Ende des 19. Jahrhunderts in einem Landstrich zwischen Bodensee, Oberschwaben und vulkanischem Hegau: Missernten und Kartoffelfäule stürzen die Großfamilie Manogg in elende Armut. Der Hoferbe Franz sieht keinen anderen Weg, als seine Geschwister Friedrich und Emilia in die Fremde zu schicken. Nur der jüngere Bruder Sidon soll bei ihm auf dem Hof bleiben. Zwischen hartem Landleben und dem Aufbruch in eine neue Zeit hoffen alle auf eine bessere Zukunft. Emilia findet eine Anstellung als Dienstmagd im schweizerischen Eschenz, während Friedrich 1888 ins Saarland emigriert. Dort floriert die Hochindustrie, und er kann sich bis in die gehobenen Gesellschaftskreise vorarbeiten. In den folgenden Jahrzehnten überschlagen sich die Ereignisse: Krieg, Revolution und der Aufstieg des Nationalsozialismus spalten das Land zusehends. Während der Hof weiterhin im Familienbesitz der Manoggs bleibt, wagt ein Teil der Nachfahren den Aufbruch und wandert voller Hoffnung nach Amerika aus.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
5/5
14.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
eine bewegende und sehr gut recherchierte Familiengeschichte
Meine Meinung:
Fast jede Familie kann etwas Besonderes erzählen. Viele haben ihren Heimatort verlassen, weil sie dort keine Arbeit fanden. So manch eine Familie musste fliehen und konnte nie wieder zurück gehen. Schön ist es, wenn man sich mit den Großeltern noch über alles unterhalten kann, sofern sie alle Fragen beantworten möchten. Von meinen Großeltern kenne ich einige Geschichten, aber als Kind fragt man leider nicht immer nach und dann ist manchmal zu spät. Schön ist es dann, wenn es jemanden in der Familie gibt, der mehr über die Familiengeschichte erfahren möchte. Es ist alles sehr zeitaufwendig, was die Autorin Petra Palumbo zu dem Thema sagen kann. Sieben Jahre hat sie an diesem historischen Roman gearbeitet, der zwar fiktiv ist, aber viele autobiografische Züge aufzeigt.
Mit der Geschichte der Familie Manogg beginnt die Autorin im Juli 1870, mit dem Tag, an dem der vierte Sohn der Familie geboren wird. Es ist der gleiche Tag, an dem bekannt wurde, dass Leopold der Fürst von Hohenzollern Anspruch auf den spanischen Thron erhob. So lese ich nicht nur etwas über die Familie, sondern auch über das Zeitgeschehen, was das Leben der Bevölkerung der damaligen Zeit stark beeinflusste.
Wie die Familie wächst und was sie in den nächsten Jahrzehnten erlebt, hat die Autorin sehr interessant und vor allem unterhaltsam geschildert. Obwohl ich die Familie bisher nicht kannte, spüre ich jetzt doch eine gewisse Verbundenheit und ich möchte wissen, welche Lebenswege die Einzelnen einschlagen.
Das wird mir sehr leicht gemacht, in, zum Glück, größeren Zeitabständen erfahre ich, was die Familienmitglieder erleben. Schnell finde ich mich zurecht, denn in der jeweiligen Überschrift steht der Name, der Person, die im Vordergrund steht auch das entsprechende Datum.
Da es doch sehr viele Beteiligte sind, über die ich einiges erfahre, fand ich den Stammbaum der Familie sehr hilfreich, der am Anfang des Buches stand. Ich gestehe, dass ich öfter dort nachgesehen habe. Ebenfalls sehr interessant fand ich die Bilder am Ende des Buches und auch Textauszüge.
Die Überschrift des 1. Kapitels lautet „Die Manoggs 2. Juli 1870“ und die Familiengeschichte in diesem Buch endet mit dem 73. Kapitel „Sidon 29. Juli 1932“. Dazwischen liegen viele ereignisreiche Jahre mit bewegenden Begebenheiten, wobei es spannende, ergreifende und tragische Momente gab. Neben den persönlichen Schicksalen habe ich auch sehr viel über das Zeitgeschehen erfahren.
