Tschikago
»Was immer Alexandra Stahl schreibend unter die Lupe nimmt, entfaltet eine eigentümliche Schönheit. Ihr Ton verwandelt alles in trostreiche, sehr lustige Sätze.« (Katja Oskamp)
Winken bis zum SchlussFrangfodd is schlimmer als Tschikago! Mit dieser Warnung des Großvaters, der fast Amerikaner geworden wäre, aber doch Elektriker in Unterfranken blieb, wächst die Ich-Erzählerin auf. Ihre Großmutter hat es mit Katzen und Puppen, ihr Großvater hält sich an Steckdosen und Kabel. Auch wenn die beiden zanken wie Laurel und Hardy – sie verbindet diese eine Art von Liebe, die siebenundfünfzig Jahre hält. Als der Großvater stirbt, beginnt die Erzählerin als Freiwillige in einem Berliner Seniorenheim – ohne zu ahnen, wie sehr ihre alte und ihre neue Welt zusammengehören. Frau Bellmann, die Wasserratte vom Werbellinsee. Herr Uhlig, der Träumer, der Schach mit der dänischen Königin spielen will. Frau Schubert mit ihrem scheuen Lächeln. Mit scharfem Blick und großem Herz erzählt Alexandra Stahl vom Älterwerden. Von den Dingen, an die man nicht denkt, bis sie passieren. Und von den Dingen, an die man nicht denken will, bis sie passieren. Ein atemberaubend zärtliches Buch über unsere Vergänglichkeit und das Abschiednehmen – und darüber, was wir festhalten können, wenn alles andere verschwindet.
Kundinnen und Kunden meinen
3.8/5.0
Glückliche
aus Sachsen
5/5
01.08.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Ergreifend und berührend
Das ganze Buch ist eine Ode an das Leben. Dabei werden die Älteren, diejenigen, die schon so viel erlebt haben, in den Blickpunkt gerückt. Es handelt sich um eine sehr berührende und authentische Wiedergabe gelebten Lebens und dessen, was am Ende zählt.
Die Sprache ist sehr bildhaft. Die Autorin beschreibt im Rückblick liebevoll ihre Großeltern, ihre Eigenheiten, ihr Leben.
Ich musste mich an den Schreibstil, nein an den Erzählstil, da ich den Roman als Hörbuch kennenlernte, erst gewöhnen.
Es gibt zum Teil sehr viele Fragen, Aufzählungen und Wiederholungen, gefühlt nicht endend. Das hat mich zu Beginn etwas gestört und ich war froh, dass ich das Buch hörte und nicht las. Bald merkte ich jedoch, dass dieser Schreibstil perfekt zum Inhalt passt.
Wie die Autorin ihre Liebe zu den älter werdenden Großeltern beschreibt, ist einfach anrührend.
Nach dem Tod des Großvaters arbeitet sie über Jahre als Freiwillige in einem Seniorenheim. Sie gestaltet Stunden mit den Senioren, in denen erzählt und gefragt und geantwortet wird oder auch nicht.
Dabei schreibt Alexandra Stahl mit so viel Liebe, Achtung und Verständnis über die ihr stundenweise Anvertrauten, dass es mich zu Tränen rührte.
Daran hatte nicht zuletzt die wunderbare Lesung von Julia Dembach großen Anteil. Perfekt gab sie Dialekte, Stimmungen, Besonderheiten wieder.
Ich habe die Betrachtungen über das Leben und das Sterben und das Dazwischen sehr genossen. Das Gehörte wird lange nachhallen.
Es ist ein leises Buch, ein Buch, von dem ich mir wünschte, dass es niemals endet.
Bewertung
5/5
06.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wundervoll
Persönliche Rezension zu Tschikago von Alexandra Stahl
Tschikago hat mich auf eine stille, tief berührende Weise beeindruckt. Alexandra Stahl erzählt mit großer Wärme und feinem Humor vom Älterwerden, von Familie, Erinnerung und Abschied. Besonders die Schilderungen der Großeltern wirken authentisch und liebevoll – ihre Eigenheiten, ihre Streitigkeiten und ihre tiefe Verbundenheit machen sie zu Figuren, die lange im Gedächtnis bleiben.
