Zu Anna Plochl (1804 -1885) gibt es bis dato kaum verbriefte Fakten, sie gilt in Literatur und Film bis heute eher als süße Projektionsfläche - ausnahmslos alle Geschichten über sie enden mit der Heirat mit Erzherzog Johann im Jahr 1829. Gabriele Reiterer erzählt in ihrer Biografie eine ganz andere Anna Plochl: eine jenseits romantischen Kitschs; eine tatkräftige, beeindruckend fähige Frau mit Wirtschaftskompetenz, die zwischen den steirischen Mustergütern und Wien lebt. Anna reitet, schießt, schlachtet, kutschiert bei Nacht allein, hat Zugang zum kaiserlichen Hof, wird dort gleichermaßen akzeptiert wie abgelehnt, führt letztlich eine erstaunlich moderne Beziehung mit Johann und oszilliert zwischen Landwirtin und Aristokratin. Bisher unentdeckte Quellen, Tagebücher und Briefe aus dem Familienarchiv der Nachkommen geben endlich Aufschluss über die reale Anna Plochl.
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5.0/5.0
Bewertung
aus Villach
5/5
14.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Liebe gegen alle Konventionen
Anna Plochl, der nicht standesmäßigen Ehefrau von Erzherzog Johann, wird eine fundierte Biografie gewidmet, die ihr mehr als gerecht wird.
Als Anna 15 Jahre alt ist, lernt sie den um 17 Jahre älteren Johann in Aussee zufällig kennen. Erzherzog Johann ist der Bruder des Kaisers und muss Jahre warten bis der Kaiser die Zustimmung zur Hochzeit mit der Posthalter-Tochter gibt. Bis dahin leben sie zusammen, jedoch ohne Trauschein. Anna wird die meiste Zeit ihres Lebens alleine sein. Erzherzog Johann ist im Auftrag der kaiserlichen Familie unterwegs.
Erst Jahre nach der Hochzeit wird Anna in den Adelstand erhoben – und wird Gräfin von Meran. An den Kaiserhof in Wien begleitet sie Johann selten, sie fühlt sich dort nicht wohl und wird von den meisten abgelehnt. Am Hof bekommt sie ihre soziale Herkunft sehr zu spüren. Daher bleibt sie viel lieber auf den Gütern in der Steiermark, wird dort als Landwirtin anerkannt und sorgt mit ihrer Hands-on Mentalität für Aufschwung und Ausbau der Landgüter.
Die Kunsthistorikerin Gabriele Reiterer hat sich durch die Archive gearbeitet, Briefe und Tagebücher von Anna Plochl gesichtet und akribisch recherchiert.
Ich fand diese Biografie ganz wunderbar zu lesen. Das Buch ist schön gestaltet und reich bebildert. Ich habe bei der Lektüre reichlich Neues erfahren, nicht nur über Anna Plochl, auch über Erzherzog Johann.
Absolute Empfehlung
Bellis-Perennis
aus Wien
5/5
25.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Hommage an eine unterschätzte Frau
Zu Anna Plochl (1804 –1885), die im Alter von 15 Jahren Erzherzog Johann (1782-1852) begegnet ist, gibt es zahlreiche romantische Filme und einige Romane, jedoch bislang kaum als historisch verbürgte Fakten einzustufende Informationen. Fast alles, was über sie geschrieben und erzählt wird (und wurde), endet mit der Hochzeit mit dem Habsburger im Jahr 1829. Welchen Anteil sie an den Reformen der Landwirtschaft, die Johann zugeschrieben werden, hat, enthüllt die Kunsthistorikerin Gabriele Reiterer in dieser umfassenden Biografie. Dafür hat Reiterer in unzähligen Archiven geforscht und hat erstmals Zugriff auf das Familienarchiv der Familie Meran erhalten.
Wer ist sie nun, diese Anna Plochl, die als kleinbürgerliche Posthalterstochter in eine der mächtigsten Dynastien des 19. Jahrhunderts einheiratet?
Nach dem Intro erfahren wir in zehn Kapiteln sowie einem Epilog bislang Unbekanntes aus dem Leben der Anna Plochl, die Landwirtin, Pionierin und Habsburgerin gewesen ist:
1885 Aussee - Abschied und Neubeginn
Die Dynastie am Abgrund
Das „gamsaugete“ Mädchen
Das ehelose Zusammenleben
Eine andere Art der Ehe
„Ich empfehle dir das Ganze“
Die „persona dubia“ wird Freifrau von Brandhofen
Anna, die Aristokratin
Wetterleuchten
Wende und Abschied
Aus den zahlreichen Briefen, Tagebucheintragungen und Dokumenten gewinnt die Autorin ein interessantes Bild der Beziehung zwischen Anna und Johann, die sehr modern anmutet. Johann, der Bruder des Kaisers, muss nicht für dynastischen Nachwuchs sorgen, (weil das der Kaiser selbst erledigt hat) weshalb er, nach zehn Jahren des brüderlichen Widerstandes, die nicht standesgemäße Bürgerliche endlich heiraten darf. Allerdings sind beide zahlreichen Einschränkungen unterworfen. Vor allem zahlreiche Hofschranzen lassen Anna ihre Herkunft spüren, indem man sie herablassend behandelt. Dass Kinder aus einer morganatischen Ehe keinen Herrschaftsanspruch haben, ist spätestens 1918 ohnehin obsolet. Dieses Schicksal teilt ihr Sohn Franz von Meran (1839-1891) mit den Kindern des 1914 in Sarajevo ermordeten Thronfolgerpaares Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Ehefrau Sophie von Hohenberg, geborene Chotek.
In Laufe der Jahr wird Anna Plochl zunächst als Freifrau von Brandhofen und dann als Gräfin von Meran geadelt. Welche Rolle hier der allseits bekannte (und teils verhasste) Fürst Metternich gespielt hat, kann man hier nachlesen.
Anna von Meran wird ihren Mann um 26 Jahre überleben. Letztlich werden Anna und Johann im Mausoleum auf ihrem Südtiroler Anwesen, dem Schloss Schenna, beigesetzt.
Auf Grund der ständigen Abwesenheit ihres Ehemanns „schupft“ die bodenständige Anna die weit verzweigten landwirtschaftlichen Betriebe mit erstaunlicher Wirtschaftskompetenz und ist hoch angesehen. Mit Fug und Recht kann Anna von Meran, geborene Plochl, in erster Linie als Landwirtin und Pionierin bezeichnet werden.
Das Buch, das der 11. Teil der Serie „Reihenweise kluge Frauen“ aus dem Verlag Molden ist, ist wie die anderen Biografien, als gediegenes Hardcover erschienen, und enthält zahlreiche zeitgenössische Abbildungen. Das Buch eignet sich bestens als Geschenk.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser detaillierten Biografie einer Frau, die bislang nur romantisiert dargestellt worden ist, aber in Wirklichkeit eine Pionierin des Fortschritts gewesen ist, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
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