Nora Stern ist Schauspielerin, Mutter, Alkoholikerin und seit drei Jahren abstinent. Bis sie in einem fremden Partykeller erwacht. Niedergeschlagen und verschleppt. Auf dem Bartresen: ein gut sortiertes Buffet. Getränke? Nichts – außer Alkohol. Nach vier Tagen kommt sie auf einer Wiese zu sich. In Freiheit, aber zurück an der Flasche. Nora muss trocken werden. Schnell. Bald stehen Dreharbeiten an, und im Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann macht sich Trunkenheit eher schlecht. Nur: So leicht ist es nicht. Als sie sich an einer Tankstelle Nachschub besorgen will, wird sie von einem Paparazzo abgelichtet. Das kann kein Zufall sein. Sie beginnt zu ermitteln. Gegen Widerstände. Gegen alte Feinde. Und gegen eine Sucht, die geduldig auf jede Chance wartet.– Ein bitterkomischer Roman über Abhängigkeit, Demütigung und die dünne Linie zwischen Täter und Opfer. –
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
5/5
18.09.2026
Buch (Taschenbuch)
Alkoholsucht ist eine Krankheit, eine Story die zum Nachdenken anregt
Der Roman „Voll im falschen Film“ von Wiebke Lorenz handelt von einer Schauspielerin, die alkoholkrank ist. Das Buch erzählt eindrucksvoll die Geschichte von Nora und beleuchtet den Bereich der Suchterkrankungen aus einer neuen Perspektive. Die Vielschichtigkeit der Story ist so breit gestreut, dass ich sie in unterschiedliche Genres einordnen würde. Zum einen passt es in die Sparte Belletristik, wobei die Entwicklung der Hauptprotagonistin im Vordergrund steht und die Leserschaft das Drama um ihre Erkrankung hautnah spüren kann. An einigen Stellen wird es auch zu einem Psychodrama, welches auf mich wie eine Verschwörung wirkt oder wobei es darum geht, dass Nora Schwierigkeiten hat, ihr Erleben anderen glaubhaft zu vermitteln.
Der Schauplatz der Geschichte liegt an gegensätzlichen Orten. Zum einen ist da ihr Haus, ihr Bulthaup-Showroom aus Hochglanz und Stahl, der in gewisser Weise ihre Persönlichkeit widerspiegelt. Zum anderen sind es äußere Schauplätze wie die Joggingstrecke und die Wiese, der Supermarkt und die Tankstelle. Aber im Grunde liegt der Hauptschauplatz in ihrem Kopf und in ihren Erinnerungen, in ihren Gedanken und Motivationen.
Niemand kann es nachvollziehen, wenn sie berichtet, dass sie tagelang in einem Keller eingesperrt war, in welchem zwar reichlich Speisen vorhanden sind, aber ausschließlich alkoholische Getränke zur Verfügung stehen. Für Nora ist das der Super-GAU, da sie bereits seit drei Jahren trocken ist und ihre Gründe hat, trocken zu bleiben. Sie erleidet einen Rückfall und weiß genau, dass sie binnen kürzester Zeit wieder trocken werden muss, da sie für eine neue Hauptrolle eingeplant ist und ein Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann ansteht.
Wiebke Lorenz gelingt es dabei in beeindruckender Weise, die Gefühlswelt der Protagonistin aufzuzeigen. Die Leserschaft lernt beide Seiten kennen: den inneren Kampf, den sie täglich führt, wie andere sie sehen und über sie urteilen und auch, welche Motivations- und Handlungsstrategien für ihr Agieren gelten. Menschen, die bisher der Meinung waren, dass eine Alkoholsucht ein persönlicher Makel ist, werden hier eines Besseren belehrt. So erleben wir in dieser Story, wie zum Teil sogar Ärzte Probleme haben, mit der Erkrankung umzugehen.
Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Nora erzählt, die sich zunächst stark dagegen wehrt, professionelle Hilfe anzunehmen. Anstatt einen Grund zu finden, warum es notwendig wäre, eine Entgiftung zu machen oder in eine Therapiegruppe zu gehen, findet sie stets ausschließlich Gründe, warum es gerade nicht geht. Die Botschaft hier ist ganz klar: Niemand kann einem Alkoholiker helfen, der nicht selbst zu 100 % bereit dafür ist. Die Motivation, um aus der Trink-Spirale herauszukommen, muss intrinsischer Natur sein, um erfolgreich zu sein.
