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Das Sola-Busca-Tarot zwischen Macht, Magie und dem Wagnis der Erkenntnis Bilder, Menschen und Ideen der Renaissance

2

144,50 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

22.09.2026

Verlag

BoD – Books on Demand

Seitenzahl

420

Maße (L/B/H)

30,3/21,5/3,5 cm

Gewicht

1484 g

Auflage

1

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-696-78297-9

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

22.09.2026

Verlag

BoD – Books on Demand

Seitenzahl

420

Maße (L/B/H)

30,3/21,5/3,5 cm

Gewicht

1484 g

Auflage

1

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-696-78297-9

Herstelleradresse

Libri GmbH
Europaallee 1
36244 Bad Hersfeld
DE

Email: gpsr@libri.de

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  • Bewertung

    5/5

    23.09.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein Kartenspiel, das offenbar beschlossen hat, ein ganzes Weltbild zu sein

    Manche Bücher führen ihre Leserinnen und Leser freundlich an ein Thema heran, reichen ihnen einen Stuhl und erklären erst einmal die Grundbegriffe. Volker H. Schendels „Das Sola-Busca-Tarot zwischen Macht, Magie und dem Wagnis der Erkenntnis“ hat einen anderen Charme. Kaum hat man Platz genommen, stehen antike Gestalten im Raum, jemand trägt ein rätselhaftes Gefäß, am Horizont winkt die Alchemie, und eine philosophische Frage möchte wissen, ob man überhaupt richtig hingesehen hat. Das klingt nach viel Betrieb für ein Kartenspiel. Genau darin liegt aber der Reiz dieses Buches. Das Sola-Busca-Tarot ist kein Deck, das seine Geheimnisse auf einer beiliegenden Karte mit der Aufschrift „So funktioniert’s“ erläutert. Seine Bilder stammen aus einer anderen Zeit und haben erfreulich wenig Interesse daran, unseren heutigen Erwartungen an Tarot zu entsprechen. Die Figuren wirken mitunter, als seien sie mitten in einer Handlung angehalten worden, deren Anfang und Ende außerhalb des Kartenrandes liegen. Sie halten Dinge, stehen in merkwürdigen Beziehungen zueinander und tragen Namen, die weitere Geschichten aufrufen. Man kann sie anschauen und sofort etwas vermuten. Man kann aber auch länger hinschauen und feststellen, dass die erste Vermutung gerade ihren Mantel genommen und den Raum verlassen hat. Schendel widmet sich diesem eigensinnigen Bildkosmos mit sichtbarer Begeisterung. Er betrachtet die Karten als Kunstwerke, als historische Gegenstände und als mögliche Schauplätze gelehrter Ideen. Dafür öffnet er zahlreiche Türen: zur Kultur der Renaissance, zu antiken Vorbildern, zum Humanismus, zur Philosophie, zur Hermetik, zur Astrologie und zur Alchemie. Hinter mancher Tür wartet noch eine weitere. Wer gern einem Gedanken folgt, auch wenn er unterwegs einen Umweg durch mehrere Jahrhunderte nimmt, wird sich hier gut aufgehoben fühlen. Besonders sympathisch ist, dass die Karten bei all diesen Ausflügen nicht bloß als Vorwand dienen. Immer wieder geht es um die grundlegende Frage, was auf einem Bild tatsächlich zu sehen ist. Das klingt bescheiden, ist aber überraschend anspruchsvoll. Trägt eine Figur einen Gegenstand wie ein Zeichen ihrer Macht? Wird sie durch ihn belastet? Zeigt sie ihn jemandem? Solche Unterschiede lassen sich nicht entscheiden, indem man einem Symbol rasch eine feste Bedeutung zuweist. Man muss Haltung, Anordnung und Zusammenhang beachten. Schendel weckt die Lust auf diese geduldige Form des Sehens. Das ist schon deshalb eine Leistung, weil geheimnisvolle Bilder uns sonst leicht dazu verführen, möglichst schnell „Aha!“ zu rufen. Das Buch hat dabei ein Herz für Verbindungen. Eine Karte kann auf eine historische Person verweisen, eine Bildidee auf einen philosophischen Gedanken und ein Motiv auf eine spätere Darstellung. Manchmal entsteht daraus das schöne Gefühl, vor einem großen Gewebe zu stehen, dessen Fäden nach und nach sichtbar werden. Manchmal fragt man sich auch, ob zwei Fäden wirklich zusammengehören oder nur zufällig dieselbe Farbe haben. Diese Frage ist kein Einwand gegen die Lektüre, sondern fast schon Teil ihres Vergnügens. Schendel lädt dazu ein, Zusammenhänge zu prüfen, und sein Stoff gibt reichlich Gelegenheit, das eigene Urteil zu erproben. Gut gefällt mir auch die Aufmerksamkeit für das, was an einem historischen Gegenstand handfest ist. Bevor eine Karte zum Träger kosmischer Einsichten werden kann, muss sie schließlich hergestellt werden. Entwurf, Druck, Farbe und Material gehören zu ihrer Geschichte. