Ein Mann sitzt in einem Café mit Blick auf den Bahnhof, nippt an einem grünen Saft und beobachtet die Menschen. Das Leben steht für einen Moment still, während er auf den Bus wartet, der ihn zu seiner Frau bringt.Jeden Tag ist er im Krankenhaus an ihrer Seite, bürstet ihr das Haar und erinnert sich an die prägenden Momente ihrer Beziehung. Und während er spürt, wie ihm die Liebe seines Lebens entgleitet, ringt er damit, wie seltsam der Umgang mit Pflege und Krankheit in der Gesellschaft ist. Er kommt nicht umhin, sich zu fragen, warum es normal ist, Trauerurlaub nach einem Tod zu nehmen, wenn er doch lieber die wenige Zeit, die ihnen noch bleibt, bei seiner Frau verbringen würde. So setzt er alles daran, seiner Frau in ihren letzten gemeinsamen Stunden ein Gefühl von Hoffnung zu geben. Wenn sie den Alltag bewahren möchten, dürfen gewisse Grenzen nicht überschritten werden. Aber liegt nicht genau in dieser Distanz eine große Schönheit?Nao-Cola Yamazaki erzählt aufrichtig, tiefgründig und bewegend von Fürsorge und Pflege, aber auch von Gemeinschaft und Zusammenhalt in einer Welt, die sich zu schnell dreht.»Yamazaki entwirrt und beleuchtet auf lebendige und einfühlsame Weise all die unausgesprochenen Emotionen, die zwischen ihren Figuren bestehen.« HIROMI KAWAKAMI
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
5/5
03.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Es passiert ganz viel zwischen den Zeilen
Die Art und Weise wie Nao-Cola Yamazaki die Geschichte über Abschied erzählt, ist so fein und zart, aber fährt einem dennoch unter die Haut. Es wird nicht künstlich viel mit Worten ausgeschmückt, aber man hält nach einigen Absätzen immer mal wieder inne und lässt das, was zwischen den Zeilen passiert erst einmal sacken.
Wie muss sich das anfühlen, wenn durch eine Krankheit eine solche Distanz entsteht, dass man Hemmungen hat, der Person, die einem am nächsten steht, die Haare zu kämmen?
Sehr bewegend, am Ende hat es mich zu Tränen gerührt.
Bewertung
aus Stuttgart
5/5
18.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Leise Töne über Nähe und Abstand
Die Schönheit der Distanz ist keine klassische, geradlinige Geschichte, sondern vielmehr ein fein gewebtes Geflecht aus Beobachtungen über Beziehungen, Nähe und das Bedürfnis nach Abstand. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, eher in Gedanken als in Handlung einzutauchen – was ungewohnt, aber auch sehr besonders ist.
Der Schreibstil ist sehr zurückhaltend und fast poetisch. Vieles wird nur angedeutet, statt klar ausgesprochen, wodurch viel Raum für eigene Interpretationen entsteht. Das hat mir gut gefallen, verlangt aber auch Geduld und die Bereitschaft, sich auf diese leise Erzählweise einzulassen.
Nicht jede Passage hat mich gleichermaßen erreicht – manchmal hätte ich mir etwas mehr greifbare Handlung oder emotionale Zuspitzung gewünscht. Gleichzeitig liegt genau in dieser Distanz die besondere Stärke des Romans: Er zwingt nicht, sondern lässt wirken.
Insgesamt ist Die Schönheit der Distanz ein ruhiges, fast meditatives Leseerlebnis, das weniger über Ereignisse als über Stimmungen funktioniert. Für mich kein Buch für „zwischendurch“, sondern eines, das man langsam und bewusst lesen sollte.
