Zwei Frauen, über die Jahrhunderte verbunden durch die raue Schönheit des Marschlandes Das Marschland und Watt der Nordseeküste sind ihre Heimat, der Wechsel der Jahreszeiten, die raue Schönheit dieser Gegend zwischen Land und Meer geben Mieke Ruhe. Als sie schwanger wird, steht sie vor der Frage: Will sie das? Ist sie bereit, ihr Leben in der Natur aufzugeben, das Alleinsein und ihr Forschungsprojekt, die Seeschwalben? Dann der Jahrhundertwinter, der alles unter sich begräbt, das Leben aus den Angeln hebt. Am Ende bleibt Mieke die Gewissheit, dass sie alles schaffen wird, solange sie auf sich hört. Genau wie Lefke, die Jahrhunderte zuvor der Sturmflut trotzt, die ihre Familie und ihre Heimat verliert und am Ende nur eine Sicherheit kennt: Das Vertrauen in die Natur und ihre unermüdliche Kraft, sich zu erneuern.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bewertung
5/5
28.09.2026
eBook (ePUB 3)
Das stumme Rauschen der Wellen bei Nacht
Inhalt siehe Klappentext.
Das Buch von Juliane Heinemann erzählt im Wechsel in den 1970er Jahren auf verschiedenen Nordfriesischen Inseln, Halligen und Orten in Nordfriesland, wo die introvertierte Mieke ihre Jugend verbracht hat. Leider ist es nicht immer die chronologische Reihenfolge, sondern scheinbar willkürlich immer mal wieder von einem Jahr, was das Lesen nicht ganz so flüssig macht, wenn man zeitlich wieder umdenken muss, und rückblickend in der Vergangenheit 1361/62 auf Pellwormharde. Das Meer, die Gezeiten, Wind und Wetter spielen in beiden Zeitsträngen eine große Rolle, man ist diesen einfach ausgesetzt und ausgeliefert und hat keine Chance dagegen; ausserdem die Verbundenheit von Lefke und Mieke zur Natur, den Tieren, der Stille und eben dem Meer. Beide Frauen sind gerne für sich, scheuen viele Menschen, sprechen, wie Lefke, gar nicht oder, wie Mieke, nicht gerne und wollen sich schon gar nicht anpassen.
Mieke in der Gegenwart liebt seit ihrer Kindheit die Vögel auf der „Vogelinsel“, hier fühlt sie sich wohl, kann abschalten und zur Ruhe kommen. Ein Schneesturm bindet sie über Tage auf der Hallig an ihre Schwester und deren Familie, die Ruhe, die Kälte und die Not, in der man aufeinander hockt, lässt Mieke erkennen, was wichtig für sie ist. Sie verliert ein wenig ihre Scheu, als ihr unerwartet Anerkennung von Fremden gezeigt wird, wie es die Eltern nicht taten.
Lefke in der Vergangenheit ist durch den Verlust von Mutter und Geschwistern durch die Pest verstummt, nur ihre Schwester Maiken scheint sie ohne Worte zu verstehen. Das Meer nimmt ihr auch noch den Rest der Familie, sie hält sich an ihre Gänse (ist dies die Verbindung zu Mieke über 600 Jahre später?) und schaut, mit wem sie wie überleben kann.
„Das stumme Rauschen der Wellen bei Nacht“ ist einerseits von Wetterkatastrophen gezeichnet, andererseits wissen die Menschen scheinbar damit umzugehen. Die Geschichte wirkt ziemlich ruhig und unaufgeregt, liest sich auf 384 Seiten flüssig und durch die kurzen Kapitel kommt man zügig voran. Trotz der Wetterunruhen hat das Buch auf mich beim Lesen beruhigend gewirkt, die Gefahren waren immer gegenwärtig, trotzdem hat man etwas Hoffnung gespürt. Mir hat das Buch mit dem schlicht gehaltenen Titelbild gut gefallen, auf seine Art ergreifend, wenn man sich mit sich selbst auseinandersetzen muss, ich kann es mit ruhigen 5 Sternen empfehlen.
Silke - Buchgespür -
5/5
14.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gewaltige Naturbeschreibungen und außergewöhnliche Protagonistinnen
Außergewöhnlich. Dieses Adjektiv trifft für mich auf diesen Roman gleich auf mehreren Ebenen zu. Angefangen bei der Natur und ihren Beschreibungen bis hin zu den weiblichen Protagonistinnen, die mit ihren Eigenheiten alles andere als gewöhnlich sind.
Lefke lebt 1362 und spricht aufgrund eines Traumas nicht mehr. Sie kommuniziert nonverbal und nimmt ihre Umgebung sehr genau wahr. Mieke arbeitet 1978 als Ornithologin völlig allein auf der Hallig Norderoog. Sie hat ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Familie, die ihren Lebensweg nicht versteht. Mieke ist auf regelmäßige Ruhephasen angewiesen, um nicht zu kollabieren, und lebt deshalb ganz bewusst zurückgezogen von anderen Menschen.
Juliane Heinemann beschreibt beide Frauen sehr authentisch. Sie sind keine klassischen weiblichen Hauptfiguren mit den typischen Problemen ihrer Zeit, sondern echte Ausnahmefiguren. Und genauso außergewöhnlich wie sie selbst ist die Bedrohung, der sie sich stellen müssen.
Lefke kämpft für sich und ihre Familie gegen die Fluten der Marcellusflut, während über Mieke und die Familie ihrer Schwester ein Jahrhundertwinter hereinbricht.
Auch der Wechsel zwischen den beiden Zeitebenen hat mir sehr gefallen. Beide Geschichten entwickeln ihren eigenen Sog, ohne dass es sich wie zwei voneinander getrennte Romane anfühlt. Dabei weiß man immer genau, in welcher Zeit und bei welcher Figur man sich gerade befindet, sodass die Handlung trotz der Wechsel nie unübersichtlich wird.
