Ein Debütroman über drei Frauengenerationen zwischen Herkunft und Gegenwart.Suzanna ist Fotografin. Sie hält die Träume anderer fest und die Geister der Familie in Schach. Bis ihre Mutter von einem Tag auf den anderen verschwindet. Sie scheint sich auf eine Reise in ihre Erinnerungen begeben zu haben, und Suzanna und der restlichen Familie bleibt nichts anderes übrig, als ihr dorthin zu folgen.Ein zarter und spannender Roman über Emanzipation und die Sehnsucht nach einem Zuhause, das im Gegenwind der Geschichte unerreichbar scheint."Hannah Mann zeigt uns in ihrem wunderschönen Debüt, warum wir gar nicht genug Familienromane lesen können: Im Kleinen zeigt sich immer das große Ganze." Dana von Suffrin, Autorin von "Nochmal von vorne" und "Toxibaby"."Ein eindringlicher Roman über Erinnerung und Herkunft - feinfühlig erzählt, mit großem Gespür für Zwischentöne und melancholischer Wärme." Irina Kilimnik, Autorin von "Sommer in Odessa".
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Eva
5/5
14.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mit Zeppelin in die Vergangenheit
Nina floh während des Kalten Krieges mit ihrer Familie von Warschau nach Berlin. Im zweiten Weltkrieg erlebte sie die Belagerung von Leningrad. In Deutschland angekommen, hat sie die Sprache nie gut gelernt, war verloren in dem großen Haus ihres unternehmerisch erfolgreichen Mannes. Jetzt sitzt sie meistens im Pelzmantel im Wintergarten und raucht.
Suzanna, ihre Tochter versucht in West-Berlin den Spagat zwischen einem Leben als Fotografin und dem Management des Alltags, versucht, allen gerecht zu werden. Ein Spagat zwischen Selbstbestimmung und dem Erbe, das auf ihr lastet. In der trüben Dunkelheit des Winters versucht sie, die Geister der Familie zu besänftigen.
Das Dilemma der Post Migration.
Suzannas Tochter Daria zählt Ufos, ist allergisch gegen Asymmetrie und ordnet sich auf der Suche nach Orientierung die Welt mit einer Stoppuhr.
Als Nina verschwindet, machen sich Suzanna und Daria auf die Suche und landen tief in der Familiengeschichte irgendwo zwischen Zeppelin, West-Berlin und Russland.
Es ist die Sprache, die dieses Familienportrait besonders reizvoll macht. Sie ist nüchtern, spart aus, verzichtet auf Adjektive. Struktur wirkt der Willkür entgegen, doch dahinter zeigen sich die verschütteten Emotionen, eine stille Melancholie, ein unerschütterliches Sehnen. Nach Zugehörigkeit, nach Freiheit und dem Gefühl, zu genügen.
Während Suzanna versucht, mit ihrer Kamera den flüchtigen Moment in die Ewigkeit einzuschreiben, überholen die Geister der Vergangenheit die Gegenwart.
Zeppelin und Karpfen ist eine Geschichte um drei starke Frauen, deren Familiengeschichte eng mit Migrationsgeschichte verwoben ist. Zwischen historischen gesellschaftspolitischen und geopolitischen Grenzen wird das Individuum zum Spiel bei der Geschichte, fremdbestimmt von Grenzbeamten, Flucht und Exil.
Hannah Mann erzählt wunderbar realistisch von Herkunft und Neuanfang, vom diffusen Gefühl der Verlorenheit und der ureigenen Bedeutung von Freiheit, die sich über die historische Willlkür erhebt.
Ein fantastisches Debüt einer starken Stimme.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
3/5
12.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Freiheit ist, die Vergangenheit ziehen zu lassen
Der Debütroman „Zeppelin und Karpfen“ von Hannah Mann, die tatsächlich eine Urenkelin von Heinrich Mann ist, hatte mich thematisch sofort angesprochen: Generationengeschichten über Herkunft und Identität interessieren mich immer sehr.
Hier lernen wir die Fotografin Suzanna kennen, die mit ihrer Familie in Berlin lebt. Ihre Tochter Daria lebt nach ihrer eigenen Ordnung, zählt beim Frühstück ihre Froot Loops und braucht für alle Tätigkeiten ihre Stoppuhr.
Oma Nina hat sich nach ihrer Emigration aus Russland nie in Deutschland eingelebt, schwelgt stets in alten Erinnerungen. Als sie eines Tages plötzlich verschwindet und die Polizei untätig bleibt, begibt sich Suzanna mit ihrem Vater und ihrer Tochter Daria auf Spurensuche. Ihre Reise führt sie durch Westberlin bis an den Bodensee, wo sie in die Tiefen ihrer Familiengeschichte eintauchen. Hier gibt es einige Geheimnisse. Werden sie Oma Nina wiederfinden?
Dieses Buch lässt mich leider etwas ratlos zurück; hier hatte ich offenbar andere Erwartungen.
Was ich wirklich mochte, waren die Figuren, ganz besonders die kleine Daria hatte ich sofort ins Herz geschlossen mit ihrer besonderen Art, sie war für mich ein echtes Highlight dieses Romans.
„Daria betritt die Terrasse und unterbricht uns. ‘Was ist los?’, fragt sie. ‘Worüber redet ihr?’
‘Weißt du, was Freiheit bedeutet, Kleine?’, fragt Arthur.
‘Wenn man hinfahren kann, wo man will?’, rätselt Daria.
‘Freiheit ist, wenn man sich nicht rechtfertigen muss’, meint Arthur.
‘So, wie als du den braunen Teppich gewählt hast?’, frage ich.
‘Der war im Angebot.’
‘So, wie als ich mein Lineal nehmen wollte für den geraden Strich und du es mir verboten hast?’, fragt Daria.
Ich erzähle Daria nicht vom Verschwinden meiner Mutter. Mir fehlen die Antworten auf ihre Fragen, die folgen würden.
Mit einem langen Atemzug sauge ich die Luft ein und beobachte, wie das Nachmittagslicht sich in dem schwarzen Holunder verfängt, in dem die Spatzen sitzen. Ich wende mich an Daria: ‘Freiheit ist, die Vergangenheit ziehen zu lassen.’
Daria überlegt kurz. ‘Ich bin erst sieben Jahre alt. Wie lange her muss diese Vergangenheit sein?’“
Was die Geschichte angeht, konnte sie mich leider nur bedingt abholen. Sehr spannend war der Part mit der Reise an den Bodensee und das Geheimnis um den Zeppelin. Ansonsten plätschert die Story so etwas vor sich hin, am Ende ist Oma Nina wieder da – und ich bleibe mit der Frage zurück, was mir die Autorin sagen will. Irgendwie hatte ich hier vielleicht andere Erwartungen an das Thema; vielleicht war es einfach nicht das passende Buch für mich. Ich vergebe final wohlwollende 3 von 5 Sternen; bleibe aber neugierig auf weitere Veröffentlichungen der Autorin.
Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar!
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