Ein Mann sitzt in einem Café mit Blick auf den Bahnhof, nippt an einem grünen Saft und beobachtet die Menschen. Das Leben steht für einen Moment still, während er auf den Bus wartet, der ihn zu seiner Frau bringt.Jeden Tag ist er im Krankenhaus an ihrer Seite, bürstet ihr das Haar und erinnert sich an die prägenden Momente ihrer Beziehung. Und während er spürt, wie ihm die Liebe seines Lebens entgleitet, ringt er damit, wie seltsam der Umgang mit Pflege und Krankheit in der Gesellschaft ist. Er kommt nicht umhin, sich zu fragen, warum es normal ist, Trauerurlaub nach einem Tod zu nehmen, wenn er doch lieber die wenige Zeit, die ihnen noch bleibt, bei seiner Frau verbringen würde. So setzt er alles daran, seiner Frau in ihren letzten gemeinsamen Stunden ein Gefühl von Hoffnung zu geben. Wenn sie den Alltag bewahren möchten, dürfen gewisse Grenzen nicht überschritten werden. Aber liegt nicht genau in dieser Distanz eine große Schönheit?Nao-Cola Yamazaki erzählt aufrichtig, tiefgründig und bewegend von Fürsorge und Pflege, aber auch von Gemeinschaft und Zusammenhalt in einer Welt, die sich zu schnell dreht.»Yamazaki entwirrt und beleuchtet auf lebendige und einfühlsame Weise all die unausgesprochenen Emotionen, die zwischen ihren Figuren bestehen.« HIROMI KAWAKAMI
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
meerblick
5/5
25.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Den Tod vor Augen
Die Diagnose Krebs ist eine erschütternde Nachricht, die verkraftet werden will und die in den meisten Fällen ein zeitnahes Lebensende ankündigt. Nicht nur der oder die Betroffene leidet, auch Angehörige, Freunde, Bekannte empfinden großen Schmerz.
Nao-Cola Yamazaki beschreibt in ‘Die Schönheit der Distanz‘ wie nahestehende Menschen den respektvollen Umgang zu einer todkranken Frau pflegen, wie sie tagtäglich aufs Neue den Augenblick der Gemeinsamkeit genießen. Kleine Dinge wie das Kämmen des Haares werden zum alltäglichen Ereignis, was vom Ehemann hinterfragt wird bezüglich eines gebührenden respektvollen Abstandes zur Kranken, um die Würde zu wahren. Der Verfall des Körpers und die ebenso schwindenden Kräfte, ein Abbild des Leidens, sind unübersehbar. Doch der Moment zählt und allen Besuchern wird gemeinsame Zeit mit der Erkrankten eingeräumt, um persönliche Worte zu wechseln, Erinnerungen aufleben zu lassen.
Es ist eine berührende und gleichzeitig erklärende Geschichte, die die japanische Gesellschaft spiegelt. Sie zeigt das Verhalten, die Gedanken und Gefühle der Menschen bis hinein in den Arbeitsalltag und deren Organisation, um die Besuche im Krankenhaus zu organisieren. Bei aller Traurigkeit, das Wesen des Romans zeigt er doch sehr anschaulich, wie Menschen um in Stückchen Normalität ringen.
Bewertung
5/5
24.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Übung vor dem Tod
Dieser Roman erzählt vom langsamen Abschied eines Ehemannes, dessen Gattin an Krebs erkrankt ist und nicht mehr viel Zeit hat.
Er hilft ihr, so gut er es eben vermag. Seine täglichen Besuche im Krankenhaus, alles wird zur Routine, er kämpft mit sich, denn es ist schmerzvoll zu erleben, wenn der geliebte Mensch, mit dem man über 15 Jahre lang in Liebe verbunden war, von Tag zu Tag weniger Energie besitzt, weniger sie selbst ist. Doch er macht seine Sache gut, er lässt ihr ihre Selbstbestimmung, er zeigt ihr nicht ständig sein Mitleid oder seinen Kummer. Mit den Besuchen scherzt sie, schmiedet auch Pläne, trotz des Wissens, dass diese niemals mehr Realität werden können.
Im Buch wird gezeigt, dass der Tod, den man selbst oder eine nahestehende Person vor Augen hat, nicht nur schmerzvoll und traurig ist und macht, sondern dass da auch die Gegenwart noch genug Platz hat. Jeder Tag ist voller Geschenke und Überraschungen und man muss dankbar sein und soll Freude empfinden dürfen.
