Bei der Recherche über neue Architektenhäuser begegnet Elisabeth Winterscheidt einem gleichermaßen dubiosen wie glamourösen Schönheitschirurgen und seinem Weißen Haus am Stadtrand von Berlin. Eine unmögliche Liebe beginnt, für die sie bald bereit zu sein scheint, ihre bürgerliche Existenz mit Mann und Tochter zu opfern. Zu spät erkennt sie, dass ihre Begegnung nicht so schicksalshaft ist, wie sie geglaubt hat. Wer zieht im Hintergrund die Fäden? Und was ist das Geheimnis des Weißen Hauses?
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Überraschend gut
Astrid Wergen am 15.10.2021
Bewertungsnummer: 1588595
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Wie weit würdest du für die Liebe gehen? Wärst du bereit, Veränderungen an deinem Körper vornehmen zu lassen, um der perfekte Partner zu sein?
Elisabeth lebt mit ihrem Freund Anton in Berlin. Längst ist der Putz abgebröckelt, die Luft ist raus aus der Beziehung. Bei einem gemeinsamen Buchprojekt zeigen sich die Spuren der gescheiterten Beziehung deutlich. Antons großer Fund des weissen Hauses stellt die Weiche für die weitere Zukunft des Paares. Elisabeth lässt sich vom Hauseigentümer, einem Schönheitschirurgen, einlullen, und merkt zu spät, welche Konsequenzen dies für ihr weiteres Leben hat. In die gleiche Falle tappt auch Anton, der eine Affäre mit der Frau des Chirurgen anfängt – und somit seine Karriere in einer Finanzbehörde riskiert.
Das weisse Haus ist nicht nur der zentrale Anker in diesem Buch, sondern auch eine Metapher, die sich durchs ganze Buch zieht. Nach außen wirkt der Schein weiß und einnehmend, doch innen ist die Innenausstattung recht kalt und unpersönlich. Diese Metapher gilt für so vieles in diesem Buch: für die zwischenmenschlichen Beziehungen, aber auch die Menschen in diesem Buch. Der vereinnahmende Schönheitschirurg, der die Frauen reihenweise für seine Ziele mißbraucht, dabei wortwörtlich über Leichen geht. Oder der Chef der Finanzbehörde, der erst seine weiße Weste raushängen lässt, dann aber sich als widerwärtiger Mensch gebärdet. Es hat mir sehr gut gefallen, dass sich der Autor der Metapher „außen hui, innen pfui“ bedient hat. Es zieht sich wie ein roter Faden durchs komplette Buch. Auch ein hochwertiges Haus ist nicht vor dem Verfall gefeit, ebensowenig die Menschen. Das zeigt sich auch mit dem Umzug von Elisabeth nach London – wo sie dem Rätsel des originalen weißen Hauses auf die Spur kommt.
Einen kleinen Abzug gibt es für den Klappentext: etwas irreführend ist die Angabe, dass Elisabeth ihre bürgerliche Existenz mit Mann und Tochter opfert. Weder ist Elisabeth mit Anton verheiratet, was oft genug betont wird von der Protagonistin selbst, noch scheint das Verhältnis von Tochter und Mutter seit langem das Beste zu sein, so dass die Tochter nur eine Randposition einnimmt. Dies tut der Handlung jedoch keinen Abbruch. Die Aufmachung des Buches hat mir sehr gut gefallen, da es den harten Bruch zwischen Schein und Sein wiederspiegelt, der sich durch das ganze Buch zieht.
Zugegeben, ich musste die Geschichte sacken lassen. Ein Schönheitschirurg, der knallhart seinen Weg geht, dafür Geldeintreiber, Finanzbehörden und seine vermeintlich Liebsten gegeneinander ausspielt und aufs Ganze geht. Eine Frau, die eigentlich alles hat, was sie zum Leben braucht und doch alles für den Schein aufgibt. Ein Handlungsverlauf, der allein durch den Anschlag in Ägypten fast abgefahren klingt. Und doch: hier trifft bürgerliche Spießigkeit auf vermeintliche Eleganz, und gerade diese Kontraste machen dieses Buch doch realistischer als es auf den ersten Blick wirkt (wo wir wieder bei der Metapher des weissen Hauses sind).
„Das weisse Haus“ ist ein Buch, das mich positiv überrascht hat. Auch wenn hier viel auf Äußerlichkeiten wie Architektur (die ja nicht nur für Häuser zu gelten scheint, sondern auch gewissermaßen in der Schönheitschirurgie) gelegt wird: es kommt auf die inneren Werte an. Und hier hat die Geschichte von Wolfgang Müller auf voller Linie gewonnen. Klare Leseempfehlung.
Ein Haus in Brandenburg
MissBookRead aus Hessen am 27.08.2021
Bewertungsnummer: 1556703
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
MEINE MEINUNG:
Ich muss gestehen, das mich das Cover, der Titel und der Klappentext so erst einmal nicht umhauen konnten, aber man sollte sich nicht täuschen lassen, denn es ist wie im wahren Leben, nur der Inhalt zählt und so war es auch bei diesem Buch. Wolfgang Mueller versteht es als Mann, mir tiefe und dazu aber auch realistische Einblicke in das Gefühlsleben einer Frau, in diesem Falle Elisabeth Winterscheidt, zu gewähren. Normalerweise bin ich da immer etwas skeptisch, wenn sich Männer eine Frau als Hauptcharakter auswählen und dann "versuchen" in diese Rolle zu schlüpfen, aber hier muss ich sagen, ist es gelungen. Zuerst war ich mir nicht ganz klar über das Genre des Buches. Vorne ist Roman angegeben, aber für mich kam es schon einem Krimi sehr nahe, mit psychologischen Kniffen und Tricks. Elisabeth ist mit ihrem Privatleben nicht mehr zufrieden, ihr Freund Anton ist beruflich nicht glücklich. Dies spiegelt sich im Alltag wieder und es schaukelt sich dann alles immer hoch und höher, bis die Bombe platzt und jeder seines Weges geht. Doch bis dahin spielt das Ehepaar Leila und Hanif Amid eine große Rolle, denn die Beiden sind neben Elisabeth und Anton die Hauptpersonen, die alles in Frage stellen. Elisabeth lässt sich von Hanif um den Finger wickeln, aber so, das man als Außenstehende denkt, das kann doch nicht so einfach sein, diese Frau so zu blenden, das sie alles nur noch durch eine rosa Brille sieht. Und Anton ist Leila verfallen, die mit ihrem Aussehen und ihrer Naivität punkten kann. Diese neuen Paar-Konstellationen bergen ein großes Konfliktpotenzial und so strebt das ganze Tun einem explosiven Höhepunkt entgegen. Wolfgang Mueller hat einen wunderbaren Schreibstil, sehr gefühlsmäßig nah an allen Personen dran, vor allem an Elisabeth, die ich als Leserin irgendwie immer warnen und beschützen wollte.
MEIN FAZIT:
Ein etwas anderer Roman, der mich aber trotzdem in seinen Bann ziehen konnte.
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