Tamara Štajners Roman über eine Familie, die vom Esprit der Frauen geprägt ist. 'Ein furioser Selbstversuch, der Liebe jenseits aller Schablonen und Enttäuschungen zu huldigen.' Maja Haderlap
Nach vielen Jahren kommt Iva zurück an den Ort ihrer Kindheit, um ihr geliebtes Kindermädchen zu beerdigen. Im Hotel am Ohridsee, das Ivas Familie gehörte, hat sie wesentlich mehr Zeit mit Marija verbracht als mit ihrer eigenen Mutter. Als Iva auf Marijas Grabstein einen zweiten Namen entdeckt, kommt sie einem Familiengeheimnis auf die Spur ...
Tamara Štajners Protagonistin unternimmt eine intensive, berührende, aber auch herrlich komische Tour in die Vergangenheit. Und in die Zukunft, denn Iva versucht gerade auf komplizierten Wegen, mit ihrem Freund ein Kind zu bekommen. 'Luft nach unten' ist eine moderne Familiengeschichte, die von ganz unterschiedlichen Frauen geprägt ist. Ein beeindruckender Roman über das Mutter- und Tochtersein.
Kundinnen und Kunden meinen
3.7/5.0
Mandel120999
5/5
16.07.2026
eBook (ePUB)
Reise in die Vergangenheit und in die Zukunft
Die junge Iva, die mit ihrem Mann Felix in Wien lebt, geht für kurze Zeit zurück nach Slowenien, um an der Beerdigung ihres ehemaligen Kindermädchens, Marija teilzunehmen. Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Die alte Slava, die sie ebenfalls wiedertrifft, erzählt ihr Geschichten aus ihrer Kindheit, die Iva verwirren. Gleichzeitig ist die junge Frau mit sich selbst beschäftigt – sie und ihr Ehemann Felix versuchen seit Längerem, ein Kind zu zeugen, doch es klappt nicht. Sie unterziehen sich einer Behandlung in einer Fruchtbarkeitsklinik. ….
Die Autorin erzählt auf leichte und lockere Art, auch wenn das Thema manchmal schwer oder traurig ist. Die Beziehung zu Felix ist nicht leicht, mal ist es die große Liebe, mal bekriegen sie sich, sodass die Beziehung fast toxisch wirkt. Außerdem ist da noch Gabriel, mit dem Iva sich heimlich trifft. Doch die schwierigste Beziehung pflegt Iva zu ihrer Mutter, die noch immer in Slowenien lebt. Ein normales Verhältnis ist nicht möglich, Iva scheint durch die grobe Behandlung ihrer Mutter in ihrer Kindheit regelrecht traumatisiert. Nun treffen sie sich wieder.
Iva lässt sich nicht unterkriegen, ist immer auf der Suche, nach sich selbst, und nach der Antwort auf die Frage, ob sie trotz ihrer Kinderwunschbehandlung überhaupt ein Kind will oder nicht. Ist es der richtige Zeitpunkt oder nicht?
Ein berührender Roman über die Frage nach dem Sinn, danach, wer wir sind, woher wir kommen und nach der Bedeutung der Mutter, die immer allgegenwärtig ist, auch nach langen Jahren der Abwesenheit.
Bewertung
5/5
28.06.2026
eBook (ePUB)
Berührender Roman über Familie, Herkunft und die Suche nach Identität!
