Eine, wenn nicht die Konstante in Reinhold Messners Leben ist der Gegenwind: ob als schwere Stürme auf dem Weg zum Südpol mit Arved Fuchs oder mit seinem Bruder Hubert über das Grönland-Eis, ob allein beim Zeltaufbau oder in den steilsten Wänden. Vor allem zurück in der Zivilisation, wo seine Taten von jeher Widerspruch provozieren. Schon als junger Bergsteiger wurde er diskreditiert; immer wieder erlebte er Anfeindungen – als meinungsstarker Individualist, Autor und Museumsmacher. Mit der Erfahrung aus acht Jahrzehnten reflektiert Messner Freundschaften und Intrigen, alpinistische wie private Höhepunkte und Rückschläge. Eindrucksvoll vermittelt er, wie Gegenwind Flügel wachsen lässt. Und die Fähigkeit, auch im Alter Träume zu realisieren.
»Sein Name ist Marke und Programm zugleich.« Focus
Mit "13 Spiegel meiner Seele" stieg ich ein ins Lesen von Messners Büchern, und meine Zustimmung für alles, was der Autor schreibt und aussagt ist mit den seither ungefähr 30 ins Land gezogenen Jahren nicht bloss dieselbe geblieben. Nein, sie ist stetig gewachsen. Mit "Gegenwind" jedoch wird einem, einmal mehr, ganz brutal bewusst, wie abgrundtief unmenschlich die Spezies Homo sapiens sich zu gebärden weiss, wenn da einfach einer kommt, der "es" anders kann, nicht nur am Berg, sondern in allen Bereichen, in welchen er sein Tun lebt. "Es" nicht nur anders, sondern auch besser kann UND weiss, und obendrein die Unverschämtheit hat, trotz "menschlicher" Angriffe, Unterstellungen, Anfeindungen aus den untersten Schubladen humanen Denkens und Agierens nicht zu zerbrechen, sondern daraus und gerade deswegen die Kraft zu generieren, sich in Höhen zu begeben, die jene der 14 Achttausender dieses Planeten Erde weit unter sich lassen.
Dieses Buch finde ich darum ein sehr wichtiges, weil es aufzeigt, wie schon lange vor den Zeiten des Internets Niedertracht, Machtgier, Neid, Eifersucht, und m. E. auch ein gerüttelt Mass an krimineller Energie, dazu bewogen, einen anderen Menschen zu zerstören, so er einem die eigene Ohnmacht, die eigene Ignoranz, die mangelnden Talente, Fähigkeiten und Ausdauer vor Augen hielt, indem er einfach tat, was er zu tun geboren worden war. Das Thema ist so alt wie die Menschheit, und seine Auswüchse wiederholen sich im Rahmen der jeweiligen technologischen Möglichkeiten.
Unmenschliche Menschen versuchten seit 1970, nach dem Tod Günther Messners am Nanga Parbat, wie heute, dessen menschlichen Bruder Reinhold zum Unmenschen zu machen.
Doch dieser Reinhold Messner ist ihnen allen weit voraus, finde ich. Er war es nicht nur am Berg, er ist es in sämtlichen Bereichen, in denen er sich einsetzt, und er sagt geradeheraus, was Sache ist.
Gerade in heutiger Zeit sind solche Menschen äusserst wichtig, und jüngere Generationen täten gut daran, ein wenig auf Menschen wie Reinhold Messner zu hören und ihr Denken zu übernehmen.
Ein moderner Don Quichotte
Bewertung (Mitglied der Book Circle Community) am 24.03.2025
Bewertungsnummer: 2447498
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Vieles, was Messner schreibt ist schon bekannt. Hier wird aber alles nochmals chronologisch dargestellt und untersucht. Auch werden Zeitzeugen per Brief zu Wort kommen und tatsächlich ist ihm, Reinhold Messner übel mitgespielt worden.
Schön finde ich das Kapitel, das er der Mutter widmet. Sie stand immer hinter ihm und gab ihm den Rat doch besser seinen Mund zu halten, damit er nicht immer anecke. Reinhold ist kein Jasager, er reflektiert alles und sagt seine Meinung, egal ob es gefällt oder nicht. Damit bleibt er frei und ungebunden, auf der Gegenseite allerdings wird er oft angefeindet.
Das grosse Trauma seines Lebens, der Tod seines Bruders, ist immer mit dabei. Reinhold schreibt und erzählt immer wieder darüber. Vielleicht ist es seine Therapie. Schreiben um sich davon zu befreien.
Und gegen Ende seines Lebens erfährt er dann noch den Verlust seiner Familie, die sich von ihm abwendet. Zum Glück findet er eine neue Liebe und kann mit neuem Elan weitere Projekte vorantreiben. Wir sind gespannt, was noch kommt und wünschen ihm Alles Gute.
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