Adele
Thalia Book Circle Community
5/5
17.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zart, aufrichtig und wundervoll erzählt
Zwei Menschen, eine Liebe, eine Krankheit, ein Abschied. In diesem Kontext spielt der Roman Die Schönheit der Distanz, der mit seinem begrenzten Raum, der hohen Dichte und dem Fokus auf ein Paar fast wie ein Kammerspiel wirkt. Ein Mann ist mit der Situation konfrontiert, dass seine Frau mit nur Anfang 40 aufgrund einer Krebsdiagnose nicht mehr lange leben wird. Die Palliativversorgung steht im Mittelpunkt ihrer letzten Monate, die das Buch begleitet. Wir erleben einen Mann, der versucht alles richtig zu machen und all der Tragik und Absurdität etwas Normalität abzuringen, für seine Frau, aber auch für sich selbst.
Immer wieder reflektiert er seine Rolle als Pflegender und Angehöriger und versucht alles um seine Frau und ihre Bedürfnisse als Kranke in den Mittelpunkt zu stellen, wo er doch selbst oft durch die Situation gefordert ist. Mit einer Mischung aus Unbeholfenheit, Empathie und Ungläubigkeit über die Diagnose nähert sich der Mann einem neuen Alltag mit seiner kranken Frau an. Dabei bewegt er sich stets zwischen so viel Normalität und Routine wie möglich und einer notwendigen Anpassung an die neuen Bedürfnisse seiner Frau, die das Fortschreiten der Erkrankung mit sich bringt. Und über all dem die Konfrontation mit dem nahenden Tod und der Frage was ein Menschenleben, ihr Leben, seines und das gemeinsame Leben, ausmacht.
Mit nur wenigen Worten schafft es die Autorin die oft surreale Lebenswelt pflegender und trauernder Angehöriger einzufangen und gleichzeitig über die erkrankte Frau die fragile Balance zwischen Autonomie in schwerer Krankheit und zunehmender Hilflosigkeit darzustellen.
Dabei geht die Perspektive über das Paar hinaus und betrachtet gelungen auch familiale Verschiebungen durch die neue Situation und insbesondere auch deren gesellschaftliche Einbettung in modernen kapitalistischen Gesellschaften, wie der japanischen. Wie geht die Gesellschaft mit Kranken und Pflegenden um? Welchen Wert messen wir Fürsorge bei? Warum ist es einfacher für den Mann Verständnis seines Umfelds zu erhalten, wenn er die schlechte Prognose transparent macht? Warum ist sein Bedürfnis seiner kranken Frau zu helfen, so viel Zeit wie möglich mit ihr zu verbringen, nicht legitimer Grund genug? Warum möchten alle in Krankheit und Tod einen Sinn finden, eine Erklärung, wo es diese doch nie wirklich geben kann? Auch die Doppelbelastung in die Kranke und ihre Familien zwangsläufig kommen, indem sie einerseits die Erkrankung bewältigen müssen und gleichzeitig mit dem Sozialversicherungssystem und seinen Anforderungen konfrontiert sind, stellt der Roman authentisch dar.
All dies behandelt die Autorin in einer gelungenen Sprache und einem beeindruckend tastenden Erzählen, das die Innenwelt des Protagonisten in Wörter und Zeilen überträgt. Die Schönheit der Distanz ist ein zartes, kluges, authentisches und in jeder Hinsicht beeindruckendes Buch, das ich unbedingt empfehle!
petitpapillon
5/5
09.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine zarte und poetische Liebeserklärung
„Er weiß, dass die Zukunft bald ein Ende haben wird. Für den Moment lebt er aber nicht. Er will nur den Tag leben. Ohne die Hoffnung aufzugeben."
Nao-Cola Yamazaki erzählt von unscheinbaren Momenten, die in schwierigsten Zeiten tiefe und innige Zuneigung demonstrieren können - von täglichen Ritualen und kleinen Hoffnungsträgern - und dies in einer so wunderbar sanften Sprache, dass sie tief berührt. Genau von dieser Unaufgeregtheit lebt dieser Roman. Er zeichnet ein realistisches Bild des Lebens in Zeiten wie solchen, in denen die Zeit scheinbar still zu stehen scheint. Zeiten, in denen Ereignisse wie das tägliche "Hallo" Sicherheit und Beständigkeit vermitteln. Eben hier transportiert der Roman unglaublich viel Hoffnung und Zuversicht, die den Tod letztendlich überdauern kann. Und so lässt mich der Roman mit einem guten und sicheren Gefühl zurück.