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Menschen beteiligt waren. Wer hat die Bilder geschaffen? Wer könnte Ideen beigetragen haben? Für wen waren sie gedacht, und wer hat sie später bewahrt? Solche Fragen schützen davor, sich die Entstehung als allzu glatte Szene auszumalen, in der ein einzelner Gelehrter einem Künstler das komplette Geheimnis der Welt diktiert. Die Wirklichkeit dürfte komplizierter gewesen sein – und ist gerade deshalb interessanter. Überhaupt ist die Geschichte des Bewahrens ein reizvoller Nebenschauplatz. Dass wir uns heute mit diesen Bildern beschäftigen können, verdanken wir nicht allein den Menschen, die sie einst erdachten oder ausführten. Jemand musste sie auch aufheben. Später mussten sie beschrieben, zugänglich gemacht, fotografiert und verglichen werden. Zwischen einer Karte aus der Renaissance und einem heutigen Blick auf sie stehen viele Hände, Entscheidungen und Medien. Schendels weite Perspektive erinnert daran, dass ein Kunstwerk nicht einfach unverändert durch die Jahrhunderte schwebt und geduldig auf seine endgültige Entschlüsselung wartet. Auch das Nachleben der Bilder bekommt Raum. Besonders spannend ist die Frage, was geschieht, wenn spätere Tarotdecks ältere Bildlösungen aufgreifen. Ein Motiv kann wiederkehren, ohne dass seine gesamte frühere Gedankenwelt mit umzieht. Es bekommt neue Nachbarn, neue Aufgaben und ein neues Publikum. Wer schon einmal einen vertrauten Gegenstand in einer völlig anderen Umgebung gesehen hat, kennt den Effekt: Die Form bleibt erkennbar, aber ihre Wirkung verschiebt sich. Schendel macht solche Veränderungen zu einem Teil der Geschichte des Sola-Busca-Tarots. Das gibt dem Buch über seinen historischen Schwerpunkt hinaus eine lebendige Gegenwart. So viel Neugier passt allerdings nicht immer bequem zwischen zwei Buchdeckel. Der Band ist umfangreich, und manche Themen werden mehrfach aus verschiedenen Richtungen betreten. Gelegentlich hat man das Gefühl, ein Gedanke sei eben erst verabschiedet worden und komme nun mit einem anderen Hut wieder herein. Wer ein streng gestrafftes Argument von der ersten bis zur letzten Seite erwartet, braucht daher Geduld. Ich fand diese Eigenart nicht nur störend. Sie entspricht auch einem Buch, das sich seinem Gegenstand tastend und auf vielen Wegen nähert. Gleichwohl hätte eine klarere Bündelung manchen besonders guten Beobachtungen noch mehr Wirkung verliehen. Ähnlich verhält es sich mit den Deutungen. Einige sind unmittelbar einleuchtend, andere eher kühne Einladungen zum Mitdenken. Gerade bei einem so vielschichtigen Gegenstand ist das fast unvermeidlich. Hilfreich wäre stellenweise eine noch deutlichere Kennzeichnung, ob gerade ein historischer Befund, eine Position aus der Forschung oder eine eigene Möglichkeit vorgestellt wird. Das Buch ist am stärksten, wenn es diese Unterschiede sorgfältig offenhält. Dann darf das Rätsel ein Rätsel bleiben, während man trotzdem klüger daraus hervorgeht. Wer hier eine praktische Anleitung für die nächste Kartenlegung sucht, könnte sich fühlen, als hätte er einen gemütlichen Spaziergang gebucht und sei plötzlich auf einer Führung durch die Geistesgeschichte gelandet. Für andere ist genau das ein Glücksfall. Das Buch eignet sich für Menschen, die sich für Renaissancekunst, Bildsymbole und die Geschichte des Tarot interessieren. Man sollte Freude an Abschweifungen mitbringen und bereit sein, gelegentlich einen Gedanken noch einmal zu drehen. Dafür wird man mit überraschenden Perspektiven belohnt. Am Ende überzeugt mich vor allem die Haltung, die dieses Buch bei seinen besten Passagen vermittelt. Ein Bild muss nicht sofort preisgeben, was es bedeutet. Es darf widerspenstig sein. Es darf eine historische Frage aufwerfen, auf die keine Quelle eine abschließende Antwort liefert. Und es darf zugleich Anlass geben, sehr viel über Kunst, Wissen und die Sehnsucht nach verborgenen Zusammenhängen zu lernen. Schendel nimmt diese Möglichkeiten ernst. Seine Begeisterung kann bisweilen schneller laufen als der Beweis hinterherkommt, doch sie bleibt ansteckend. Das Sola-Busca-Tarot bleibt nach dieser Lektüre ein merkwürdiges, schönes und widerständiges Werk. Nur schaut man genauer hin. Und wenn anschließend auf einer Karte jemand ein Gefäß hält, erscheint die Frage „

