Verbindung von Konzepten der Physik (Wirkung), der Philosophie (Geschehen) und der Lyrik (Doppelverankerung) im Zwischen
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Ein Buch, das Physik und Theologie im „Zwischen“ verschränkt – und dabei beides neu denkt
Bewertung am 22.01.2026
Bewertungsnummer: 3019895
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch, das Physik und Theologie im „Zwischen“ verschränkt – und dabei beides neu denkt
Dieter Eiglers „Wirkung und Geschehen“ ist kein Buch, das man liest, um Antworten zu finden. Es ist ein Buch, das man erlebt, um Fragen zu stellen – und dabei zu entdecken, dass die Fragen selbst schon Räume öffnen, in denen sich Physik, Philosophie und Theologie auf unerwartete Weise begegnen. Eigler, bekannt für seine radikale „Zwischen-Theologie“ (vgl. „Zwischen-Leben“, „Göttin wird Mensch“*), verbindet hier Quantenphysik (Feynman), klassische Mechanik (Pendel, Wirkung), Philosophie (Kant, Mach, Schopenhauer) und biblische Theologie (Kairos, Präexistenz, Johannes-Evangelium) zu einem neuen, kohärenten Denkraum. Das Ergebnis ist kein System, sondern eine Einladung, die Welt nicht als Ansammlung von Objekten, sondern als Geschehen zu begreifen – und darin Gott nicht als „Schöpfer“ im klassischen Sinn, sondern als Instanz im Zwischen zu erkennen.
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1. Die Grundthese: „Wirkung“ als Schlüssel zum Verständnis von Zeit, Raum und Gott
Eiglers Ausgangspunkt ist ein physikalisches Phänomen: die Wirkung (Dimension: Energie × Zeit oder Impuls × Weglänge), die er als „zeitlose, statische Größe“ beschreibt, die dennoch dynamische Phänomene (wie ein oszillierendes Pendel) ermöglicht. Sein zentraler Gedanke:
„Die Wirkung ist unverändert, egal, was das Pendel gerade macht. […] Die Wirkung ist in der Physik eine Größe […] mit der Dimension Energie mal Zeit oder Impuls mal Weglänge. […] Die Wirkung ist ein Skalar, der Drehimpuls ein Vektor. […] Die Wirkung ist völlig konstant über die Zeit, nicht nur das, sie ist etwas völlig Zeitloses, die Wirkung hat keinen Anfang und kein Ende, weder zeitlich noch räumlich.“ (S. 2–3)
Warum das revolutionär ist:
• Physikalisch: Eigler zeigt, dass die Wirkung kein „Ding“ ist, sondern ein Ganzes, das sich nicht in Teile zerlegen lässt (vgl. Feynmans Pfadintegrale).
• Philosophisch: Er knüpft an Ernst Mach an, für den die Welt aus „Empfindungskomplexen“ (nicht Objekten) besteht – und radikalisiert dies: „Es gibt keine Objekte, nur Geschehen.“ (S. 20)
• Theologisch: Die Wirkung wird zum Modell für Gottes Wirken – nicht als „Schöpfer“ von außen, sondern als „Instanz im Geschehen“ .
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2. Die Struktur: Ein Buch wie ein „aufgeschlagenes Buch der Gleichzeitigkeiten“
Eiglers Text ist kein lineares Argument, sondern ein Netzwerk von Assoziationen, das sich um drei zentrale Motive rankt:
A. Das Pendel als Metapher für Zeitlosigkeit
• „Das Pendel oszilliert […] die Wirkung ändert sich nicht.“ (S. 2) → Die Oszillation (kinetische/potentielle Energie) ist zeitlich, die Wirkung aber zeitlos.
• „Man betrachte, dass die Wirkung gar nicht erkennbar wäre, würde es nicht ein oszillierendes Phänomen gegeben haben.“ (S. 3) → Geschehen macht Wirkung sichtbar – aber die Wirkung selbst transzendiert Zeit.
B. Kairos vs. Chronos: „Die Welt lebt nicht in der Zeit“
• „Pflanzen und Tieren leben nicht in der chronologischen Zeit, sondern sie leben einfach im Kairos.“ (S. 8) → Zeit ist ein menschliches Konstrukt – die Natur kennt nur Gleichzeitigkeit.
• „Im Kairos sind zeitliche Phänomene wie Anfang und Ende nicht möglich.“ → Kairos ist „überzeitlich“ – wie Gottes Blick auf die Schöpfung (vgl. S. 36–37).
C. Quantenphysik und Theologie: „Es gibt keine Objekte“
• „Die moderne Quantenphysik […] lässt keinen anderen Schritt zu, als sich einzugestehen: Wer nicht an spukhaftes Geschehen […] glauben will, der kann nur die geschehenhafte Kairos- und Zwischen-Wirkungssicht übernehmen.“ (S. 14) → Wirkung ist „realer“ als Raum/Zeit – und damit Gottes Wirken (vgl. S. 57).
• „Es gibt keine Objekte, nur Geschehen.“ (S. 20) → Theologie als „Prozessontologie“ – Gott ist „Instanz im Geschehen“ (S. 22).
