Wenn feiner Regen und das Licht des Mondes einen Mondbogen bilden, kommen Waldtiere aus einer anderen Welt zu uns und bringen Botschaften von Menschen mit, deren Hilferufe niemand hört.
1974. In der Kleinstadt Luneville in Lothringen freut sich der Kommissar und Pflanzenfreund Benjamin Merleau auf seine Pension. Auf seine letzten Tage wird ihm die junge Polizistin Véronique zugeteilt. Und ein neuer Fall landet auf seinem Tisch: Ein Mädchen wird als vermisst gemeldet.
Merleau und seine Assistentin nehmen die Ermittlungen auf. Für den Kommissar ist die Sachlage schnell klar, doch Véronique erhält kleine Zettel, die ihr von schwarzen Vögeln gebracht werden mit Hinweisen, die in eine gänzlich andere Richtung führen. Merleau hält das jedoch alles für großen Unfug. Während die junge Polizistin das Rätsel dieser Botschaften lösen will, beharrt der Kommissar auf seinem Verdacht. Doch die Kundschafter aus der Mondbogenwelt haben etwas anderes mit ihm vor.
Merleaus Reise verspricht nicht nur ein Wiedersehen mit liebgewonnenen Charakteren aus der magischen Welt des Vorgängerromans "Die Nacht des Mondbogens" aus Joachim Sohns Feder, sondern auch eine Umarmung mit den elementaren Wurzeln des Seins.
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Eine spannende, abgründige Geschichte aus dem Mondbogen-Universum
Sabrina Siebert aus Immenhausen am 12.05.2026
Bewertungsnummer: 3136734
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Als ich in der Ankündigung der Edition Outbird sah, dass es eine weitere Geschichte aus dem Mondbogenuniversum von Joachim Sohn geben würde, war ich sofort angefixt! Dazu kam, dass Pinselmagier Holger Much das Buch erneut illustrieren würde.
Dieses mal ging es um Kommissar Merleau, der kurz vor der Rente ist. Er hat seinen Teampartner verloren und bekommt die junge Polizistin Veronique zur Seite gestellt, die gerade erst ihre Ausbildung abgeschlossen hat.
Die Geschichte beginnt damit, dass ein kleines Mädchen verschwunden ist, welches von der Mutter vermisst gemeldet wird. Erst glaubt Merleau, dass die Anzeige in der falschen Abteilung gelandet ist, doch Veronique ist sich sicher, dass der Fall von ihnen bearbeitet werden muss.
Während der Ermittlung tauchen plötzlich viele Vögel auf die Veronicque und Merleau mit alten und neuen Zetteln überhäufen.
Diese Geschichte ist dieses Mal düsterer als die erste, allein schon das Thema der Kindesentführung hat mich sehr tief bewegt, denn es weckt natürlich als Mutter tiefe Ängste in mir.
Auch Merleau muss sich, während der Ermittlung, mit seinen Ängsten und Kriegs-Traumata auseinandersetzten. Dieser Teil der Geschichte, pendelt zwischen Euphorie und tiefem Entsetzen, manchmal war ich mir nicht sicher, befinde ich mich gerade in der Gedankenwelt Merleaus oder passiert das gerade wirklich? Das hat für mich das Lesen unheimlich spannend gemacht und mich extrem in die Geschehnisse hineingezogen!
Immer wieder finden wir beim Lesen wunderschöne, mal leichte mal düstere Illustrationen von Holger Much, die sich wunderbar in die Geschichte einfügen. Außerdem gibt es auch wieder ein Daumenkino, was ich sehr liebe!
Joachim Sohn hat hier wieder eine spannende, vielschichtige Geschichte, mit neuen aber auch bekannten Charakteren geschrieben. Sie ist wieder sehr gut recherchiert und wurde aus historischen Hintergründen entwickelt. Der Kriminalfall ist spannend, wirkt authentisch, lässt die Lesenden mitfiebern und entführt in tiefe menschliche Abgründe. Es ist absolut keine leichte Kost, da die angeschnittenen Themen sehr berühren und bewegen, aber absolut empfehlenswert für Lesende die gern düster, schaurige, und authentische Bücher lesen. Tatsächlich konnte ich es nicht aus den Händen legen und da ich Zeit hatte, war es an einem Tag durchgelesen.
⭐⭐⭐⭐⭐ für dieses tolle Buch!
eine weitere Mondbogengeschichte, etwas düster aber herzergreifend schön
phantastische_fluchten aus Walzbachtal am 18.04.2026
Bewertungsnummer: 3112792
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Benjamin Merleau ist ein knurriger, alter Kommissar. Seit sein Freund und Partner Alphonse vor einem halben Jahr bei einen Einsatz ums Leben kam, denkt Benjamin nur noch an seine Pension und an die Zeit, die er dann im Garten verbringen wird. Doch bevor es soweit ist, wird ihm eine neue Partnerin zur Seite gestellt. Die 22jährige Veronique Colbert, die frisch von der Polizeischule kommt.
