Edinburgh in den 1920ern: Der Psychiater Dr. Pierce erprobt innovative Hypnosemethoden an seinen kriegsversehrten Patienten, als eines Nachts der Vorstand des Northern Lighthouse Board an die Pforten seiner Nervenheilanstalt klopft. Er ersucht Heilung für den Ingenieur David Bradley. Seit Bradley von der Inspektion des argentinischen Leuchtturms Goliaths Auge zurückgekehrt ist, verfällt er, kaum von seiner Zwangsjacke befreit, stumm in manische Schwimmbewegungen. Einziges Zeugnis der vergangenen Wochen ist sein Tagebuch, das Grausames erahnen lässt. Dr. Pierce ist fasziniert - Bradleys Heilung soll ihm als sein Meisterstück zu internationaler Anerkennung verhelfen. Doch auch seine eigene Vergangenheit wirft schwarze Schatten, und je tiefer er sich in den Fall versenkt, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Psychiater und Patienten, zwischen Wahn und Wirklichkeit.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Lust_auf_literatur
5/5
05.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gruseliges Highlight!
Manchmal habe ich richtig Lust auf einen so richtig oldfashioned Gruselroman voller Wahnsinn, Angst und Gewalt. Und natürlich bitte in literarischer Ausführung. „Goliaths Auge“ ist dafür ein absoluter Volltreffer! Der einzige Haken ist, dass er „leider nur“ 200 Seiten hat und somit ziemlich schnell konsumiert, denn aus der Hand legen kannst du das Buch nicht mehr, wenn du einmal angefangen hast.
Wie die auf dem Klappentext referenzierten Werke von Robert Louis Stevenson und Edgar Allan Poe verschachtelt Muzzio seine Geschichte genretypisch in verschiedene Rahmenhandlungen. Auf der ersten Ebene lese ich vom Psychiater Dr. Pierce, der in seinem Institut in den 1920ern in Edinburgh einen merkwürdigen neuen Patienten angeliefert bekommt. Der Erste Weltkrieg ist gerade erst vorbei und der wahnsinnige Kriegsmoloch hat unzählige innerlich wie äußerlich versehrte Männer zurückgelassen. Auch der neue Patient von Dr. Pierce erlebte Schreckliches in den Schützengräben, doch sein Wahnsinn entstand während eines Wartungsaufenthaltes auf einem Leuchtturm. Und zwar nicht auf irgendeinem Leuchtturm, sondern auf einem mitten im Ozean gelegenen Leuchtturm namens Goliaths Auge, der berüchtigt und unbesetzt ist, seit sein früherer Leuchtturmwärter sich dort das Leben genommen hat.
Was Bradley, der Patient während seines einsamen Aufenthalts auf dem Leuchtturm erlebt hat, kann ich praktischerweise in seinen erhaltenen Tagebucheinträgen nachlesen. In seinen verstörenden (!) Tagebucheinträgen…
Also ich finde es schon ziemlich gruselig, wenn in altmodischer Sprache von Mördern, ausgestopften Tieren, menschenfressenden Vögeln und dem Grauen des Ersten Weltkrieges geschrieben wird. „Goliaths Auge“ besticht mit unglaublich authentischer düsterer und wahnhafter Atmosphäre und seinen unzuverlässigen Erzählern. Dabei geht es Diego Muzzio nicht nur um gruselige Effekte, sondern auch viel um die Psychologie seiner Figuren.
Zweifellos haben sie große Schuld auf sich geladen, die sich jetzt wahnhaft manifestiert. Das Grauen, das die Menschen in Kriegen (und auch ohne) selbst über sich bringen, und die Verheerungen, die dadurch in den Seelen entstehen, prangert Muzzio unmissverständlich an.
Besonders gefreut hat mich die kleine Referenz an eine wahre Geschichte, die auch Emma Stonex fiktiv in „Die Leuchtturmwärter“ bearbeitet und an die ich während des Lesens von „Goliaths Auge“ öfter denken musste.
Lesenswert
aus Bielefeld
5/5
23.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Von Abgleiten in den Wahnsinn
"Goliaths Auge" von Diego Muzzio ist ein kurzer Roman mit 205 Seiten, der es aber in sich hat! Ich liebe die Bücher aus dem mare-Verlag und wurde auch hier nicht enttäuscht!
Dr. Pierce ist Psychiater einer Nervenheilanstalt in den 20er Jahren. Er arbeitet mit neuen Hypnosetechniken und will dazu auch Vorträge halten und ein Fachbuch herausbringen. Ihm wird vom Vorstand des Northern Lighthouse Board ein neuer Patient gebracht der seltsame Verhaltensweisen aufweist. Er ist Ingenieur und war zuletzt als Inspekteur auf dem Leuchtturm Goliaths Auge eingesetzt. Seit er von dort zurückgekehrt ist und von seiner Zwangsjacke befreit wird, wirft er sich auf den Boden und beginnt mit Schwimmbewegungen. Er ist nicht ansprechbar, einzig sein Tagebuch gibt Einblick in seine Erlebnisse in Goliaths Auge und sein Leben.
