Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist St. Georg ein Ort, an dem Wunder Alltag sind: Man spricht mit Heiligen, geht über Wasser, pfeift Steine entzwei. Doch die neue Zeit rückt näher. Als der totgeglaubte Odysseus nach fünfzehn Jahren zurückkehrt, geraten Ordnung, Glaube und Erinnerung ins Wanken – die stumme Julia scheint sowohl an ihm als auch an seinem Bruder interessiert.
„Pfingsten. Erinnerungen an ein Ende der Welt“ ist ein Roman, der mit Motiven des magischen Realismus spielt. Hlaučo erzählt vielstimmig von einer Welt an der Schwelle zur Moderne, von Sprache, Verwandlung und dem Moment, in dem aus einem Ende ein Anfang wird. In St. Georg treffen das Mystische und das Mechanische aufeinander, die alten Wunder funktionieren noch – doch niemand weiß, wie lange. Mit Lust am Detail und feinem, bisweilen trockenem Humor verfolgt Miroslav Hlaučo, was geschieht, als Franz Rechnitz, ein junger K.u.K.-Notar, in den Ort kommt und St. Georg „ordnungsgemäß“ ins neue Jahrhundert führen will.
Pfingsten wurde 2025 mit dem wichtigsten tschechischen Literaturpreis Magnesia Litera gleich zweimal ausgezeichnet – als „Buch des Jahres“ und als „Debüt des Jahres“ – und erscheint im Vorfeld des Ehrengastauftritts Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse 2026.
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Ein Wunder kommt selten allein
Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 15.05.2026
Bewertungsnummer: 3139459
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch war für mich eine absolute Überraschung. Ich dachte schon, dass es mir gefallen würde, aber dass es mich so begeistert zurücklässt, hätte ich niemals erwartet!
Der Autor hat eine sensationelle Gabe einen äußerst bildhaften, poetischen, ja wunderschönen Schreibstil mit magischem Denken, viel Magie, Wundern und Fantasie zu verbinden. Die skurrilen Wendungen, der feine Humor und die wirklich großartige Geschichte, haben mich vollkommen überzeugt.
Zwischen all den Wundern und poetischen Zeilen steckt jedoch auch vieles, das mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt hat.
Für mich persönlich war das Buch in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Meine Mama ist einen Tag, nachdem ich das Buch beendet hatte, verstorben. Irgendwie schenkt mir das Buch Trost und genau das empfinde ich als unglaublich wertvoll.
Dadurch hat das Buch für mich im Nachhinein noch eine ganz besondere Bedeutung bekommen.
Mich hat die Geschichte schon zuvor fasziniert und begeistert, und meine fünf Sterne standen bereits fest. Das hier ist nur noch das i-Tüpfelchen.
Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die besondere, einzigartige Schreibstile und Geschichten voller Wunder lieben.
Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung und 5 Sterne
Voller Magie und Spiritualität
Bewertung am 10.04.2026
Bewertungsnummer: 3105295
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Der slowenische Philosoph und Literaturwissenschaftler Miroslav Hlauco hat mit seinem Debüt einen wahrhaft großartigen Einstieg geleistet – überbordend, voller Originalität und kurioser Einfälle, zum Schmunzeln, Staunen, Mitfiebern. Eine neue Welt wird erschaffen, spannende, unglaubliche Dinge geschehen in dem kleinen Dorf, das abgeschieden und unbeachtet zwischen den Bergen liegt und seinen eigenen, besonderen Weg geht.
Der magische Realismus ist omnipräsent, die sprechenden Statuen, die Dorfbewohner, die über das Wasser laufen können, die heilende Hände Agates, wilde Tiere, die plötzlich zahm sind und ein Engel, der im Dorf spazieren geht und sein Schäfchen bewacht. Eine christlich geprägte Welt, die allerdings einen sehr lebendigen, volksnahen Katholizismus aufweist. Method, der Pfarrer des Ortes, ist sympathisch und leicht kauzig, ein Mann des Herzens und Verstandes, der auch pragmatisch auf die Anforderungen seines Berufes/seiner Berufung blickt und seinen Ort in das neue Jahrhundert und in die neue Welt führen möchte.
Aber natürlich kann die Idylle nicht einfach so bestehen, die Probleme kommen von außen und wie bei Gogol wird ein Revisor geschickt, der nach dem Rechten schauen soll. Und mit diesem Pedanten kommen auch die Probleme und Herausforderungen in das Dorf und die Bewohner müssen unter vereinten Kräften alles tun, damit es mit ihrer Magie und ihrem friedlichen Leben kein Ende hat.
Exzellent gelöst, sprachlich dicht, voller Liebe für die vielen Figuren wie Odysseus, Thomas, Hermes, Agnes und Andromeda, Aron und Aurel – Namen so bedeutend wie ihre Träger, aus der Bibel, aus Mythen und griechischen Sagen, schafft es Hlauco ein gutes Ende für die Protagonisten zu finden, auch wenn der Leser durch die Ereignisse und Umwälzungen des 20. Jahrhunderts weiß, dass das Happy End letztendlich doch nicht von Dauer sein wird.
Das Ende gleicht einer Werbung für die Zukunft, drei liebende Paare auf einer Reise in die Sommerfrische im neuen Mercedes Benz, und wie im Film bleibt der Leser lächelnd, voller Genugtuung und Erleichterung zurück, auch wenn sich am Horizont, noch kaum erkennbar, die ersten Gewitterwölkchen sammeln.
Eine eindeutige Leseempfehlung!
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