»German Glück« ist ein hochaktueller, scharfsinniger Gesellschaftsroman, der das deutsche »The White Lotus« sein könnte: Sieben Schicksale prallen in einem Luxusresort in der deutschen Provinz aufeinander.
Ein brennender Tesla in der mecklenburgischen Provinz markiert den Nullpunkt: Roger Ross, frisch gefeuert und ohne Gepäck, flieht in das Luxusresort »Eden« und erfindet sich radikal neu. Doch das Hotel ist keine Zuflucht, sondern eine prunkvolle Endstation für die Illusionen unserer Zeit. Denn im »Eden«, dieser bröckelnden Festung des bundesdeutschen Wohlstands, klammern sich anscheinend alle Gäste an ein Leben, das längst Geschichte ist: eine vom Shitstorm verbrannte TV-Komikerin, ein Tabakmanager, der seine Frau an den Klimaaktivismus verloren hat, ein von der mütterlichen Rente lebendes Zwillingspaar und eine Direktionsassistentin, die das Resort mithilfe ihres mörderischen Plans retten will. Diese Schicksalsgemeinschaft tanzt am Abgrund.
Bitterböse und rasend komisch zugleich: eine literarische Abrechnung mit dem schönen Schein, in der die deutsche Seele Wellness bucht und den Wahnsinn bekommt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Jürg K.
5/5
12.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Packender Gesellschaftsroman
In diesem sehr spannenden Buch treffen sieben Schicksale prallen in einem Luxusresort in der deutschen Provinz aufeinander. Die Idee, ein Luxusresort als Mikrokosmos der bundesdeutschen Befindlichkeit zu nutzen, ist klug und aktuell. Ein Tesla der brennt als Startpunkt setzt den Ton hier prallen persönliche Krisen auf kollektive Illusionen, und das Resort wird zur Bühne für Eitelkeiten, Verdrängung und moralische Verwerfungen. Die Figurenkonstellation verspricht viel vom arbeitslosen Roger über die verbrannte TV-Komikerin bis zur Direktionsassistentin mit mörderischem Plan jede Figur kann eine Facette unserer Gegenwart spiegeln. Besonders spannend ist, wie der Roman Balance hält zwischen bitterböser Satire und psychologischem Tiefgang. Wenn die Charaktere nur als Karikaturen des Zeitgeists fungieren, droht die Wirkung zu verpuffen. Gewinnt jede Figur dagegen an innerer Komplexität, entsteht ein scharfes, zugleich mitfühlendes Panorama. Am stärksten wirkt der Roman, weil er die Illusionen nicht nur entlarvt, sondern die Menschen dahinter in ihrer Verletzlichkeit zeigt. Dann wird aus der literarischen Abrechnung eine präzise, schmerzhafte Bestandsaufnahme unserer Zeit. Diese Schicksalsgemeinschaft tanzt am Abgrund.
Bewertung
5/5
29.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bitterböse, pointiert, unterhaltsam
Ein vom Abstieg bedrohtes Luxusressort namens „Eden“ in Mecklenburg-Vorpommern inklusive allerhand skurriler Gäste und nicht weniger auffälligen Hotel Mitarbeitenden dienen Simon Urban als Kulisse für seinen großartigen Roman. Dieser ist ein großartiger, bitterböser Rundumschlag und eine pointierte Abrechnung mit der deutschen Gesellschaft.
„German Glück“ greift aktuelle gesellschaftliche Debatten auf und macht daraus herrlich amüsante und absurde Unterhaltung: Kulturkampf und Shitstorms, Sparpolitik und Late-Stage Capitalism – hier wird einmal alles durchgespielt.
Dazu kommen tolle, herrlich überzeichnete Charaktere und die ein oder andere überraschende Wendung.
Fazit: Beste Unterhaltung, pointiert, bitterböse und wirklich lustig. Ganz große Leseempfehlung!
