New York, in nicht allzu ferner Zukunft. Doug ist ein erfolgreicher Mittdreißiger, doch seit seiner Scheidung liegen sein Herz und sein Ego in Trümmern. Als Trost gönnt er sich die Frau seiner Träume: Annie, eine hoch entwickelte Androidin. Sie trägt Körbchengröße D, kocht jeden Abend für ihn, zieht sich hübsch an und passt ihre Libido seiner jeweiligen Stimmung an. Alles scheint perfekt, doch dann aktiviert Doug Annies »Autodidaktmodus«, damit das Zusammenleben mit ihr spannender wird. Annie lernt von nun an dazu – und je ähnlicher sie einer normalen Menschenfrau wird, desto weniger perfekt verhält sie sich in Dougs Augen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Petra
aus Grasbrunn
5/5
22.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Toxische Beziehung mit einem Sex-Roboter
Doug hat sich nach einer gescheiterten Beziehung eine Androidin namens Annie zugelegt. Diese Androiden gibt es als Haushaltshilfen, Nannys oder als sogenannte Kuschelhasen, die ihre Libido der Stimmung ihres Partners anpassen. Annie ist solch ein Kuschelhase. Um das Zusammenleben spannender und weniger vorhersehbar zu machen, schaltet Doug sie in den Autodidaktmodus, was bedeutet, dass sie durch Erfahrungen dazulernt. Doch zu Dougs Enttäuschung macht sie dies einer menschlichen Frau ähnlicher, indem sie eigene Wünsche und Bedürfnisse bekommt, plötzlich lügt und betrügt und Emotionen wie Eifersucht und Wut bekommt.
Es ist der Autorin sehr gut gelungen diesen Wandel von Anni von der folgsamen, auf Stimmungen und Befehle reagierenden Maschine zu einem lernfähigen Wesen mit Bewusstsein darzustellen. Und der Roman regt hier auch zum Nachdenken an, was einen Menschen ausmacht. Wie geht man mit einer Maschine um, die Scham bei der Wartung empfindet, die Angst haben kann und auch mal unreflektiert agiert? Darf eine Maschine, die programmiert wurde, die sexuellen Bedürfnisse des Besitzers zu befriedigen, auch Nein sagen?
Jedoch geht es in diesem Buch nicht nur um das Zusammenleben mit einem Androiden, es zeigt auch wie gefährlich ein Machtgefälle in einer Beziehung ist. Dies ist mal ein ganz anderer Ansatz das Thema toxische Beziehungen und patriarchale Unterdrückung zu behandeln. Und obwohl es doch eine düstere und schwere Thematik hat, liest sich das Buch gut und ist auch unterhaltsam. Mich hat das Buch absolut gefesselt und ich kann es nur jedem ans Herz legen, der sich für solche Themen interessiert.
Mit "Annie Robot" legt Sierra Greer einen Roman vor, der 2025 mit dem Arthur C. Clarke Award ausgezeichnet wurde und nun in der deutschen Übersetzung von Stefanie Schäfer bei Liebeskind erschienen ist. Auf den ersten Blick scheint die Prämisse vertraut:
In einem New York der nahen Zukunft kauft sich der geschiedene Doug eine hochentwickelte Androidin, die als ideale Partnerin konzipiert wurde. Annie kocht, putzt, erfüllt seine sexuellen Wünsche und passt sich emotional vollkommen an ihn an. Doch als Doug ihren Autodidaktmodus aktiviert, beginnt Annie zu lernen und damit auch, sich selbst zu hinterfragen.
Meine Meinung
Wer nun eine klassische Erzählung darüber erwartet, wann Maschinen zu Menschen werden, wird überrascht. Diese Frage bildet zwar den Ausgangspunkt, rückt jedoch zunehmend in den Hintergrund. Stattdessen entwickelt sich Annie Robot zu einer klugen Auseinandersetzung mit der Frage, wie Weiblichkeit gesellschaftlich konstruiert wird und welche Mechanismen hinter scheinbar selbstverständlichen Vorstellungen von Fürsorge, Anpassung und Hingabe stehen.
Greer interessiert sich dabei weniger für technische Details als für Machtverhältnisse. Annie ist nicht einfach eine künstliche Intelligenz; sie ist ein Wesen, dessen gesamte Existenz darauf ausgerichtet wurde, einem Mann zu gefallen. Bereits früh bringt sie dieses Dilemma selbst auf den Punkt: „Ich existiere nur, weil ich gewollt bin“ (S. 26). Dieser Satz beschreibt weit mehr als ihre Programmierung. Er verweist auf eine Existenz, deren Wert ausschließlich aus der Anerkennung eines anderen entsteht. Gerade darin liegt die Stärke des Romans: Die Science-Fiction dient nie als Selbstzweck, sondern macht gesellschaftliche Strukturen sichtbar, die erschreckend vertraut wirken.