Der Schreibstil der Autorin ist an einigen Stellen sehr scharfzüngig, oftmals auch lustig bzw. unter dem Motto „Lachen, um nicht zu weinen“.
Und das Buch ist vor allem eins: Eine humorvolle Satire! An manchen Stellen wirkt das Buch auch ein wenig bedrückend, denn wenn man sich in die Welt von Nora versetzt, in ihre Gedanken eintaucht und ihr Erleben nachvollzieht, dann erscheint oftmals eine Dunkelheit, aus der es kaum einen Ausweg zu geben scheint. Tatsache ist nämlich auch, dass kein Mensch, der unter einer Suchterkrankung leidet, sich jemals als geheilt bezeichnen kann. Die Alkoholsucht ist da, gehört zum Alltag, zum Leben dazu. Es gibt trockene Phasen und es gibt Menschen, die es schaffen, trocken zu bleiben. Es muss jedoch ganz klar herausgearbeitet werden, dass niemand vor einem Rückfall sicher ist und dass die Erkrankung ein Leben lang bleibt. Diese Schlussfolgerung wird auch innerhalb der Geschichte immer wieder deutlich.
Als Leser erkennt man, welche Situationen, welche ungünstigen Kombinationen und wie stark die Drucksituationen sind, die immer wieder die Gedanken auf den Alkohol zurückführen – entgegen jeder Vernunft. Die Protagonistin ist eine starke Frau, die im Laufe des Buches eine Veränderung durchlebt, welche zu einer Wandlung führt. Trotzdem fragt man sich als Leser bis zum Schluss, warum die Dinge hier so passieren, wie sie passiert sind. Die Lösung ist in sich schlüssig; wer das Buch gründlich liest, und in die Geschichte hineinfühlt, kann schnell die richtige Ahnung bekommen. Trotzdem ist die Spannungskurve sehr hochgehalten, denn es geschehen immer wieder Dinge, mit denen Nora nicht gerechnet hat. Daraus zieht sie ihre Schlussfolgerungen, verletzt zum Teil andere Menschen, erkennt aber auch gewisse Verbindungen zur Herkunftsfamilie und zieht ihre eigenen Schlüsse daraus.
Fazit: Die Geschichte ist mal etwas ganz anderes als die herkömmlichen Bücher zum Thema Sucht. Die Tatsache, dass die Autorin eigene Erfahrungen mit einbringt, ist für die Thematik besonders wertvoll. Hier wird in eindrucksvoller Weise beschrieben, wie das Gehirn in schwachen Momenten reagiert. Ich würde es als eine Pflichtlektüre für die Oberstufe empfehlen, da es aus meiner Sicht einen prophylaktischen Wert hat! Aber auch Menschen, die sich für das Thema „Alkoholsucht“ interessieren oder die eventuell co-abhängig sind, werden hier einiges erfahren, was ihnen im Alltag hilft.
Bewertung
5/5
16.09.2026
Buch (Taschenbuch)
Ein Roman wie ein Thriller – und doch keiner
In »Voll im falschen Film« steht Nora Stern eigentlich wieder fest im Leben. Sie ist Schauspielerin, Mutter von zwei Kindern und seit drei Jahren abstinent. Doch dann wird sie beim Joggen niedergeschlagen und entführt. Als sie in einem Partykeller wieder zu sich kommt, beginnt ein Albtraum: Ein reichhaltiges Buffet wartet auf sie – und dazu jede Menge Alkohol. Nora kämpft gegen die Sucht, da die Zeit gegen sie ist, und es bleiben die drängenden Fragen: Wer hat ihr das angetan und warum?
Wiebke Lorenz erzählt Noras Geschichte ehrlich, eindringlich und mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor. Ihre Sprache ist schnörkellos, kurzweilig und sehr bildhaft. Besonders gelungen fand ich die Mischung aus Situationskomik und verstörenden Momenten. Beim Lesen musste ich immer wieder lachen, obwohl mir das Lachen angesichts von Noras Situation manchmal im Hals stecken blieb.
