Produktbild: Erschütterungen. Ein Kriminalroman aus Haiti

Erschütterungen. Ein Kriminalroman aus Haiti

2

8,99 €

inkl. gesetzl. MwSt.

Produktdetails

Format

ePUB

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Nein

Text-to-Speech

Ja

Verkaufsrang

39674

Erscheinungsdatum

22.04.2026

Verlag

CulturBooks Verlag

Seitenzahl

94 (Printausgabe)

Dateigröße

315 KB

Übersetzt von

Peter Trier

Sprache

Deutsch

EAN

9783959882798

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Format

ePUB

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Barrierefreiheit

  • keine Information zur Barrierefreiheit bekannt

Verkaufsrang

39674

Erscheinungsdatum

22.04.2026

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CulturBooks Verlag

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94 (Printausgabe)

Dateigröße

315 KB

Übersetzt von

Peter Trier

Sprache

Deutsch

EAN

9783959882798

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  • Detlef Knut

    4/5

    17.08.2026

    Buch (Taschenbuch)

    Ein Blick in die Kreol-Literatur

    Der haitianisch-kreolischer Kriminalroman »Erschütterungen« ist bereits der sechste Fall für Inspektor Dieuswalwe Azémar, der dieses Jahr im Litradukt Verlag erschienen ist. Dabei ist es der erste Roman, den Gary Victor auf Kreolisch geschrieben hat. Azémar, der als der einzige unbestechliche Polizist in Haiti angesehen wird, steht vor der Herausforderung, den Tod der Tochter seiner Partnerin zu untersuchen – ein Mädchen, dessen Leiche achtlos wie Abfall entsorgt wurde und das offenbar einem grausamen Ritualmord zum Opfer fiel. Die Ermittlungen nehmen rasch die Wendung zu einer umfassenden Verschwörung: Weitere Morde, die nach einem ähnlichen Schema ablaufen, bringen Azémar auf die Fährte einer Gruppe einflussreicher Männer, die seit dem 18. Jahrhundert aktiv ist und ihre abartigen Vorlieben auslebt, um ihre Macht zu festigen und auszubauen. Dabei stützt sich diese Macht nicht auf Voodoo, sondern auf groteske christlich-satanistische Rituale. Eine Spur führt zum sogenannten Martinistenorden: Die Morde sind mit dem Todestag von Martines de Pasqually verknüpft, und bereits in früheren Jahren wurden junge Menschen aus der LGBT+-Gemeinschaft geopfert – nun soll eine weitere junge Frau als viertes Opfer dienen, um das Ritual abzuschließen. Azémar befindet sich zusehends in einer ausweglosen Situation: Je weiter er in seinen Nachforschungen voranschreitet, desto offensichtlicher wird, dass er niemandem vertrauen kann. Hinzu kommt, dass es kaum Zeugen gibt und nur wenige bereit sind, ihm zu helfen, aus Angst vor einer Gang aus Grande Ravine, die versucht, die Kontrolle über die Geschäfte in Azémars Viertel zu übernehmen. Bis ihm schließlich unerwartete Unterstützung zuteilwird. Gary Victor zeichnet in diesem Roman ein schonungsloses Bild eines Landes, in dem eine korrupte Elite sich die Macht mit paramilitärisch organisierten Banden teilt, in der die Gewalt zum Alltag gehört und die Blutrache eine funktionierende, unabhängige Justiz ersetzt. Zeitlich verortet ist die Handlung nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti, das Gary Victor als den Moment beschreibt, in dem die Hölle im Karibikstaat erst richtig losbrach. Aber auch die Polizei ist selbst Teil des Problems, denn korrupte Politiker und schießwütige Banden teilen das Land unter sich auf, während die Polizei häufig wegschaut, weil der zusätzliche Verdienst dringend gebraucht wird. Obwohl der Roman nur 94 Seitenm hat, ist er enorm intensiv und tief. Er list sich nicht so schnell mal eben durch, wie die Seitenzahl vermuten ließe. »Erschütterungen« von Gary Victor ist ein fesselnder Roman, der mit krasser Brutalität und einer detaillierten Beschreibung des korrupten Zustands des haitianischen Staates aufwartet. Der Autor scheut sich nicht, die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung beim Namen zu nennen, was dem Leser eine klare Anklage an die Welt präsentiert. Der spannende Handlungsplot zieht einen sofort in seinen Bann, während der sympathische Ermittler, trotz seines Alkoholproblems, die Leser emotional berührt. Der Autor entwickelt so aus einer zugespitzten Handlung eine präzise Gesellschaftsanalyse. Leider gibt es einen Wermutstropfen: Die ständigen Unterbrechungen des Leseflusses durch Fußnoten wirken fehl am Platz und lenken vom eigentlichen Geschehen ab. Sie sind üblich in Sachbüchern, aber nie in fiktionalen Romanen. Diese Informationen hätten elegant in den Haupttext integriert werden können, um die Geschichte noch flüssiger zu gestalten. Hier ein Beispiel: „Auf der Galerie* standen Menschen.“ – ( * Eine Art Veranda) – Warum nicht „Auf der Veranda standen Menschen.“? Oder „ein mit zahlreichen vèvè* besticktes Tischtuch“ – ( * Zeichnung, die die Geister der Voodoo symbolisch darstellt.) würde nicht zu einer Unterbrechung führen, wenn es hieße: „ein mit zahlreichen Symbolen, die die Geister des Voodoo darstellen, besticktes Tischtuch“ Trotz dieser kleinen Kritikpunkte ist »Erschütterungen« ein packendes Buch, das nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Ein Muss für alle, die spannende Thriller mit gesellschaftskritischem Hintergrund lieben! © Detlef Knut, Düsseldorf 2026

