Wenn Eli das Kind ins Bett gebracht hat und die Enge der eigenen vier Wände spürt, flieht sie in die Kneipe nebenan. Ihr Job als Übersetzerin ist bedroht, und als alleinerziehende Mutter bleibt ihr oft wenig Zeit für sich.Gunda steht seit fast zwanzig Jahren allein hinter dem Tresen. Als eine sommerliche Hitzewelle über die Stadt hereinbricht, trommelt sie die Mütter und Kinder des Hauses zusammen. Gemeinsam trotzen sie den extremen Temperaturen und verbringen ihre Zeit im kühlen Kneipenraum, spannen feuchte Laken über die städtische Betonwüste und hacken den asphaltierten Gehweg auf.Gemeinsam trotzen sie im kühlen Kneipenraum der Hitze, und Gunda beginnt zu erzählen: von ihrem Leben in der DDR zwischen Gehorsam und kritischem Denken, von Träumen, von wil den Diskussionen im Lesezirkel und davon, wie aus einem Kollektiv mit gemeinsamen Zielen immerhin Freundinnen mit gemeinsamen Erinnerungen wurden. Zwischen aufgeheizten Asphaltstraßen, Camping im Getränkelager und einer schattigen Datsche am Waldrand bei Gundas alter Gefährtin Claude entfaltet sich eine ungeahnte Freundschaft.»›Club der Verschwenderinnen‹ ist zart und politisch, leise und radikal. Ein Roman für alle, die sich nach einem Leben jenseits kapitalistischer Verwertungslogiken sehnen.« Julia Wolf
Kundinnen und Kunden meinen
3.8/5.0
Bewertung
5/5
27.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vielschichtig erzählt
Die Intensität der Erzählstilistik ist beeindruckend, wie hier mit Sprache gespielt wird, mit Rhythmik, Wiederholungen, Ellipsen, Bildern. Man möchte Sätze um Sätze markieren, um sie sich wieder und wieder vor Augen zu führen. Ein wahres Fest für sprachbegeisterte Menschen.
Inhaltlich ist dieser Roman gesellschaftskritisch, feministisch, politisch, einer, der Herausforderungen von Mutterschaft thematisiert, die Klimakrise ganz nah vor Augen führt, der die Erstarkung von rechts zeigt – ohne erhobenen Zeigefinger.
Ein Plädoyer für Zusammenhalt, Schwesterlichkeit, für Unterstützung von Frau zu Frau und für unterschiedliche Lebensentwürfe, die man voneinander respektieren lernt.
Ein wunderbar vielschichtiger Roman, der zeigt, was Literatur auf 150 Seiten sowohl sprachlich als auch inhaltlich entwickeln kann.
Eva
4/5
07.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wie wollen wir leben?
Es ist heiß in Berlin, flirrend heiß. 40 Grad, die Wohnungen sind Backöfen. Die Hitze bringt Stillstand, die Zeit zum Erliegen. Auch das Leben von Eli steht im Pausenmodus, die Romance-Übersetzerin Eli wird arbeitslos, verliert ihren Job an die KI.
Wenn die alleinerziehende Mutter Zeit für sich braucht, sucht sie Zuflucht in Gundas Kneipe nebenan.
Einst gehörte Gunda dem Club der Verschwenderinnen an, einer ehemaligen Gemeinschaft ostdeutscher Arbeiterinnen, die mit der Wende ihre Anstellungen verloren. Aus ihnen wurde ein Kultur-und Lese-Frühstücksclub. Die Frauen diskutierten gesellschaftspolitische Fragen und nutzten den Wendepunkt, um Möglichkeiten des Zusammenlebens zu erörtern.
Einige von ihnen gründeten Gundas Kneipe.
Gunda ruft die Frauen und Kinder des Hauses zusammen, im Kneipenraum, nächtens im Getränkelager und später im Schrebergarten trotzen sie der Hitze und erproben eine neue Form der Gemeinschaft.