Der zweite Teil des Romans, der in einem Seniorenheim spielt, hat mich besonders nachdenklich gemacht. Die Begegnungen mit den Bewohnerinnen und Bewohnern zeigen, wie viel Leben, Würde und Individualität auch im hohen Alter steckt. Alexandra Stahl begegnet ihren Figuren mit Respekt und Mitgefühl, ohne sie zu verklären.
Besonders gefallen hat mir die Sprache: klar, poetisch und voller feiner Beobachtungen. Trotz der ernsten Themen verliert das Buch nie seinen leisen Humor und vermittelt Trost, ohne kitschig zu werden.
Für mich ist Tschikago ein einfühlsamer, kluger Roman über Vergänglichkeit und die Bedeutung menschlicher Beziehungen. Ein Buch, das bewegt und noch lange nach der letzten Seite nachhallt.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
03.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mal ehrlich, so ist doch das Leben
„Frangfodd is schlimmer als Tschikago!“ hat der Großvater immer gesagt und dass er ja beinahe Amerikaner geworden ist. Dieses Buch nimmt uns Leser mit auf eine Reise, die zunächst durch eine Ich-Erzählerin in der eigenen Familie beginnt. Der Großvater war Elektriker, und wenn der Schutzschalter rausspringt, dann ist es dunkel und deswegen kann man sich mit dem Föhn in der Badewanne nicht umbringen, der Schutzschalter, wenn der rausspringt, dann ist es dunkel. Die Großmutter füttert gegen das Entsetzen ihres Mannen sämtliche Katzen der Nachbarschaft durch, sammelt Puppen und versorgt seit der Scheidung der Eltern ihre Enkelin. Im zweiten Teil des Buches erfahren wir einige schräge, aber auch traurige Geschichten von Heimbewohner die die Ich-Erzählerin ehrenamtlich in einem Pflegeheim kennenlernt, an vielen Stellen habe ich beim Lesen geschmunzelt und gedacht, ja genau so ist es. Im Gesamtkontext hat mir das Buch sehr gut gefallen, es ist nicht tiefgründig, sondern möchte Unterhalten und das tut es, an die Mundart, die in diesem Buch immer wieder gesprochen wird, muss man sich ein wenig gewöhnen, aber das geschieht quasi von alleine. Das Bild auf dem Cover und die etwas eigenwillige Farbe des Buches spiegeln den Inhalt nahezu perfekt wider. Ein Buch, was ich gerne gelesen habe und weiterempfehlen möchte, nehmen sie sich die Zeit. Liebe Grüße
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
02.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fragmentarisch, lebensecht, tröstlich
Den Titel auf der Buchrückseite „Winken bis zum Schluss“ hätte ich passender gefunden. Denn genau darum geht es hier: um die eigenen Großeltern, um die Bewohner eines Altersheims (pardon, Seniorenresidenz), um das Älterwerden, ums Abschiednehmen („winken“) ums Sterben („bis zum Schluss“), aber vor allem auch ums Erinnern.
Im ersten Teil „Frankfurt ist schlimmer als Chicago“ erinnert sich die Autorin augenzwinkernd an ihre Kindheit, die von ihren liebevoll streitenden Großeltern geprägt war, im zweiten Teil „Waren sie schon mal im Internet?“ erinnern sich die Senioren und Seniorinnen der sogenannten Biografiegruppe. An die D-D-D-R, an Ehemänner, an Dörfer, an Ulan-Bator, an kalte Seen. An manch anderes erinnern sie sich nicht mehr. Der dritte Teil wagt sich an die Frage, inwieweit diesen Erinnerungen zu trauen ist, ob sie „wahr“ genug sind, um sie aufzuschreiben, und was dieses Erinnern mit uns Menschen macht.
