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Das Wasser im August Roman | Longlist Deutscher Buchpreis 2026

8

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Beschreibung

Produktdetails

Verkaufsrang

6628

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

26.08.2026

Verlag

S. Fischer Verlag

Seitenzahl

320

Maße (L/B/H)

20,7/13,2/3,2 cm

Gewicht

409 g

Farbe

Eisblau

Auflage

3. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-10-397166-8

Beschreibung

Rezension

[...] sehr raffiniert konstruiert und gleichermaßen unterhaltsam dazu. ("ARD Radiokulturnacht")
[...] ein ziemlich raffinierter Autor ("SWR Kultur")
Geschickt spielt »Das Wasser im August« mit den Perspektiven zwischen gestern und heute und lotet dabei unterhaltsam und elegant die Möglichkeiten von Literatur aus. ("Augsburger Allgemeine")
[...] ein interessantes Spiel aus Erinnerung, Wahrheit und Fiktion, in dem Ingo Schulze seinem Lebensthema treu bleibt, der ostdeutschen Geschichte mit all ihren Umbrüchen. ("Augsburger Allgemeine")
Raffiniert! [...] Ingo Schulze schreibt [...] im schönsten Deutsch zwei Bücher in einem [...] nachdenklich, empfindsam und von hoher literarischer Präzision. ("Augsburger Allgemeine")
Das ist keine harmlose Berufsreise, sondern ein Trip durch eine politisch, kulturell, soziologisch aufgewühlte Landschaft [...] ein herrlich komplexes, sehr erhellendes, aber auch [...] ein sehr amüsantes Bild unserer Gegenwart ("Rundfunk Berlin-Brandenburg, rbb radioeins")
Schulze [gelingt] etwas wirklich Tolles: Er porträtiert die politischen Mentalitäten der DDR und verbindet sie mit der Offenheit und der Verführbarkeit eines Sechzehnjährigen. ("Rundfunk Berlin-Brandenburg, rbb radioeins")
Ingo Schulze zeichnet das sehr feine Porträt eines Schriftstellers, der sich selbst als Suchenden, nach Antworten Ringenden hinterfragt. ("Bayern 2 - Diwan - Das Büchermagazin")
[...] ein äußerst gewitztes Vexierspiel über das Erinnern [...] [ein] schillernde[r] Roman ("Deutschlandfunk – Büchermarkt")
[Ingo Schulze] zählt [...] zu den großen Erzählern ostdeutscher Mentalitäten und Geschichten. ("Deutschlandfunk – Büchermarkt")

Produktdetails

Verkaufsrang

6628

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

26.08.2026

Verlag

S. Fischer Verlag

Seitenzahl

320

Maße (L/B/H)

20,7/13,2/3,2 cm

Gewicht

409 g

Farbe

Eisblau

Auflage

3. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-10-397166-8

Herstelleradresse

FISCHER, S.
Hedderichstraße 114
60596 Frankfurt
DE

Email: produktsicherheit@fischerverlage.de

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  • Bewertung

    Thalia Book Circle Community

    5/5

    20.10.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Wenn Erinnerung zu Literatur wird