Obwohl diese Lektüre aus der Sicht der japanischen Bevölkerung geschrieben wurde und für uns manches eher fremd anmutetet, so gibt es genug Parallelen. Es ist ein schweres Thema, schonungslos ehrlich geschrieben, das hier behandelt wird, aber irgend wann im Leben betrifft es jeden.
Venenorojo
Thalia Book Circle Community
5/5
23.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vom würdevollen Umgang mit dem Partner
“Die Schönheit der Distanz” ist ein wundervolles Buch über ein Ehepaar, die sich in einer schwierigen Situation befinden. Die Ehefrau befindet sich trotz ihres noch relativ jungen Alters im Endstadium ihrer Krebserkrankung. Wir erfahren zwar viel über die Ehefrau, lesen die Geschichte aber dennoch aus der Perspektive des japanischen Mannes. Es sind seine Gedanken zu der Erkrankung, zu der Ehe, zu seiner Frau, aber auch zu dem Job, dem er nach wie vor ausübt, auch wenn er diesem eingeschränkter nachgeht. Der Roman lässt uns nachdenken über Würde, Respekt und einem distanzierten und dennoch schonungslos engem Kontakt zu der Ehepartnerin. Der Ehemann besucht seine Frau nahezu jeden Tag im Krankenhaus, er wäscht sie, kämmt sie, redet mit ihr, jedoch ohne an die Zukunft denken zu wollen. Er möchte die Momente im Jetzt auskosten, ist aber durchaus bereit, diese Momente mit seinen Schwiegereltern und Freunden seiner Frau zu teilen, denn er möchte nicht entscheiden, mit wem sie Zeit verbringt. Nao-Cola Yamazaki schreibt in einer wundervoll einfühlsamen Art und lässt Respekt, Selbstbestimmung und Würde im Mittelpunkt seiner Geschichte stehen. Der Roman hat mich sehr berührt, und ich kann ihn uneingeschränkt weiterempfehlen.
Bewertung
Orell Füssli Book Circle Community
5/5
23.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwischen Nähe und Schweigen – eine bewegende Geschichte über Liebe und Abschied
«Die Schönheit der Distanz» von Nao-Cola Yamazaki ist ein leises, fein beobachtetes und gleichzeitig tief bewegendes Buch über Liebe, Krankheit, Abschied und die vielen Dinge, die zwischen Menschen unausgesprochen bleiben. Gerade die ruhige Erzählweise macht den Roman für mich besonders eindrücklich. Es passiert äusserlich oft wenig, und doch entfaltet sich zwischen den Zeilen eine enorme emotionale Tiefe.
Im Zentrum steht ein Ehepaar, das mit der schweren Krankheit der Frau konfrontiert wird. Vieles wird nicht direkt ausgesprochen – weder die Diagnose noch die Angst oder die Trauer. Genau darin liegt aber die grosse Stärke des Buches. Die Autorin zeigt, wie Menschen versuchen, einander aus Liebe zu schützen, wie Rücksichtnahme Nähe schaffen kann, aber gleichzeitig auch Distanz entstehen lässt. Der Titel gewinnt deshalb im Verlauf der Geschichte immer mehr an Bedeutung.
Besonders berührt hat mich, wie vorsichtig und respektvoll die beiden miteinander umgehen. Ihre Beziehung wirkt nach aussen oft zurückhaltend, doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto deutlicher wird, wie tief ihre Verbundenheit eigentlich ist. Gerade diese stille Form von Liebe empfand ich als unglaublich authentisch. Gleichzeitig bleibt eine gewisse Tragik bestehen, weil vieles unausgesprochen bleibt und dadurch Momente entstehen, die fast schmerzhaft nah wirken – etwa die Szene mit dem nicht gegebenen Abschiedskuss.
Auch die Darstellung des palliativen Umfelds fand ich sehr gelungen. Die Pflegefachpersonen, die Krankenhauswechsel und die institutionelle Begleitung des Sterbens wirken realistisch und differenziert beschrieben. Dabei verliert das Buch nie den Fokus auf das Wesentliche: das gemeinsame Erleben des Hier und Jetzt. Es geht weniger um den Tod selbst als um die Frage, wie Menschen miteinander umgehen, wenn die verbleibende Zeit begrenzt wird.
