Markus Voss ist Kreditorenbuchhalter, Zyniker und Suchender zugleich. In einem Großraumbüro zwischen Achtsamkeitsseminaren, Diversity-Meetings und digitaler Dauerbeschäftigung verliert er zunehmend den Kontakt zu sich selbst. Während seine innere Stimme ihn unerbittlich kommentiert und eine heimliche Beziehung zu seiner Chefin Rita ihm kurze Momente von Intensität schenkt, wächst in ihm die leise Ahnung, dass ein anderes Leben möglich sein könnte.
„Auf der Suche um mich zu verlieren“ ist ein literarischer Gegenwartsroman über die Müdigkeit einer Generation, die zwischen Selbstoptimierung und Sinnsuche feststeckt. Mit scharfem Humor, melancholischer Direktheit und einem ungeschönten Blick auf moderne Arbeitswelten erzählt Mark Jischinski von Entfremdung, Begehren und der Frage, ob es jemals zu spät ist, sich neu zu erfinden.
Der Roman verbindet satirische Beobachtung mit existenzieller Selbstbefragung und zeichnet das Porträt eines Mannes, der sich im Lärm der Gegenwart verliert – und vielleicht genau darin einen neuen Anfang findet.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Klaus
5/5
16.03.2026
Buch (Paperback)
Wellbeing am Arbeitsplatz
Markus Voss, seines Zeichens Kreditorenbuchhalter, arbeitet in einer großen Firma, in der unglaublich viel für die Work-Life- Balance der Mitarbeiter getan wird. Das geht vom lecker vegetarischen Essen (natürlich biodynamisch, klimaneutral und nachhaltig) in der hauseigenen Kantine, über eine spezielle Silent Zone, bis hin zum perfekt durch einen Barrista zubereiteten Bürokaffee. Herrlich, ein Traum, oder vielleicht doch nicht? Markus fühlt sich ausgebrannt, verbringt so viel Zeit wie möglich auf der Toilette, immer dabei ein mit Jameson gefüllter Flachmann und die Stimme in seinem Kopf. Eigentlich wäre Markus ja viel lieber Schriftsteller, aber die wenigen Sätze, die er Zuhause mühsam in seinen Laptop tippt, sind schneller wieder gelöscht, als geschrieben.
Wieder legt Autor Mark Jischinski eine herrlich satirische Alltagsbetrachtung vor und nimmt diesesmal die moderne Arbeitswelt und ihre, teils absurden Auswüchse aufs Korn. Wellbeing, Work-Life-Balance, Compliance-Schulung, Wertschätzung im Arbeitsalltag, Rechnungsworkflow-Transparenz, Stressreduktionsatmung, der Autor bombadiert den Leser mit Begriffen, für deren Bedeutung ich teilweise erstmal Google bemühen musste. Dazwischen Markus, der einfach nur den Tag überstehen und dabei möglichst wenig Kontakt mit seinen Kollegen haben möchte. Mit einer gehörigen Portion Sarkasmus treibt der Autor das ganze auf die Spitze und manchmal fast darüber hinaus. Muss man mögen und ich mochte es, nach anfänglicher Skepsis total.
Eine zeitlang wusste ich nicht genau, was Markus, respektive der Autor mir sagen will, wohin diese Geschichte sich entwickelt. Markus war für mich eher unscheinbar, ein bisschen ein Looser mit Alkoholproblem, so wie man ihn auf dem Cover auch präsentiert bekommt, aber Vorsicht mit vorschnellen Urteilen, denn Markus ist ein ziemlich stilles Wasser und diese sind bekanntlich tief und schmutzig. Ihr werdet beim Lesen schon merken, was ich damit meine. Eigentlich war Markus mir sogar eher unsympatisch, ganz im Gegensatz zu seinem Kumpel Udo. Udo, überzeugter Arbeitsverweigerer, der sich gern mal selbst einlädt und bei einem Sechserpack Bier seitenweise hochphilosophische Weisheiten von sich gibt und Markus den ein, oder anderen Ratschlag erteilt. Bei Udo hatte ich so eine Art Harry Rowohlt im Kopf, wilder Bart, Stimme wie ein Kettenraucher, immer irgendwie ein bisschen neben der Spur, ein Revoluzzer der alten Schule, im Herzen aber ein Romantiker. Udo ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Geschichte und die Beziehung, die Markus und er zueinander haben hatte für mich ganz arge "Känguru-Chroniken" Vibes. Im Verlauf der Story mochte ich Markus dann aber immer mehr, denn neben den ganzen überzeichneten Dingen in seinem Job, lernt man auch den privaten Markus kennen und dieser ist sensibel, melancholisch und, wie so viele von uns, auf der Suche nach sich selbst und nach der Liebe. In diesen leisen, poetischen Passagen habe ich mich richtig wohlgefühlt mit dem Buch, den hier habe ich mich stark an frühere Werke des Autors erinnert gefühlt.
Mark Jischinski erzählt hier wieder auf seine unvergleichlich schwarzhumorige Weise. Natürlich sind viele seiner Darstellungen überspitz, spielen mit Klischees und Übertreibungen, manchmal ist es sogar ganz kurz davor zu kippen, aber irgendwie schafft er dann doch wieder die Balance. Natürlich muss man als Leser eine gewisse Offenheit mitbringen, ich bin überzeugt, dass das Buch nicht jedem gefallen wird. Ich konnte stellenweise herzlich lachen, nicht zuletzt über die Konsequenz mit der die Chefetage in Markus Firma ihr Konzept durchgezogen hat. Ich würde da ja wahnsinnig werden, aber die Kaffeemaschine, die hatte schon was.
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