  • Bewertung

    5/5

    23.09.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein faszinierender Blick auf die Bilderwelt der Renaissance

    Wer bei einem Buch über Tarot vor allem eine Anleitung zum Kartenlegen erwartet, wird von Volker H. Schendels „Das Sola-Busca-Tarot zwischen Macht, Magie und dem Wagnis der Erkenntnis“ überrascht sein. Im Mittelpunkt steht ein außergewöhnliches historisches Kartenspiel, dessen Bilder bis heute Fragen aufwerfen. Schendel nimmt diese Rätsel zum Anlass für eine Reise durch Kunst, Geschichte und die Gedankenwelt der Renaissance. Das Ergebnis ist eine ebenso kenntnisreiche wie neugierige Annäherung an Bilder, die sich einer schnellen Erklärung entziehen. Schon der Gegenstand ist bemerkenswert. Das Sola-Busca-Tarot zeigt nicht einfach jene Figuren und Szenen, die viele Menschen heute mit Tarot verbinden. Antike Namen, ungewöhnliche Gegenstände, Waffen, Gefäße und rätselhafte Handlungen verlangen einen zweiten und dritten Blick. Was tut eine dargestellte Person eigentlich? Welche Bedeutung könnte ihre Haltung haben? Gehört ein Gegenstand zu einer konkreten Geschichte, oder eröffnet er mehrere mögliche Lesarten? Schendel lässt seine Leserinnen und Leser an solchen Fragen teilhaben. Das macht das Buch besonders anregend: Man beginnt, genauer hinzusehen, statt sich mit der erstbesten symbolischen Erklärung zufriedenzugeben. Die große Stärke des Bandes liegt in seiner thematischen Weite. Schendel führt in die Kultur der Renaissance ein und verbindet die Karten mit Fragen nach Herrschaft, Bildung, antiken Vorbildern, Philosophie und religiösen Vorstellungen. Auch Hermetik, Alchemie und Astrologie kommen zur Sprache. Diese Fülle lässt ahnen, wie selbstverständlich Bilder und Gedanken in jener Zeit ineinandergreifen konnten. Die Karten erscheinen dadurch nicht als kuriose Einzelstücke aus einer fernen Vergangenheit. Sie werden zum Ausgangspunkt für die Frage, was Menschen mit Bildern ausdrücken, erkunden und vielleicht auch bewusst offenlassen wollten. Besonders gelungen ist der Blick auf das Kartenspiel als Kunstgegenstand. Es geht nicht allein darum, eine verborgene Botschaft zu suchen. Die Karten haben eine Geschichte der Herstellung, Gestaltung und Bewahrung. Zwischen einem Entwurf, dem Druck und der späteren farbigen Ausführung liegen Schritte, die für das Verständnis wichtig sind. Ebenso muss man unterscheiden, wer ein Werk geschaffen, beauftragt, besessen oder möglicherweise gedanklich angeregt hat. Schendel zeigt, weshalb einfache Antworten auf die Frage nach „dem Urheber“ eines solchen Bildprogramms selten ausreichen. Gerade diese Sorgfalt gibt den weiterführenden Überlegungen ein gutes Fundament. Das Buch vermittelt auch, wie reizvoll kunsthistorisches Denken sein kann. Ein Bild liefert keine fertige Gebrauchsanweisung für seine Deutung. Man kann nach historischen Belegen suchen, andere Kunstwerke vergleichen und philosophische Texte heranziehen. Am Ende muss man aber immer wieder zum Bild