Als Miles und Kate mit ihren beiden Kindern für ein Jahr aufs Land ziehen, will Miles die neu gewonnene Ruhe nutzen, um endlich seine Doktorarbeit abzuschließen - zwölf Jahre später als geplant. Doch während seine Frau als Gastprofessorin beruflich aufblüht, begegnet ihm die neue Nachbarschaft vor allem von ihrer kuriosen Seite. Umgeben von kauzigen Sonderlingen und Lokallegenden dringt Miles immer tiefer in das Landleben ein - in eine Welt, die weniger von beschaulicher Idylle geprägt ist als von den skurrilsten Begebenheiten. Der amerikanische Bestsellerautor Daniel Mason erzählt warmherzig und ungemein komisch vom unverhofften Glück, seinen Platz genau dort zu finden, wo man es am wenigsten erwartet.
Als Miles und Kate, ein Akademikerpaar aus Kalifornien, mit ihren beiden Kindern aufs Land ziehen, erleben sie in der Provinz mehr als nur eine schräge Überraschung. Während Kate durch ihre Gastprofessur schnell Anschluss findet, steht Miles vor der Herausforderung, als Doktorand und Hausmann in der eingeschworenen Dorfgemeinschaft zu bestehen. Seit vierzehn Jahren schreibt er mittlerweile an seiner Doktorarbeit, und die ländliche Idylle bietet neue Ablenkungsmöglichkeiten: Miles lernt Skilanglauf und Sensenmähen, und er wird Mitglied einer Gruppe verschrobener Einheimischer, die an eine Hohlwelt unter der Erde glaubt. Was wie harmloser Eskapismus wirkt und Miles Halt im fremden Alltag gibt, entwickelt nach und nach eine eigentümliche Sogkraft, die feste Überzeugungen ins Wanken bringt. Mit bestem Gespür für Alltagskomik und einem Blick für die existenziellen Fragen dahinter zeichnet Daniel Mason das ländliche Amerika ebenso liebevoll wie er die Selbstgewissheit seiner Städter ironisch entlarvt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Shilo
aus Ulm
4/5
06.10.2026
eBook (ePUB)
Ein ziemlich schräger Neuanfang
Als Miles mit seiner Frau Kate und den beiden Kindern für ein Jahr aufs Land zieht, möchte er eigentlich endlich seine Doktorarbeit fertigstellen. Stattdessen lernt er dort viele neue Menschen kennen und erlebt Dinge, mit denen er so nicht gerechnet hat. Gerade die Begegnungen mit den eigenwilligen Bewohnern und seine ersten Versuche beim Skilanglauf und Sensenmähen haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht.
Vieles in diesem Roman ist ziemlich ungewöhnlich. Die Gruppe, die an eine Welt unter der Erde glaubt, war für mich zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Trotzdem fand ich es interessant zu beobachten, wie Miles immer mehr in diese Gemeinschaft hineinrutscht. Was zuerst wie eine etwas schräge Ablenkung wirkt, bekommt nach und nach eine andere Bedeutung. Dabei merkt man mit der Zeit, dass Miles selbst nicht mehr alles so sieht wie am Anfang.
Beim Lesen fand ich es interessant, wie Daniel Mason die Menschen auf dem Land beschreibt. Die Dorfbewohner sind teilweise schon ziemlich eigen und auch Miles schaut anfangs mit dem Blick eines Städters auf diese für ihn ungewohnte Welt. Seine Beobachtungen haben mir dabei manches Mal ein Schmunzeln entlockt.
An manchen Stellen war mir das Ganze etwas zu ausführlich. Auch mit einigen der ungewöhnlichen Einfälle musste ich erst einmal warm werden.
Trotzdem wollte ich wissen, wie es mit Miles weitergeht, weil man nicht immer vorhersehen kann, was als Nächstes passiert. Insgesamt habe ich das Buch gerne gelesen, auch wenn mich nicht alles gleichermaßen angesprochen hat. Einige Begegnungen und Situationen sind mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben.
Die vielen unterschiedlichen Figuren und die manchmal ziemlich schrägen Situationen geben dem Buch seinen eigenen Charakter.
4 Sterne und eine Leseempfehlung.
Reader1965
aus Hamburg
4/5
25.09.2026
eBook (ePUB)
Amüsant & skurril
"Landleute" von Daniel Mason ist eine amüsante & warmherzige Lektüre.
Im Mittelpunt steht Miles, der nach dem Umzug mit seiner Familie in Kontakt mit Leuten auf dem Land kommt & in allerlei skurrile Situationen gerät.
Die Charaktere sind echte Unikate und mit viel Empathie gezeichnet. Sie sind, allen voran Miles, eigen, aber irgendwie auch liebenswert. Miles & seine ganze Palette an Gefühlen sind schön beschrieben. Daniel Mason hat mir Bilder der Menschen & der Umgebung in den Kopf gezaubert.
Das Buch hat mich gut unterhalten & zum Schmunzeln gebracht und es hat mich auch gut abschalten lassen.
Es wird sehr detailliert erzählt, was mir gefällt. Nur ein paar Stellen hätte ich mir etwas straffer gewünscht.