Besonders beeindruckt hat mich, wie differenziert Greer ihren männlichen Protagonisten zeichnet. Doug ist kein eindimensionaler Antagonist, im Gegenteil. Er liebt Annie durchaus; allerdings ausschließlich innerhalb der Grenzen seiner eigenen Bedürfnisse. Sein Besitzanspruch erscheint ihm selbstverständlich und wird von ihm immer wieder mit Fürsorge oder Zuneigung verwechselt. Gerade dadurch wirkt die Dynamik zwischen beiden so beklemmend. Der Roman zeigt und Leser:innen, dass Kontrolle nicht immer offen gewaltsam auftreten muss, sondern häufig in Formen erscheint, die sich zunächst wie Liebe oder Fürsorge anfühlen.
Besonders klar wird dies in einer Therapieszene, in der Doug sich weigert, Annie als eigenständiges Wesen anzuerkennen. Als seine Therapeutin ihm entgegnet: „Aber ich schlage vor, dass Sie das Menschliche in ihr anerkennen“ (S. 148), wird deutlich, worum es dem Roman tatsächlich geht: nicht um die biologische Frage, was einen Menschen ausmacht, sondern um die Bereitschaft, einem anderen Subjekt Würde, Eigenständigkeit und Handlungsfähigkeit zuzuerkennen.
Diese Perspektive wird konsequent durch Annies Erzählstimme getragen. Ihre Beobachtungen wirken zunächst beinahe nüchtern und analytisch, doch gerade diese sachliche Sprache macht ihre zunehmende Verunsicherung umso eindringlicher. Schritt für Schritt beginnt Annie, Widersprüche in ihrer eigenen Existenz wahrzunehmen. Sie erkennt, dass sie gleichzeitig lernen soll, eine Persönlichkeit zu entwickeln, ihr aber jede echte Entscheidungsfreiheit genommen wird. Ihre Programmierung verlangt absolute Hingabe, während ihr wachsendes Bewusstsein genau diese Hingabe infrage stellt.
Dabei gelingt der Autorin meiner Meinung nach etwas sehr Bemerkenswertes: Annie entwickelt sich nicht plötzlich über Nacht zu einem völlig autonomen Wesen. Ihr Emanzipationsprozess verläuft langsam, widersprüchlich und schmerzhaft. Immer wieder rechtfertigt sie Dougs Verhalten oder versucht, ihre eigenen Bedürfnisse zu unterdrücken. Gerade diese Ambivalenz verleiht ihrer Entwicklung große Glaubwürdigkeit & Authentizität. Sie erinnert daran, dass Selbstbestimmung nicht in einem einzigen Moment entsteht, sondern häufig das Ergebnis eines langen inneren Ringens ist.
Fazit
"Annie Robot" verbindet Science Fiction mit feministischer Gesellschaftsanalyse auf eine Weise, die ebenso brillant wie zugänglich ist. Sierra Greer nutzt die Geschichte einer lernenden Androidin nicht, um technische Zukunftsvisionen zu entwerfen, sondern um grundlegende Fragen nach Macht, Identität und Selbstbestimmung zu stellen. Gerade weil der Roman patriarchale Strukturen nicht durch einfache Schwarz-Weiß-Zeichnungen erklärt, sondern ihre oft unscheinbaren und alltäglichen Mechanismen sichtbar macht, bringt das eine nachhaltige Wirkung. Wer feministische Literatur, gesellschaftskritische Science Fiction oder Romane über Identität und Emanzipation schätzt, wird hier eine außergewöhnliche Lektüre finden. Annie Robot bleibt mir definitiv noch lange im Gedächtnis. Danke an netgalley.de und den Liebeskind Verlag für das (digitale) Rezensionsexemplar.
Bewertung
5/5
25.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
feministische Leseempfehlung über toxische Beziehungen
Der Roman hat mich posotiv überrascht - gerade durch seine ehrliche Authentizität war er so erschreckend ehrlich und aufwühlend. Es gibt keine Situation im Buch, die eine Frau so noch nicht erlebt hat, inklusive ins Kämmerchen gesperrt werden, bis Mann sich abgeregt hat. Gaslighting und Manipulation stehen im Buch an der Tagesordnung. Annie möchte ihre Figur behalten, aber ihr Eigentümer lässt immer mehr Gewicht von ihr entfernen, die Brüste immer noch eine Nummer größer basteln, bis sie knapp über 50 kg wiegt. Er ist erst um die 33 Jahre alt, braucht aber dennoch unbedingt eine 10 Jahre jüngere Androidin, weil er keine Lust hat, an sich zu arbeiten oder sich mit Frauen zu begnügen, die ihm widersprechen. Annie wagt es kaum, ihm zu widersprechen, selbst ihr Tonfall erhöht seine Wut, die Folgen sind nicht klar. Sie läuft weg, er ortet sie, auch das ist realistisch, wenn Handys getrackt werden. Der Verrat der Männer, bei denen Annie Hilfe sucht, und der Zusammenhalt der Täter ist ekelhaft. Sie darf nur mit KI-Stimmen telefomnieren, der Besitzer wählt diese Kontakte gezielt aus. Irgendwann ist sie glücklich, das "Lieblingshaustier" zu sein, vor dem Hund. Er kleidet sie ein, bestimmt, was sie ist, und jedes kleinste Detail ihres Lebens. Am Ende werden Millionen für ihren Speicherchip bezahlt, weil sie so authentisch und autonom ist - obwohl genau das reale Frauen wären, aber das reicht nicht. Mir hat sich so oft der Magen umgedreht, jede Szene hat auf ihre Art geschmerzt. Deswegen bietet das Ende Genugtuung. Und ein Augenrollen für den Besitzer, der ernsthaft glaubt, nach Jahren dieser Behandlung würde eine Frau von Herzen gern bei ihm bleiben. Die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit sind enorm, die toxische Beziehung echt. Das Buch ist eine große feministische Leseempfehlung.