Die Kneipenwirtin beginnt zu erzählen, von früher, vom Leben in der DDR, von der Unermüdlichkeit kritischen Denkens und von der Kluft zwischen Theorie und dem persönlichen Handlungsspielraum. Aus Kolleginnen wurden Freundinnen, bis ihre Lebenswege sie zerstreuten.
Schnell wird im heißen Berliner Sommer klar, dass die Verwirklichung eines Ideals immer auch von der politischen Realität abhängt und als innerer Konflikt weit in das Private hineinragt. Doch vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Situation in Deutschland wird die Frage drängender, welche Verantwortung ein*e einzelne*r tragen kann und unter welchen Maßstäben wir als Gemeinschaft zusammenleben wollen.
Der Club der Verschwenderinnen steckt voller radikaler, humanistischer, realistischer Fragestellungen und sucht nach einer postkapitalistischen gesellschaftlichen Logik. Lena Müller findet große Bilder für leise Gefühle, nähert sich an, beobachtet mit ihrer Hauptfigur, wägt ab, sucht mit ihren Figuren Freiräume. Dicht und drückend ist die Hitze, greifbar nahe rücken die Figuren.
Der eindringliche Roman ist ein Plädoyer für Solidarität, den Mut, aufzustehen und für die eigenen Überzeugungen einzustehen. Unermüdlich.
Bewertung
aus Quickborn
3/5
05.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schwierige Gefühle
Lena Müller nimmt ihre Leser mit ins Leben einer Alleinerziehenden, in die heutige Zeit, in einen Hitzesommer. Eli lebt mit ihrem Sohn Esra in einer kleinen Wohnung, hält sich mit Übersetzungen über Wasser und sieht doch langsam ihre Felle wegschwimmen. Denn, ob mit oder ohne KI, sie bekommt keinen neuen Auftrag und muss sich etwas einfallen lassen. Sie hat einen Freund, Jano, der ist wahrscheinlich nicht Esras Vater, aber ihr und besonders dem kleinen Jungen sehr zugetan. Und sie hat eine Kneipe, in die sie von Zeit zu Zeit geht, weniger um zu trinken, als um einmal aus der Wohnung zu kommen und ein paar Leute zu sehen. Am liebsten Gunda. Der gehört die Kneipe und die macht bei über 40 Grad im Schatten ihren Kneipenfreundinnen ein verlockendes Angebot: kommt alle zu mir, die Kneipe bleibt zu, hier unten ist es kühl und keiner muss sich in seiner Bude totschwitzen. Gesagt getan, einige kommen, mit Sack und Pack und Kind und Kegel. Man arrangiert sich, macht gemeinsam Essen und Abwasch (den macht meistens Eli) und für die Kinder gibt es in der Einfahrt nebenan ein aufblasbares Planschbecken. Eli ist die Einzige, die mit Esra über Nacht bleibt, sie nutzt Gundas Angebot und untervermietet ihre Wohnung flugs an Italiener, die ein Urlaubsquartier brauchen.
Man beobachtet das sommerliche Treiben und hört den Gesprächen zu, lächelt über Eigenheiten und wundert sich. Ich habe mich jedenfalls gewundert. Ich war auch mal alleinstehende Mutter, aber ohne feste Arbeit war ich nie, habe mir eher immer noch etwas zum Hinzuverdienen gesucht. Eli scheint das nicht so wichtig, die nächste Miete begleicht sie mit der Zahlung der Italiener. Dabei ist Esra ein Kindergartenkind, sie hätte also ausreichend Zeit, eine neue Arbeit zu suchen. Aber der heiße Sommer bringt anderes ins Spiel, Gunda beginnt ihre Geschichte zu erzählen, vom Club der Verschwenderinnen. Diese Geschichte führt zurück in die DDR und dann in die Nachwendezeit. Ich will nicht vorgreifen, es ist wirklich interessant, wie unterschiedlich die Leute diese Zeit erlebt haben.
