Noer, Ostsee, 1941. Die achtzehnjährige Anna Schneider wird mit ihrer Familie nach Minsk deportiert. Im Ghetto bestimmen Hunger, Angst und Gewalt den Alltag. Als Anna mit ansehen muss, wie die Nationalsozialisten Tag für Tag jüdische Männer, Frauen und Kinder ermorden, trifft sie eine folgenschwere Entscheidung: Sie leistet Widerstand.Fast sechzig Jahre lang hat Anna niemandem erzählt, was in Minsk wirklich geschah. Nicht einmal ihre Familie kennt ihr Geheimnis. Als ihre Enkelin sie für ein Schulprojekt nach ihrer Vergangenheit befragt, kehrt Anna nach Minsk zurück - an den Ort, an dem ihr Überleben einen hohen Tribut forderte.Erst in Minsk begreift Anna, dass auch Schweigen seinen Preis hat.ZWEI LEBEN - Solange ich atme ist ein historischer Ro-man über Mut in einer Zeit der Unmenschlichkeit und den hohen Preis des Überlebens.
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Witch-Journal
5/5
15.08.2026
Buch (Taschenbuch)
Das Herz blutet
Mit diesem Buch beweist Bestsellerautorin Astrid Korten einmal mehr, dass sie eine wahre Meisterin der Feder ist. Sie versteht es wie kaum eine andere, Worte so präzise, bildhaft und voller Gefühl zu wählen, dass die Geschichte vor dem inneren Auge nicht nur entsteht, sondern wahrhaftig zum Leben erweckt wird. Astrid Korten legt für ihre Leserschaft eine Straße aus purer Leselust – eine Straße, auf der man von der ersten bis zur letzten Seite unaufhaltsam vorangetrieben wird, gefesselt an jedes einzelne Wort.
Im Mittelpunkt dieser bewegenden Story steht Anna – eine bemerkenswerte Frau, die ihren schweren Weg erhobenen Hauptes gehen musste. Annas Gegenwart ist untrennbar mit ihrer Vergangenheit verwoben, und diese Vergangenheit wirft lange, dunkle Schatten. Was Anna einst in Minsk erdulden musste, ist an Grausamkeit und Grauen kaum zu fassen. Astrid Korten führt uns feinfühlig, aber schonungslos an die seelischen Abgründe heran: Die entsetzlichen Erlebnisse, die Gemeinheiten und das Schreckliche, das Anna in Minsk widerfahren ist, haben tiefste Narben auf ihrer Seele hinterlassen. In ihren Gedanken kehrt Anna immer wieder an diesen düsteren Ort zurück. Die Angst, die sie damals lähmte, hallt bis in ihr heutiges Leben nach. Wie kommt eine Frau mit einem solchen Trauma im Hier und Jetzt klar? Es ist ein alltäglicher Kampf zwischen dem Überlebenswillen und den Dämonen der Erinnerung. Jede Träne, die Anna vergossen hat, spiegelt sich in ihrer inneren Zerrissenheit wider, aber auch in ihrer unbändigen Kraft, niemals aufzugeben.
Die emotionale Tiefe dieses Buches ist schlichtweg überwältigend. Die Gefühle fließen durch die Seiten wie ein klarer, unaufhaltsamer Bach an einem frischen Frühlingsmorgen – mal sanft und leise, mal reißend und voller Wucht. Man spürt in jeder Zeile, wie tief die Autorin in die Materie eingetaucht ist. Fundierte, akribische Recherchen bilden das stabile Fundament dieser Erzählung, doch es ist der perfekte und ausgereifte Schreibstil, der ihr eine Seele verleiht. Es kommt einem beim Lesen nicht so vor, als ob Astrid Korten diese Geschichte bloß aufgeschrieben hätte – man hat das Gefühl, sie hätte jede Sekunde selbst durchlebt und mitgefühlt. Dieses Buch geht direkt an die Nerven und tief ins Herz. Es lässt einen ersudern, mitfühlen, hoffen und fordert den Leser emotional auf ganzer Linie heraus. Mehr als einmal muss man innehalten und sich eine Träne aus dem Gesicht wischen.
Auch die optische Gestaltung verdient ein hohes Lob. Das Cover ist schlichtweg genial gewählt und geht sofort zu Herzen. Es fängt die Stimmung des Romans perfekt ein: die feine Balance zwischen Sehnsucht, Schmerz, Licht und Dunkelheit. Schon beim bloßen Anblick spürt man die Melancholie und die Hoffnung, die in Annas Geschichte stecken. Ein absoluter Hingucker, der das Gesamtkunstwerk ideal abrundet. Dieses Buch ist ein absolut brillantes, hochemotionales Leseerlebnis. Ein Buch über Angst und Unrecht, aber vor allem über die unerschütterliche Stärke einer Frau, die ihren Weg geht. Astrid Korten hat ein Werk geschaffen, das lange nachhallt und den Leser berührt zurücklässt. Vielen Dank, liebe Astrid.
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