Lesens_werte
4/5
31.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gesellschaftsporträt im Sternehotel
Was haben eine Ex-Stasi-Mitarbeiterin, eine stilsichere Britin, eine gefallene Komikerin, ein prädementer Privatier und ein ukrainischer Flüchtling gemeinsam? Das ist nicht der Beginn eines schlechten Witzes sondern der Großteil der Protagonisten aus Simon Urbans "German Glück". Im Hotel EDEN Sealand am Fleesensee treffen sie alle zusammen, oder leben besser gesagt dort nebeneinander her, jeder in seiner Position und jeder mit seinem eigenen mehr oder minder schweren Geheimnis.
Urban gelingt es vor dieser exquisiten Kulisse eines Sternehotels einen Gesellschaftsquerschnitt durch mehrere Generationen, Herkünfte und soziale Klassen zu skizzieren. Das Ergebnis dessen ist nicht selten zynisch und schonungslos ehrlich. Der Auftakt des Buches war rasant mit einem knackigen Einstieg und viel Raum für Spekulationen. Die hohe Spannung ließ dann aber doch recht schnell nach, konnte aber überraschenderweise etwa ab der Mitte wieder aufgegriffen werden und mit einer kurzweiligen zweiten Hälfte punkten. Das Hotel EDEN Sealand ist also durchaus eine Lesereise wert.
Literaturhexle
aus Baden-Württemberg
4/5
29.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Willkommen im Luxusresort am Fleesensee
Mit hehren Zielen ist das 5-Sterne-Luxushotel Eden einst gestartet: Es wollte Komfort für höchste Ansprüche bieten mit Wellness, kulinarischen Highlights und traumhaftem Ambiente für Menschen, die Erholung suchen und das nötige Kleingeld besitzen. Doch leider setzt sich das Konzept am Markt nicht mehr durch. Direktorin Caroline Bedford hat schon deutlich Personal reduzieren müssen, was sie geschickt tarnt, indem einzelne Angestellte je nach Bedarf mehrere Jobs übernehmen. Den noch vorhandenen Gästen soll es an nichts fehlen. Caroline hat mit Regina Seidel eine engagierte Assistentin an ihrer Seite, die jedoch nicht immer mit offenen Karten spielt. Bennett Reynolds von der Obergesellschaft Milton Forbes fliegt eigens aus Amerika ein, um zu prüfen, was noch zu optimieren respektive zu retten ist im Eden Mecklenburg-Vorpommerns.
Zum Glück sind die Gäste ebenso gestrauchelt wie das unter finanziellen Schwierigkeiten leidende Hotel. Alle sind sie vor ihren eigenen Problemen geflüchtet. Manager Roger Ross hat unerwartet seinen hochdotierten Arbeitsplatz verloren. Auf dem Weg zum Hotel brennt ihm auch noch spektakulär der wertvolle Dienstwagen ab. Sandra Beckmann, bekannt aus Funk und Fernsehen als Comedienne „Frau Mensch“, hat den politisch korrekten Ton verfehlt und sieht sich einem riesigen viralen Shitstorm ausgesetzt. Dazu kommt, dass sie keinen Kontakt zu ihrer Tochter mehr haben darf. Multimillionär Martin von Winterfeld hat sein Geld unter anderem in der Tabakindustrie verdient. Seine junge Frau Ulrike bewegt sich getrennt von ihm auf spiritueller Sinnsuche, er selbst leidet unter den Anfängen einer demenziellen Erkrankung, schwelgt in der Vergangenheit und eckt immer wieder mit der Gegenwart an. Sein Vermögen kann ihm in dieser mentalen Desorientierung nicht helfen. Tragödie überlappt sich mit Komödie.
