er die ganze Welt von Amerika bis Afghanistan, bis er nach Indien gelangte. Dort lernet er 1932 den weltberühmten Dichter Rabindranath Tagore kennen und arbeitete mit ihm an der von dem Dichter gegründeten Musikschule in Shantiniketan bis 1937. Von 1937 bis 1948 studierte er Sanskrit, Musikologie und Philosophie in Benares unter der Leitung von traditionellen Gelehrten, völlig getrennt von westlichen Einflüssen irgendeiner Art. Während dieser Immersionsperiode wurde er in der shivaitischen Tradition unter dem Namen Shiva Sharan („der von Shiva Geschützte“) eingeweiht. Anschliessend lehrte er an der Banaras Hindu University von 1948 bis 1954 und wurde Direktor der Sanskrit Manuskriptbibliothek in Adyar, Madras (1954-1956) sowie Mitglied des Französischen Instituts für Indologie und der Französischen Schule für Fernost-Studien in Pondicherry (1963-1977). Nach seiner Rückkehr nach Europa in den 1960er Jahren gründete Alain Daniélou das Internationale Institut für Musikstudien und Dokumentation in Westberlin mit dem Hauptziel, ausser-europäische Musiktraditionen in Europa ohne kolonialistische Vorurteile bekannt zu machen. Mit der Zeit gewann Daniélou eine immer grössere Nähe zu Italien bis er sich schlussendlich am Ort seines späteren Schaffens, dem Labyrinth, in der römischen Provinz niederliess. In seinem letzten Lebensabschnitt erforschte Daniélou die Vorstufen der griechischen und römischen Religion Europas. Er sammelte viele Elemente für eine neue Rezeption religiöser Phänomene wie Animismus und Schamanismus. In derselben Periode arbeitete er an der ersten vollständigen Übersetzung der weltberühmten Abhandlung von Vātsyāyana Mallanāga, Kāmasūtra, die er kurz vor seinem Tod vollendete..
Rolf Kühn (geb. 1944), Dr. phil. Paris-Sorbonne, philos. Habil. Univ. Wien; ab 1992 Univ.-Dozent für Philosophie in Wien, Beirut, Nizza, Lissabon, Louvain-la-Neuve; ab 2007 Leiter der „Forschungsstelle für jüngere französische Religionsphilosophie“ und des „Forschungskreises Lebensphänomenologie“ an der Universität Freiburg-im-Breisgau.
Zuletzt veröffentlichte Werke „Postmoderne und Lebensphänomenologie“ (2019), „Alles, was leiden kann“ (2019), „Psychoanalyse, Philosophie, Religion“ (2020), „Primärerfahrungen, Ursprung und Nachträglichkeit“ (2021) sowie „Der Erst-Lebendige. Christologie leiblicher Ursprungswahrheit“ (2021)..
Sarah Eichner studierte Philosophie und Theologie in Freiburg und Heidelberg. Zu ihren Interessens- und Forschungsgebieten gehören antike chinesische Philosophie, Phänomenologie, Naturästhetik, und dekonstruktivistische sowie feministische Denkströmungen. Nach ihrer Promotion über das Yijing („Buch der Wandlungen“) war sie u. a. als Mitherausgeberin des Online-Magazins Cahiers de la Fonation an der Indien-Europa-Stiftung für neue Dialoge tätig. Ausserdem arbeitete sie mehrere Jahre in der tutoriellen Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten in Deutschland und der Schweiz in verschiedenen Bereichen der Humanwissenschaften. Derzeit ist sie als freie Lektorin tätig und führt darüber hinaus ihre eigene Philosophische Praxis..
Adrián Navigante, argentinisch-italienischer Herkunft, ist Philosoph und Dichter mit umfassenden Sprachfertigkeiten (u. a. Spanisch, Französisch, Italienisch, Englisch, Deutsch, Griechisch, Latein, Sanskrit und Hindi) und einem vielfältigen Wissensprofil. Er hat Altphilologie und Philosophie studiert und beschäftigt sich seit mehr als fünfundzwanzig Jahren mit der Kultur, Philosophie und Religion Indiens. Als Universitätsdozent war er in Deutschland und Österreich tätig. Seit 2015 ist er Direktor für Forschung und Intellektuellen Dialog an der Indien-Europa Stiftung für neue Dialoge (FIND) mit Hauptsitz in Italien. Das weite Spektrum seiner Veröffentlichungen umfasst Literatur, Philosophie, Hinduismus, Religionsgeschichte und Tiefenpsychologie. Ausserdem verfasste er neun Gedichtbände in spanischer und deutscher Sprache. Sein internationales Arbeitsfeld erstreckt sich über Deutschland, Italien, Frankreich, Schweiz und Indien.

Shiva und Dionysos von Alain Danielou

Neuerscheinung

Shiva und Dionysos
  • Shiva und Dionysos

Shiva und Dionysos ist ein Appell des Autors, Alain Daniélou (1907-1994), auf die Wiedererlangung eines Verhältnisses zwischen Mensch und Natur unter dem Maßstab einer radikalen Änderung der dominanten Welteinstellung wie sie die westliche Moderne prägt.
Daniélou bringt seine langjährige Erfahrung im traditionellen Indien und seine leidenschaftliche Beschäftigung mit antiken Kulturen und ihren prähistorischen Vorstufen für den Aufbau einer konkreten Philosophie der Lebensbejahung zur Geltung. Dadurch wird die heilige Macht der Natur und ihre Verbindung zum Eros als der Urkraft des Lebens wieder ins Zentrum gerückt und der Mensch in einen breiteren Zusammenhang von Lebensformen (Göttern und Naturgeistern, Mit-Menschen, Tieren und Pflanzen) integriert.
Shiva und Dionysos beinhaltet nicht nur eine Rekonstruktion der Vergangenheit anhand der Analyse von antiken Religionen. Alain Daniélou stellt ein Programm für die Zukunft dar, nämlich den Entwurf eines neuen Humanismus, in dem der Mensch zunächst auf seine absolute Machtposition innerhalb der manifesten Ordnung der Wirklichkeit verzichtet, um sich wieder als solidarischen Teil eines lebendigen Ganzen zu erfahren.
Nur durch den Verzicht auf einen Dominanztrieb, der ökologische und ethnische Verwüstungen verursacht, und den Mut zur Wiedererlangung einer Weisheitsform, die in den archaischen Traditionen der Menschheit in Form einer „Religion der Natur und des Eros“ beinhaltet ist, kann die Würde der Welt aus Daniélous Sicht zurück gewonnen werden.

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