Luft nach unten von Tamara Stajner hat mich mit seiner Mischung aus Familiengeschichte, emotionaler Tiefe und feinem Humor sehr beeindruckt. Die Geschichte beginnt mit Ivas Rückkehr an den Ohridsee zur Beerdigung ihres geliebten Kindermädchens Marija und entwickelt sich schnell zu einer spannenden Spurensuche nach den Geheimnissen ihrer Familie.Besonders gelungen fand ich die Hauptfigur Iva, die authentisch und vielschichtig dargestellt wird. Ihre Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, den komplexen Beziehungen zu den Frauen in ihrem Leben und ihrem eigenen Kinderwunsch verleiht dem Roman eine große emotionale Kraft. Die verschiedenen Generationen von Frauen sind hervorragend gezeichnet und machen die Geschichte lebendig und glaubwürdig.Der Schreibstil ist einfühlsam, zugleich aber immer wieder überraschend humorvoll. Dadurch werden auch ernste Themen wie Mutterschaft, Familienkonflikte, Verlust und Identität zugänglich und berührend erzählt. Die Atmosphäre rund um den Ohridsee verleiht der Handlung zusätzlich einen besonderen Reiz.Luft nach unten ist ein kluger, bewegender und zugleich unterhaltsamer Roman, der noch lange nach dem Lesen nachwirkt. Eine klare Empfehlung für alle, die moderne Familiengeschichten mit starken Frauenfiguren und emotionaler Tiefe schätzen.
Bewertung
3/5
07.07.2026
eBook (ePUB)
Wenn man "langsame" Geschichten mag...
Es ist ein sehr ruhiger Roman, der seinen ganz eigenen Fluss hat und wie ein selbiger nicht gerade sondern verschlungen fliesst. In der Leseprobe war mir das noch nicht so aufgefallen. Beim Lesen des Buches, tröpfelte mir die Geschichte bisweilen zu langsam lang hin. Einige Ereignisse wurden zu lang und zu umständlich erklärt, andere wiederum nur aufgezählt. Teilweise wirkt es auch etwas überfrachtet, ob der vielen Tragödien, welche geschehen. Die Charaktere sind zwar glaubhaft dargestellt, aber mir fehlte bei manchen ein wenig die Intensität, so war für mich an einige Protagonisten kein "Herankommen".
Das Setting ist jedoch hat mir sehr gefallen, gerade auch weil Jugoslawien ein äußerst interessantes und wunderschönes Land ist.
Das Cover finde ich erfrischend anders, aber nun, nachdem ich das Buch kenne, nicht mehr so passend. Die Illustration hätte einem fröhlicheren Roman besser gestanden.
Fazit: empfehlenswert für Leser*innen die gern äusserst ruhige Geschichten lesen und denen auch ausschweifende Schilderungen nichts ausmachen. Alles in allem, wäre bei dieser Geschichte noch sehr viel Luft nach oben gewesen.
Kwinsu
aus Salzburg
5/5
25.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Kunst des wuchtigen Erzählens
Iva will ein Kind, um jeden Preis. Iva will ein Kind mit ihrem Ehemann, Felix. Als der Kinderwunsch längere Zeit unerfüllt bleibt, stresst sie jegliche Aktivität, die es zum Kindermachen braucht - die Lust ist schlicht nicht mehr wirklich vorhanden. Da kommt Gabriel ihr sehr gelegen, mit dem sie ungehemmt entspannen kann. Aber das Leben ist nie so einfach, wie man es sich ausdenken vermag - neben den körperlichen Gelüsten ist auch die familiäre Last erdrückend und steht der Erfüllung tiefgründig im Weg.
"Luft nach unten" ist ein Buch, das in seiner Rohheit verstört, das mit seiner Ehrlichkeit und Komplexität teilweise schwer zu ertragen ist. Gleichzeitig betört es aber auch mit seinem Realitätsbezug, ist so authentisch und aus dem Leben gegriffen, dass jede Zeile wahrhaftig erscheint. Und es lässt sich nicht reduzieren auf das eine Thema, denn es sind mannigfaltige Topics, die sich in die Geschichte einweben. Zentral ist zweifelsohne der unerfüllte Kinderwunsch, aber gleichsam geht es auch um Identität, um familiäre Netzwerke, um gewaltvolle Sozialisation und um die Unehrlichkeit in Beziehungen, die in diesem Buch nicht zu verurteilen sind, denn sie sind überaus menschlich und natürlich.
