Nach der Entdeckung der Magellanstraße beginnt die dritte Etappe der ersten Weltumsegelung – und der eigentliche Albtraum. Drei Schiffe treiben durch die scheinbar endlosen Weiten der Südsee, deren Ausmaß die Gelehrten Europas fatal unterschätzt haben. Der Seemann Pay Edel verflucht die Zunft der Kosmographen, deren Karten den Ozean zum schmalen Durchgang verkleinerten. Hunger, Durst und Skorbut werden zu ständigen Begleitern, Hoffnung zur knappen Ressource.In bitterer Ironie gleitet die Armada an paradiesischen Inseln vorbei, ohne sie zu sichten. Ein Drittel der Mannschaft stirbt. Erst am Rand der heutigen Philippinen treffen die Überlebenden auf die Ladronen – eine Begegnung, die tödlich endet.Der sorgfältig recherchierte Roman erzählt die erste Weltumsegelung als düstere Geschichte von Macht, Gewalt und Intrigen, von kosmologischen Irrtümern und ungeheuerlichem Leid. Bei dem Seemansgarn, Seemannsbräute und Seemannshumor trotzdem nicht fehlen. Ein eindringliches Panorama der frühen Globalisierung – fern von Heroismus, nah am menschlichen Abgrund.
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5.0/5.0
Jakob Krajewsky
aus Hamburg
5/5
07.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Magellans epische Reise - letzter Band
Die Hauptprotagonisten Pay Edel und sein Seemannskumpel Quivitoq aus Grönland sowie Al Gharb, der Schwarze Mönch und andere Nebenfiguren wie der Ritter Pigaffeta tauchen hier wieder auf. Wir kennen sie schon aus den vorhergehenden Bänden. Dazu kommen neu Radschas der Inselwelten sowie Prinzessinnen und Prinzen und die versammelte native Bevölkerung als Objekt der Begierde von Handel und Wandel sowie dem Goldrausch der Eindringlinge aus dem Alten Europa unterworfen.
Nun also sind wir am Ende der langen Reise Magellans angekommen. Der Autor Reimer Boy Eilers hatte eigens ein Reisestipendium ergattert, um vor Ort auf den Philippinen zu recherchieren. Es hat sich gelohnt. Wir baden in Sprache, in seiner Lust, freudig zu formulieren und zu fabulieren. Es ist der Zeit angemessen diese erhabene Rede im historischen Gewand, garniert mit Kraftausdrücken, Latein, Spanisch und Begriffen der Molukken wie Maci Maci. Allein das ist schon Grund genug, auf über 500 Seiten alle Abenteuer der Mannschaft und des portugiesischen Kapitäns Magellan, der für Spaniens Krone Teile der Neuen Welt entdeckte und erobern sollte, mitzuerleben. Bildhaft schön beschrieben:
„Die Takellage spielte, von mächtiger Hand gerührt, eine rasende Melodie. Rings um das Schiff kochte, brodelte und brüllte die See. Grüne Wasserberge gingen unter dem Rumpf durch, dann wieder standen die weißen Schaumköpfe über dem Deck. Aus dem trügerischen Wasser in der Hecksee des Schiffes wanderten sie auf uns zu, richteten sich steil und drohend empor, dann fielen sie mit einem Fauchen über dem Schanzkleid zusammen.“ (S. 56)
Die sogenannte Christliche Seefahrt wird entlarvt: „In einer bösen Stunde ist es das Schlimmste, die herzlose Frommheit frommer Männer zu erleben, und hier ging sie folgendermaßen in den Worten des Schiffsschreibers: ‚Alle Völker der Welt wurden von Gott einem Mann namens Petrus anvertraut, damit er ihr Oberhaupt sei und alle ihm gehorchen. Seine Nachfolger wurden Päpste genannt, und einer dieser Nachfolger machte als Herr der Welt diese Inseln und das Festland dem König von Spanien und seinen Nachfolgern zum Geschenk wie es in bestimmten Dokumenten, die ihr lesen könnt, wenn ihr es nachprüfen wollt, nachzuprüfen ist.‘“ Natürlich konnte sie kein Bewohner der Neuen Welt lesen und niemand verstand das Abrakadabra, so der Erzähler weiter, „es war der formalen Abwicklung dieses Rechtsaktes nur förderlich, weil es keine Einsprüche gab.“ (Seiten 95-96)
Es geht von Mann über Bord, Kussflecken, zu Kielholen und Massentaufen Einheimischer über Zaubertinte, Bambuspaläste und Massaker zu einem (nicht) vorhersehbaren Ende der Großen Fahrt - alle Register werden gezogen. Ganz vorbildlich folgt ein Nachtrag im Buch, das Personal (Charaktere), Schiffsnamen und Routen auflistet und besondere Ausdrücke in einem Glossar erklärt. So kann jede(r) immerzu folgen durch Seitenblättern. Fein auch die Grafiken, Bilder, Miniaturen Stiche und Fotos der Masken, die das aktuelle Geschehen auf den entsprechenden Seiten untermalen. Die Kapitel sind kurzweilig und mit Sinnsprüchen überschrieben. Lesende brauchen dennoch einen langen Atem … „Bitte, ihr hurtigen Lesemäuse, die ihr die Zeilen ablauft wie einen großen, buttrigen Käseleib, erwartet von hartgesottenen Maryneros keine gefälligen Meinungen. Wir waren ein Rudel Haifische auf dem Trocknen. Und Amen“ (S.171)
Spannend bis zuletzt ist die Frage, werden Pay Edel vom Hilligen Land (Helgoland) und seine Freunde und Schiffsgenossen das Chaos überdauern und jemals zurück in die alte Heimat kommen? Herrlich - dieses Grand Finale!
Bestechend – wir stechen in See mit dem Autor, ja seinem literarischen Alter Ego - und am Ende der epischen Reise glauben, ja fühlen wir es, wir wissen, wir waren dabei.
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