„ Wir verlieren dieses Land. “ Für Liv von Boetticher war der Satz eines Polizisten der Ausgangspunkt einer Recherche, die tiefer geht als viele öffentliche Debatten über Kriminalität in Deutschland. Über mehrere Jahre hinweg hat sie mit unzähligen Polizistinnen und Polizisten im ganzen Land gesprochen – quer durch alle Hierarchien, von der Streife bis in spezialisierte Ermittlungsbereiche. Sie berichteten über verbale und körperliche Gewalt auch gegen sie, über ihren Frust und das Gefühl, von der Politik missbraucht zu werden: Denn Polizisten baden aus, was die Politik versäumt.
Aus einzelnen Stimmen und Beobachtungen hat Liv von Boetticher ein Buch geschrieben, das schonungslos das ganze Ausmaß der Kriminalität in all ihren Facetten offenlegt - und welchen Anteil Ausländer daran haben. Sie zeigt auf, was oft nur unvollständig erzählt und von Politikern nach wie vor gerne unter den Teppich gekehrt wird. Dieses Buch blickt hinter die Statistik. Es handelt von der Lücke zwischen dem, was die Bevölkerung erlebt und wahrnimmt, und dem, was offiziell gesagt wird. Und von der Frage, was das für ein Land bedeutet, das sich auf seinen Rechtsstaat verlässt.
Dabei geht es auch um Themen, die politisch hart umkämpft sind: Migration, Asylpolitik und Integration. Viele der Beamten berichten von strukturellen Problemen, die in ihrem Alltag sichtbar werden – von überlasteten Behörden, unklaren Zuständigkeiten und einem System, das Entscheidungen oft nicht konsequent umsetzt. Das Buch benennt diese Entwicklungen, ohne zu vereinfachen – und ohne auszuweichen.
„ Wir verlieren dieses Land “ ist das Ergebnis einer intensiven investigativen Recherche. Es verbindet persönliche Erfahrungsberichte mit systematischer Analyse – und macht sichtbar, was alle Menschen spüren: Deutschland verliert zunehmend den Kampf gegen das Verbrechen.
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Konflikte eskalieren schneller, die Enthemmung nimmt zu.
BK am 22.06.2026
Bewertungsnummer: 3175368
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Auffallend ist, wie wenig und nebulös viele Medien über Gewalt und Angst in unserem Land berichten. Autos fahren Amok und Messer stechen zu, die Umhüllung von Tätern mit entschuldigenden Worten ist ein Kennzeichen unserer Zeit. Sarrazin hatte alles vorausgesehen und tatsächlich mit seinen damaligen Zahlen noch untertrieben. Er warnte davor, dass insbesondere Zuwanderung aus muslimisch geprägten Ländern zu erheblichen Problemen führen könne. Damit war er sich einig mit Aussagen von Helmut Schmidt, der ebenfalls davor warnte.
Die Autorin stellt in ihren spannenden Recherchen Polizisten immer die gleiche Eingangsfrage: „Ist es schlimmer geworden?“ Meist hört sie ein ja und diese Aussage zeigt treffend, um was es geht: „Vor 20 Jahren kannte ich solche Szenarien nur aus Israel, heute musst du in Deutschland jederzeit damit rechnen, dass jemand plötzlich ein Messer zieht.“ Konflikte eskalieren schneller, die Enthemmung nimmt zu, es reichen Kleinigkeiten, dabei geht es nicht mal um Geld, verbale Anwürfe reichen schon. „Wer glaubt, der andere habe ein Messer dabei, steckt vorsorglich selbst eines ein.“ Die Aufrüstungsspirale im Kleinen dreht sich und macht alles gefährlicher. Konflikte enden im Ernstfall schnell tödlich.
Liv von Boetticher schreibt klar, mutig und ohne die üblichen Nebelkerzen. Dieses Buch ist keine bequeme Lektüre, aber eine höchst notwendige. Es beschreibt ein Land, das sich in vielen Bereichen selbst nicht mehr ernst nimmt: vor allem bei dem Mut zur Wahrheit.
Mir selbst wurde vor kurzem ein langjähriger Kleinanzeigen Account mit guten Bewertungen gehackt und ein anderer, vermutlich aus Clanstrukturen, hat das Konto benutzt, um selbst betrügerisch zu verkaufen. Überall breiten sich Vorgehensweisen aus, die man früher nicht kannte, vom Enkeltrick bis zur Erpressung in Schulen, sogar bei Kindern.
Früher saßen Polizei und Kriminalität in einem Golf, heute ist die Kriminalität im Ferrari unterwegs, die Polizei aber immer noch im Golf. So beschreiben Polizisten dieses schiefe Verhältnis. Und wirklich, einige Polizisten reden schon vom Systemversagen, es meint ein Geflecht aus Zuständigkeiten, Versäumnissen und Pannen, die man schon beim Attentäter am Breitscheidplatz feststellen konnte. Man kommt nicht mehr hinterher und Bürokratie verhindert bessere, schnellere Ermittlungen.
Besonders gut ist, dass in diesem Buch nicht weichgespült wird. Man spürt auf jeder Seite: Es geht nicht um Panik, sondern um Wirklichkeitssinn. Um den Versuch, noch einmal nüchtern hinzusehen, bevor alles in Phrasen, Talkshow-Sätzen und amtlicher Beruhigung verschwindet.
Wer verstehen will, warum so viele Bürger das Vertrauen in Politik und Medien verlieren, sollte dieses Buch lesen. Nicht irgendwann. Jetzt. Hier sprechen Menschen, die von Berufswegen gezwungen sind, jeden Tag den Verbrechen direkt ins Auge zu sehen. „Für viele Polizisten fühlt es isch so an, als sehe man die Probleme klar vor sich - dürfe sie aber weder offen aussprechen noch konsequent bearbeiten.“
Live von Boetticher bringt Licht in unterschiedlichste Bereich, auch in das Rotlichtmilieu. Deutsche Luden mussten ihre Geschäft schon vor einiger Zeit an Nordafrikaner und andere Gruppen abgeben, inkl. Schleusen von Frauen aus anderen Ländern und einer Kultur des Kampfes, der Grenzen auch im Inneren verschob: Gewalt wurde brutaler, entgrenzter, endgültiger.
Viele Politiker und staatliche Ämter sind darauf trainiert zu verharmlosen, zu verschleiern und zu beschönigen. Es wird nichts nützen, alle Parteien, die die Inhalte dieses Buches nicht kennen (wollen), werden den Weg unter 5% gehen, davon bin ich überzeugt. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden, ist in Deutschland von 2009 auf 2024 um rund 39% gestiegen. Dabei sind die offiziell gemeldeten Zahlen nur ein Teil der Wahrheit. Viel alltägliche Fälle, die mit Gewalt ausgehandelt werden, tauchen gar nicht auf. Hell- und Dunkelfeld in Deutschland sind ein weites Feld, das vor allem über soziale Medien direkt in die Herzen und Gefühle von Menschen wirken. Ich werde z.B. niemals den Tod des Polizisten Rouven Laur in Mannheim vergessen. Der Anschlag damals galt einem Islamkritiker, der ebenfalls schwer verletzt wurde, heute aber nirgendwo mehr als Opfer auftaucht.
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