"Die Schönheit der Distanz" kann ich all denjenigen ans Herz legen, die sich gerne mit tragenden Themen beschäfigten und sich doch nach Lichtblicken in dunklen Zeiten sehnen. Der Roman ist nicht nur eine wunderschöne Liebeserklärung an einen geliebten Menschen, sondern vielmehr an das Leben selbst.
(Rezensionsexemplar / petitpapillon)
Bewertung
5/5
31.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einfach toll
Der Autorin schreibt eine sehr schöne, aber auch für mich persönlich sehr traurige Geschichte. Es gibt keine unerwartete Wendung, keine Höhepunkte, nur der ruhige Verlauf einer zarten menschlichen Liebe mit purer Zuwendung, mit Respekt. Beim Lesen des Buchs merkt man leichte Unterschiede in der Mentalität.
So eine Diagnose hinterlässt tiefe Spuren im Leben des Betroffenen und der gesamten Familie. Und schweißt nochmal zusammen. Die Fürsorge, die Zeit und die Pflege sind die Investition in die Hoffnung, dass es ein Wunder gibt.
Eine absolute Leseempfehlung.
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5/5
23.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unverstellt und gefühlvoll
Die Erzählung ist sehr realitätsnah, teilweise sogar ein wenig steril, aber genau dadurch umso greifbarer. Ein intensives, emotionales Werk über Fürsorge und Liebe. Ein schmerzhaft-schönes Leseerlebnis.
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5/5
13.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein leiser Roman über Liebe und Abschied
„Die Schönheit der Distanz“ ist ein stiller, feinfühliger Roman über Liebe, Fürsorge und die schwierige Zeit, in der ein geliebter Mensch langsam Abschied nehmen muss. Yamazaki erzählt aus der Perspektive eines Ehemanns, der seine schwer kranke Frau im Krankenhaus begleitet und dabei zunehmend hinterfragt, was Nähe, Pflege und ein würdevoller Abschied eigentlich bedeuten.
Besonders gefallen hat mir die zurückhaltende Erzählweise, denn statt große Emotionen auszuspielen, konzentriert sich der Roman auf kleine Gesten und alltägliche Momente – gerade dadurch wirkt die Geschichte so authentisch und berührend. Auch die Frage, warum wir uns gesellschaftlich oft erst nach einem Tod Zeit für Trauer zugestehen, während die letzte gemeinsame Zeit viel weniger Raum bekommt, fand ich sehr eindringlich.
Der Titel passt dabei wunderbar zur Geschichte: Nicht jede Form von Liebe braucht größtmögliche Nähe, manchmal kann auch respektvolle Distanz ein Ausdruck von Fürsorge sein. Mit seinen nur rund 160 Seiten ist „Die Schönheit der Distanz“ ein schmales, aber erstaunlich tiefgehendes Buch, das noch lange nachhallt.
Insgesamt eine leise, bewegende und sehr menschliche Geschichte über Liebe, Krankheit und Abschied.
In „Die Schönheit der Distanz“ von Nao-Cola Yamazaki geht es um einen Mann, der seine sterbenskranke Frau im Krankenhaus besucht und ihr mit kleinen Gesten seine Liebe und Fürsorge zeigt. Es geht auch um Pflege, Vertrauen und Gemeinschaft: im Wechselspiel zwischen Nähe und Distanz.