    Ingo Schulzes „Das Wasser im August“ ist ein Roman über die schwierige Verwandlung von Erinnerung in Literatur. Was als Einladung zu einer Lesung beginnt, entwickelt sich zu einem kunstvoll verschachtelten Spiel mit Vergangenheit und Gegenwart, Wirklichkeit und Erfindung. Ein Schriftsteller reist nach Mecklenburg, um anlässlich des Geburtstags eines ehemaligen Mitschülers aus einem noch unfertigen Manuskript zu lesen. Sein Text führt zurück in den Sommer 1979. Der 16-jährige Thomas lebt in der DDR, entdeckt seine literarischen Ambitionen, begegnet Künstlern, einem Pfarrer und einer Ärztin und erlebt eine erste, folgenreiche Liebesgeschichte. Während der heutigen Lesung treten jedoch Menschen und Motive aus dieser Vergangenheit wieder hervor. Die Grenzen zwischen dem Erlebten und dem später Geschriebenen beginnen zu verschwimmen. Gerade darin liegt die eigentliche Stärke des Romans. Schulze interessiert sich weniger für die Rekonstruktion einer vergangenen Wirklichkeit als für die Frage, wie Erinnerung überhaupt Wirklichkeit erzeugt. Er tangiert die Frage, was vergessen wurde und was nachträglich verändert. Und was darf ein Schriftsteller aus einem persönlichen Erlebnis machen? Die Novelle im Roman wird während ihrer Lesung zum Teil kommentiert, korrigiert und durch Erinnerungen an die Realität der Vergangenheit infrage gestellt. Der Entstehungsprozess von Literatur wird selbst zum Gegenstand der Erzählung. Auch die DDR ist dabei mehr als eine historische Kulisse. Literatur, Kunst, Kirche, staatliche Kontrolle und die begrenzten Möglichkeiten individueller Freiheit bestimmen die Lebenswelt des jungen Thomas. Zugleich verweigert sich Ingo Schulze einer bloßen historischen Abrechnung. Das Politische erscheint vor allem dort, wo es in das Private hineinreicht. Ich erlebte beim Lesen Flashbacks in meine Vergangenheit in der DDR. Bemerkenswert ist zudem die Konstruktion der Figuren. Personen aus der Gegenwart spiegeln Figuren aus der Vergangenheit, reale Erlebnisse scheinen in literarischer Verkleidung wiederzukehren. Diese Doppelungen sind nicht nur ein erzählerischer Kunstgriff, sondern machen die Unzuverlässigkeit von Erinnerung sichtbar. Je mehr der Erzähler über seine Vergangenheit erzählt, desto fragwürdiger wird seine eigene Erzählung. Sprachlich verlangt der Roman Konzentration. Lange Sätze, Perspektivwechsel und die ständigen Sprünge zwischen den Zeitebenen können den Lesefluss erschweren. Gleichzeitig entspricht diese Form dem Inhalt. Ingo Schulzes Prosa folgt weniger einer geraden Handlung als den Bewegungen des Erinnerns und Denkens. Mich selbst als Leserin konnte Ingo Schulzes Werk vollständig in den Bann ziehen. Der scheinbar seichte Plot steckte für mich voller emotionaler Dichte und Berührung, Mitgefühl und vor allem einer Identifikation als anwesende Beobachterin in diesem mecklenburgischen Dorf. Die Authentizität der Kulisse, der Atmosphäre und der gesellschaftlichen Verhältnisse dort konnte mich überzeugen, so dass auch jetzt, noch lange nach der Lektüre, die erzeugten Bilder in mir präsent sind. „Das Wasser im August“ ist zugleich Coming-of-Age-, Künstler-, Erinnerungs- und DDR-Roman, vor allem aber ein Roman über das Erzählen selbst. Seine interessanteste Frage lautet vielleicht nicht, was damals tatsächlich geschah, sondern warum wir überhaupt Geschichten brauchen, um uns an das Vergangene zu erinnern. Ein anspruchsvoller, gelegentlich sperriger, aber literarisch bemerkenswerter Roman, der seine Wirkung vor allem daraus bezieht, dass er dem Leser die Gewissheit über das Erzählte immer wieder entzieht.

  • Literaturhexle

    aus Baden-Württemberg

    5/5

    13.10.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Verschachtelte Zeitreise