Schon diese Aufteilung und dann noch das weitere Zerteilen in Kapitel, Unterkapitel und Abschnitte macht klar, dass es sich bei diesem Buch nicht um einen klassischen Roman handelt (obwohl es – wahrscheinlich aus Mangel an sinnvollen Alternativen – so bezeichnet wird), sondern mehr um eine Sammlung von Anekdoten, Beobachtungen, Gesprächen, Zitaten und Reflexionen.
Es ist ein Buch zum Mit-Denken und Mit-Fühlen, und das wird einem von Alexandra Stahl leicht gemacht. Ihre Beschreibungen sind knapp, aber treffend, trotz des fragmentarischen Aufbaus kann man gut vom Main nach Berlin und zurück folgen. Was sie erzählt, ist so alltäglich, dass man es greifen kann, wirkt aber nie banal. Vielleicht, weil es im Leben eben wirklich um die kleinen Dinge geht. Diese Erkenntnis berührt, wenn man in Stahls empathischem, fast zärtlich-humorvollem Schreibstil von diesen ach so gewöhnlichen Menschen liest, die man sich vorstellen kann, als würden sie nebenan wohnen.
„Tschikago“ kommt auf leisen Pfoten daher, ist dank luftigem Schriftsatz schnell gelesen und birgt viele schöne Sätze und kleine Lebensweisheiten, die nachhallen. Es ist ein hoffnungsvolles und tröstliches Stück Literatur, das einen ermutigt, sich selber zu erinnern und diese Erinnerungen zu teilen („Ich bin doch nicht gut im Erzählen. Mir fällt doch nichts ein. Ich hab doch nichts erlebt.“ S. 151.) Und – vielleicht noch mehr – einen ermutigt, sich älteren Menschen zu nähern und ihnen zuzuhören. („Ja, sagt sie, ich habe mich gerade daran erinnert und ein bisschen zurückgedacht. – Es, denke ich, war, denke ich, schön, denke ich. – Frau Bellmann leuchtet immer noch.“ S. 195)
Große Empfehlung für alle, die es lebensecht, mit Tiefgang und feinem Witz mögen und keine lineare Handlung brauchen.
Bewertung
5/5
02.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwischenmenschliche Beziehung
Tschikago ist ein Roman, der mich vor allem durch seine besondere Atmosphäre und die feinfühlige Art des Erzählens überzeugt hat. Alexandra Stahl schafft es, ihre Figuren so lebendig und authentisch darzustellen, dass ich mich schnell in ihre Gedanken und Gefühle hineinversetzen konnte. Die Geschichte entwickelt sich ruhig, gewinnt dabei aber immer mehr an emotionaler Tiefe.
Im Mittelpunkt stehen Menschen, die auf unterschiedliche Weise nach Orientierung, Zugehörigkeit und einem Platz im Leben suchen. Dabei geht es um zwischenmenschliche Beziehungen, alte Verletzungen, Erinnerungen und die Frage, wie sehr die Vergangenheit unser heutiges Handeln beeinflusst. Die Autorin erzählt diese Themen mit viel Feingefühl und verzichtet auf übertriebene Dramatik. Gerade dadurch wirken viele Szenen besonders glaubwürdig und nachdenklich.
Besonders gefallen hat mir, wie Alexandra Stahl alltägliche Momente nutzt, um große Gefühle und wichtige Entwicklungen sichtbar zu machen. Die Figuren sind nicht perfekt – sie treffen falsche Entscheidungen, zweifeln und wachsen an ihren Erfahrungen. Genau das macht sie menschlich und nahbar. Ich habe mit ihnen mitgefühlt und wollte wissen, welchen Weg sie am Ende einschlagen.
Auch sprachlich hat mich das Buch überzeugt. Der Schreibstil ist ruhig, klar und gleichzeitig sehr bildhaft. Die Handlung nimmt sich Zeit für ihre Figuren und deren Entwicklung, wodurch sich nach und nach ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Es ist kein Roman, der von ständiger Spannung lebt, sondern von seinen Emotionen, seinen Zwischentönen und den Beziehungen der Charaktere.
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