Sie ist es, die die Vermisstenmeldung zur kleinen Caroline aufnimmt. Während für Merleau schnell feststeht, dass der Vater, Claude Pitou, für das Verschwinden verantwortlich ist, sieht die junge Polizistin das anders. Grund für diese Annahme ist ein Rabe, der Veronique diverse Zettel bringt, die in einer Geheimschrift verfasst zu sein scheinen. Obwohl Merleau den Ideen der jungen Kollegin leicht amüsiert gegenübersteht, lässt er ihr ihren Willen, den Ursprung und Sinn dieser Zettel herauszufinden. Auffällig ist, dass einige Zettel sehr alt und vergilbt wirken, andere hingegen so, als wären sie gerade erst verfasst worden.
Kommentar:
Die ist nun die zweite Mondbogengeschichte aus der Feder von Joachim Sohn. Gefällt sie mir so gut wie die erste Geschichte? Das ist schwierig zu beantworten, auf jeden Fall hat sich mich wieder sehr berührt, teilweise erschüttert und zum Nachdenken gebracht.
Es ist das Jahr 1974, die Ereignisse finden in der kleinen Stadt Luneville statt. Irene Beaudoire ist es, die Merleau rät, den Raben nicht zu ignorieren. Hat sie doch selber schon Erfahrungen mit Jaques Schroeder gemacht, wie sie den Raben getauft hat. Der Dialog zwischen ihr und Merleau auf Seite 69 macht klar, wie unterschiedlich die Menschen sind. Die einen hadern mit ihrem Schicksal, suchen die Schuld bei anderen. Und andere, wie Irene, machen das Beste aus dem, was ihnen gegeben ist. Ich habe mich gefreut, dass sowohl Irene als auch Gustave hier ihre kleinen Auftritte haben.
Aber das Hauptaugenmerk liegt auf Benjamin und Veronique. Zwei Generationen, die unterschiedliche Ansätze und Ideen haben und gemeinsam eine Lösung finden müssen.
Veronique bleibt dabei zwar etwas blass, aber sie ist konsequent, zielstrebig und durchsetzungsfähig und obwohl sie die junge, moderne Generation verkörpert, ist sie es, die dem Raben folgt. Merleau lehnt dies konsequent ab und hält die junge Frau für etwas verrückt, legt ihr aber keine Steine in den Weg. Als sie ihn allerdings bittet nach Sanary - sur - Mer zu fahren, stemmt er sich vehement gegen diese Idee. Erst nach und nach offenbart Joachim Sohn uns die ganze Tragik, die hinter dieser Reise in die Vergangenheit steckt. Wie schon Gustave, hat auch Benjamin einen Krieg und dessen Schrecken erlebt. Ich war erschüttert, als die Vergangenheit des Kommissars offenbart wird, die Entscheidungen, die er treffen musste und die Konsequenzen, die er daraus ziehen musste. Wer von uns kann heute ehrlich sagen, wie er sich entschieden hätte? Ich mag mir das nicht anmaßen. Ich war 1974 12 Jahre alt und habe mir damals keine Gedanken gemacht, dass so viele Menschen den 2. Weltkrieg noch hautnah erlebt haben.
Und auch der zweite Handlungsstrang um Pitou hat mich manches Mal schlucken lassen. Hier hat der Autor auch einige aktuelle Beispiele einfließen lassen, die ich dann nachgelesen habe. Ein Thema, dass immer wieder den Weg in die Medien findet und das immer noch gerne totgeschwiegen wird.
Der Schreibstil von Joachim Sohn ist direkt und schnörkellos ohne falsche oder übertriebene Dramatik oder blendende Effekte. Gerade diese Schnörkellosigkeit bewirkt, dass die Geschichte noch eindringlicher wirkt und unter die Haut geht. Eingebunden in phantastische Elemente ist es leichter zu ertragen, dass sich die Erlebnisse von Pitou und Merleau durchaus so zugetragen haben können.
Wenn man die Seiten durch die Finger gleiten lässt, sieht man die Raben fliegen. Edition Outbird hat sich hier sehr viel Mühe mit der Gestaltung des Buches gegeben. Die Farbgestaltung lässt ahnen, dass es nicht so eine leichte, liebenswerte Geschichte wird wie die zu Irene, auch wenn im ersten Band ebenfalls einiges an Tragik verborgen ist.
Zum Glück haben sich Joachim Sohn und Holger Much wieder zusammengetan, so dass dieses Buch nicht nur sprachlich, sondern auch optisch ein Highlight ist. Die Illustration auf Seite 104 hat mich am meisten berührt.
Und ja, mein erstes Auto war ein Renault 4!
Fazit:
Bild und Wort gehen eine perfekte Symbiose ein und die Geschichte berührt das Herz. Hut ab vor Joachim Sohn und Holger Much, die zusammen etwas Außergewöhnliches geschaffen haben.
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