    Der neue Roman von Ingo Schulze spielt sich auf zwei Ebenen ab. In der Gegenwart wird der namenlose Autor und Ich-Erzähler zu einer Lesung nach Mecklenburg anlässlich des Geburtstages seines ehemaligen Schulfreundes Manfred eingeladen. Er soll dort einen bisher unveröffentlichten Text vortragen. Delikat ist die Tatsache, dass sich der Erzähler einst mit Manfred wegen eines Verrats überworfen hat. Eine Autopanne macht die Anreise schwierig, allerdings gibt sie den leicht verschmitzten Ton vor und charakterisiert den Protagonisten als relativ lebensunpraktischen Kopfmenschen. Zum Glück lernt er an der Tankstelle Dr. Schulenberg kennen, der ihn nicht nur ans Ziel kutschiert, sondern auch vor Ort bleibt, um an der Lesung teilzunehmen. In die Gegenwartshandlung eingebaut wird das abschnittweise Lesen der Novelle, in der der damals 16-jährige Thomas (Alter Ego des Autors) den Sommer 1979 am Tollensesee verbringen durfte, um sich erstmals ganz seinem Schreiben zu widmen. Er wohnt bei dem Künstlerpaar Emmy und Paul, wo er auch die deutlich ältere Sonja kennenlernt, zu der er sich sehr stark hingezogen fühlt. Wir erleben einen einzigartigen Sommer der Freiheit, der Hoffnung auf Veränderung, der Kunst und der ersten Liebe. Er wird von fein beobachteten Landschaftsbeschreibungen, authentischen (auch politischen) Diskussionen, zwischenmenschlichen Konflikten sowie dem weichen Augustwasser des Sees begleitet. Dieser Sommer prägt Thomas nachhaltig. Zum ersten Mal im Leben fühlt er sich von Erwachsenen ernst genommen und als Schriftsteller akzeptiert. Er kehrt in Gedanken immer wieder gerne an die Zeit am Tollensesee zurück. Diese anschauliche Sommeratmosphäre wird wunderbar kolportiert, auch die Besonderheiten des Aufwachsens und Lebens in der DDR finden ihren Raum. Das Interessante ist, dass im Publikum Weggefährten von damals sitzen, die die Parallelen der fiktiven Novelle mit der tatsächlichen Handlung abgleichen können und diese anschließend mit dem Autor diskutieren wollen. Der Autor lässt sich insbesondere durch Angelika verunsichern, die in der Novelle eine Hauptrolle zu spielen scheint. Trotzdem besteht er auf der künstlerischen Freiheit in der Gestaltung von Handlung und Figuren, so dass der Leser selbst entscheiden muss, welchen Verlauf er als den wahren anerkennen will. Dieses Verschwimmen der Ebenen bereitet Schulze kurzweilig, unterhaltsam und stilistisch ansprechend auf - immer mit einem Augenzwinkern. Erwartungen werden durchbrochen, Realität, Fiktion und unzuverlässige Erinnerungen laufen ineinander. Dazu finden sich immer wieder kleine Hinweise und Symbole, die man zu einem Mosaik zusammenfügen darf. Wer sich mit Kunst und russischer Literatur auskennt, wird sich über Bezüge freuen. Immer lese ich eine Spur Schalk und Selbstironie im Text. Sowohl Ich-Erzähler als auch Thomas wirken etwas hölzern im Umgang mit anderen Menschen, während Kreativität und Beobachtungsgabe eine anderes Bild zeichnen. Das gesamte Figurenpersonal wirkt lebensecht und bietet reichlich Diskussionsfläche. Ingo Schulze ist ein Könner seines Fachs. Seine fein ziselierten Beschreibungen, die Reflexionen über das Schreiben oder das Leben in der DDR und als Schriftsteller, die pointierten Dialoge und manch humoristische Szene haben kleine empfundene Längen in diesem für Thomas so wichtigen Sommer für mich in den Hintergrund treten lassen. Dem vorangestellten Motto von Péter Esterázy wird der Roman auf seine Weise wunderbar gerecht: „Es ist schwer zu lügen, wenn man die Wahrheit nicht kennt.“ Mir hat das verschachtelte Verwirrspiel um Wahrheit und Fiktion viel Spaß gemacht!

  • Bewertung

    aus Heyerode

    5/5

    13.09.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Sprachlich und inhaltlich eindrucksvoll und lesenswert

    Ich habe erst weniger Bücher des Autors gelesen, dieses hier hat mich vom Rückentext sofort angesprochen. sodass ich zugegriffen und gelesen habe. Zuerst ein paar Worte zur Umschlaggestaltung, die ganz besonders interessant ist, nicht auf den ersten Blick, aber ... Es ist ein Detail aus dem Kunstwerk von Gerda Lepke "Landschaft mit Himmel" aus dem Jahr 1990. Finde ich mal eine geniale Idee und perfekt passend zum Inhalt. Wir befinden uns örtlich in Mecklenburg und lernen den Erzähler kennen, der zu einer Lesung aus seinem noch nicht fertigen Manuskript eingeladen wird. Zeitlich einzuordnen befinden wir uns im Juni vergangenen Jahres. Sein Text spielt im Sommer 1979 dort, wo er auch zu lesen gedenkt, von den ersten Versuchen des Schreibens, von der ersten Liebe und dem Erwachsenwerden. Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen sozusagen, als er während seiner Lesung jemand begegnet ... Mehr möchte ich von der Handlung garnicht verraten, um nicht zu viel vorwegzunehmen. Eines sei gesagt, neben der spannend lebendigen Handlung und den perfekt dargestellten Charakteren ist dieses Buch nachdenklich machend über verschiedene Lebensfragen. Das Buch ist in 22 Kapitel gegliedert. Ich fand es sehr angenehm zu lesen, vielleicht an einigen Stellen nicht ganz einfach, was aber alles andere als negativ gemeint ist. Man fühlt sich prima ein und kann in sein eigenes Leben mitnehmen. Absolut lesenswert !!!

