Eine Ordnung meiner verschiedenen Ansätze zum Geschehen. Darstellung in konziser, schlüssiger aber weniger detaillierter Sichtweise. Erkenntnistheorie des Geschehens, strenge "Phänomenologie" des Geschehens, Theologie des immanenten Geschehens
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
5/5
08.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine radikale Philosophie des Zwischen
Dieter Eiglers Werk "Das Geschehen" ist kein Buch, das man einfach liest. Es ist ein Buch, das mit dem Leser geschieht. Eigler, bekannt für seine unkonventionellen, tiefgründigen und oft poetischen Zugänge zu Theologie, Philosophie und Alltagserfahrung, entfaltet hier eine radikale Ontologie des „Geschehens“ – ein Begriff, der bei ihm nicht als bloße Abfolge von Ereignissen, sondern als lebendiger, offener und fraktaler Vollzug von Wirklichkeit verstanden wird.
Das Geschehen als Grundkategorie
Eigler löst sich konsequent von klassischen Denkfiguren wie Subjekt, Objekt oder Kausalität. Stattdessen setzt er das Geschehen als primäre Kategorie: Wirklichkeit ist kein statisches Sein, sondern ein dynamisches, relationales und stets im Werden begriffenes Feld. Das „Zwischen“ wird dabei zum zentralen Ort – nicht als leerer Raum zwischen Dingen, sondern als der eigentliche Raum, in dem sich Bedeutung, Beziehung und sogar Transzendenz ereignen. G:tt, so Eigler, ist keine übergeordnete Instanz, sondern eine Instanz im Geschehen, die sich in der Zärtlichkeit des Alltags, in der Schechina – der einwohnenden Gegenwart – offenbart.
Theologie als gelebte Praxis
Eiglers Ansatz ist nicht nur theoretisch, sondern existenziell. Er transformiert klassische theologische Begriffe wie Trinität, Eucharistie oder Erlösung in Beziehungsgeschehen. Dogmen werden nicht verworfen, sondern „ent-mechanisiert“: Wahrheit ist kein Besitz, sondern ein Vollzug; Glaube kein Für-wahr-Halten, sondern ein Mitgehen im Geschehen. Besonders eindrücklich ist seine Deutung der Schechina – nicht als abstrakte göttliche Eigenschaft, sondern als zärtliche Gegenwart, die im Alltäglichen, im Geteilten, im Unscheinbaren wirkt.
Brüche als Struktur des Lebens
Ein zentrales Motiv des Buches ist die Idee der Soll-Bruchstellen – nicht als Defekte, sondern als notwendige Übergänge. Eigler zeigt, wie Brüche (in der Ökonomie, im Glauben, im Leben) nicht vermieden, sondern gestaltet werden können. Sie sind keine Hindernisse, sondern Schwellen, an denen sich Neues ereignet. Diese Perspektive macht das Buch zu einer Ethik der Resilienz: Nicht das Standhalten um jeden Preis, sondern das gute Brechen – das Wissen, wann man loslassen muss, um weiterzugehen.
Ökonomie als Geschehen
Überraschend wendet Eigler seine Philosophie auch auf die Ökonomie an. Märkte sind für ihn keine mechanischen Systeme, sondern narrative Geschehen, in denen Präferenzen erst im Vollzug entstehen. Arbeit ist kein isoliertes Gut, sondern ein Kuppelprodukt der Lebenszeit; Preise sind nicht objektiv, sondern relational. Selbst der scheinbar rationale Markt wird so zum Ort von Geschichten, Bedeutungen und Beziehungen.
Sprache und Stil: Poesie des Denkens
Eiglers Prosa ist so dicht wie seine Gedanken. Er schreibt nicht linear, sondern assozativ und kreisend – eine Form der ruminatio, des Wiederkäuens, das er selbst als Erkenntnisform preist. Seine Bilder (der wackelige Tisch, die Kirschen, die Sitzgelegenheit) sind keine Metaphern, sondern konkrete Praxisorte, die das Abstrakte sinnlich erfahrbar machen. Wer hier klare Definitionen sucht, wird enttäuscht. Wer bereit ist, sich auf ein Denken einzulassen, das nicht erklärt, sondern ereignet, wird belohnt.
Fazit: Ein Buch, das bleibt
Das Geschehen ist kein Werk, das man „versteht“ und dann beiseitelegt. Es ist eine Einladung, die Welt anders zu sehen – nicht als Ansammlung von Dingen, sondern als lebendiges Geflecht von Geschehen, in dem auch der Leser selbst Teil wird. Eigler fordert keine Zustimmung, sondern Teilnahme. Sein Buch ist kein Abschluss, sondern ein Weitergehen – zärtlich, bruchhaft und voller Möglichkeiten.
Für wen lohnt sich die Lektüre?
Für Theologen, die nach einer nicht-dogmatischen, erfahrungsbezogenen Spiritualität suchen.
Für Philosophen, die jenseits von Subjekt-Objekt-Dualismen denken wollen.
Für alle, die im Alltag die Tiefe des Unscheinbaren entdecken möchten.
Für Leser, die bereit sind, sich auf ein Buch einzulassen, das nicht erklärt, sondern geschieht.
Eiglers Werk ist kein Ratgeber, keine Anleitung, kein System. Es ist ein Geschehen – und wer sich darauf einlässt, wird nicht unverändert bleiben.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.