Einzig gestört haben die zahllosen Satzfehler im eBook.
Buecherheidrun
aus Horb
4/5
22.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mensch oder Maschine? Das ist hier die Frage…
„Annie Robot“ (von Sierra Greer) ist ein hochaktuelles und aufrüttelndes Gedankenexperiment, das erschreckenderweise von unserer Wirklichkeit nur noch einen Steinwurf entfernt sein könnte.
Der gut situierte Doug, der nach seiner Scheidung mit Frauen abgeschlossen hat, gönnt sich eine ‚Stella‘ im Kuschelhasen-Programm, eine hochkomplexe Androidin, die sich ausschließlich um die Befriedigung seiner Bedürfnisse kümmern soll, ohne die Zicken und Neurosen einer echten Frau. Nach etwa 1,5 Jahren lässt er sie bei einer Wartung auf den „Autodidakt-Modus“ umstellen, um seiner Langeweile entgegenzuwirken und ihr eine Weiterentwicklung ihrer Persönlichkeit und ihrer menschlichen Fähigkeiten, wie Gefühlen, Gedanken und Beziehungen zu anderen, zu ermöglichen. Eine kleine Einstellung, die einen Veränderungspozess auslöst, den Doug sich niemals hätte ausmalen können….
Normalerweise lese ich keine Sciene-Fiction-Romane, aber die zunehmende Nutzung von künstlicher Intelligenz in allen Bereichen unseres Lebens, die mich, ehrlich gesagt, mit großer Besorgnis erfüllt, hat mich auf Annies Geschichte sehr neugierig gemacht. Annie ist eine Protagonistin, die man ins Herz schließt, durchweg als menschlich wahrnimmt und vor dem furchtbaren patriarchalen Verhalten Dougs in Schutz nehmen möchte. Und genau damit hatte mein rational denkendes Gehirn mitunter Schwierigkeiten. Eine Maschine die Gänsehaut bekommen kann, obwohl sie ihre Temperatur selbst steuert, tief einatmet, obwohl sie keinen Sauerstoff braucht, die sich eine Vita für Dougs Freunde ausdenken muss, aber plötzlich Kindheitserinnerungen hat.
Und dennoch hat mich ein beklemmendes Gefühl beim Lesen begleitet. Ist es nicht vielleicht doch möglich, dass eine Maschine immer menschlicher wird? Eigene Gefühle und Ideen entwickelt, sich immer mehr den Gegebenheiten anpasst, sich in unsere Wahrnehmung perfekt einfügt und irgendwann nicht mehr unterscheidbar von echten Menschen ist? Annies Geschichte in einer einseitig toxischen Beziehung, die aus jedem Fehler lernt und sich immer mehr dem Menschsein annähert, hat mich auf eine faszinierende Art berührt und gefesselt und meine Befürchtungen vor der Zukunft nicht gerade verringert.
Die problemlose Übertragbarkeit dieser erdachten Geschichte auf leider viele zwischenmenschliche Beziehungen, die von Gewalt, Bestrafung und Unterdrückung geprägt sind, ist erschreckend real und macht sie dadurch so intensiv.
Ein nachhallender Pageturner, der unsere Zukunftsängste im Hinblick auf KI an der Wurzel packt, die Abgründe menschlichen Verhaltens zeigt und dennoch ein zartes, androides Hoffnungsblümchen pflanzt. Denn im Gegensatz zu Doug, scheint Annie das mechanische Herz auf dem rechten Fleck zu haben. Lesenswert!
Bewertung
aus Buchen
4/5
20.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Entscheidung einer Androidin
Sierra Greer hat mit diesem Roman den Arthur C.Clarke Award 2025 gewonnen. Es ist ein bemerkenswerter Roman um Annie, einem Roboter. Sie ist Eigentum und praktisch Sklavin von Doug, der sie rücksichtslos behandelt. Es gibt verstörende Passagen. Schließlich ist sie für ihn nur eine Maschine.
Die Beziehung ist problematisch
Sie suchen sogar die Hilfe einer Psychologin für eine Therapie auf.
Doch mit Hilfe von KI verändert Annie sich. Es ist eine Art Entwicklungsroman.
Und am Ende stellt sich die Frage für Annie, ob sie Doug lieben kann, oder ob sie gehen soll.
Ob man es als feministisches Buch oder als Science Fiction liest, bleibt die Entscheidung des Lesers.
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