  • Christian1977

    aus Leipzig

    4/5

    25.09.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Porträt eines Künstlers

    Als der Ich-Erzähler im Rahmen der Geburtstagsfeier eines ehemaligen Mitschülers nach Mecklenburg eingeladen wird, um dort zu lesen, ist er zunächst alles andere als begeistert. Ausgerechnet Geburtstagskind Manfred war damals dafür mitverantwortlich, dass seine Eltern unter Beobachtung der Stasi standen. Und dann wünscht sich dessen Gattin auch noch, dass er etwas lesen soll, was noch niemand zuvor gehört hat. Kurzum entscheidet sich der Schriftsteller dazu, aus seiner unfertigen Novelle zu lesen. Diese spielt in derselben mecklenburgischen Landschaft und begleitet den 16-jährigen Thomas auf seinem Weg, Schriftsteller zu werden. "Das Wasser im August" ist der neue Roman von Ingo Schulze, der bei S. Fischer erschienen ist. Schulze verknüpft darin auf geschickte und kluge Weise die Rahmenhandlung um den lesenden namenlosen Schriftsteller mit der Novelle, die im Sommer 1979 angesiedelt ist. Die verschachtelte Erzählweise ist dabei recht komplex, bietet aber durch die zahlreichen Einschübe, mit denen der Ich-Erzähler seine Lesung immer wieder unterbricht, genügend Luft, um seine Gedanken wieder zu ordnen. Dabei gelingt es Schulze, einen Blick auf die DDR-Gesellschaft und -Mentalität der 1970er-Jahre mit einer Coming-of-Age-Geschichte rund um Thomas zu verbinden. Dieser Thomas verbringt den Sommer 1979 beim malenden Künstlerpaar Emmy und Paul und lernt bei ihnen, was es heißt, zu beobachten und zu schreiben. Wie es gelingen kann, seine Eindrücke auf Papier festzuhalten und dabei das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren. Für Thomas selbst ist das Wesentliche allerdings Sonja, eine ca. 13 Jahre ältere Frau, die beim Pfarrer lebt und sich dort um diesen und dessen halbverwaiste Kinder kümmert. Mit ihr erlebt Thomas so etwas wie den Sommer der ersten Liebe. Auch wenn Ingo Schulze auf einer Lesung betont hat, dass für ihn beide Ebenen gleichberechtigt seien, ist es vor allem die Binnenerzählung, die Novelle um Thomas, die zu überzeugen weiß. Schulze entwirft darin auf sprachlich beeindruckende Weise das Porträt eines angehenden jungen Künstlers und siedelt diesen in einer nicht nur landschaftlich wunderbar geschilderten Umgebung an. Denn auch das Personal der Novelle weiß zu überzeugen. Da ist die fokussiert erotische Sonja, der zweifelnde Pfarrer Siegmund, Künstlerin Emmy, die für Thomas die wichtigste Bezugsperson ist, und ihr etwas blasser Partner Paul. Vor allem ist es aber die Figur des Thomas selbst, die außerordentlich gut gelungen ist. Ständig spürte ich dessen Unsicherheit und Zweifel, die er unter einer Maske des Selbstbewusstseins zu verstecken versucht, seine Formbarkeit und seine wachsende Bildung. Auch wenn beispielsweise Emmys Vortrag über Ernst Barlach ein wenig ausufert und dabei auch die Leser langweilt, weist die Novelle hier typische Merkmale eines Bildungsromans auf. Positiv hervorzuheben ist auch die Ambivalenz der Figuren, die dazu führt, dass man sich nie ganz sicher sein kann, wer überhaupt auf welcher Seite steht. Ingo Schulze zeigt sich hier wie schon in "Die rechtschaffenen Mörder" als ebenso feiner Beobachter wie Thomas selbst. Verbunden werden die beiden Ebenen durch die Figur der Angelika, bei der schnell klar wird, dass es sich um ebenjene Sonja aus der Novelle handelt. Diese Angelika besucht mehr als 45 Jahre nach dem Treffen in Mecklenburg erstmals eine Lesung des Erzählers. Doch was eigentlich ein genialer Kniff sein könnte, spielt Schulze nicht vollends aus. Denn während die Binnenhandlung konsequent voranschreitet, stagniert die Rahmenhandlung und verliert sich in zahlreichen Dialogen zwischen den Figuren, denen es an Profil fehlt. Was beispielsweise der Arzt eigentlich möchte, der den Protagonisten seit einer Autopanne begleitet, hat sich mir nicht ausreichend erschlossen. Und auch der erzählerische Knalleffekt kommt letztlich etwas zu kurz, weil die Hauptfigur darauf nicht glaubwürdig reagiert. Trotz dieser Schwächen ist "Das Wasser im August" ein lesenswerter Roman, der neben den genannten Vorzügen vor allem zu Beginn auch durch seinen feinen Humor und den unzuverlässigen Erzähler überzeugt. Ein kluges Vexierspiel zwischen Erinnerung und Realität. 3,5/5