Nora ist eine starke, aber auch widersprüchliche Hauptfigur. Sie kennt die Folgen ihrer Sucht und weiß, was auf dem Spiel steht. Trotzdem gelingt es ihr nicht einfach, sich gegen die Sucht zu behaupten. Gerade dieser verzweifelte Kampf macht sie glaubwürdig und nahbar. Als Leserin oder Leser ist es nicht immer leicht auszuhalten, wie sehr die Sucht ihr Denken und Handeln bestimmt. Gleichzeitig spürt man, dass Nora nicht aufgeben möchte.
Die Nebenfiguren bleiben für mich ein Stück weit hinter Nora zurück. Sie erhält die ungeteilte Aufmerksamkeit, sodass die anderen Figuren weniger Raum und Tiefe bekommen. Trotzdem sind sie keineswegs überflüssig. Sie setzen wichtige Akzente, geben Nora Halt und bringen zusätzliche Dynamik in die Handlung. Damit runden sie die Geschichte ab, auch wenn sie im Vergleich zur Hauptfigur deutlich weniger präsent sind.
Der Roman zeigt außerdem, wie selbstverständlich Alkohol in unserer Gesellschaft verankert ist. Das Feierabendbier, der Sekt zu besonderen Anlässen oder der Alkohol als vermeintlicher Bestandteil einer gelungenen Party werden so alltäglich dargestellt, dass man leicht vergisst, wie problematisch dieser Umgang für viele Menschen sein kann. Wiebke Lorenz moralisiert dabei nicht, sondern hält der Gesellschaft auf eindringliche Weise den Spiegel vor.
»Voll im falschen Film« hatte für mich einen echten »Suchtfaktor« – nicht wegen der Alkoholthematik, sondern weil ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Die Geschichte ist stellenweise so spannend wie ein Thriller, ohne tatsächlich einer zu sein. Auch die Auflösung und das Ende dürften die Leserschaft spalten. Manche werden sie vielleicht als zu glatt oder zu einfach empfinden, andere als konsequent und passend.
Für mich überwiegen jedoch eindeutig die Stärken: eine glaubwürdige und widersprüchliche Hauptfigur, ein eindringlicher Blick auf die Alkoholsucht, gesellschaftliche Denkanstöße und eine Sprache, die trotz der schwierigen Thematik immer wieder Raum für Humor lässt.
Fazit: Ein bewegender, ungewöhnlicher und mutiger Roman über Sucht, Rückfall und den schwierigen Weg zurück ins Leben. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.
Bewertung
aus Rösrath
5/5
14.09.2026
Buch (Taschenbuch)
Spannung & Tragik & Info & filmreif...
Wiebke Lorenz hat mit ihrem Roman "Voll im falschen Film" - Untertitel 'Ein nüchterner Roman' - eine ziemlich ernüchternde Geschichte erschaffen, eine Geschichte wie geschaffen für die filmische Umsetzung. Die bekannte Schauspielerin Nora, seit drei Jahren trockene Alkoholikerin, wird beim Joggen in einem Park ausgenockt und findet sich, als sie erwacht, eingeschlossen in einem Keller; Nahrungsmittel und Getränke sind vorhanden... aber nur alkoholische Getränke. Nora erleidet einen Rückfall, sie wird beim Alkoholkauf an der Tanke gefilmt und muss nicht nur um ihre Karriere, sondern auch um das Sorgerecht für ihre beiden Kinder fürchten. Ihre alte Sponsorin Renate, die sie aus einer Gruppe für suchtkranke Menschen kennt, scheint die einzige Person zu sein, die Nora diese abstruse Entführungsgeschichte glaubt; Renate bietet ihre Unterstützung an... Es beginnt der tägliche Kampf mit dem Suchtdruck und die Suche nach dem Täter. Was Wiebke Lorenz ausgesprochen gut gelingt ist, dem Leser das Phänomen Sucht nahezubringen, gekleidet in eine flotte und äußerst humorvolle Geschichte. Man könnte förmlich von einem sehr genialen Infotainment sprechen... das Verständnis für die Alkoholsucht vertieft sich mit der Sympathie für die Hauptfigur Nora. Unbedingte Leseempfehlung... weil: Jeder kennt mindestens eine Person, die einen zumindest problematischen Umgang mit Alkohol hat!