  • Buchbesprechung

    aus Bad Kissingen

    4/5

    29.03.2026

    Buch (Taschenbuch)

    Spannung pur aus Haiti

    REZENSION – Das farbenprächtige Titelbild des im März im Verlag litradukt veröffentlichten Kurzromans „Erschütterungen“ des haitianischen Schriftstellers Gary Victor (67), eines der meistgelesenen Autoren seines kleinen karibischen Inselstaats, täuscht gewaltig. Allenfalls die nur unscharf erkennbaren fliehenden Gestalten vor einer kleinen Kirche lassen vielleicht anderes erwarten. Die nur 90-seitige Erzählung ist ganz im Gegensatz zur gezeigten Farbenpracht ein düsterer Kriminalroman, wobei die actionreiche Handlung um die Lösung mehrerer Mordfälle für den Autor nur Mittel zum Zweck ist. Denn vorrangig geht es ihm um die Schilderung des alltäglichen Lebens in Haiti, um die sozialen Spannungen und die Herrschaft einer korrupten Elite aus Politikern und mafiösen Gangs in seinem krisengeschüttelten Land, das von unerträglicher Armut, politischer Instabilität und historischen Traumata geprägt ist und das sich auch zehn Jahre nach dem gewaltigen Erdbeben im Jahr 2010 von dessen zerstörenden Erschütterungen immer noch nicht erholt hat. Der wegen seiner Skrupellosigkeit und Brutalität gefürchtete Inspektor der Police Nationale d’Haïti in Port-au-Prince, Dieuswalwe Azémar, der Gewalttäter durch gezielten Kopfschuss hinrichtet, statt sie der ohnehin korrupten Justiz zuzuführen, wird gerufen, als ein Mordopfer auf einer Müllhalde gefunden wird. Das Opfer ist die 15-jährige Mikayida, Tochter seiner Freundin Mirlène, weshalb Azémar noch entschlossener als sonst ist, die Täter zu fassen. Wie sich bald herausstellt, ist Mikayida das Opfer eines satanistisches Rituals. Zwei weitere Mädchen und ein schwuler Junge werden ermordet aufgefunden. Azémars erbarmungslose Jagd beginnt. Doch in dem kleinen Land voller Korruption und Gewalt wird er bald selbst zum Gejagten, zumal er wegen seiner Unbestechlichkeit schon längst sowohl bei Gangstern als auch machthungrigen Politikern auf der Abschussliste steht. Aber wer wie Azémar „schon mit einem Fuß im Sarg steht, fürchtet den Tod nicht mehr“. „Erschütterungen“ ist kein Krimi, wie wir ihn von westlichen Autoren kennen und soll es nach dem Willen des Autors auch nicht sein. Während Gary Victor seine anderen Romane auf Französisch geschrieben hat, hat er diesen bewusst auf Kreolisch verfasst, dringt er in der Romanhandlung doch noch tiefer in die jahrhundertealte Tradition und Kultur seines Landes ein, indem er aufzeigt, welchen Einfluss der Jahrhunderte überdauerte Glaube an den Voodoo-Zauber, der für Anhänger eigentlich eine Heilungs- und Schutzreligion ist, von anderen aber als dämonischer, satanistischer Kult missverstanden wird, noch heute auf das Leben der Haitianer hat. Durch den spannenden Krimi von Gary Victor erhalten wir, die wir nur oberflächlich informiert sind, allenfalls von der Armut im Land wissen und damals vom Erdbeben gehört haben, sonst aber kaum etwas über Haiti aus den Medien erfahren, einen tieferen Einblick in die soziallen Zusammenhänge und Spannungen des karibischen Inselstaats. Die Hauptfigur des Selbstjustiz ausübenden und reichlich Alkohol trinkenden Inspektors mag aus unserer europäischen Sicht vielleicht allzu überzogen sein, doch passt sie in das geschilderte Milieu. Außerdem ist es interessant, einmal einen haitianischen Krimi kennenzulernen, der darüberhinaus uns viel über die Situation in einem uns unbekannten Land erzählt.

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