Fazit:
Ein Buch, für das man sich Zeit nehmen sollte, denn es beinhaltet so vieles. Ich gestehe, dass ich diesmal das Buch nicht in einem Rutsch gelesen habe. Pausen konnte ich gut einlegen und fand aber immer wieder schnell rein. Wobei auch hier der Stammbaum sehr hilfreich war.
Ich bin voll des Lobes über diese Arbeit, die sich die Autorin gemacht hat und gerne empfehle ich das Buch weiter.
Bewertung
5/5
14.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Flüsterzeit ist Lesezeit
Ein wunderbares Buch, eine Fülle an Geschichte und Zeitgeschehen. Ich habe das Buch verschlungen und das nicht nur, weil ich in dieser Region lebe. Man lebt und leidet mit dieser Familie mit. Eine Fortsetzung wäre toll.
Buchstabenfestival
Thalia Book Circle Community
4/5
24.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Große Familiengeschichte
Flüsterzeit ist ein großer Familienroman, der sich über viele Familienmitglieder und Jahre zieht. Die Autorin Petra Palumbo erzählt die Geschichte der Familie Manogg. Die Geschichte umfasst das Leben von mehreren Generationen, die sich über die Jahre zwischen Bodensee, Hegau, Saarland und Amerika verteilt. Die Geschwister Emilia, Sidon, Friedrich und Franz stehen dabei im Mittelpunkt. Sie streben nach mehr. Sie wollen raus aus der Armut, aus dem bäuerlichen Leben und dem Dorf. Weg von den Zwängen der Gesellschaft (besonders die Mädchen bzw. Frauen) und der erdrückenden Enge der Heimat. Sie sind so verschieden und streben auch auseinander und doch bleiben sie stets (wenn auch manchmal nur ganz lose) miteinander verbunden.
Die Charaktere entwickeln sich im Laufe der Zeit immer weiter und man folgt ihnen teilweise bis in den Tod, so dass man durchaus eine Verbindung zu der Familie Manogg aufbauen kann. Man fiebert mit, wenn Kinder geboren werden, die Arbeit das Leben bestimmt und wenn die Überfahrt nach Amerika mit Sorgen verbunden ist und der Start im gelobten Land nicht so gelingt, wie erhofft.
Die Familiengeschichte, die sehr gut in die deutsche Geschichte des späten 19. Jahrhunderts eingebettet ist, wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Die Kapitel sind dabei nicht so lang, so dass ein steter Wechsel (auch mit anderen Familienmitgliedern) stattfindet. Ich hätte mir längere Kapitel gewünscht, um gut abtauchen zu können. Ich war froh, dass es im Buch einen Stammbaum gibt. So hat man bei den vielen Namen eine kleine Orientierung. Ich hätte mir noch zusätzlich Angaben zu den Wohnorten und Berufen gewünscht, um den Überblick etwas besser behalten zu können.
Besonders gut haben mir die vielen historischen Ereignisse (u. a.Untergang der Titanic, erstes Luftschiff, die Inflation und das Erstarken des Nationalsozialismus) in der Familiengeschichte gefallen. Sie verbinden sich mit dem Leben der Charaktere und lassen dadurch die Geschichte authentischer und realistischer wirken. Ganz nebenbei lernt man noch ein paar geschichtliche Fakten, ohne sich anstrengen zu müssen. Immer wieder verweist die Autorin in ihren Fußnoten auf Besonderheiten oder Quellen. Am Ende des Buches findet man neben einem Quellenverzeichnis auch ein persönliches Nachwort der Autorin, das verrät, dass die Geschichte viele biografische Elemente aufweist.
Es ist ein spannender und interessanter Roman über die Familie Manogg. Man sollte jedoch diese Geschichte mit viel Aufmerksamkeit und Zeit lesen, um wirklich gut eintauchen zu können. Es lohnt sich für jeden Fan historischer Familienromane, die nah an der Realität bleiben.
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