Wir begegnen in diesem Roman Dr. Pierce und dem Ingenieur Bradley, den beiden Hauptprotagonisten. Ansonsten kommt der Roman mit wenigen Personen aus. Dr. Pierce hat im Krieg eine Verletzung durch einen Granatsplitter erlitten. Da dieser Splitter immer noch in seinem Kopf sitzt, leidet er an immer wieder auftretenden Schmerzen, die er mit Morphium bekämpft. Ingenieur Bradley lernen wir nicht nur als Patient, sondern auch durch sein Tagebuch kennen. Diego Muzzio schildert beide Persönlichkeiten sehr genau und ich konnte mich gut in sie hineinversetzen. Das langsame Abgleiten aus der Einsamkeit in den Wahnsinn Breadleys ist hervorragend ausgearbeitet und treibt den Lesenden doch den einen oder anderen Schauer den Rücken herunter. Die Beschreibungen des Meeres, des Leuchtturms und der Einsamkeit sind sehr atmosphärisch. Ohne jeden Sozialkontakt auf einer einsamen Insel in einem maroden Leuchtturm, grausam! Beide Charaktere kämpfen dazu noch mit ihren Kriegstraumata.. Während der Lektüre wurde mir an manchen Stellen nicht wirklich klar, was jetzt eigentlich Wahn, Halluzination oder Wirklichkeit ist und genau das macht den Roman auch aus!
Das Cover mit dem wellenumtosten Leuchtturm und dem Albatros, der um den Leuchtturm kreist passt hervorragend zum Roman und vermittelt die Düsternis , in der sich Bradley befindet.
Ich werde über diesen Roman sicher noch lange nachdenken und ihn auch mit etwas Abstand noch einmal lesen. Dieser Roman beschäftigt die Lesenden auch über das Ende hinaus und ist auf jeden Fall empfehlenswert und bekommt von mir 5 Sterne!
Jukebook_juliet
4/5
23.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Düster und atmosphärisch
Inhalt:
Edinburgh in den 1920ern: Der Psychiater Dr. Pierce erprobt innovative Hypnosemethoden an seinen Kriegsversehrten Patienten, als eines Nachts der Vorstand des Northern Lighthouse Board an die Pforten seiner Nervenheilanstalt klopft. Er ersucht Heilung für den Ingenieur David Bradley. Seit Bradley von der Inspektion des argentinischen Leuchtturms Goliaths Auge zurückgekehrt ist, verfällt er, kaum von seiner Zwangsjacke befreit, stumm in manische Schwimmbewegungen. Einziges Zeugnis der vergangenen Wochen ist sein Tagebuch, das Grausames erahnen lässt. Dr. Pierce ist fasziniert – Bradleys Heilung soll ihm als sein Meisterstück zu internationaler Anerkennung verhelfen. Doch auch seine eigene Vergangenheit wirft schwarze Schatten, und je tiefer er sich in den Fall versenkt, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Psychiater und Patienten, zwischen Wahn und Wirklichkeit.
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Meine Meinung:
Die düstere Atmosphäre dieses Romans hat mich schnell in den Bann gezogen. Ich konnte die ganze Zeit eine gewisse unterschwellige Spannung spüren, die mich sehr neugierig auf die weitere Geschichte machte.
Das große, übergeordnete Thema dieses Romans ist das Trauma des Krieges.
Der Psychiater Dr. Pierce sowie der Ingenieur Bradley sind interessante Charaktere, die ich gerne verfolgt habe. Besonders Bradleys Leben in dem einsamen Leuchtturm fand ich fesselnd, auch wenn alles unglaublich bedrückend und kalt wirkte. Mein Bauchgefühl sagte mir die ganze Zeit, dass da noch etwas kommt… Und ja, da kam etwas!
Der einzige Kritikpunkt ist, dass ich 205 Seiten zu wenig für diese faszinierende Geschichte finde und man noch mehr (mit mehr Seiten) hätte daraus machen können.
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Fazit:
Für Liebhaber von Mystery Geschichten wie Shutter Island.
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Meine Bewertung:
4/5 Sterne
mesu
2/5
24.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dem Wahn verfallen
Ein merkwürdiges Buch.
Der Psychater Dr. Pierce behandelt seine Patienten mit neuartigen Methoden um ihre Psychosen zu heilen. Sein neuer Patient der Ingenieur David Bradley ist ein Härtefall. Er ist Kriegsveteran, hat ein schlimmes Trauma und verfällt dabei in tagelange manische Bewegungen, die an Schwimmen erinnern, bis zur totalen Erschöpfung. Dr. Pierce versucht mit Hilfe des Tagebuches von Bradley seine Psyche zu ergründen. Er steigert sich maßlos in dessen Heilung hinein und es wird zu einer persönlichen Obsession. Dr. Pierce driftet ab, erliegt seiner eigenen Psyche.
Diese Geschichte ist äußerst verwirrend, kaum greifbar, teils langatmig erzählt und ich konnte leider keinen rechten Zugang zu den Ereignissen finden. Schade
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