Diskursive Integration ins Römische Reich Der Dekalog zwischen Juden, Christen und Griechen
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- Deutsch ausgewählt
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Beschreibung
Produktdetails
Einband
Taschenbuch
Erscheinungsdatum
30.11.2026
Verlag
Mohr SiebeckSeitenzahl
261
Maße (L/B)
18,1/11,3 cm
Auflage
1
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-16-200678-3
Maren R. Niehoff zeigt, wie aus einer von vielen biblischen Gesetzessammlungen der Dekalog wurde - und mit ihm eine Richtschnur universaler Ethik. Römische Rechtsdiskurse spielen dabei eine entscheidende Rolle, denn jüdische, christliche und griechische Autoren integrieren ihre jeweilige Tradition über den Dekalog im Römischen Reich.
Folgende Entwicklungsstufen ergeben sich bei einer philologisch und historisch orientierten Textanalyse:
In der Bibel und zur Zeit des Zweiten Tempels spielen die Zehn Gebote noch keine besondere Rolle, weder im hebräisch- noch im griechischsprachigen Judentum. Die Pionierarbeit leistet im ersten Jahrhundert Philon von Alexandria, der dem Dekalog als ethischem Grundgesetz erstmals einen separaten Traktat widmet, inspiriert von Handbüchern des römischen Rechts.
In den Schriften des Neuen Testaments, die hier chronologisch behandelt werden, erscheint die universale Geltung der Zehn Gebote erst im Römerbrief, der die scharfe Gesetzeskritik des Galaterbriefes nuanciert. Paulus verbindet den Christusglauben mit dem Herrscherlob und fordert, wie Seneca, universale ethische Normen, die er an das Liebesgebot bindet. Auch die synoptischen Evangelien greifen den Dekalog auf und lesen ihn paulinisch.
Josephus und die rabbinische Literatur interpretieren den Dekalog als Teil eines Abnabelungsprozesses vom Christentum. Dabei treten zwei hermeneutische Knotenpunkte hervor: die Rolle der Priester beim Rezitieren des Dekalogs im Jerusalemer Tempel und die Reaktion auf die christliche Inanspruchnahme der universalen Gebote des Dekalogs.
In der Spätantike führen christliche und pagane Autoren Debatten über den Dekalog im Blick auf das Judentum. Orthodoxe Positionen konsolidieren sich durch Rekurs auf den Dekalog, während heterodoxe Autoren ihn marginalisieren. Kaiser Julian appelliert an den Dekalog in einem letzten Versuch, das Römische Reich unter universalen Werten zu vereinen.
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