  • Eternal-Hope

    aus Österreich

    3/5

    02.10.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Im Wasser sieht man nicht alles sofort

    Wenn man auf ein Naturgewässer schaut, sieht man selbst bei einigermaßen klarem Wasser nicht immer gleich alles, was sich darin befindet. Man muss sich auf das Unbekannte, Unsichtbare und oft nie ganz Erfassbare einlassen. So ähnlich ging es mir auch mit diesem Buch. Ich bin Österreicherin und habe zwar ein bisschen etwas über die ehemalige DDR gehört und gelesen, aber wirklich viel weiß ich bis heute nicht darüber. So begann ich also mit der Lektüre eines Buches, das im heutigen Deutschland spielt, aber zu einem großen Teil vom Erleben eines jugendlichen Burschen im Sommer zu DDR-Zeiten, etwa ein Jahrzehnt vor der Wende, getragen ist. Denn wir begleiten den gealterten Ich-Erzähler und Autor auf seiner Reise nach Mecklenburg, wo ihn die Frau eines alten Schulkameraden zu einer Lesung eingeladen hat. Gewünscht ist das Vorlesen eines der Öffentlichkeit noch unbekannten Textes und so wählt der Ich-Erzähler eine Novelle, in der es eben um einen jungen Mann, wohl ihn selbst, im Sommer 1979 geht. Die Kapitel dieser Novelle nehmen einen großen Teil des Buches ein. Dabei bekommen wir als Leserinnen und Leser auch Teile zu lesen, die der Ich-Erzähler angeblich bei der Lesung auslässt, wobei leider nicht erklärt wird, warum diese für uns wiederum relevant sein sollen. So nimmt die Gegenwart einen relativ geringen Teil des Buches, hauptsächlich am Anfang und am Ende, ein. Auch manche Passagen der Lesung werden kurz aus der Gegenwartsperspektive kommentiert und es zeigt sich später, in welcher Weise Vergangenheit und Gegenwart miteinander verflochten sind. Die Kapitel der Novelle im Buch waren für mich eher mühsam zu lesen, auf mich wirkte der Schreibstil der Gegenwartshandlung deutlich flüssiger. Das ist wahrscheinlich bewusst so konstruiert, weil es in der Novelle auch darum geht, zu zeigen, wie ein Jugendlicher die ersten Schritte in Richtung Kunst und Schriftstellerei wagt, dabei beobachtet, experimentiert und überlegt, was überhaupt beobachtenswert und erzählenswert ist. Das sind wiederum interessante Überlegungen, die mir durchaus gefallen haben beim Lesen. Insgesamt war für mich aber die Handlung in diesem Sommer in der DDR und die darin vorkommenden Begegnungen mit Menschen immer wieder wie trübes, ein bisschen undurchschaubares Wasser. Mir war nicht immer ganz klar, worum es wirklich ging, ich habe mich streckenweise gelangweilt und wahrscheinlich viele subtile Hinweise auf das Leben in der damaligen Zeit in dieser Gegend für mich nicht passend wahrnehmen und einordnen können, weil ich mit meinem österreichischen Bezugsrahmen zu wenig darüber weiß. Da hat mir persönlich das Buch zu wenig eine Brücke gebaut, wollte es vielleicht auch gar nicht, das hat allerdings mein Leseerlebnis etwas gemildert. Ich glaube, dass sich dieses Buch mit eigener DDR-Erfahrung oder zumindest mehr Wissen über die Lebenswelt dort noch einmal deutlich anders lesen könnte, als es für mich war, weil sich dann einiges von dem, was für mich rätselhafte Andeutungen waren, aufklären würde. Vielleicht würden sich dann auch noch einmal andere Zusammenhänge zur Gegenwartshandlung ergeben. So habe ich also abschließend die Vermutung, dass in diesem Buch mehr Tiefgründigkeit und damit vielleicht auch mehr Interessantes liegt, als ich aus meiner individuellen Leseperspektive mir erschließen konnte. Damit kann ich aber auch keine allgemeine Leseempfehlung für ein breites Publikum aussprechen, da ich davon ausgehe, dass es je nach persönlichem Vorwissen ganz anders wirken kann. Für mich war es ein streckenweise eher mühsam zu lesendes Buch, das mich an manchen Stellen gelangweilt hat und ein eher zähes Leseerlebnis war, auch wenn ich schon auch einige interessante Gedanken und Leseeindrücke, insbesondere zum Coming-of-Age und zur Entwicklung im künstlerischen und schriftstellerischen Bereich für mich mitnehmen konnte.

Kundinnen und Kunden meinen

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