Die den Titel prägende Distanz zeigt sich sowohl auf formaler als auch auf inhaltlicher Ebene. Die Sätze sind kurz, klar, ohne große Emotionen, fast steril – und damit passend zum Setting des Krankenhauses. Dazu kommt, dass die Figuren keine Namen haben. Der Mann versucht sich zurückzunehmen, lässt seine Emotionen kaum zu, wie sich an folgenden Stellen zeigt: „Er weiß, dass sie nicht weinen, weil sie weinen wollen. Dass sie weinen müssen, gerade weil seine Frau ihnen etwas bedeutet, und das ist ja auch in Ordnung, das will er niemandem verbieten. Trotzdem regt es ihn auf, dass andere Leute einfach weinen, während er sich die Tränen versagt.“ Jedes Handeln oder Nichthandeln des Mannes ist auch geprägt davon, was andere Menschen über ihn denken. Distanz wird zu einem sozialen Verhalten und übt Kontrolle aus. Der Mann will auf der einen Seite distanziert bleiben, auf der anderen Seite nagt dieses Verhalten an ihm. Auch als seine Frau gestorben ist, schafft er es nicht, über seinen Schatten zu springen, was mich beim Lesen sehr traurig gemacht hat: „Er überlegt, ihr einen Kuss zu geben, tut es nach einigem Zögern aber doch nicht, weil jeden Moment eine Schwester hereinkommen könnte.“ Die verinnerlichte Distanz ist stärker als der Wunsch nach Nähe. Gibt es etwas Traurigeres?
Somit ist die Distanz nicht nur von Schönheit geprägt, sondern auch von Verzweiflung, Ratlosigkeit und vor allem Unzufriedenheit der Situation und den eigenen Gefühlen gegenüber.
Namen werden nicht benötigt, um die intensive Beziehung der Figuren greifbar zu machen. Als einmal ein Name genannt wird und man verleitet ist zu glauben, dass damit Nähe ausgedrückt wird, zeigt das Buch wieder eine gewisse Ambivalenz auf: „Ich danke Ihnen, Frau Yamanouchi“, bedankt er sich anschließend bei der Schwester mit dem Pagenkopf, die ihn zum Ausgang begleitet, und verbeugt sich. Sie hat sich in letzter Zeit so oft um seine Frau gekümmert, dass er sich ihren Namen gemerkt hat.“ Hier kann man nun davon ausgehen, dass die Distanz aufgebrochen wird, dass mit der Erwähnung des Namens Nähe geschaffen wird. Doch tatsächlich ist es so: „Tatsächlich hat ihm die Arbeit der frisch ausgebildeten Krankenschwester überhaupt nicht gefallen! Er würde ihr am liebsten Vorwürfe machen.“ Das Verhalten des Mannes, sich zurückzunehmen und Distanz zu wahren, zieht sich durch das gesamte Buch. Für mich wird dabei immer mehr deutlich, dass dieses Verhalten den Protagonisten nicht glücklich macht. Und mehr noch: „Er will die Hand heben. So, wie sie das im Krankenhaus gemacht haben. [...] Seit sie verheiratet sind, hat er sich kein einziges Mal vor ihr verbeugt! Er zögert etwa zehn Sekunden, dann gibt er sich – was soll er machen? – geschlagen und deutet mit dem Kopf eine Verbeugung an. Widerwille steigt in ihm auf.“ Dass der Mann selbst unter diesem Verhalten leidet, zeigt sich nur kurze Zeit später: „Er bereut, sie im Krankenhaus nicht geküsst zu haben. Auch dann. Und dann. Und dann. Vor ihrem Tod. Nach ihrem Tod ...“ Ich bin beim Lesen immer trauriger geworden und konnte irgendwann den Titel des Buches nicht so richtig mit der Erzählung in Einklang bringen. Ja, die zurückhaltenden, pflegenden Gesten für seine Frau sind schön und durch die erzählte Distanz werden erst gewisse Formen von Fürsorge sichtbar. Aber die Distanz, die der Mann so sehr verinnerlicht hat, ist nicht schön und hindert ihn daran, das zu tun, was er eigentlich tun will.