Bewertung
aus Claußnitz
5/5
13.09.2026
Buch (Taschenbuch)
Ein "nüchterner" Roman
Nora ist seit 3 Jahren trockne Alkoholikerin. Aber irgendjemanden gefällt das nicht. Sie wurde gekidnappt und wacht neben massenweise Alkohol, aber keinerlei anderen Getränken auf. Was passiert hier gerade? Als sie wieder frei ist, ist sie wieder abhängig und der Kampf gegen die Sucht beginnt von vorn. Für sie steht alles auf dem Spiel: Karriere als Schauspielerin, Besuchsrecht für die Kinder und ihr Ruf. Kann ihr Freundin Renate helfen? Auch ihr ehemaliger Freund David möchte ihr gern zur Seite stehen. Aber wer tut ihr sowas an? Ihr Ex? Wird Nora den Täter finden und genug Kraft aufbringen können, um die Sucht wiederholt zu besiegen? Ein skurriler Roman über die Abhängigkeit und deren schwerwiegenden Folgen. Das besondere und bitterkomische Buch, setzt das sensible Thema wunderbar um, hinterlässt ein bedrückendes Gefühl und regt sehr zum Nachdenken an. Die unerwarteten Wendungen machen den tiefgründigen und unfassbar ehrlichen Roman spannend und dramatisch bis zum Schluß. Der Digestif am Ende macht das Seelendrama rundum gelungen.
antjep78
aus Haldensleben
5/5
12.09.2026
Buch (Taschenbuch)
Manchmal steckt hinter der Stille eine Geschichte, die erzählt werden muss …
Wiebke Lorenz gehört für mich zu den Autorinnen, deren Thriller ich immer sehr gern gelesen habe. Umso öfter habe ich mich in den vergangenen Jahren gefragt: Warum ist es eigentlich so ruhig um sie geworden?
Dann kam „Voll im falschen Film“ und plötzlich bekam diese Frage eine ganz andere Bedeutung.
Im Mittelpunkt steht Nora Stern: Schauspielerin, Mutter und seit genau drei Jahren trockene Alkoholikerin. Nach einem Überfall erwacht sie in einem fremden Partykeller: eingesperrt, umgeben von Alkohol und ohne alkoholfreie Alternative. Vier Tage später kommt sie frei, doch ihre Sucht ist zurück.
Für Nora beginnt ein verzweifelter Kampf. Niemand darf von ihrem Rückfall erfahren, denn wichtige Dreharbeiten stehen bevor und gleichzeitig kämpft sie mit ihrem Ex-Mann um das Sorgerecht für ihre Kinder. Doch da ist noch eine andere Frage: Wer hat ihr das angetan – und warum?
Wiebke Lorenz gelingt etwas, das ich bei diesem Thema nicht erwartet hätte: Der Roman ist beklemmend, emotional und schonungslos ehrlich, gleichzeitig aber auch bitterkomisch und wunderbar sarkastisch. Dieser Humor nimmt der Sucht zu keinem Zeitpunkt ihre Ernsthaftigkeit. Im Gegenteil, gerade der Wechsel zwischen Tragik und absurden Momenten macht die Geschichte für mich so menschlich.
Besonders beeindruckt hat mich Nora. Sie ist widersprüchlich, macht Fehler und trifft Entscheidungen, bei denen ich sie manchmal am liebsten geschüttelt hätte. Gleichzeitig lässt Lorenz uns durch ihre intensiven inneren Monologe sehr nah an ihre Ängste, ihre Scham und ihren Kampf gegen die Sucht heran.
Und natürlich ist da auch die Spannung, die ich an Wiebke Lorenz schon immer mochte. Nur befindet sich der größte Abgrund dieses Mal nicht allein im Außen – sondern in Nora selbst.
Ich wollte eigentlich nur wissen, was aus der Thrillerautorin Wiebke Lorenz geworden ist. Gefunden habe ich eine Autorin, die mir mit diesem Roman eine ganz andere Seite von sich gezeigt hat.
„Voll im falschen Film“ hat mich überrascht, berührt, zum Nachdenken gebracht und gleichzeitig bestens unterhalten. Für mich nicht einfach nur ein gelungenes Comeback, sondern ein Roman, der noch lange nachhallt.
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