1921 auf Hiddensee: Edith von Ulmenau ist auf Drängen ihrer Familie im Kurbad »Zur Sommerfrische«, um von ihrem rätselhaften Husten geheilt zu werden - schließlich soll sie bald heiraten. Der junge Arzt Johannes Thelen erkennt jedoch schnell, dass es in Wahrheit die Erwartungen der Gesellschaft sind, die Edith die Luft zum Atmen nehmen. Vom ersten Moment an verbindet die beiden etwas Besonderes - doch ihre Gefühle könnten sie alles kosten ... Ediths Zimmergenossin Wally Rose verbirgt ein ganz anderes Geheimnis: Sie musste sich im Heilbad als ihre junge Herrin ausgeben, während diese mit ihrem Liebhaber auf Reisen geht. Aber was passiert, wenn ihre Scharade auffliegt? Auch die junge Krankenschwester Mette ist besorgt, denn sie allein ist für ihre jüngeren Geschwister verantwortlich. An Liebe ist nicht zu denken - und doch schleicht sich bald ein Arzt in ihr Herz ...
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Ein Kurbad in Hiddensee
Jasika am 07.06.2026
Bewertungsnummer: 3160981
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Hiddensee Anfang der zwanziger Jahre. Schon der Schauplatz trägt viel zur Atmosphäre des Romans bei. Das Kurbad, die Seeluft, die Ruhe der Insel und die kleinen Alltagsszenen vermitteln schnell dieses Gefühl von Sommerfrische und Rückzug. Annette Weber fängt die Umgebung angenehm leicht und bildhaft ein. Beim Lesen entstehen viele ruhige Wohlfühlmomente.
Im Mittelpunkt stehen drei Frauen, deren Lebenswege unterschiedlich sind und doch alle von Erwartungen und Zwängen geprägt werden. Besonders Edith bleibt dabei im Gedächtnis. Sie stammt aus gutem Haus, soll eine arrangierte Zukunft akzeptieren und einen Mann heiraten, den sie nicht liebt. Nach außen funktioniert sie als gehorsame Tochter, innerlich wirkt sie dagegen eingeengt und erschöpft. Der Reizhusten steht dabei fast sinnbildlich für den Druck, unter dem sie lebt. Die Begegnungen mit dem jungen Arzt Johannes bringen zwar Gefühl und Hoffnung in die Handlung, verlaufen aber weitgehend so, wie man es erwartet.
Auch Wallys Geschichte rund um die vertauschte Identität und Mettes Verantwortung für ihre Geschwister ergänzen den Roman ordentlich, ohne jedoch wirklich überraschende Entwicklungen zu bieten. Alles bleibt eher ruhig und vorhersehbar. Große Konflikte oder echte Spannung entstehen kaum. Der Roman setzt deutlich stärker auf Atmosphäre und sanfte Emotionen als auf dramatische Wendungen.
Einerseits liest sich dadurch der Roman angenehm und unkompliziert. Andererseits fehlt etwas, das länger nachhallt. Viele Entwicklungen zeichnen sich früh ab, neue Akzente bleiben aus. Obwohl das Buch als Auftakt einer Reihe gedacht ist, wirkt die Geschichte bereits recht abgeschlossen und macht wenig neugierig auf kommende Bände.
Ein ruhiger, seichter Wohlfühlroman mit schönem Inselsetting, der sich angenehm lesen lässt, aber auch schnell wieder verblasst.
Fazit:
Atmosphärisch und leicht zu lesen, aber ohne große Spannung oder bleibenden Eindruck. 3,5 Sterne, aufgerundet auf 4.
Eine nette Lektüre für zwischendurch
Haruka (Mitglied der Orell Füssli Book Circle Community) am 06.06.2026
Bewertungsnummer: 3159514
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Das ist ein Buch, das ganz okay war zum Lesen. Der eher gemächliche Erzählstil gehört zwar nicht unbedingt zu meinen Favoriten, aber manchmal tut es eigentlich ganz gut, etwas Ruhigeres und Unaufgeregteres zu lesen. Der Schreibstil ist flüssig, man kommt schnell durch die Seiten und das Setting auf Hiddensee hat mir grundsätzlich gut gefallen.
Die Atmosphäre rund um das Kurbad und die Insel fand ich schön und die gesellschaftlichen Zwänge der Zeit interessant, auch wenn nicht näher darauf eingegangen wird. Besonders mochte ich, dass es um Frauen geht, die auf unterschiedliche Weise versuchen, ihren eigenen Weg zu finden. Ediths Entwicklung fand ich interessantesten, weil sie anfangs noch recht naiv wirkt, aber im Verlauf der Geschichte doch zunehmend merkt, was sie wirklich will.
Mit den Männern in dieser Geschichte hatte ich dagegen meine Mühe. Manche haben sich dann weiterentwickelt, andere blieben bis zum Schluss unangenehm und haben dennoch ein gutes Ende bekommen.
Was mich leider etwas gestört hat, war die emotionale Distanz des Erzählstils. Viele Szenen werden eher sachlich zusammengefasst, fast so, als würde man einen Bericht lesen. Dadurch konnte ich mit den Figuren und vor allem mit den Liebesgeschichten nicht so richtig mitfiebern. Bei manchen Entwicklungen hatte ich deswegen das Gefühl, dass sie sehr plötzlich kamen, obwohl sie inhaltlich eigentlich nachvollziehbar waren. Mir fehlte einfach mehr Aufbau, mehr Gefühl und mehr Tiefe.
Daher finde ich, dass in dieses eher kurze Buch zu viele Geschichten hineingepackt wurden. Drei Liebesgeschichten auf so wenig Raum haben für mich dazu geführt, dass zwei davon recht oberflächlich geblieben sind. Die Liebesgeschichte von Edith empfand ich als die natürlichste und glaubwürdigste im Buch, denn sie hatte mehr Tiefe. Aber auch da hätte ich gern mehr Raum für die Gefühle und die Entwicklung gehabt. Meiner Meinung nach wäre es sinnvoller gewesen, wenn der Fokus mehr auf Edith und Johannes gelegen hätte und die anderen Handlungsstränge eher am Rand mitgelaufen wären.
Trotzdem gab es einige schöne Momente. Manche Szenen hatten einen leichten, fast humorvollen Charme, und das Ende war insgesamt warm und zufriedenstellend. Besonders schön fand ich auch die Idee, dass nicht nur die Liebe im Mittelpunkt steht, sondern auch der Wunsch nach Unabhängigkeit und nach einem selbstbestimmten Leben.
Alles in allem war dieses Buch für mich eine angenehme, ruhige Lektüre für zwischendurch. Das Setting ist schön, die Grundidee gefällt mir und das Happy End war wohltuend, auch wenn mich die Geschichte emotional nicht ganz erreichen konnte.
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