Schließlich gipfelt die Distanz in folgender fast schon absurder Szene: „Dann legt er vor der Urne die Hände aneinander. „Ich danke ... Ihnen ... für fünfzehn wundervolle Jahre“, sagt er förmlich. [...] Seine Frau ist nunmehr noch göttlicher. Gesiezt hat er sie das letzte Mal vor sechzehn Jahren.“
„Vielleicht ist es bloß eine Einbildung, dass Nähe gut und Ferne traurig ist.“ Dieser Satz liest sich schön, jedoch auch so, als ob sich der Protagonist von etwas überzeugen müsste, das er tief im Inneren ganz anders fühlt. Da er aber so viele Chancen verpasst hat, versucht er vielleicht sich damit zu versöhnen. Anhand der Verhaltensweisen und Gefühle des Mannes ist es für mich schon so, dass Ferne für ihn traurig ist. Auf der letzten Seite wird aus diesem Vielleicht dann noch mal etwas Bestimmteres : „Alle ihre Beziehungen, ob locker oder eng, nah oder fern, strahlen. Solange es eine Beziehung gibt, und sei sie auch noch so fern, ist er zufrieden.“ Ich freue mich für den Protagonisten, wenn er am Ende tatsächlich innere Zufriedenheit spüren kann, trotzdem überwiegt für mich insgesamt die Schwere und Unzufriedenheit, die er aufgrund seiner eingehaltenen Distanz die gesamte Geschichte über spürt.
Und trotzdem: Die Erzählung berührt mit diesen kleinen, leisen Momenten. „Er gibt etwas Trockenshampoo auf ein Handtuch, Wasser benutzt er nicht, und fährt ihr damit zart über den Kopf. Damit sie sich nicht anstrengt, lässt er sie liegen, wie sie liegt, rubbelt nicht, streicht ihr nur mit dem Handtuch zart über den Kopf. Wenn er sich so um sie kümmert, wallt Freude in ihm auf. Ihr mag diese Fürsorge unangenehm sein, peinlich, aber für ihn ist es das pure Glück.“
Ich mochte besonders, wie über das Leben und den Tod nachgedacht wird, beispielsweise an dieser Stelle: „Alle interessieren sich für den Tod. Wollen wissen, wie viel Zeit jemand noch hat. Ziehen Befriedigung aus dem Mitleid, das sie für jemanden empfinden können, der im Sterben liegt. Jede menschliche Hülle strebt ihrem Tod zu.“ In dieser Passage steckt auf der einen Seite sehr viel trockene Wahrheit, andererseits aber auch Emotionen, da diese Fragen und das Mitleid den Protagonisten immer mehr aufregen. Auch am Ende interessieren sich die Menschen hauptsächlich für den Tod seiner Frau und nicht für sie als Mensch, der sie war. Die Fürsorge des Mannes liegt aber vor allem auch darin, seine Frau nicht wie eine Sterbende zu behandeln und sie nicht auf den Tod zu reduzieren.
Besonders gut gefallen hat mir, dass die Beziehung zwischen dem Mann und seiner Frau als gleichwertig dargestellt wird. „Ich wasche ihr die Haare, massiere sie, und selbstverständlich kann ich mich um mich selbst kümmern. Dieses Männer können dies nicht, Frauen können das nicht trifft auf uns nicht zu. Wir haben weder Probleme mit uns noch mit unserem Geschlecht.“ Über solch eine Beziehung lese ich selten in der Literatur. Eine Beziehung auf Augenhöhe, kein Geschlechterkampf. Mann und Frau stehen nebeneinander, stärken sich gegenseitig. Ihre Beziehung ist liebevoll, fürsorglich. Das zeigt die Autorin immer wieder aufs Neue, wenn der Mann seiner Frau die Haare wäscht, die Haare kämmt oder Zöpfe flechtet. In dieser Beziehung ist kein Platz für Neid oder Missgunst. Es ist eine reine Liebesgeschichte – und eigentlich eine tragische. Denn die beiden lieben sich sehr – doch die Distanz verhindert immer mal wieder, dass der Mann die Nähe zeigt, die er eigentlich ausdrücken möchte.
Fazit: „Die Schönheit der Distanz“ ist nicht sofort emotional zugänglich, dafür schnell lesbar. Die Geschichte beeindruckt mit alltäglichen Momenten, in denen ganz viel Schönheit liegt. Ob diese Schönheit auch in der Distanz liegt, bezweifle ich allerdings ein wenig. Ich empfehle das Buch gerne weiter, da es viel Spielraum für eigene Interpretationen liefert und der Protagonist mit seiner widersprüchlichen Haltung gegenüber Nähe und Distanz lange im Gedächtnis bleibt.
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