Es war das erste Buch von Daniel Mason und dieser Autor ist eine Entdeckung für mich - besonders wegen seines wunderbaren Schreibstils.
Bewertung
aus Schweighofen
5/5
03.11.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unter dem Mikroskop
Der Roman handelt von einer Familie aus Kalifornien, die auf das Land nach Vermont zieht. Dort angekommen lernen sie ein ganz anderes Leben kennen als sie es gewohnt sind, ebenso wie jede Menge skurriler Bewohner.
Am Anfang des Romans werden die Personen aus einer sehr distanzierten Sicht als „die Frau“, „der Mann“, „die Kinder“ und „der Hund beschrieben. Mit dem Fortschreiten der Handlung erfahren wir immer mehr über die Familie, über ihre Vergangenheit, ihr Privatleben, ihre Wünsche und Erlebnisse an ihrem neuen Heimatort. Unter anderem wird berichtet, dass der Mann bereits seit 14 Jahren mit seiner Abschlussarbeit beschäftigt ist und dabei ständig das Thema wechselt und seine Frau eine erfolgreiche Professorin ist. Die Kinder gehen noch zur Schule. Der Hund ist ein italienischer Wasserhand. Mit der Zunehmenden Ausgestaltung der Personenbeschreibung bekommen diese schließlich auch Namen.
Im Mittelpunkt der Handlung stehen die zahlreichen Begegnungen der Familie mit der örtlichen Bevölkerung von Vermont. Dabei hat jeder Einheimische seine ganz Eigentümlichkeit, vom fanatischen und erfolglosen Ökobauern, über Rasenspezialisten bis hin zum Verschwörungstheoretiker. Eine bizarre Begegnung jagt die nächste. Jedoch besitzt die Familie, allen vornweg der Vater Mile, nicht weniger Eigenarten, der sich über alles und jeden bis ins kleinste Detail Gedanken macht und wie ein Fähnlein im Wind ständig sein Abschlussthema wechselt. Während es scheint als ob die Mutter Kate, die Kinder und der Hund ihre Integration in die ländliche Umgebung ziemlich problemlos meistern, wirkt Miles eher wie ein unbeholfener Außenseiter, der die Einheimischen aus einer wissenschaftlichen Brille wie Forschungsobjekte beobachtet, der aber stets um Verständnis bemüht ist.
Das Cover zeigt einen Ausschnitt herbstliche Natur Vermonts in runden Scheiben geschnitten und immer weiter vergrößert, wie unter einem Mikroskop. Ich kann mir unter diesem Bild gut die Sicht Miles´ vorstellen, der die Einheimischen seiner neuen Heimat wie ein Forscher unter die Lupe nimmt.
Was mir an dem Roman besonders gut gefallen hat, sind die überspitzten skurrilen Darstellungen der einzelnen Personen. Ein wunderbarer schwarzer Humor liegt über der gesamten Handlung. Anders als zunächst gedacht handelt es sich jedoch nicht um die Darstellung einer Konfrontation zwischen typisch städtischen und ländlichen Einstellungen. In diesem Roman geht es eher um die groteske Darstellung aller Personen. Etwas langatmig waren dagegen so manchen Abschweifungen die all zu sehr ins Detail gehen und die es zuhauf in der Handlung gibt. Am Anfang habe ich mir auch etwas schwer mit der distanzierten Erzählweise getan. Rückblickend wirkt dieses Stilmittel jedoch schlüssig. Insgesamt ein wunderbarer Roman mit einem ganz individuellen Stil, den ich nur weiterempfehlen kann.
Eva
5/5
27.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Landleute werden
Daniel Mason gelingt mit Landleute ein erzählerischer Geniestreich. Mit Witz, Ironie, Situationskomik und literarischer Virtuosität erzählt er von einer Familie, die sich für ein Jahr aufmacht, um in Vermont das Landleben kennenzulernen. Auf der Fahrt bleiben sie noch namenlos, bei Ankunft werden sie zu Miles, Kate, Wesley und Olive.
Kate bekommt die Stelle einer Gastprofessur, Miles will endlich seine seit Jahren aufgeschobene Dissertation beenden. Das Thema: Landleute in russischen Volksmärchen.
Er forscht voller Hingabe und wirft sich in Vermont begeistert in das Landleben, um Erfahrungen aus erster Hand zu sammeln.
Schon hier spielt Daniel Mason mit den Lesegewohnheiten, wirft aus der bequemen Komfortzone, so wie auch die Familie statt im Comfort Inn im Fort Inn übernachtet.
Schnell fühlt Miles sich wohl, findet Freunde unter den verschrobenen Exzentrikern in Vermont, lernt Ski-Langlauf, das Mähen mit der Sense und wird Mitglied einer Gruppe, die an eine unterirdische Welt unter Vermont glaubt. Glaubenssätze bröckeln, Überzeugungen stehen fortan auf dem Prüfstand.
Die Konstruktion von Landleute ist beeindruckend. Die anfangs namenlosen Figuren werden immer lebendiger, bis sie die gesamte Fülle der Existenz in sich tragen. Je mehr Miles sich zu Hause fühlt, desto unwichtiger wird die vielfach umbenannte Dissertation. Die Suche nach dem Paradies wird im Paradies obsolet.
