London, 2019: Als der 19-jährige Zac Brettler vom Balkon eines Luxushochhauses in den Tod stürzt, kommt eine dunkle Wahrheit ans Licht - er hatte sich als Sohn eines russischen Oligarchen ausgegeben und immer tiefer in die kriminellen Machenschaften zwielichtiger Superreicher verstrickt. Die Polizei zeigt wenig Interesse an der Aufklärung, denn in einer Stadt, die sich längst im Würgegriff der globalen Korruption befindet, scheinen gute Geschäfte mehr zu zählen als ein Menschenleben.
Minutiös recherchiert und hervorragend erzählt, widmet sich Keefe dem schillerndsten Treffpunkt der internationalen High Society und offenbart, welcher Strudel aus Gewalt hinter ihrer glänzenden Fassade verborgen liegt.
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Glanz, Geld und ein Tod, der nicht loslässt
Alrik Gerlach (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 04.06.2026
Bewertungsnummer: 3157900
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Manchmal reicht ein einziger Sturz, und plötzlich bröckelt eine ganze glänzende Luxusfassade. Der Sohn des Oligarchen ist genau so ein Buch. Erst denkt man: Okay, mysteriöser Todesfall, junger Hochstapler, London, reiche Leute, klingt spannend. Und dann sitzt man da und merkt, dass Patrick Radden Keefe daraus keine sensationslüsterne Show macht, sondern ein messerscharfes, ziemlich unbequemes Stück Wirklichkeit.
Zac Brettler ist dabei keine einfache Figur. Mal möchte man ihn schütteln, mal beschützen, mal fragt man sich, wie einsam ein Mensch eigentlich sein muss, um sich so tief in eine erfundene Welt zu verlieren. Diese Mischung hat mich echt gepackt. Nicht auf die billige Krimi Art, sondern eher so, dass man beim Lesen kurz innehält und denkt: Alter, das ist wirklich passiert.
Keefe erzählt ruhig, präzise und trotzdem mit einem Sog, der einen nicht loslässt. London wirkt hier nicht wie die schicke Postkartenstadt, sondern wie ein gläsernes Aquarium für Geld, Macht, Angst und Dreck unter dem Teppich. Sehr edel eingerichtet, aber wehe, man schaut in die Ecken.
Besonders stark fand ich, dass das Buch nie den Menschen aus den Augen verliert. Hinter Oligarchen, dubiosen Deals und Polizei Desinteresse steht am Ende eine Familie, die wissen will, was mit ihrem Sohn passiert ist. Und genau da trifft das Ganze mitten ins Herz.
Ein kluges, düsteres und verdammt gut erzähltes Sachbuch, das sich liest wie ein Thriller, aber leider keiner ist.
Informative und zugleich packende Aufarbeitung des Themas
lilie125 am 19.05.2026
Bewertungsnummer: 3143787
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Inhalt:
Das Buch erzählt von dem wahren Fall des 19-jährigen Zac Brettler, der im Jahr 2019 unter mysteriösen Umständen vom Balkon eines Luxushochhauses in den Tod stürzt. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass er sich als der Sohn eines russischen Oligarchen ausgegeben hatte und auf diese Weise in zwielichtige Kreise geraten war.
Meine Meinung:
Mit „Der Sohn des Oligarchen“ beweist Patrick Radden Keefe einmal mehr, dass Sachbücher richtig spannend, bereichernd und gleichzeitig gute Literatur sein können. Er hat ein unglaubliches Talent dazu, komplexe und vielschichtige wahre Begebenheiten in einem Buch herunter zu brechen und für nachvollziehbar zu machen. Dabei erzählt er gleichzeitig so packend, dass man das Buch nicht mehr weglegen kann.
Anders als in seinen bisherigen Werken geht es konkret um einen „true crime“-Fall, von dem ausgehend die vielen Machenschaften und Intrigen in den Blick genommen werden, die sich bei der Erforschung des Falls nach und nach gezeigt haben. Wichtig ist es hierbei zu erwähnen, dass das Buch mit dem ausdrücklichen Einverständnis und der Unterstützung der Hinterbliebenen geschrieben wurde und sich nicht an ihrem Leid ergötzt.
Je tiefer man in diesen Fall eintaucht, desto düsterer und schockierender sind die Abgründe, in die man Einblick erhält. Teilweise sind die Vorkommnisse so abstrus, dass sie fast wie an den Haaren herbeigezogen wirken. Dem Autor gelingt es, das komplizierte Netz an Beziehungen und Intrigen auf so nachvollziehbare Art und Weise zu beleuchten, dass es für den Leser nicht verwirrend wird. Er nimmt sich die Zeit, den Fall mit einem klugen Blick in unglaublicher Tiefe und in seinen vielen unterschiedlichen Facetten zu schildern. Dabei geht auch nie das Menschliche verloren; vielmehr ist das Buch mit viel Empathie geschrieben.
Der Autor brilliert mit einem für das Genre ungewöhnlich schönen und ausdrucksstarken Schreibstil, der es zulässt, die Geschichte in all ihren Nuancen einzufangen. Gleichzeitig ist das Buch unglaublich flüssig und angenehm zu lesen.
Mich hat das Buch nachhaltig beeindruckt. Sofern einen das Thema auch nur ansatzweise interessiert, gibt es von mir auf jeden Fall eine große Leseempfehlung!
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