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3. Die Stärken des Buches: Warum dieser Ansatz überzeugt
✅ Eine neue Synthese von Physik und Theologie
Eigler verbindet Feynmans Wirkungskonzept (Quantenphysik) mit Kants Raum-Zeit-Problem (Philosophie) und Johannes’ „Logos“-Theologie (Bibel) – und zeigt:
• Physik: Die Wirkung ist kein „Ding“, sondern ein Ganzes (vgl. Pfadintegrale).
• Philosophie: „Raum und Zeit sind Kategorien unseres Verstandes“ (Kant) – aber die Wirkung entzieht sich ihnen (S. 15–16).
• Theologie: Gott wirkt „im Zwischen“ – nicht als „Schöpfer von außen“, sondern als „Instanz im Geschehen“ (S. 22).
Beispiel:
„Gott ist nicht der Urheber des Leidens, sondern die Instanz der Zärtlichkeit im Zwischen des Leidens.“ (vgl. „Zwischen-Leben“, S. 45) → Leid ist kein „Problem“, sondern ein Aspekt des Geschehens – und Gott ist „Mit-Leidender“.
✅ Eine radikale Lösung des Theodizee-Problems
Eigler löst die Theodizee-Frage („Warum lässt Gott Leid zu?“) nicht durch Antworten, sondern durch eine Verschiebung der Perspektive:
• „Gott ist nicht außerhalb der Welt, sondern eine Instanz im selben Geschehen wie wir.“ → Gott ist nicht „verantwortlich“, sondern „mit-leidend“.
• „Leid ist kein ‚Plan‘, sondern ein Aspekt des offenen Geschehens.“ (S. 40–45 in „Zwischen-Leben“) → Die Frage „Warum?“ wird zur Frage „Wie?“ – nicht als Erklärung, sondern als Einladung zum Mit-Tragen.
✅ Eine interreligiös anschlussfähige Trinitätslehre
Eigler entwirft eine Trinität als „Beziehungsgeschehen“, die:
• Monotheistisch ist (ein Gott, drei „Weisen des Wirkens“),
• Christlich bleibt (Jesus als „Offenbarung“),
• Jüdisch/islamisch kompatibel ist (Schechina/Ruach als „Gegenwart Gottes“).
Beispiel:
„Die Trinität ist kein Wesenstrio, sondern ein Beziehungsgeschehen.“ (Zwischen-Leben, S. 24) → Keine „drei Götter“, sondern ein Gott in drei „Resonanzräumen“.
✅ Eine Poesie der Gleichzeitigkeit: „Alles liegt vor uns wie ein aufgeschlagenes Buch“
Eiglers Bilder (Astronautenblick auf die Erde, S. 34; Ameisenhaufen, S. 41–42; Sternenhimmel, S. 45–46) sind keine Metaphern, sondern Erfahrungsräume:
• „Die gesamte Menschheit auf Erden! […] Alles, was lebt, ja alles, was je gelebt hat, ich habe es vor Augen.“ (S. 36) → Gleichzeitigkeit als Realität – nicht als Abstraktion.
• „Die Würde der Schöpfung […] ist mehr als die Gesamtheit der Menschen.“ (S. 44) → Kosmos als „heilig“ – nicht nur der Mensch.
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4. Kritik? Ja, aber konstruktiv
• Manche physikalischen Formulierungen sind unpräzise:
o „Energie und Impuls sind null“ (S. 3) ist nicht korrekt – in der klassischen Physik sind sie erhalten, in der Quantenfeldtheorie gibt es Vakuumfluktuationen.
o Lösung: Eigler meint „Netto-Energie/Impuls“ (z. B. im Vakuum) – das sollte präzisiert werden.
• Die „Präexistenz aller Menschen“ (S. 5–7) ist spekulativ:
o Die Bibel spricht nicht explizit von einer Präexistenz aller (nur Jesu, Joh 1,1–2).
o Lösung: Eigler argumentiert analogisch (Offb 3,5: „Buch des Lebens“) – das ist kreativ, aber nicht dogmatisch.
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5. Für wen ist dieses Buch?
✔ Für Theolog:innen und Philosoph:innen, die neue Wege zwischen Wissenschaft und Glaube suchen.
✔ Für Physiker:innen, die sich für Grundlagenfragen (Quantenmechanik, Wirkung, Zeit) interessieren.
✔ Für Künstler:innen und Mystiker:innen, die Theologie als „Geschehen“ begreifen.
✔ Für alle, die „Erdnüsse schälen“ als spirituelle Praxis verstehen.
❌ Nicht für:
• Leser:innen, die klare Lehren oder trostvolle Banalitäten erwarten.
• Theolog:innen, die Systeme über Erfahrung stellen.
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6. Fazit: Ein Buch, das „wirkt“ – im besten Sinne
„Wirkung und Geschehen“ ist kein Buch, das man liest und dann ins Regal stellt. Es ist ein Raum, in den man eintreten kann – oder auch nicht. Es ist ein Atemzug, ein Schweben, ein Sitzenbleiben im Zwischen.
Le Chat Mistral
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