zurückkehren und prüfen, was dort tatsächlich zu sehen ist. Diese Bewegung zwischen genauem Beobachten und größeren Zusammenhängen macht viele Passagen lesenswert. Sie lädt dazu ein, die eigene Sicherheit beim Betrachten zu hinterfragen: Vielleicht ist eine Deutung möglich, ohne deshalb schon bewiesen zu sein. Schendel beschränkt sich nicht auf die Entstehungszeit des Sola-Busca-Tarots. Er verfolgt auch, wie die Karten erhalten blieben, später untersucht wurden und auf jüngere Bildwelten wirkten. Damit erhält das Thema eine zusätzliche Dimension. Ein Kunstwerk hat schließlich nicht nur einen Ursprung; es begegnet im Lauf der Jahrhunderte immer neuen Menschen, Erwartungen und Fragen. Besonders interessant ist dabei der Gedanke, dass eine spätere Übernahme von Bildmotiven nicht automatisch bedeutet, dass auch ihre ursprüngliche Bedeutung übernommen wurde. Formen können weiterleben und in einem neuen Zusammenhang etwas anderes leisten. Die Lektüre verlangt allerdings etwas Zeit und Bereitschaft, sich auf unterschiedliche Themen einzulassen. Der Band ist umfangreich und entfaltet seine Gedanken in vielen Kapiteln. Wer eine kurze, geradlinige Einführung sucht, könnte sich von der Menge an Namen, Quellen und Deutungsansätzen zunächst überwältigt fühlen. Manche Grundgedanken kehren mehrfach wieder, und nicht jede symbolische Verbindung besitzt dieselbe Überzeugungskraft. Gerade bei besonders weitreichenden Auslegungen hätte ich mir stellenweise eine noch deutlichere Trennung zwischen gesichertem Befund, Forschungsposition und anregender Vermutung gewünscht. Diese Einwände mindern den Wert des Buches für mich aber nicht grundsätzlich. Schendels Freude am Entdecken trägt die Darstellung, und seine Fragen bleiben oft länger im Kopf als eine endgültige Antwort es könnte. Man muss nicht jeder Deutung folgen, um von diesem Buch zu profitieren. Sein besonderer Gewinn besteht darin, Aufmerksamkeit zu wecken: für die Eigenart eines einzelnen Bildes, für die Menschen hinter seiner Entstehung und für die vielen Wege, auf denen Kunst Bedeutung gewinnt. Empfehlen würde ich den Band vor allem Leserinnen und Lesern, die sich für Kunstgeschichte, Renaissance, historische Bildsymbolik oder die kulturellen Wurzeln des Tarot interessieren. Hilfreich ist Neugier auf philosophische und historische Zusammenhänge; Vorkenntnisse machen die Lektüre leichter, sind aber nicht die einzige Eintrittskarte. Wer sich auf ein Buch einlassen möchte, das Fragen eröffnet und zum Nachdenken anregt, findet hier reichlich Stoff. „Das Sola-Busca-Tarot zwischen Macht, Magie und dem Wagnis der Erkenntnis“ ist für mich eine engagierte und ungewöhnlich vielseitige Einladung zum genauen Sehen. Es nimmt seine rätselhaften Bilder ernst, ohne ihren Reiz auf eine einzige Lösung zu reduzieren. Nach der Lektüre betrachtet man die Karten mit mehr Geduld – und vielleicht auch andere Kunstwerke. Das ist ein schöner Erfolg für ein Buch über Bilder.

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