Besonders kurzweilig ist die wechselnde Erzählperspektive. Größtenteils wird aus der Ich-Perspektive erzählt, das Geschehen wird aus Ivas Sicht geschildert. Immer wieder sind aber auch Chatverläufe eingewoben, die zwar die Wahrnehmung Ivas stärken, aber auch andere Perspektiven - hauptsächlich jene ihrer Liebhaber - zulassen. Zudem kommt immer wieder die persönliche Anrede an Ivas Mutter ins Spiel, die die toxische Mutter-Tochter-Beziehung aufblättert und die teils zwänglerische Verhaltensweise der Protagonistin ein Stück weit erklärt.
Die Geschichte selbst spielt immer wieder mit der unklaren Identität, welche die Protagonistin durchlebt - sie selbst, Geigerin von Beruf und aufgewachsen zwischen Wien, Slowenien und ein Stück weit auch in Mazedonien, springt sie auch in der Erzählung zwischen diesen kulturellen Welten. Geprägt wurde sie von allen, fein und subtil arbeitet die Autorin diese aber anhand von kulturellen Unterschieden heraus und verordnet sie exakt darin, wo sich die Protagonistin befindet: nämlich zwischendrin.
Eine besondere Rolle nimmt - wie schon angedeutet - die Mutter-Tochter-Beziehung ein. Die Mutter verhält sich ihrer Tochter gegenüber äußerst psychisch gewaltvoll und die Tochter leidet auch im Erwachsenenalter sehr unter der dominanten und abwertenden Rolle ihrer Erzeugerin. Wenn man die Lesung bei den Bachmann-Tagen der Autorin in Erinnerung hat, kann man davon ausgehen, dass ein stark autobiographischer Anteil dieser Geschichte zugrunde liegt. Die Eltern, beide stark übergewichtig, wollten die Tochter formen, so wie sie die Gesellschaft für wertvoll genug hält, auch wenn sie selbst diesem Ideal nie genug werden würden. Die Rolle der jugoslawischen Identität - oder jener der slowenischen, mazedonischen oder österreichischen - schwelt kontinuierlich mit, ohne das ganz klar wird, ob sie tatsächlich eine so gewichtige Rolle spielt.
"Luft nach unten" ist ein äußerst forderndes Buch, das vor allem durch seine Rohheit und Irritation in der Gegensätzlichkeit von modernem Schreibstil, traditioneller Erzählweise und grundsätzlicher Bedürftigkeit nach Nähe besticht. Es glänzt durch einprägsame Bilder, Widersprüchen in kulturellen Belangen sowie der Erzählung von Grundbedürfnissen des menschlichen Seins, die sich tief ins Gedächtnis einprägen. Der Roman kommt mit einer Wucht daher, die einen umreißt und zugleich sprachlos macht und entwickelt sich stet aber unvergesslich zu einem Ereignis, das man nicht so schnell vergessen wird.
Bewertung
5/5
23.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Leben
Luft nach unten ist ein sehr schöner Buchtitel. Das Buchcover ist sehr schön gestaltet, sagt meiner Meinung nach aber wenig über den Inhalt der Geschichte aus.
Ich habe ein wenig Zeit gebraucht, um mich in der Geschichte und der Handlung zurechtzufinden. Ansonsten hat sich das Buch aber sehr schön gelesen und auch die Geschichte an sich hat mir gut gefallen.
Wie viel Einfluss unsere Herkunft auf unser Leben hat, wie schwierig es ist mit Verletzungen umzugehen, teilweise seine Emotionen zu kontrollieren und Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.
Iva bei der es in diesem Buch geht, ist einerseits eine sehr starke Frau, die gleichzeitig auch sehr zerbrechlich wirkt. Vieles aus der Vergangenheit ist ungeklärt und immer wieder muss sie sich diesem stellen.
Gerne hätte ich noch weiter gelesen, ich fand die Geschichte war viel zu schnell zu Ende.
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