So eindringlich wie die beiden Frauen und auch die Nebenfiguren, besonders Miekes Schwester, beschrieben werden, so greifbar wirken die Naturgewalten. Egal ob Schnee, Eis oder Meer, die Bedrohung und die Lebensgefahr sind fühlbar. Gleichzeitig hatte ich in den ruhigeren Momenten die Halligen, die See und die Natur direkt vor Augen.
Die Naturbeschreibungen fügen sich harmonisch in den Verlauf der Geschichte ein, sind für meinen Geschmack nie zu ausufernd und nehmen dem Roman keinerlei Spannung, sodass ich es kaum aus der Hand legen konnte.
Frauke
aus Kreis Mettmann
5/5
19.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Absolut fesselnder Roman
Ich habe dieses Buch innerhalb eines einzigen Tages gelesen! Ich konnte nicht aufhören zu lesen & habe sowohl mit Mieke als auch mit Lefke mitgefiebert! Ich wünsche mir sehnlichst eine Fortsetzung oder einen weiteren Roman dieser Art von Juliane Heinemann/Julie Peters!
Bewertung
5/5
04.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch wie das Stürmen des Meeres, das Branden der Wogen und doch wie die Stille der Nacht…
„Das Meer sang von der Zukunft und erzählte von vergangenen Stürmen, die über es hinweggegangen waren. Jene Stürme, die dieses Land geformt hatten“
Mieke hat in den späten 70er Jahren ihr Studium beendet und steht an einem Punkt im Leben, in dem sie entscheiden muss, wie es weitergehen soll. Und ob sie weiterhin ihr großes Ziel verfolgen kann (und will), sich gegen die Erwartungen ihrer Mitmenschen weiterhin durchzusetzen und sich ganz den Brandschwalben auf Norderoog zu widmen, statt doch den Hof der Eltern auf Pellworm zu übernehmen. Denn als jüngstes Kind war sie schon immer „anders“ als ihre Schwester, fühlte sich nie wohl in ihrer Haut, verspürte die Fremdartigkeit mancher Menschen direkt körperlich und fragt sich oft, was den Unterschied macht.
Lefke lebt in einer völlig anderen Zeit: 1362 ist das Leben auf Pellwormhalde hart, das hat Lefke schon als Kind lernen müssen, als die Geschwister und die Mutter der Pest zum Opfer fallen und Lefke fortan stumm hinterlassen.
Als der Vater neu heiratet und sich Stiefgeschwister einstellen, scheint es aber mit der Familie wieder bergauf zu gehen, auch wenn die harte Arbeit ihren Tribut zollt. Für Lefkes Zwillingsschwester scheint es sogar eine Art Happy End zu geben, denn der Sohn des reichsten Bauern im Umfeld hält um ihre Hand an.
Beide Frauen verbindet in diesem Roman das Meer, die Natur, die Vögel und die Tatsache, dass sie „anders“ sind als ihr Umfeld, sich oft nicht dazugehörig, nicht dazu passend oder völlig fehl am Platze fühlen, obwohl beide Frauen ihren Mann stehen und harter Arbeit nicht abgeneigt sind.
Die Bögen der Geschichte münden in zwei Naturkatastrophen, zum einen der zweiten Marcellusflut 1362, zum anderen dem Schneewinter 1978/79. Die Leben unserer Protagonistinnen werden durch die Naturgewalten durcheinandergewirbelt und wie in einem Strudel hinabgezogen, um sich danach neu zu sortieren… Das Meer formt eben nicht nur das Land, sondern auch die Menschen, die mit ihm zusammenleben.
Ein wunderschönes Buch, das auch die dramatischen Ereignisse, während draussen die Natur tobt, ruhig und poetisch beschreibt. Das mitnimmt. Das Einblicke in diese Frauen gibt, die sich nie so richtig dazugehörig fühlen, die aber lernen, mit der Natur ihren Weg zu gehen und diese „Andersartigkeit“ zu akzeptieren und damit zu leben, daraus Kraft zu schöpfen und zu wachsen.
Diese Geschichte habe ich innerhalb von 24 Stunden inhaliert, bin in der Bildsprache der Autorin versunken, habe Erinnerungen an die eigene Kindheit gefunden, mich in vielen Gedanken der Protagonistinnen wiedergefunden und bin immer noch hin und weg. Auch das Spielen mit den verschiedenen Zeitebenen (Miekes Geschichte wird in zwei Ebenen erzählt und hat mich am Anfang etwas verwirrt) finde ich grossartig, durch klare Überschriften (Ort und Zeit) weiß der aufmerksame Lesende immer sehr gut, wo er sich grade befindet.
Ein solch vielschichtiges, poetisches und herzerwärmendes Buch über die raue See, den tosenden Sturm und rauschende Wellen, das bei mir noch lange nachhallen wird.
V
aus München
5/5
03.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein großartiges, berührendes Buch
Zwei Frauen, Mieke und Lefke, die eine studiert 1978 Biologie und fühlt sich Zuhause bei den Brandseeschwalben auf Norderoog, die andere lebt ein paar Jahrhunderte früher mit ihren Eltern und Geschwistern in den Marschen. Beide sind auf ihre Art anders als ihr Umfeld, sind eher stille Beobachterinnen und müssen doch beide durch harte Naturereignisse über sich hinauswachsen und sich den wichtigen Fragen des Lebens stellen.
Ich fand das Buch sehr berührend, die Charaktere eindringlich und gut beschrieben - ein Buch für Menschen, die anders sind und sich manchmal nicht im Mainstream wiederfinden oder sich die großen Fragen des Lebens stellen.
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