Ortswechsel: Gunda lädt Eli und Esra in ihre Laube ein, erzählt von Claude, die nebenan wohnt. Sie sind mitten im Wald und am wohlsten fühlt sich wohl Esra in der Runde, er findet viel, womit er spielen und träumen kann. Eli nimmt es nicht so leicht, beobachtet die beiden Frauen, beobachtet ihr Kind, sich selbst.
Die gesellschaftskritischen Aspekte des Romans wirken auf mich wie Ausstellungsstücke in einem Museum, denen man eine Erklärtafel hinzugesellt, obwohl jeder weiß, worum es geht. Das kleine Buch muss da eine Menge aushalten, ökologisch wie politisch.
Lena Müller hat einen unprätentiösen Schreibstil, ihr Roman liest sich gut und schnell, der Blick in Elis Leben, in Gundas Kneipe und in Claudes Laube haben mir sehr gefallen. Mein kleiner Lieblingsheld ist Esra, das stille und melancholische Kind, das jede Schwingung in der Luft und zwischen den Menschen wahrnimmt wie ein Seismograf. Dass er nicht nur die Pilze im Wald aus seiner Perspektive besser sieht als die Erwachsenen, leuchtet ein.
Einband und Gestaltung sind gut gelungen, die leuchtenden Früchte so rot wie die Vorsatzseiten. Trotz des kleinen Formats ist die Schrift sehr gut lesbar, nicht nur was die Schriftgröße, auch was den Schwarzdruck anbelangt. Was ich nicht schön finde, ist die neuerliche Gestaltungsweise von Titelzeilen auf dem Cover, hier auch im Haupttitel wiederholt: Worte werden umbrochen und ohne Bindestrich ihres Sinnes beraubt. Dieses Buch ist keine Ausnahme, ich kritisiere das häufiger.
Fazit: Ein offener Roman mit einem offenen Ende, und man kann die Geschichte im Kopf immer weitererzählen. Dass Eli ab und zu das Gefühl hat, aus der Haut fahren zu müssen, kann ich nachfühlen.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
S. L.
aus Berlin
3/5
07.09.2026
eBook (ePUB 3)
Hitzesommer
Eli ist Übersetzerin von Liebesromanen, lebt mit ihrem Sohn in einer kleinen Wohnung, ist bis auf den gelegentlichen Besuch eines Freundes einsam. In ihrem Haus gibt es eine Kneipe mit Wirtin Gunda, dorthin kann sie Abends gehen. Es ist ihr Ort für kleine Fluchten, Flucht vor häuslicher Enge, vor stupider Übersetzungsarbeit, vor Einsamkeit.
Als eine Hitzewelle die Zimmer unerträglich aufheizt, bietet Gunda ihr und anderen Unterkunft in den kühleren Kneipenräumen. Nimmt sie an.
Lena Müller beschreibt sehr detailreich, wie es weitergeht in Elis Leben, ihr Zusammenleben mit Sohn Esra, die Unterhaltungen mit den Nachbarn. Es passiert wenig, alle leiden unter der Hitze und finden sich in einer Gemeinschaft wieder. Die Zeit vergeht, Eli findet eine Möglichkeit, mit Wohnungsvermietung Geld zu verdienen. Kurzlebige Gemeinschaften entstehen. Auch der Klub der Verschwenderinnen, die allerdings keine Güter vergeuden.
Das Buch fühlt sich für mich so an, als ob man irgendwo den Gesprächen fremder Menschen zuhört, nicht ganz freiwillig, nicht aufregend oder unterhaltsam.
Mit Eli werde ich nicht warm, ihre Figur ist blass,sie reagiert eher als sie agiert,und sogar das nicht immer. Gunda finde ich greifbar, praktisch, lebendig beschrieben. Ihre Geschichte ist interessant, ihre Tatkraft beeindruckt. Als Freundin eine Bereicherung.
Eine Erzählung über einen (Hitze-)Sommer, nicht mehr und nicht weniger.
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