Das Figurenpersonal ist äußerst vielfältig. Im Hotel treffen verschiedenste Charaktere aufeinander. Sie bilden eine Art Schicksalsgemeinschaft, ohne es zunächst zu wissen. Zunehmend treten jedoch ihre wahren Befindlichkeiten unter der streng gehüteten glänzenden Fassade hervor: ihre Verletzungen, Misserfolge, Demütigungen und Verfehlungen. Dabei wechselt sich Ernsthaftigkeit immer mit einer gehörigen Portion schwarzen Humors ab. Der Roman ist als Gesellschaftssatire angelegt. Dass die meisten Figuren in ihrer eigenen Art überzeichnet sind, ist gewollt. Sie bilden Stereotype der jeweiligen Schicht und Stellung ab, die sie repräsentieren. Dadurch entwickelt der Roman Schwung und Dynamik und sorgt für Vergnügen.
Neben all den persönlichen Belangen spielen topaktuelle gesellschaftliche Themen hinein, die der Autor mit Wonne aufeinanderprallen lässt: Umwelt- und Klimaschutz, Diskriminierung, Misogynie, Ukrainekrieg, Empörungskultur, Macht sozialer Medien, Armutsschere, Ost/West-Spannungen und vieles mehr. Darüber hinaus entwickeln sich Beziehungen und Ränkespiele, die man schwer vorhersehen kann. Der Autor versteht es, die unterschiedlichen Geschichten gekonnt miteinander zu verbinden.
„German Glück“ ist eine Abrechnung mit dem schönen Schein und deutschen Befindlichkeiten, die beweisen, dass Geld, Ansehen und Erfolg brüchig sind und keine Garanten für ein erfülltes, glückliches Leben bieten. Das Buch liest sich kurzweilig und unterhaltsam. Manchmal hat mich der männlich patriarchale Blick auf die Frauen provoziert, manche Szene war mir etwas zu polarisierend oder auch zu ausschweifend angelegt.
Alles in allem wünsche ich „German Glück“ viele Leser, die Freude an Realsatire, schwarzem Humor und abgründigen Charakteren haben. Der Roman ist definitiv mal „etwas anderes“, man kann ihn sich als Verfilmung hervorragend vorstellen.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
4/5
20.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bitterböse Satire auf die deutsche Befindlichkeit
Ein Luxusresort, eingebettet in die mecklenburgische Provinz, verspricht seinen Gästen Erholung, Genuss und eine Auszeit von den Zumutungen des Alltags. Doch hinter der gepflegten Fassade des Hotels Eden bröckelt es gewaltig. Der wirtschaftliche Niedergang des Hauses ist dabei nur der äußere Anlass für eine weitaus umfassendere Bestandsaufnahme. Simon Urban versammelt in seinem Roman „German Glück“ eine Gesellschaft, die sich in ihren eigenen Widersprüchen verheddert.
Das Personal und die Gäste bilden ein ebenso buntes wie groteskes Panorama der deutschen Gegenwart. Eine Hotelmanagerin kämpft um den Fortbestand ihres Hauses, eine in Ungnade gefallene Fernsehkomikerin versucht, die Folgen eines öffentlichen Shitstorms zu bewältigen und ein ehemaliger Manager muss erfahren, dass mit dem Verlust seiner beruflichen Stellung auch sein Selbstbild ins Wanken gerät. Daneben begegnen wir wohlhabenden Zwillingen ohne rechten Lebensentwurf, einem alternden Tabakmanager, dessen private Welt aus den Fugen gerät, und einem ukrainischen Hotelmitarbeiter, dessen Blick auf die deutsche Befindlichkeit bisweilen entlarvender ausfällt als die Selbstdiagnosen der Einheimischen. Selbst die DDR-Vergangenheit in Form von Stasi-Seilschaften der Region und ihre bis in die Gegenwart reichenden Verflechtungen finden ihren Platz in diesem Figurenensemble.