Sprachlich ist der Roman ruhig, reduziert und beinahe zart erzählt. Wer dramatische Wendungen oder grosse emotionale Ausbrüche erwartet, wird das Buch vielleicht als zu zurückhaltend empfinden. Für mich lag aber genau darin seine Wirkung. Die Stille, die Pausen und das Nichtgesagte tragen oft mehr Gewicht als direkte Worte.
Das Ende hat mich besonders beschäftigt. Die Rückkehr zur formellen Anrede am Grab war für mich einer der eindrücklichsten Momente des Buches. Er zeigt noch einmal auf schmerzhafte Weise, wie eng Nähe und Distanz miteinander verbunden sein können. Gleichzeitig bleibt nach dem Lesen nicht nur Trauer zurück, sondern auch etwas Versöhnliches: die Erkenntnis, dass Liebe viele Formen haben kann – auch leise und zurückhaltende.
«Die Schönheit der Distanz» ist kein lautes Buch, sondern eines, das langsam nachhallt. Es regt dazu an, über zwischenmenschliche Nähe, unausgesprochene Gefühle und den Umgang mit Abschied nachzudenken. Mich wird es sicher noch länger begleiten.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
22.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Geschichte, die mich tief im Herzen berührt hat
In der Geschichte geht es um einen Mann, der jeden Tag seine krebskranke Frau im Krankenhaus besucht. Er kämmt ihr das Haar und erinnert sich an die prägenden Momente ihrer Beziehung. Er möchte seiner Frau den Gefühl von Hoffnung und Alltag geben, auch wenn das bedeutet, gewisse Grenzen nicht zu überschreiten. Er möchte gerne jede Minute mit seiner Frau verbringen und wartet deshalb nicht auf den Trauerurlaub, sondern lässt sich sofort von der Arbeit feststellen und seine Frau soll bis zum Ende über dich selbst und ihre eigene Geschichte bestimmen können
Ich habe wieder sehr viel lernen können, denn diese Geschichte hat mich tief im Herzen berührt und “Die Schönheit der Distanz” ist ein wunderbarer Titel für diese Geschichte, denn das beschreibt die Geschichte sehr schön und zu mir persönlich hat die Geschichte wahrscheinlich deswegen gepasst, weil ich eine sehr distanzierte Person bin und mir gerne alles ein wenig mit Abstand anschaue. In diesem Sinne vergebe ich sehr gerne 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
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5/5
23.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unverstellt und gefühlvoll
Die Erzählung ist sehr realitätsnah, teilweise sogar ein wenig steril, aber genau dadurch umso greifbarer. Ein intensives, emotionales Werk über Fürsorge und Liebe. Ein schmerzhaft-schönes Leseerlebnis.
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5/5
13.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein leiser Roman über Liebe und Abschied
„Die Schönheit der Distanz“ ist ein stiller, feinfühliger Roman über Liebe, Fürsorge und die schwierige Zeit, in der ein geliebter Mensch langsam Abschied nehmen muss. Yamazaki erzählt aus der Perspektive eines Ehemanns, der seine schwer kranke Frau im Krankenhaus begleitet und dabei zunehmend hinterfragt, was Nähe, Pflege und ein würdevoller Abschied eigentlich bedeuten.
Besonders gefallen hat mir die zurückhaltende Erzählweise, denn statt große Emotionen auszuspielen, konzentriert sich der Roman auf kleine Gesten und alltägliche Momente – gerade dadurch wirkt die Geschichte so authentisch und berührend. Auch die Frage, warum wir uns gesellschaftlich oft erst nach einem Tod Zeit für Trauer zugestehen, während die letzte gemeinsame Zeit viel weniger Raum bekommt, fand ich sehr eindringlich.
Der Titel passt dabei wunderbar zur Geschichte: Nicht jede Form von Liebe braucht größtmögliche Nähe, manchmal kann auch respektvolle Distanz ein Ausdruck von Fürsorge sein. Mit seinen nur rund 160 Seiten ist „Die Schönheit der Distanz“ ein schmales, aber erstaunlich tiefgehendes Buch, das noch lange nachhallt.
Insgesamt eine leise, bewegende und sehr menschliche Geschichte über Liebe, Krankheit und Abschied.
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