Die herausragende Übersetzung von Cornelius Hartz ist so sensationell stimmig, dass aus dem deutschen Text ein eigenes künstlerisches Werk wird. Rhythmus, Duktus und Wortwahl sind präzise, die Übersetzung verschwindet vollständig hinter dem Text, das Leseerlebnis entfaltet sich lückenlos.
Landleute fordert heraus. Immer wieder durchbricht Daniel Mason die konventionellen Strukturen eines Romans, spricht seine Leser*innen direkt an, lässt die Erzählstimme plötzlich Beobachterin werden, hinterfragt Zuordnungen, schichtet die Erzählebenen. Landleute steckt voller Bezüge auf Kultur und Literatur und sprüht vor Virtuosität.
Fröhlich schichtet Daniel Mason Ironie und Existenzialismus aufeinander, macht die kleinen Dinge zu den Bedeutendsten und entlarvt siegessicher Werte und Lebensstil der modernen Welt. Was für ein Roman. Es lohnt sich, sich darauf einzulassen.
drawe
aus Landau
5/5
26.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Suche nach dem verlorenen Paradies
Ein Mann, eine Frau – mit diesen archaisch klingenden Bezeichnungen der künftigen Protagonisten beginnt der Roman und weckt im Leser sofort die Assoziation an die biblische Genesis und den Paradiesgarten. Die Suche nach dem verlorenen Paradies beherrscht als durchgehendes Motiv diesen Roman.
Miles und Kate ziehen von Florida ins weit entfernte Vermont, vordergründig aus beruflichen Gründen, aber letztlich doch in der Hoffnung, in der ländlichen Umgebung ihren beiden Kindern paradiesische Zustände bieten bzw. schaffen zu können, zumal sich Kates Dissertation sinnigerweise mit „The Lost Paradise“ von Milton befasste. Dort in Vermont treffen sie auf Gleichgesinnte, die ebenfalls dem städtischen Trubel entflohen sind und hier ihr Paradies suchen. Es ist ein bunter Haufen von Aussteigern, auf die die Familie trifft. Einer bedient sogar direkt das Paradies-Bild, indem er eine Apfelplantage anpflanzt, die allerdings ohne Zutun der Chemie keine Früchte hervorbringt – kein verlorenes, sondern ein verlogenes Paradies. Andere wiederum suchen das Paradies im Inneren der Erde und berufen sich dabei auf apokryphe Schriften, die von einer paradiesischen Unterwelt berichten: einer glänzenden Welt mit einem friedlichen Miteinander aller Kreaturen.
Der Autor erschafft hier einen skurrilen Figurenreigen, der wiederum von einem außerhalb stehenden Erzähler bewegt wird, wobei dieser Erzähler sich immer wieder jovial-verbrüdernd an seine Leser wendet. Und damit dem Roman eine zusätzliche heitere Note verleiht.
Trotz oder gerade wegen des Paradies-Themas spart der Autor nicht an Kritik, in erster Linie an dem exzentrischen Trupp der Heile-Welt-Sucher, denen er absonderliche Berufe wie Schneeflockenfotograflässt zuweist. Die Kritik des Autors trifft aber auch die Medien und auch menschliche Untugenden wie die Klatsch- und Tratschsucht, vor der auch die Aussteiger nicht gefeit sind. Vor allem den akademischen Betrieb nimmt er genüsslich aufs Korn, wenn er Forschungsthemen, wie z. B. "Verhaltensweisen männlicher Amerikaner im ländlichen Raum im Kontext des Dosenwerfens" (S. 78) auflistet. Dem akademischen Betrieb stellt er zudem eine andere Forschungsgruppe gegenüber, und zwar die der Unterwelt-Sucher, die sich nicht in lichten universitären Hallen, sondern abseits der gängigen Straßen, in einer Art Hexenhaus im dunklen Wald treffen. Ihre Forschungsthemen klingen reell und faktenbasiert, auch wenn der Leser natürlich weiß, dass solche Unterwelten nicht existieren und diese Leute sich ihre eigene Wirklichkeit konstruieren. Trotzdem. Der Leser ist irritiert, und die Grenzen zwischen Fakten und Irrglauben, zwischen Wissenschaft und Verschwörungstheorien weichen sich auf.
Der Leser sieht die Welt mit Miles Augen, und da Miles ein Mensch ist, der sich nur zu gerne von seiner Dissertation ablenken lässt, erfährt auch der Leser viele Details und Nebenhandlungen, die von Thema wegführen. Hier wären sicher einige Kürzungen oder Straffungen angebracht gewesen. Auf der anderen Seite ist Miles ein begnadeter Geschichtenerzähler, d. h. auch er erfindet eigene Welten. Die Hinweise auf Shakespeares Sommernachtstraum oder die russischen Märchen ordnen sich in Miles‘ Liebe zum Erzählen und zur Erschaffung fantastischer Welten ein – und so ist letztlich der ganze Roman: er feiert das Erzählen.
4,5/5*
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