Simon Urban versteht es, die unterschiedlichen Lebensgeschichten kunstvoll miteinander zu verschränken. Das Hotel wird zum gesellschaftlichen Versuchslabor, in dem Generationenkonflikte, Statusängste, politische Grabenkämpfe und private Krisen auf engstem Raum zusammentreffen. Was zunächst wie eine Ansammlung individueller Missgeschicke erscheint, verdichtet sich allmählich zum Bild einer Gesellschaft, deren Mitglieder zwar nach Glück streben, dabei jedoch häufig an ihren eigenen Ansprüchen, Eitelkeiten und Selbsttäuschungen scheitern.
Besonders reizvoll ist der Kontrast zwischen dem luxuriösen Ambiente und den Abgründen, die sich hinter seiner makellosen Oberfläche verbergen. Zwischen Wellnessanwendungen, kulinarischen Verheißungen und gepflegter Gastlichkeit entfaltet sich ein Reigen menschlicher Unzulänglichkeiten. Simon Urban betrachtet seine Figuren mit bissiger, satirischer Schärfe und einer ausgeprägten Lust an der Überzeichnung. Seine Sprache ist pointiert, bisweilen provokant und von einem Humor durchzogen, der nicht selten ins Abgründige kippt. Gesellschaftliche Debatten über Klimaschutz, Cancel Culture, wirtschaftlichen Abstieg und die vermeintlich verlorenen Freiheiten vergangener Zeiten werden ebenso aufgegriffen wie die Frage, worüber man heute noch lachen darf und wer darüber bestimmt.
Der Titel „German Glück“ lässt sich dabei als ironische Verdrehung der vielbeschworenen „German Angst“ lesen. Wo diese für die deutsche Neigung steht, Gefahren vorauszuahnen, Risiken zu scheuen und sich mit möglichen Verlusten zu beschäftigen, verspricht das Glück im Romantitel zunächst eine geradezu absurde Gegenwelt. Tatsächlich aber scheint beides eng miteinander verbunden. Die Sehnsucht nach Zufriedenheit wird von der Furcht vor dem Verlust des Erreichten begleitet. Das Glück erscheint weniger als erreichbarer Zustand denn als fragiles Konstrukt, das unter dem Druck gesellschaftlicher Erwartungen und persönlicher Ängste jederzeit zerbrechen kann.
Allerdings fordert Simon Urbans erzählerischer Ehrgeiz seinen Tribut. Die Vielzahl der Figuren, ihre individuellen Vorgeschichten und die zahlreichen gesellschaftlichen Themen erzeugen für mich mitunter eine erzählerische Überfülle. Nicht jede Episode gewinnt ihr potenzielles Gewicht, nicht jeder Konflikt entfaltet die Wirkung, die ich mir erhoffen würde. Wo die Handlung gelegentlich an Tempo verliert, langatmig wird, droht die Satire in einer Fülle von Einfällen und Beobachtungen zu zerfasern. Gerade angesichts der Vielzahl pointierter Charakterzeichnungen hätte eine stärkere Konzentration dem Roman stellenweise gutgetan. Ein Lesevergnügen in einem Rutsch blieb mir so verwehrt.
Dennoch besitzt „German Glück“ beträchtliche Qualitäten. Simon Urban gelingt eine bissige, oft amüsante und gelegentlich verstörende Gesellschaftssatire, die ihre Figuren nicht einfach nur der Lächerlichkeit preisgibt, sondern ihre Komik darüber hinaus aus deren Widersprüchen bezieht. Unter der Oberfläche des unterhaltsamen Hotelromans liegt eine ernsthafte Frage, wie viel Selbsttäuschung der Mensch braucht, um sich für glücklich zu halten.
„German Glück“ ist kein durchweg geschlossenes Gesellschaftspanorama, wohl aber eine sprachlich versierte und geistreich zugespitzte Bestandsaufnahme deutscher Befindlichkeiten. Wer Freude an schwarzem Humor, grotesken Figuren und satirischen Seitenhieben auf die Gegenwart hat, dürfte an diesem Roman Gefallen finden. Ein unterhaltsames Lesevergnügen mit genügend Widerhaken.
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