Eine ganz gewöhnliche Familie: Vater, Mutter, zwei Söhne, zwei Töchter. Der Vater Damián ist Anwalt, sozial engagiert, verehrt Gandhi und verachtet Redensarten. Als Mann klarer Vorstellungen erzieht er seine Frau Laura und die Kinder Damián, Rosa, Martina und Aqui zu Disziplin und Sparsamkeit, Rücksichtnahme und lückenloser Offenheit.
Die Konsequenz: Alle anderen versuchen auf je ihre Weise, sich der ungelüfteten Atmosphäre von Kontrolle und angespannter Stille zu entziehen. Sie proben stumm den Aufstand, suchen Auswege, entwickeln Geheimcodes oder unterlaufen die starren Regeln durch Übererfüllung.
Ein hypnotischer Roman über ernste Versteckspiele, die Lügen der Eltern, den sanften Terror des Gutgemeinten und die Scham, die bleibt.
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Moralinsaures Familienleben
Boockpicker (Mitglied der Book Circle Community) am 31.07.2025
Bewertungsnummer: 2555083
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
In der wohlgesitteten Familie hat der Vater alles im moralischen Griff. Nichts entgeht seiner sittsamen Überwachung. So entsteht ein etwas abstruses Familienleben, die Kinder sind hin- und hergerissen zwischen Anpassung, heimlichem Unterlaufen der Direktiven oder ignorieren der Ideale des Oberhaupts. Dieses zieht sich allerdings allzu oft in sein Studierzimmer zurück und überlässt die Bewältigung des Familienalltags der Mutter.
Überzeugend und scharfsinnig ist dargestellt, was moralisierende Tyrannei in den Lebensgeschichten der Kinder bewirken kann, wie sich die Anpassungsstrategien dann in deren erwachsenen Leben auswirken. Das offene Ende des Romans entspricht ganz der tragischen Auswirkungen des moralinengen Familienlebens. Einzelne Abschnitte gehen sehr unter die Haut, machen betroffen bis wütend. Absolut lesenswert.
Dysfunktionale Familie
Kaffeeelse (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 02.05.2025
Bewertungsnummer: 2480816
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Familie. Mutter, Vater, zwei Töchter, zwei Söhne. Eine vollkommen durchschnittliche Familie. Mitnichten. Sara Mesa durchleuchtet diese Familie, öffnet die Zimmer der Wohnung, erhellt die Dunkelheit darin, zeigt das, was niemand sehen soll, niemand sehen darf. Und dies passiert in einem grandiosen Ton, der von einem schwarzen Humor durchzogen ist, den ich feiere, den ich liebe. Denn diese äußerlich so perfekten Familien, sie haben dunkle Räume, in die niemand blicken sollte und die den perfekten Schein sofort zerstören.
Ein hehrer Familienvater mit recht hohen Ansprüchen an das Leben und an seine ach so geliebten Mitmenschen. Von Empathie scheint er wenig, bis gar nichts zu verstehen, dafür baut er einen Druck auf, der Folgen hat. Denn natürlich regt dieser Druck den Widerspruchsgeist der Umgebung an, wie dieser Druck natürlich auch zerstört. Und natürlich lassen sich seine geliebten Familienangehörigen Auswege einfallen.
Sara Mesa blickt auf die Familienangehörigen zu unterschiedlichen Zeiten, die in den verschiedenen Kapiteln chronologisch nicht geordnet erfolgen. Durch diese variablen Blicke und das zeitlich versetzt Geschilderte erfolgt ein intensiver und aussagekräftiger Blick auf die verschiedenen Familienmitglieder, auf das Gefüge innerhalb der Familie. Der Vater mit seiner Herrschsucht und seiner Manipulation beeinflusst das Geschehen massiv. Und die anderen Familienangehörigen reagieren.
Von Sara Mesa ist auf den 256 Seiten des Buches „Die Familie“ eine perfekte Sezierung des Geschehens in ihrer Romanfamilie erfolgt. Der bissige Ton lässt das Geschehen für mich besser klingen, besser ertragen, denn dieser Vater, nun, der reizt mich schon massiv.
Sara Mesa ist ein wunderbares Psychogramm der beteiligten Personen gelungen und das finde ich schon sehr bewundernswert, schließlich sind sechs Menschen in dieser Familie und das Buch hat „nur“ 256 Seiten. Dies muss man erst einmal schaffen.
Von Sara Mesa kenne ich schon den Vorgänger „Eine Liebe“, ebenso ein sehr gutes Buch. Aber hier triggerte mich der Hauptcharakter massiv, so dass ich nicht so in den Genuss des Gelesenen kam.
Das ist hier bei diesem Buch „Die Familie“ vollkommen anders. ich brannte lichterloh bei der Lektüre. Perfekt ausgeleuchtete Charaktere und ein dunkles Geschehen, was einerseits abstößt, andererseits aber auch ungeheuer fasziniert.
Ein wunderbares Buch, ein 5 Sterne Kandidat, ein Lese-Muss. Also Leute, holt euch dieses Buch hier und bitte unbedingt Lesen. Ich habs geliebt, habs geliebt, habs geliebt!
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